1000 Moments: Nürnberg

Sonntag, 8. Januar 2017 / Lesedauer: ca. 9 Minuten

1000 Moments: Nürnberg

Sonntag, 8. Januar 2017 / Lesedauer: ca. 9 Minuten

Nürnberg – was fällt einem zu dieser Stadt im ersten Moment ein? Nürnberger Bratwürstchen, der Christkindlmarkt und die Lebkuchen vielleicht. Doch die Stadt, so klein sie im Vergleich zu Wien oder München auch sein mag, hat noch einiges mehr zu bieten. Kommt mit auf eine kleine Erkundungstour durch die sehenswerte Stadt.

von Nastja Jarkova und Luisa Lutter

UPDATE: Juni 2019

Schon Martin Luther lobpreiste Nürnberg als eine besondere Stadt indem er sagte: „Nürnberg leuchtet unter den Städten wie die Sonne unter den Gestirnen“. Damit ist die Messlatte natürlich sehr hoch gelegt. Wir haben uns auf einen Streifzug mit unserer Autorin Nastja durch diese süße Stadt gemacht und hinter die alten Hausfassaden geschaut.

Eine gelungene Ankunft

Wer dieser feinen Stadt einen Besuch abstatten mag, kommt unteranderem ganz entspannt mit der Bahn ab 25 Euro hin. Eine Nachtfahrt ist empfehlenswert, wenn man dann frühmorgens ankommt, meldet sich bei den meistens wahrscheinlich gleich der erste Frühstückshunger. Der Körper verlangt Koffein und Nahrung. Kein Problem, soll er bekommen. Die gemütlichsten Cafés findet man in den Stadtvierteln Johannis und Gostenhof.

Unterkommen

Geht gut im Five Reason Hotel & Hostel in der schönene Altstadt. Frühstück kann – muss man aber nicht dazu buchen. Zur Auswahl stehen gemütliche Vierbettzimmer für rund 30 Euro die Nacht und pro Person sowie Achtbettzimmer für 25 Euro. Die Zimmer sind mit Pakett ausgelegt und es gibt Spinde, um die Wertsachen zu verschließen. In allen Räumen stehen Etagenbetten und es gibt extra dunkle Vorhänge für alle Langschläfer.

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Erstmal brunchen

Wer Lust auf einen ausgedehnten, aber nicht allzu spontanen Brunch hat, der ist im Café Fatal in der Jagdstraße richtig. Bitte denkt nur vorab daran zu reservieren, da die Plätze sehr begehrt sind. Hier lümmelt man in Flohmarkt-Atmosphäre gemütlich drinnen, oder bei schönem Wetter in dem zugewachsenen Biergarten draußen und kann sich vom reichhaltigen Buffet bedienen, das von warm bis kalt und herzhaft bis süß, keine Wünsche offen lässt.

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Wohlfühlen auf ganzer Länge

Wer es noch einen Tick alternativer mag, der wird sich im Balazzo Brozzi in der Hochstraße wie zu Hause fühlen. Hier gibt es ein ähnliches Angebot und auch einen Gastgarten, die Auswahl ist zwar etwas geringer, dafür sind es auch die Preise. Für Freunde des speziellen Geschmacks eignet sich am besten der Salon Regina in der Fürther Straße. Es passt bewusst kein Möbelstück zum anderen und die Dekoration ist derartig gewöhnungsbedürftig, dass man sie schon wieder als cool bezeichnen könnte. Allgemein ist der Bereich zwischen den U-Bahn Haltestellen Gostenhof und Bärenschanze zu empfehlen, wenn man shoppen oder essen gehen möchte. Schaut vor allem mal bei der Fachmarie rein, da gibt es handgemachten Schnickschnack und liebevoll Gestaltetes zum Verschenken.

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Der Sommer in Nürnberg

Nürnberg hat zwar nicht so viele Grünflächen wie Wien, aber auch hier findet man diverse Parkanlagen, in denen man das Leben genießen – und die Seele baumeln lassen kann. Die Wöhrder Wiese ist ein Ort der Begenung. Schüler, Studenten und jeder andere, der Lust hat abends bei ein paar Bierchen zusammensitzen, tummelt sich dort. Wer gegen Abend nach dem Shoppen in der Altstadt ein wenig Ruhe und traute Zweisamkeit haben möchte – und das Ganze ohne die Altstadt zu verlassen – dem empfiehlt Nastja die mittlerweile sanierte Liebesinsel. Diese ist eine Art Terrasse, welche in die Pegnitz hineinragt, auf der, wie der Name es schon andeutet, sich oftmals Pärchen versammeln, um den Blick auf die Altstadt zu genießen.

