Ausgefallene Museen Österreich

Das sind die ausgefallensten Museen in Österreich 2018

Mittwoch, 3. Oktober 2018 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Das sind die ausgefallensten Museen in Österreich 2018

Mittwoch, 3. Oktober 2018 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Vergesst langweilige Audioguide-Führungen und verstaubte Exponate. Wir lassen uns längst nicht mehr von übereifrigen Touri-Massen durch Ausstellungshallen schieben. Denn wir haben unsere kulturelle Nische gefunden: ausgefallene Museen, mit denen ihr in Österreich garantiert nicht gerechnet hättet.

von Viktoria Klimpfinger & Julia Wagner

Als wir noch Kinder waren, war das Museum nicht unbedingt unser Lieblingsort. Besonders wenn unsere Eltern uns gegen unseren Willen zu Samstagsführungen oder Ausstellungen geschleppt haben. Mittlerweile hat sich das geändert: Wir sind begeisterte Museumsgänger. Aber nicht etwa nur, weil wir mittlerweile am Erwachsenentisch sitzen und mit Scheren für große Kinder schneiden dürfen. Sondern, weil wir uns da ein paar Nischen gesucht haben, die fernab von krachenden Audioguides und Touristenhorden unsere Neugierde ankurbeln. Für euch haben wir sie hier aufgelistet, die ausgefallensten Museen Österreichs.

Nonseum

Was gehört alles ins Museum? Bilder? Ja, klar. Erfindungen? Auch. Unsinn? Eher nicht. Außer es handelt sich bei dem Museum um das Nonseum in Herrnbaumgarten. Hier sammelt Museumsdirektor und Nonsens-Tüftler Fritz Gall seit 1994 Erfindungen, die eigentlich keinen Sinn ergeben. Manche davon sind aber so offensiv unsinnig, dass sie wieder genial sind, wie zum Beispiel eine mit Alufolie ausgekleidete Tasche für All-you-can-eat-Büffet oder ein mit Kurbel betriebener Nasenbohrer mit modelliertem Finger. Vielleicht macht ja in einer Zeit, in der Optimierung und Produktivitätssteigerung regieren, gerade der Nonsens wieder Sinn.

Foto (c) Ines Futterknecht

 

Museum der Wahrnehmung

Bei Ausstellungsstücken wie der Sammlung an historischen Knopflöchern traut man im Nonseum manchmal den eigenen Augen und Ohren kaum. Noch größer wird das sensuale Misstrauen aber im Museum der Wahrnehmung in Graz. Hier wird besonders euer Sehsinn auf die Probe gestellt, zum Beispiel mit dem Mixed Identity Mirror: Ihr sitzt euch gegenüber, zwischen euch ein halbdurchlässiger Spiegel. Je nachdem, wie ihr die Beleuchtung eurer Gesichter reguliert, verschmelzen sie zu einem oder wechseln vom einen zum anderen. Besonders spannend ist auch das Taktiloskop, das Studenten der Grazer TU entwickelt haben: Auf der Rückenlehne eines Stuhls sind viele kleine Metallstifte befestigt, die eine Bewegung, die sich vor dem Stuhl abspielt, auf der Haut imitieren. So spürt man zum Beispiel ein Winken oder ein Vorbeigehen als Kitzeln im Rücken.

MUWA Graz

Der Mixed Identiy Mirror. (c) Ines Futterknecht

Karikaturmusem

Ist euch nach Lachen zumute? Dann solltet ihr dem Karikaturmuseum in Krems einen Besuch abstatten. Karikaturen provozieren, kritisieren, schockieren und rütteln an gesellschaftlichen Tabus. Im Karikaturmuseum findet ihr eine Sammlung der aufregendsten und wichtigsten Werke. Neben den berühmten Werken von Manfred Deix überrascht das Museum mit 2 weiteren Ausstellungen. Zum einen die des ORF-Art-Directors und Wegbereiters Erich Sokol, der eine neue österreichische Schule der Porträt-Karikatur begründete und vor allem für seine gekonnten Charakterstudien und Porträts von berühmten Persönlichkeiten bekannt ist. Zum anderen die Ausstellung „Ahoj Nachbar” der tschechischen Galerie für bildende Kunst “Havlickuv Brod”. Dass Humor ja bekanntlich verbindet, hat sich das Karikaturmuseum Krems zum Anlass genommen, um gemeinsam mit unseren tschechischen Nachbarn eine tolle Sammlung an Werken zusammenzustellen, welche die Gemeinsamkeiten und Liebe zum Humor beider Länder unterstreicht. Das Karikaturmuseum Krems ist auf jeden Fall ein Muss für jeden Fan der österreichischen und internationalen Satirekunst.

Karikaturmuseum KremsManfred Deix, Nach dem Tod Papst Johannes Paul II, 2005, Landessammlungen Niederösterreich©Deix 2017

Eboardmuseum

Könnt ihr euch noch an die 80er-Jahre-Bands erinnern, in denen mindestens ein Bandmitglied ein fetziges Keyboard um den Hals hängen haben musste? Dann trifft das Eboardmuseum in Klagenfurt sicher den richtigen Ton bei euch. Auf 1500 Quadratmetern könnt ihr über 1800 elektronische Tasteninstrumente bestaunen. Und das ausnahmsweise mal nicht nur mit den Augen: In diesem Museum ist Anfassen und Ausprobieren ausdrücklich erwünscht. Ihr könnt euch also zwanglos durch Synthesizer, E-Orgeln und Melodikas klimpern, bis euch die Ohren wackeln.

