1000things Praktikum

Das 1000things Praktikum: Unser Tag als Kostümbildner

Mittwoch, 10. April 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Das 1000things Praktikum: Unser Tag als Kostümbildner

Mittwoch, 10. April 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Wie ist das eigentlich so als Sozialarbeiter? Wie arbeitet man als Würstelstand-Besitzer? Und was machen Verkäufer eigentlich den ganzen Tag? Im 1000things Praktikum machen wir unsere Tagträume endlich zur Realität und schlüpfen für euch einen Tag lang in interessante Berufe. Dieses Mal haben wir gemeinsam mit Seeanoli den lieben Christian, einen Wiener Kostümbildner, begleitet und wurden nicht enttäuscht!

von Lukas Lindmeier

Kennt ihr das? Tag für Tag kommen wir mit unzähligen Menschen in Kontakt – ob nun mit der grantigen Fahrscheinkontrolleurin in den Öffis, dem geduldigen Verkäufer im Supermarkt oder dem einfühlsamen Friseur. Wir sind so gut wie immer unter Menschen mit verschiedenen Herkünften, Schicksalen und Geschichten. Und wahrscheinlich auch ebenso unterschiedlichen Jobs und Alltagen. Doch anstatt hier und da einfach mal etwas genauer hinzusehen, hinzuhören oder einfach nachzufragen, fangen wir an zu tagträumen – und fragen uns, wie das Leben in den Schuhen Anderer wohl so sein muss. Und weil es uns laufend ganz genau so ergeht, geht unser 1000things Praktikum in die zweite Runde: Wir haben wieder in das Leben und in den Alltag eines anderen Menschen geschnuppert. Dieses Mal haben wir auf der Online-Plattform Seeanoli nach interessanten Menschen gesucht, mit denen wir einen Tag verbringen können und durften unser 1000things Praktikum bei Christian, seines Zeichens Kostümbildner in Wien, absolvieren.

Einen Tag im Leben Anderer verbringen

Wer unseren Blog schon länger verfolgt, weiß: Wir lieben es, unsere Nasen überall hineinzustecken. Kein Wunder also, dass uns vor Freude unsere Frühstückskakaos durch unsere neugierigen Nasen geschossen sind, als wir von Seeanoli erfahren haben. Immerhin geht es dort um unsere Lieblingsbeschäftigung: ums kindliche Herumschnüffeln und ums typisch Wienerische, hausmeisterliche Nasern. Man muss sich dazu nur auf der Online-Plattform von Seeanoli registrieren und kann sich schon durch die seitenlange Liste interessanter Menschen blättern: Von der Würstelstandbesitzerin bis hin zum Hip-Hop-Beatproduzenten gibt es hier wirklich so gut wie alles. Hat man seinen Favoriten ausgemacht, vereinbart man einfach einen Termin mit dem neu auserkorenen Hero und trifft sich dann zum vereinbarten Zeitpunkt. Und schon geht’s ab: in eine andere Welt und in ein anderes Leben.

Christian, Kostümbildner, Allround-Talent

Genau das haben wir getan – auch, wenn die Auswahl auf Seeanoli riesig ist, ist unsere Wahl trotzdem schnell auf Christian, einen Kostümbildner aus Wien gefallen. Denn immerhin geht es hier um einen Kostümbildner und wir hatten so gut wie keine Ahnung, was ein Kostümbildner eigentlich genau macht. Vermutlich waren unsere neugierigen Nasen deshalb mindestens genauso stark am Zucken wie die Nase so mancher Austropop-Stars in den 90er Jahren. Jetzt aber genug mit den Seitenhieben: 1000things Praktikant Lukas trifft Kostümbildner Christian in seiner Kostüm-Werkstatt im 14. Bezirk. Christian ist ein großgewachsener Mann im allerbesten Alter – zuvorkommend, höflich und sanftmütig. Er bietet uns ein Getränk an und startet mit einer ausgiebigen Führung durch die Werkstatt. Und ganz schnell fühlen wir uns wie Alice im Wunderland – zwar nicht so berauscht, dafür umso faszinierter von der riesigen Vielfalt an Kostümen, Hüten, Jacken, Brillen, Ketten und allem drum und dran. Kleiner Fun Fact am Rande: Das älteste Kleid in Christians Kostüm-Werkstatt ist um die 150 Jahre alt.

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Kostümbildner Christian in einer Uniform der Bestattung Wien – (c) 1000things

Ja, aber was macht denn nun ein Kostümbildner? Zugegeben, Christian hat uns schon im Vorfeld etwas in die Thematik eingeweiht: Bei unserem ersten Telefonat hat er uns nämlich den Wikipedia-Artikel zum Beruf des Kostümbildners mit den Worten „Das erklärt es eigentlich in aller Kürze am besten.“ ans Herz gelegt. Demnach ist der Kostümbildner dafür zuständig, gemeinsam mit Regisseuren und Bühnenbildnern Kostüme für Schauspieler eines Films oder Theaterstücks zu entwerfen, das perfekt zur Rolle und zum Zeitalter des Stücks passt. Heute werden gute Kostümbildner wie Christian aber auch für Werbespots, Veranstaltungen oder zum Entwerfen von Mitarbeiter-„Uniformen“ engagiert. Christian erklärt uns außerdem, dass an seiner Tätigkeit mehr Verantwortung hängt, als vielleicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Denn um ein guter Kostümbildner zu sein, muss man von so gut wie allem eine große Portion Ahnung haben. So muss man als Kostümbildner quasi auch Historiker, Bastler, Schneider und vor allen Dingen auch Sammler sein. Immerhin muss er bestens Bescheid wissen, welche Kleidung man zum Beispiel vor 200 Jahren trug. Und weil viele Webstile oft gar nicht mehr hergestellt werden, klappert Christian regelmäßig Flohmärkte ab, um spezielle Stücke, Maschinen oder Stoffe zu ergattern, damit er dann an den Kostümen schneidern und basteln kann.