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We don’t need no Wifi – I already feel the connection

Schlechte Nachrichten übrigens für alle, die an freies WLAN an öffentlichen Plätzen gewöhnt sind: Sowas haben wir in Nürnberg leider (noch) nicht.

Wünsch dir was

Wer absolut tourimäßig unterwegs sein möchte, begibt sich zum Schönen Brunnen, der mit einer kitschigen, aber wirklich hübsch verzierten Einfassung versehen ist. Es sind zwei Ringe vor Ort, die es zu suchen gilt. Der gewiefte Tourist dreht übrigens eben nicht am goldenen, sondern am besser versteckten schwarzen Ring und wünscht sich was. Ob es in Erfüllung geht, verrät der maulfaule Franke sowieso nicht, also lasst es drauf ankommen.

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Nicht verpassen

Solltet ihr zum Ringlein-Drehen zufällig um 12 Uhr mittags am Hauptmarkt herumstehen, kann man sich auch noch das Männleinlaufen an der Frauenkirche ansehen. Ihr merkt das es losgeht, wenn neben euch die ganzen Touristen anfangen die Fotoapparate zu zücken. Es tanzen dann im Turm der Frauenkirche die sieben Kurfürsten um den Kaiser herum. Die Geschichte und die glorreiche Vergangenheit Nürnbergs als Ort der Kaiserkrönung drollig dargestellt.

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Kulinarische Verlockungen

Wenn Nastja abends der Hunger außer Haus treibt, besucht sie selten andere als ihre sorgsam erprobten Stammlokale. Das Tiflis in der Bismarckstraße ist eines ihrer Lieblingsrestaurants, hier gibt es das beste Schaschlik, das sie je in einem Lokal gegessen habe, erzählt sie schmunzelnd. Und nein, Schaschlik ist nicht das in Ketchup ersäufte zähe Zeug, das man von Imbissbuden kennt. Wir sollen es einfahc mal ausprobieren, mehr verrät sie an dieser Stelle nicht. Davon abgesehen ist das Menü eine Mischung aus verschiedensten osteuropäischen Gerichten und die Preise sind äußerst studentenfreundlich, erwähnt sie noch am Rande. Der einzige Nachteil ist allerdings, dass Veganer in diesem Restaurant hungrig bleiben werden, da fast alle Speisen entweder Fleisch oder Käse beinhalten.

Vegetarische Schmankerl

Das Stichwort! Natürlich sollen Vegetarier auch satt werden in Nürnberg. Deutlich angenehmer für Veganer und Vegetarier sind dann schon das Crazy Nate’s in der Unteren Zwingerstraße und der Vegöner in der Poppenreuther Straße. Das Crazy Nate’s wurde Nastja von einer Freundin, die aus den USA kommt, empfohlen. Hier gibt es, ihrer Meinung nach, das authentischste Tex-Mex Essen in Nürnberg und sicherlich auch die verrücktesten Kellner– im positiven Sinne. Das Menü ist recht übersichtlich und besteht primär aus Burritos und Tacos, dafür gibt es jedes Essen auch in einer vegetarischen und veganen Variante. Zudem ist der Laden ziemlich atmosphärisch, ein Großteil der Einrichtung und Deko besteht aus Skate-und Surfboards, selbst die Türgriffe sind aus Skateboard-Achsen gemacht. Ein weiterer, zumindest für Nastja nicht zu vernachlässigender Vorteil ist, dass man sich im Crazy Nate’s mit unter 10 Euro komplett satt essen kann.

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Ähnlich verhält es sich mit dem Vegöner. Wie der Name schon andeutet, gibt es dort hauptsächlich vegane Döner aber auch vegane Burger und andere Kleinigkeiten. Wenn ein besonderer Anlass ansteht und Nastja sich zur Feier des Tages etwas gönnen möchte, also ausnahmsweise bereit ist, etwas mehr Geld auszugeben, dann geht sie in das Weinstockwerk in der Glockendonstraße. Das Weinstockwerk serviert hauptsächlich Steaks sowie Burger und natürlich eine riesige Auswahl an verschiedenen und guten Weinen.

