Die Bücherhighlights der BUCH WIEN 18

Dienstag, 6. November 2018 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Die Bücherhighlights der BUCH WIEN 18

Dienstag, 6. November 2018 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Die Seiten flattern, die Lesezeichen schnalzen, die Augen rotieren – es ist wieder so weit: Die Büchermesse BUCH WIEN 18 schlägt ein weiteres Kapitel auf. Von 7. bis 11. November 2018 huldigt man in der Halle D der Messe Wien dem geschriebenen Wort. Wir haben nachgefragt, welche Bücher dieses Jahr absolutes Pflichtprogramm sind.

von Viktoria Klimpfinger

Im Sommer liegen wir mit ihnen in der Wiese, im Winter gehen wir mit ihnen ins Bett. Ja, wir reden von einer großen Liebe, aber nein, es geht nicht ums Schmusen. Wobei: Kommt aufs Genre an. Jedenfalls geht’s um unsere Liebe zu den Büchern. Das Schöne daran ist, dass diese Beziehung schon so lange anhält, und wir uns doch immer wieder neu verlieben. Manchmal ist es nur ein kurzes Schwärmen, manchmal ein kapitellanges Bangen und manchmal sogar ein Kampf mit einem Riesenwälzer, der uns jahrelang begleitet. Aber einer der besten Momente ist – wie so oft in der Liebe – das erste Beschnuppern. Das meinen wir durchaus wörtlich, zumindest wenn es ums Lesen geht: Wer liebt ihn nicht, diesen wunderbaren Geruchsschwall aus Druckerschwärze und Papier, der einem in die Nase zwickt, wenn man die Seiten eines neuen Buches zum ersten Mal durchblättert?

Dafür bietet die BUCH WIEN 18 von 7. bis 11. November 2018 jede Menge Gelegenheiten. Wobei die Aussteller wahrscheinlich weniger begeistert sind, wenn ihr in jedes ihrer Bücher eure Nasen reinsteckt und kräftig inhaliert. Und bei so viel Auswahl würde das exzessive Geschnüffel wahrscheinlich ohnehin bald in Atemnot und Ohnmacht ausarten. Also lieber erst mal mit den Augen schauen. Damit wir aber nicht irgendwann die Bücher vor lauter Buchstaben nicht mehr sehen, haben wir den Programmdirektor der BUCH WIEN Günter Kaindlstorfer nach seinen fünf Highlights gefragt.

Philipp Weiss: Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen

Der Umfang dieses Werks ist genauso weitreichend wie sein Inhalt: Der österreichische Autor Philipp Weiss nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Epochen. In 1000 Seiten und fünf Bänden erzählt er von der Verwandlung der Welt zwischen 19. und 21. Jahrhundert, also jenem Zeitalter, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die Erde geworden ist. Im Jahr 1871 erlebt die damals 17-jährige Paulette den Aufstand der Pariser Kommune und bereist als eine der ersten europäischen Frauen Japan. Ihre Ururenkelin Chantal folgt ihren Spuren und flieht zugleich vor ihrem Liebhaber Jona. Der reist ihr zwar nach, findet sie aber nicht. Dafür stößt er auf Naturkatastrophen, die über Liebeskummer weit hinausreichen. In Tokio verliert sich die Japanerin Abra einstweilen in der virtuellen Einsamkeit. Zwischen persönlichem Schicksal und Naturkatastrophe, Familiengeschichte und Social-Media-Isolation porträtiert Philipp Weiss so ziemlich alle Ecken unserer Wirklichkeit. Am Donnerstag, den 8. November 2018 liest er um 16:15 Uhr auf der STANDARD-Bühne.

Ljuba Arnautović: Im Verborgenen

Manchmal reicht auch schon eine einzige Lebensgeschichte, um ein glaubwürdiges Dokument unserer Zeit abzugeben. Wie etwa jene der Großmutter von Ljuba Arnautović, mit der sie sich in ihrem Debütroman auseinandersetzt. Genofeva arbeitet im Jahr 1944 als Sekretärin des Oberkirchenrats in Wien. Unter der Dienstwohnung versteckt sie monatelang Menschen, was natürlich niemand wissen darf. Ihre politische Vergangenheit muss sie tunlichst verschleiern. Als sie einen Bekannten, der in der Klemme steckt, in ihrem Versteck Zuflucht gewährt, kommen sich die beiden näher. Arnautović verwebt in „Im Verborgenen“ literarische und zeitgeschichtliche Darstellung und setzt ihrer Großmutter, der verschwiegenen Heldin, ein unaufgeregtes Denkmal. Auf der BUCH WIEN stellt sie ihr Werk am Samstag, den 10. November 2018 um 16:00 auf der Radio-Wien-Bühne vor.

