Technisches Museum

Technisches Museum: Unsere Jobs in der Zukunft – Teil 2

Donnerstag, 27. Dezember 2018 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Technisches Museum: Unsere Jobs in der Zukunft – Teil 2

Donnerstag, 27. Dezember 2018 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Wird es in Zukunft noch TischlerInnen geben, die mit Hobel und Schleifpapier Holz bearbeiten? Und wie sieht es mit TaxifahrerInnen aus? Werden diese Jobs aussterben oder ergeben sich stattdessen in Zukunft vollkommen neue Chancen? Im zweiten Teil unserer Blogreihe zur neuen Ausstellung Arbeit & Produktion im Technischen Museum versuchen wir, Antworten zu finden und wagen dafür einen Blick in die Vergangenheit und Zukunft des Arbeitens.

von Lukas Lindmeier

Wann habt ihr euch zum letzten Mal einen Kasten vom Tischler anfertigen lassen? Und wie lange ist es her, dass ihr mit euren Lieblingsschuhen zum Schuster gegangen seid, weil sich die Sohle abgelöst hat? Wir wissen ja nicht, wie es euch beim Antworten auf diese Fragen ergeht, aber bei uns liegen beide Besuche schon sehr, sehr viele Jahre zurück. Eigentlich erschreckend, sind das doch auch heute noch Bereiche, die man immer wieder gut gebrauchen könnte.

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Unsere Wünsche und Produkte haben sich verändert. (c) Technisches Museum Wien

Aber wir haben uns verändert – und unsere Gewohnheiten haben sich verändert. Und wie wir bereits in Teil 1 zur „weiter_gedacht_“-Ausstellung im Technischen Museum festgestellt haben, hat sich auch unsere Art, Dinge zu konsumieren, verändert. Wir sind schneller geworden. Schneller beim Konsumieren und schneller beim Produzieren. Kein Wunder also, dass sich unsere Berufe und unsere Art zu arbeiten, oftmals grundlegend verändert haben.

Neukauf statt Reparatur

Wie vielleicht einige von euch in den ersten Zeilen dieses Artikels an sich selbst festgestellt haben, haben sich unsere Gewohnheiten verändert. Unser Konsum hat sich erhöht und wir werfen Dinge schneller weg, wenn sie nicht mehr funktionieren oder uns nicht mehr gefallen. Und das hat zwei simple wie dramatische Gründe: Einerseits war ein Neukauf von Schuhen, Kleidung, Fernsehern und anderen Gebrauchsgegenständen noch nie günstiger, als heute. Außerdem leben wir in einer Zeit, in der so gut wie alles immer verfügbar und zugänglich ist. Wir müssen uns keine Gedanken mehr darüber machen, ob und woher wir das nächste Paar Schuhe herbekommen. Ein Vorteil, der vielen Generationen vor uns verwehrt geblieben ist. Vor gar nicht gar so langer Zeit hatte man nämlich aufgrund von Geld- und Alternativenmangel gar keine andere Möglichkeit, als – um bei unserem Beispiel zu bleiben – auf seine Schuhe Acht zu geben und sie im Fall der Fälle zu reparieren.

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Der technologische Fortschritt ermöglicht kostengünstige Produkte. (c) Technisches Museum Wien

Ein notgedrungener Schritt in Richtung Nachhaltigkeit also. Die Bequemlichkeit, dank unserer Maßlosigkeit nicht mehr nachdenken zu müssen gegen die unfreiwillige Nachhaltigkeit früherer Generationen – was davon nun wirklich besser ist, sei dahingestellt. Eines steht aber fest: Die günstigen, immer verfügbaren Produkte, die unsere Leben überschwemmen, sind das Ergebnis ständig fortschreitender Produktionstechniken. Immerhin wird heute schneller, effizienter und damit günstiger produziert, als jemals zuvor. Doch welche Folgen hat das eigentlich für uns? Eine absolut berechtigte Frage, ist doch der technische Fortschritt noch lange nicht an seinem Ende angekommen.

Die Auswirkungen des Fortschritts

Die technischen Möglichkeiten schreiten also die letzten Jahrzehnte mit immer größer werdenden Schritten voran und machen auch heute noch lange nicht Halt. Im Technischen Museum im Ausstellungsabschnitt „In Arbeit“ wird man deshalb im Besonderen mit den gesellschaftlichen Veränderungen konfrontiert, die die Technologie so nach sich gezogen hat. So erfährt man hier in einer Art Zeitleiste, wie sich verschiedene Berufe in der Vergangenheit verändert haben. Man erfährt, wie sich das öffentliche Ansehen verändert hat, für wie wichtig manche Berufsstände von uns Menschen angesehen werden oder welche Berufe auch heute nicht wegzudenken sind – und welche bereits in Vergessenheit geraten sind.