Außgehen am Abend

Nürnbergs Club- und Feierszene ist zwar überschaubar, aber keine Frage, man kann auch hier sehr gut weggehen. Wer gemütlich ein wenig Trinken möchte, dem rät Nastja die Weinerei oder das Klosterzu besuchen – beide Lokale befinden sich in der Altstadt. Die Weinerei ist per se keine Bar, sondern ein Kunst- und Kulturverein und läuft auf Spendenbasis. Im Erdgeschoss ist die Bar und oben befindet sich eine offene Galerie in der monatlich wechselnde Ausstellungen verschiedenster Künstler stattfinden. Das Prinzip der Weinerei ist recht simpel: Man mietet sich für zwei Euro ein Glas und bedient sich aus einer Auswahl von ca. zehn verschiedenen Weinen und am Ende hinterlässt man eine Spende. Die Weinerei ist in den letzten Jahren zu ihrem zweiten Wohnzimmer geworden, unter anderem, weil man dort auch meistens die Künstler aus der Region antrifft. Außerdem ist nicht zu vernachlässigen, dass auch bei ehrlichen Spenden der studentische Geldbeutel nicht allzu sehr strapaziert wird.

Das Kloster ist eine recht kleine und makabre Bar, denn über der Eingangstür hängt ein Sarg, die Beleuchtung ist generell recht düster und an den Wänden hängen kitschige Heiligenbilder. Klingt erstmal ziemlich eigenartig, aber das Kloster hat auf jeden Fall seinen eigenen Charme. Das Publikum ist alternativ und offen, man kommt hier sicher auch ins Gespräch, wenn man zum ersten Mal da ist.
Für den späteren Abend sollte man als Douglas-Adams-Fan unbedingt mal in die Bar 42 schauen, um bei einem pangalaktischen Donnergurgler auf der kleinen Tanzfläche ein wenig vor sich hin zu wippen. Nastja verrät auch an dieser Stelle nicht, was es damit auf sich hat. Zudem erwähnenswert ist, dass man hier keinen Eintritt zahlen muss.

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Auf den Geschmack kommen: Tanz und Musik

Ein weiterer, alteingesessener Club mit einem recht breiten Musikrepertoire, vor allem auch Indie, was ja mittlerweile schon fast eine Seltenheit ist, stellt der Club Stereo dar. Hier ist der Eintritt bis zwölf Uhr oftmals frei und danach auch preislich verkraftbar. Der bekannteste Club, in dem ein elektronisches Standardprogramm auch mit internationalen Stars geboten wird, ist die Rakete. Leider ist sie etwas abgelegener und vor allem auch dem Programm entsprechend, ziemlich teuer. Ein Besuch lohnt sich trotzdem, vor allem wenn man ein Freund der elektronischen Tanzmusik ist. Die beste Zeit ist hier so ab ein Uhr vorbei zu schauen. Ab vier sollte man die Toiletten nur noch benutzen, wenn man einen robusten Magen hat und ab fünf ist leider Schluss. Nach einem Stündchen vor der Tür darf man oft, wenn man noch Puste hat, ab sechs wieder weitertanzen. Macht’s Sinn? Nein, aber wir sind ja auch in Bayern.

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Da geht noch was

Immer noch nicht genug? Na dann: zwei weitere Discos, die sich auch um kulturelle Events bemühen, sind der Z-Bau und die Desi. Beide haben im Sommer auch Veranstaltungen im gemütlichen Außenbereich und bieten alles von Konzerten über Hiphop, Drum’n’Bass und Indie. Zusätzlich gibt es dort auch einen Flohmarkt im Z-Bau oder Openair-Kino im Desi.

Ohne knurrennden Magen durch die Nacht

Wenn ihr dann, vom vielen Feiern erschöpft, überraschend einen Mitternachtssnack möchtet, seien euch neben dem Standard Döner- und Fastfood-Programm rund um den Hauptbahnhof noch folgende zwei Läden ans Herz gelegt: Wurst Durst in der Luitpoldstraße ist eine Currywurstbude der etwas anderen Art. Die Soßen sind hausgemacht und können in variierenden Schärfegraden bestellt werden. Und für die Vegetarier: Die scharfe Remoulade mit den dicken Pommes ist eine absolute Kater-Präventivmaßnahme! Daneben gibt es noch die Wacht am Rhein in der Klaragasse, eine echte Nürnberger Institution, die es gefühlt irgendwie schon immer gibt. Hier könnt ihr bis in die Morgenstunden fränkische Spezialitäten bestellen. Ambiente und Kundschaft werden mit fortschreitender Stunde im Übrigen auch immer „interessanter“.