Hannes Leidinger, Verena Moritz: Umstritten, verspielt, gefeiert. Die Republik Österreich 1918/2018

Das Jahr 2018 ist nicht umsonst Gedenk- und Erinnerungsjahr: 1918 endete der Erste Weltkrieg und damit die Habsburger Monarchie. 1938 kam es zum „Anschluss“ Österreichs an das Dritte Reich. Die Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert ist eine verworrene, fatale, zwiespältige. Die Hoffnung, dass man heute Lehren aus der Vergangenheit zieht, um ähnliche Katastrophen zu verhindern, stirbt zuletzt. Deshalb erzählen die Historiker Hannes Leidinger und Verena Moritz den holprigen Weg Österreichs von 1918 bis heute. Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen 1945 und der heutigen Krise der Demokratie? Wo liegen die Parallelen zwischen damals und heute im Heraufbeschwören von Feindbildern, die die Bevölkerung spalten sollen? All das und noch viel mehr besprechen die Autoren am Sonntag, den 11. November 2018 um 13:30 Uhr auf der Mastercard-Bühne.

BUCH WIEN 2018

(c) Haymon Verlag

Andre Dahl: Fünf plus drei

Vom harten Tobak zum Nervenkitzel: Bei einer umfangreichen Bücherempfehlung darf natürlich auch das Krimi-Genre nicht fehlen. Und wer steht dafür wohl besser Modell als der schwedische Bestsellerautor Arne Dahl? Der preisgekrönte Krimi-Schreiber ist bekannt für seine schlauen und zugleich packenden Werke. So bekannt, dass einige seiner Krimis sogar als Serie mit dem Titel „Arne Dahl“ verfilmt wurden. In seinem neuesten Nervenreiber muss das Ermittlerduo Berger & Blom bereits seinen dritten Fall lösen. Sam Berger wird ein Mord angehängt, den er nicht begangen hat. Doch dann wendet sich der Geheimdienst an ihn, weil ein ehemaliger Kollege ein Mädchen gefangen hält, das nur er finden kann. Die Verfolgung des Verbrechers gestaltet sich leicht für Berger. Zu leicht. Denn hinter der Entführung verbirgt sich ein Plan mit weitaus verheerenderem Ausmaß. Am Donnerstag, den 8. November 2018 um 16:00 Uhr stellt Dahl seinen neuen Krimi auf der ORF-Bühne vor.

Fünf plus drei - Hörprobe

Richard Powers: Die Wurzeln des Lebens

Der US-amerikanische Schriftstelle Richard Powers gilt als einer der wichtigsten Romanschreiber unserer Zeit. Der Titel seines Neulings „Die Wurzeln des Lebens“ verweist schon auf seine Struktur. Hier ist alles miteinander verknüpft und verwurzelt: ein Sohn von Siedlern, die unter dem letzten der in Amerika ausgestorbenen Kastanienbäume leben, eine junge Frau, deren Vater aus China eine Maulbeere mitbrachte, ein Soldat, den ein Feigenbaum vor einem harten Aufprall bewahrte, und Patricia Westerford, die Botanikerin, die die Kommunikation der Bäume entdeckte. Sie alle wollen gemeinsam die ältesten Mammutbäume retten, geraten dabei jedoch in ein Wirrwarr aus Politik und Gewalt. Nicht nur ihr Leben ist in Gefahr, sondern die ganze Welt. Bei der BUCH WIEN ist Powers mit seinem jüngsten Roman am Freitag, den 9. November 2018 um 15:00 Uhr auf der STANDARD-Bühne zu Gast.

Nicht nur zu lesen, sondern auch zu hören gibt’s also jede Menge. Die ganze Messe über finden spannende Lesungen und Veranstaltungen statt – am 7. November sogar bis spät in die Nacht. Die „lange Nacht der Bücher“ eröffnet die Messe wie jedes Jahr mit einem bunten Programm. Am Freitag beweist die Buchszene wieder einmal, dass Bücherwürmer auch gerne mal zu Tanzmäusen mutieren, und wirbeln ab 22 Uhr im Gartenbaukino durchs Vintage-Foyer. Also: Ran an die Bücher!

Wo ihr eure neuen Errungenschaften am besten durchschmökert? Natürlich in einem der besten Cafés zum Lesen. Ihr seid nicht so die Leseratten? Unsere To Do’s verraten euch, was ihr in Wien sonst noch so anstellen könnt.

Beitragsbild © Mercan Sümbültepe

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