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Im Abschnitt „In Arbeit“ erfahrt ihr mehr zur Arbeit im Wandel der Zeit. (c) Technisches Museum Wien

Dieser Bereich erweist sich erst nach genauerem Hinsehen als besonders spannend – denn hier schließt sich der Kreis, den wir schon in Teil 1 der Blogreihe zur neuen Ausstellung im Technischen Museum angefangen haben, zu zeichnen. Denn ganz schnell wird uns hier bewusst: All unsere Berufe unterliegen einem immens starken, unglaublich schnellen Wandel. Ob es nun darum geht, wie Ärzte noch vor 50 Jahren gearbeitet haben oder was es vor 100 Jahren geheißen haben muss, Lokführer zu sein. Ganz zu schweigen von den vielen Berufen, die vollends „ausgestorben“ sind. Der Fortschritt verändert also nicht nur unseren Konsum und die Menge dessen, was produziert werden kann. Vielmehr verändert die Technik unsere Berufe, unsere Gesellschaft und damit auch die Art und Weise, wie wir leben.

Wenn Selbermachen wieder zum Trend wird

Doch die Ausstellung im Technischen Museum verdeutlicht: Nicht alle Menschen unserer Gesellschaft möchten sich diesem rasanten Trip in die technologiedominierte Zukunft völlig widerstandslos hingeben. Stattdessen kommt der Trend auf, wieder bewusster mit seinem Hab und Gut umzugehen und auf Langlebigkeit zu setzen. Außerdem sollen die Habseligkeiten wieder verstärkt zeigen, wer man ist. Und bevor daran gedacht wird, etwas neu zu kaufen, wird zuerst einmal versucht, es selbst herzustellen. Wer das Glück hatte, viel Zeit mit den Großeltern verbringen zu dürfen, dem wird das vermutlich noch bekannt vorkommen.

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Selbermachen kommt wieder in Mode. (c) Technisches Museum Wien

Denn dieser Trend – das sogenannte Maker’s Movement – hat seinen Ursprung genau in dieser Generation. Immerhin wurden schon damals Puppenhäuser und Holzspielzeug selbst gebaut, zerrissene Hosen wieder zusammengeflickt und besonders im Winter Hauben und Schals selbst gestrickt. Sogar Autos, Fernseher und andere technische Geräte wurden viele Jahre am Leben erhalten, indem selbst daran herumgedoktert wurde. Und auch heute streben wieder vermehrt Menschen danach, Produkte wieder ganz nach den eigenen Vorstellungen zuhause selbst herzustellen.

TechLAB: Das etwas andere Selbermachen

Apropos Selbermachen: Im TechLAB, dem dritten Ausstellungsabschnitt der „Arbeit & Produktion“-Ausstellung im Technischen Museum kann man sich von Donnerstag bis Sonntag von 14:30 Uhr bis 17:30 Uhr daran versuchen, selbst in die Rolle eines Programmierers der neuen Technologien zu schlüpfen. Außerdem können 3D-Drucker und Hochleistungs-Laser selbst ausprobiert werden – natürlich nur unter Anleitung von erfahrenen Fachleuten.

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Im TechLAB können neue Produktionstechnologien selbst getestet werden. (c) Technisches Museum

Das Fazit unseres Besuchs in der „weiter_gedacht_“-Ausstellung im Technischen Museum: Unsere Welt verändert sich. Unsere Gesellschaft verändert sich. Und damit verändern sich unsere Berufe. Manche Dinge und Dienstleistungen nutzen wir heute nicht mehr, weil es Neueres, Praktischeres und Sichereres gibt. Und Manches wäre früher undenkbar gewesen – gehört jedoch heute zu unserem Alltag. Und genauso verhält es sich mit unseren Jobs: Vieles wird schlicht nicht mehr benötigt und Vieles ist völlig neu entstanden. Kurzum: Die Welt verändert sich. Und wir verändern uns mit ihr.

Habt ihr schon Teil 1 unserer Blogreihe zur neuen Ausstellung „Arbeit & Produktion“ im Technischen Museum gelesen? Wenn nicht, dann nichts wie ab zum Artikel! Oder seid ihr auch abseits des Technischen Museums mit jeder Menge Wissensdurst ausgestattet? Dann meldet euch am besten gleich zum WhatsApp-Newsletter an und bleibt täglich auf dem Laufenden!

*Dieser Artikel ist in freundlicher Zusammenarbeit mit dem Technischen Museum Wien entstanden.

Beitragsbild – (c) Technisches Museum Wien / APA Fotoservice

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