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Hunger auf Kultur

Abgesehen vom Feiern hat Nürnberg auch Kultur zu bieten: Die Blaue Nacht Anfang Mai ist ein Event, bei dem die Nürnberger Museen bis lang in die Nacht hinein offen haben und in der Altstadt ein Kunst- und Kulturprogramm stattfindet. Um die Museen zu besuchen, braucht man zwar ein Ticket, aber das gesamte restliche Programm ist kostenlos. Während der Blauen Nacht wird die ganze Altstadt mit verschiedensten blau leuchtenden Lichterarrangements dekoriert. Es ist also auf jeden Fall einen Besuch wert, auch wenn man sich kein Museumsticket holt. Sollte man die knapp 15 Euro dennoch investieren, darf man neben dem kostenlosen Besuchen in den Museen auch die ganze Nacht die Öffis nutzen. 

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Die Stadt in 48 Stunden, dank der Nürnberg Card

Sparfüchse aufgepasst: Durch dieses Angebot haben Touristen freie Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und außerdem kostenlosen Eintritt in alle Museen und Sehenswürdigkeiten. Man bezahlt einmalig 28 Euro und kann im Anschluss zwei aufeinanderfolgende Tage in Nürnberg und Fürth auf Entdeckungstour gehen.  Ansonsten gilt: Mit Bussen und Bahnen durch Nürnberg zu fahren, ist leider ein eher teurer Spaß. Deswegen empfiehlt es sich, wenn man zu zweit oder mit Kindern unterwegs ist, ein Tagesticket plus zu kaufen. Das ist relativ erschwinglich und gilt am Wochenende sogar für Samstag und Sonntag.

Kultur einmal anders

Der Bierkultur wird in Nürnberg selbstverständlich auch mit Hingabe gehuldigt. Besser als das viel bekanntere Volksfest, ist das Fränkische Bierfest, das jeden Frühsommer im Burggraben stattfindet. Manchmal hat man fast das Bedürfnis, sich die dortige Live-Musik etwas schön zutrinken, aber dazu hat man mit über 40 verschiedenen Brauereien, die dort ihre Stände haben, auch reichlich Gelegenheit.

Musik in den Ohren

Ein letztes Ereignis, das aufgrund seiner Einzigartigkeit Erwähnung finden sollte, ist das Bardentreffen. Es gibt in der ganzen Altstadt auf verschiedenen Bühnen kostenlose Konzerte und nahezu überall in der Stadt spielen Straßenmusiker live für ihr Publikum.

Unbedingt ausprobieren

Der sicherlich malerischste Ort, an dem man beim Bardentreffen mal vorbeischauen sollte, ist der Platz am Tiergärtnertor mit seinem verunstalteten Dürer-Hasen. Zwischen Fachwerkhäuschen und der Burg sitzt man am Boden herum und trinkt am liebsten das Nürnberger Altstadthof-Bier, das man dort recht günstig direkt von der kleinen Brauerei in 1 Liter Bügelflaschen kaufen kann. Es gibt übrigens auch einen kleinen Souvenir-Shop rund um das Bier und man kann Tickets für Stadtführungen aller Art, zum Beispiel in die Nürnberger Lochgefängnisse, kaufen. Da sich dort unterhalb der Burg auch das Haus des Malers Albrecht Dürer befindet, wird der Platz von den Nürnbergern einfach „Dürer“ genannt, obwohl der echte Dürer-Platz eigentlich ganz woanders ist. Die Franken mögen’s halt wenig speziell und wenn nicht, dann wenigstens kompliziert. Nastja empfiehlt: Schaut es euch einfach selbst mal an.

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Zur Autorin

Nastja ist Nürnbergerin durch und durch und seit dem sie sich entschieden hat in Wien Publizistik und Kommunikationswissenschaften zu studieren, vermisst sie ihre Lieblingsstadt auch gelegentlich sehr. Hin und wieder findet sie die Franken mit ihren verschrobenen Macken immer noch unglaublich seltsam, aber irgendwie trotzdem liebenswert. Bassd scho! – wie man in Nürnberg dazu sagen würde. 

 

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