Johnny Cash Museum

Weniger für Geklimper, dafür viel mehr für Gitarrengeschrumme und sonores Gesumme bekannt ist the one and only Johnny Cash. Doch nicht nur eine Stimme wie seine wird es vermutlich kein zweites Mal geben. Auch das ihm gewidmete Museum in Riedlingsdorf im Burgenland ist the one and only außerhalb der USA. Cash-Sammler Walter Ringhofer hat sich damit einen kleinen Traum erfüllt. Alles, was er von seinem Musikidol in die Hände bekommt, wird zuerst auf Echtheit geprüft und wandert dann zu den mittlerweile über 2000 Gegenständen, die Johnny Cash in irgendeiner Form getragen, verwendet oder auch nur berührt hat. 2003 ist der Sänger leider verstorben. Doch im Museum von Walter Ringhofer ist es fast so, als würde Johnny Cash noch durch die Räume streifen.

Johnny Cash Museum

(c) Walter Ringhofer

Arnold Schwarzenegger Museum

Auch er ist eine Ikone, die ihresgleichen sucht: Arnold Schwarzenegger ist neben Mozartkugeln und der Trapp-Familie der österreichische Importschlager schlechthin. Nicht nur Muskeln, schlechte Filme und Politik hielten ihn in den Schlagzeilen. Neuerdings stellt er sich auf seinen Social-Media-Kanälen immer wieder offen gegen Trump oder sammelt mit skurrilen Aktionen Geld für einen guten Zweck. Zum Beispiel könnt ihr mit Arnie „Dinge crushen“ oder „Zeug in die Luft sprengen“. Seit 2011 könnt ihr in seinem Geburtshaus in Thal in der Nähe von Graz den Werdegang des Terminators made in Austra anhand zahlreicher Exponate verfolgen. Das Arnold-Schwarzenegger-Museum ist weltweit einzigartig. Denn es trägt nicht nur den Namen des Jahrhundert-Bodybuilders, nein, es wurde sogar mit seiner Hilfe gegründet. Er unterstützte sie Sammlung mit persönlichen Leihgaben und Geschichten.

Schwarzenegger crushes things with his tank.

Puppenhausmuseum

Dieses Museumshaus zeigt euch Häuser. Also kleine. Also Puppenhäuser. Doch nicht nur kleine Küchen und Badezimmer lernt ihr hier kennen, sondern auch ihre Bewohner. Das Puppenhausmusem in St. Thomas am Blasenstein in Oberösterreich hat über 2500 antike Puppen, Puppenhäuser, seltene Miniaturen und andere Spielzeuge im Angebot. Besonders eindrucksvoll ist die Sammlung von Miniatur-Mode, die euch einen – im wahrsten Sinne des Wortes – kleinen Einblick in den Lebensstil um 1900 gibt.

Eiermuseum

Noch unkonventioneller als ausgestellte Puppen und ihre Häuser sind die Exponate des Eiermuseums. Ihr habt’s wahrscheinlich längst erraten: Es geht um Eier! Der Bildhauer Wander Bertoni sammelt die runden Schönheiten seit den 50er-Jahren und kommt in seinem Eiermuseum im burgenländischen Winden am See mittlerweile auf stolze 4000 ovale Vogelausscheidungen. Natürlich wird euch hier aber nicht bloß Lapidares wie das gemeine Hühnerei auf einem Podest präsentiert. Nein, hier geht es um verzierte Küken-Schlafsäcke auf höchster Stufe. Egal ob aus Holz, Keramik oder Glas – es ist schier unglaublich, was die Eiform als Kunstobjekt alles hergibt.

Eiermuseum Wander Bertoni

Gin-Gallery

Bei all dem Staunen darf man natürlich nicht vergessen, dass manche Kunst auch durch den Magen geht. Wie zum Beispiel auch richtig guter Gin. Wobei wir uns da mit uns selbst noch nicht ganz einig sind, ob wir bei der richtigen Gin-Wahl eher von Kunst oder doch von Wissenschaft sprechen sollen. Jedenfalls besitzt der Stollen 1930 in Kufstein eine bemerkenswerte Sammlung von mehr als 800 Sorten aus 30 Ländern. Das macht den über 600 Jahre alten Stollen zur größten Gin-Gallery der Welt. Gut, die Location ähnelt keinem herkömmlichen Museum, aber auf Herkömmliches sind wir in Sachen ausgefallene Museen ja nicht aus, oder? Und wo wäre ein Museumsbesuch ausgefallener als in einer stimmungsvollen Speakeasy-Bar? Statt einer Führung bekommt ihr hier für 49,90 Euro eine Verkostung von 6 Gin-Sorten, eine kleine Vorspeise sowie jede Menge Gin-teressanten theoretischen Input.

Die Bar Stollen 1930 mit ihrer extravaganten Einrichtung. (c) Auracher Löchl

Die Bar Stollen 1930 mit ihrer extravaganten Einrichtung. (c) Auracher Löchl

Bestattungsmuseum

Den Wienern sagt man ja einen Hang zum Morbiden nach. Nur verständlich also, dass es in Wien auch ein Bestattungsmuseum gibt. Die 250 Ausstellungsstücke aus der Bestattungsbranche könnt ihr hier nicht nur mit den Augen bestaunen, sondern bei der langen Nacht der Museen sogar selbst ausprobieren. Ja, richtig gelesen: Hier könnt ihr in einem Sarg eurer Wahl probeliegen. Dem können wir leider nichts mehr hinzufügen – ausgefallener wird’s nicht.

Mehr eigenwilligen Input geben euch die ausgefallensten Führungen durch Österreichs Hauptstädte. Ihr benebelt euch lieber unkonventionell? Dann sind die ausgefallensten Bars Österreichs sicher euer Ding!

Facebook- und Beitragsbild (c) Ines Futterknecht

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