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In Christians Kostüm-Werkstatt lebt ein Stück Handwerk weiter. (c) 1000things

Jetzt geht’s ans Eingemachte

So gerne wir auch Christians Geschichten (er hat tatsächlich zu so gut wie jedem Kostüm, jeder Maschine und jedem Accessoire eine!) lauschen, geht es jetzt aber tatsächlich langsam ans Eingemachte. Denn Christian erwartet noch Katja in seiner Kostüm-Werkstatt. Sie ist nebenbei Schauspielerin und muss für ein Theaterstück eingekleidet werden: Sie spielt eine stilsichere, junge Dame im Sommer der 1960er Jahre. Zeit für uns, im Zuge unseres 1000things Praktikums als Kostümbildner zu glänzen! Christian zeigt 1000things Praktikant Lukas, wie er beim Entwerfen eines Kostüms vorgeht. So mache den Anfang jedes guten Kostümbilds eine gründliche Recherche: Was trugen Menschen dieser Gruppierung damals in genau dieser Region?

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Die Basis jedes guten Kostümbilds: die Recherche. (c) 1000things

Schnell werden ein paar Bücher aus dem imposanten Bücherregal gegriffen und fleißig geblättert. Und schon geht es los. In Christians Kopf rattert es. Er zieht zielstrebig ein Kleid nach dem anderen aus seinem Arsenal an Kostümen, Uniformen und Kleidern. Jetzt geht es bei der sogenannten Anprobe auch für Katja zur Sache. Sie probiert unter Christians prüfenden Augen ein Kleid nach dem anderen, bis Christian eines davon für genau richtig befindet. Das passierte übrigens gefühlt in Sekundenbruchteilen: Als Christian bereits das perfekte Kleid auserkoren hat, sind wir noch am überlegen, wie so eine Frau in den 60ern überhaupt ausgesehen haben könnte.

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Schauspielerin Katja und Christian bei der Anprobe – (c) 1000things

Während 1000things Praktikant Lukas noch anerkennend die Augenbrauen hochzieht, findet Christian noch ein paar Details, die noch verbesserungswürdig sind. Er möchte nochmal über ein paar Dinge drüberschneidern: Ein Stückchen Stoff hier, ein Knopf da. Bei der Gelegenheit zeigt uns Christian außerdem seine Nähmaschinen-Sammlung. Die sind ausschließlich von der Kultmarke Singer. Und von denen ist eine schöner, als die andere. Jetzt geht’s auch für uns los: Denn es wäre kein 1000things Praktikum, wenn wir dabei nicht auch etwas lernen würden. Deshalb bekommt Lukas einen Crashkurs an der Näh- und der Strickmaschine. Und dann ist es endlich vollbracht: Kostümbildner Christian sucht noch ein paar letzte Details und Accessoires zusammen und vervollständigt Katjas Kostüm.

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1000things Praktikant Lukas beim Nähmaschinen-Crashkurs – (c) 1000things

Kostümbildner als Kulturerhalter und Tausendsassas

Unser Fazit: Es war absolut spannend, einem durch und durch kreativen, bildenden Künstler so hautnah bei der Arbeit zuzusehen und sogar mitwirken zu dürfen. Christian, der ursprünglich eine Ausbildung im Bereich Gartenbau absolviert hat und die Parallele zu seinem jetzigen Job mit dem Satz „Alles dreht sich immer nur um die Proportionen – im Garten genauso wie bei Kostümen.“ zieht, sieht seinen Job außerdem ein Stück weit als kulturerhaltend – immerhin können viele Kleidungsstücke und -elemente heute gar nicht mehr authentisch produziert werden. Christian kann das dank seiner Maschinen aber oftmals schon. Einer der für uns schönsten und wichtigsten Aspekte des Berufs als Kostümbildner: Viele Kostüme wurden schon oft getragen und immer wieder verändert – für die wenigsten Kostüme müssen nagelneue Stoffe oder Kleidungsstücke gekauft werden. Und alles wird in irgendeiner Form später wieder genutzt. Denn hier sieht sich Christian ganz besonders in der Verantwortung: Immerhin sei die Modeindustrie einer der größten Müllverursacher unseres Planeten. Christian setzt sich stattdessen lieber dafür ein, Kulturgüter, Techniken, Kunst- und Handwerke weiterleben zu lassen.

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Kostümbildner Christian mit Katja samt fertigem Kostüm – (c) 1000things

Ihr wollt auch endlich einmal in das Leben Anderer schnuppern? Checkt die Webseite von Seeanoli ab! Oder wollt ihr euch anderweitig fortbilden? Dann findet ihr hier eine Auflistung der besten Kurse, die Wien so zu bieten hat! Und wer sowieso immer topaktuell sein will, abonniert gleich unseren WhatsApp-Newsletter!

*Dieser Beitrag ist in freundlicher Zusammenarbeit mit Seeanoli entstanden.

Beitragsbild (c) CC0 Unsplash / Joshua Coleman

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