Sturm Österreich

Unser Sturm-Guide 2018

Dienstag, 11. September 2018 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Unser Sturm-Guide 2018

Dienstag, 11. September 2018 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Der Herbst ist stürmisch. Damit meinen wir allerdings nicht den Sturm, der die Blätter von den Bäumen fegt, sondern den, der unser Laub zum Flattern bringt. Also an die Trauben, hoch die Gläser! Wir versorgen euch mit genug Sturm-Infos, um bei der nächsten Buschenschank der Streber am Tisch zu sein. Und natürlich verraten wir euch auch, wo wir den Neuen Wein am liebsten trinken.

von Viktoria Klimpfinger

Sturm, Sturm, Sturm! Das ist keine Übung! Und auch keine UNIQA-Unwetterwarnung. Sondern unser Schlachtruft, den wir im Herbst grölen, während wir von Heurigem zu Heurigem stolpern. Ja, der kleine, unausgegorene Bruder des Weins gehört zu dieser Jahreszeit einfach dazu. Ohne ihn wären bunte Blätter nur der Müll sterbender Bäume, fallende Kastanien nur ökologisch abbaubare Morgensterne und geschnitzte Kürbisse bloß Bodenfrüchte, die wir ausweiden und verstümmeln.

Bevor ihr stürmisch werdet, hier noch ein paar Benimmregeln für Sturm-Streber:

Was ist Sturm eigentlich?

Er markiert das Vorstadium des Weins; Traubensaft mit Alkohol quasi. Deshalb ist er auch süßer als der fertige Wein. Seine natürliche Hefe macht ihn einerseits besonders spritzig, andererseits verleiht sie ihm Vitamine und seine trübe Farbe.

Wann bekommt man ihn?

Im Herbst, also im September und Oktober.

Wie stößt man an? 

Gar nicht! Das Anstoßen ist nur dem fertigen Wein vorbehalten. Bevor man den ersten Schluck macht, sagt man beim Sturm außerdem nicht „Prost“, sondern „Mahlzeit“.

Wie trinkt man ihn?

Traditionell hält man das Sturmglas in der linken Hand.

Wo bekommt man ihn?

Vermutlich in so ziemlich jedem Heurigen, der ausg’steckt hat – also geöffnet, für alle Heurigen-Neulinge. In Österreich ist besonders der Osten, aber auch die Steiermark bekannt für guten Sturm. In der grünen Mark ist der Schilchersturm eine besondere Spezialität. In Ostösterreich gibt’s zwischen Sturm und Wein sogar noch den Staubigen als weiteres, fortgeschritteneres Vorstadium zum fertigen Vino. Und im Burgenland bekommt ihr Uhudlersturm.

Wo genau ihr zu eurem Sturm kommt, erfahrt ihr hier. But first:

Tyrion from Game of Thrones pours wine.

Kellergassenfest Falkenstein

Eine ideale Möglichkeit, um sich von Winzer zu Winzer zu kosten, sind bekanntlich die Kellergassenfeste, bei denen die alten Weinkeller ihre Pforten für Besucher öffnen. Zwar ist der Aufenthalt im Weinkeller nicht immer ungefährlich, da durch oftmals fehlende Lüftung Gärgase entstehen. Wenn ihr praktizierende Hypochonder seid, nehmt ihr euch am besten eine Kerze mit – erlischt sie, knipst es euch wahrscheinlich auch bald aus. Alle, die beim Kellergassenfest nicht wie hysterische Städter rüberkommen wollen, können ja auch einfach draußen bleiben.

Ohnmacht

Das Wein-Kunst-Kultur Kellergassenfest im niederösterreichischen Falkenstein zeigt vor, wie’s gemacht wird: Von 14. bis 16. September 2018 wird die „Oagossn“ bespielt und bewirtet. Am Freitag beginnt um 19 Uhr die „Romantische Nacht“, die die Kellergasse in Kerzenschein und Live-Musik taucht. An den nächsten beiden Tagen stehen ab 12 Uhr die Weinkeller offen und jeder unter einem eigenen kulinarischen oder künstlerischen Motto. Jede Winzerfamilie tischt ihre ganz speziellen hauseigenen Schmankerln auf. Und auch Handwerks- und Brauchtumskünstler bieten ihre Werke an. Ganz nebenbei gibt’s natürlich herrlichen Wein und – deshalb sind wir doch eigentlich hier – Sturm.

Sturm und Kastanien

Nichts macht die Geschmacksknospen so sehr zum Laubhaufen wie Sturm und Maroni. Deshalb gibt’s im Herbst einige Events mit dem sprechenden Titel „Sturm und Kastanien“. Am 15. September feiert zum Beispiel die Steirer Stubn in Pöllau von 17:00 bis 23:00 Uhr den Vorwein und die Baumbemmerln, im steirischen Pischelsdorf lädt die örtliche Marktmusikkappelle am 15. und 16. September zu Maroni und Sturm und am 29. September schwenkt das Weingut Esterhazy in Trausdorf von 13:00 bis 16:00 Uhr das Glas und die Maroni.

Sturm auf Schilcher

Im Schilcherland gibt’s natürlich auch Schilchersturm. Von 21. bis 23. September stürmt es in Deutschlandsberg daher gewaltig – im Glas. Bei freiem Eintritt gibt’s beim „Sturm auf Schilcher“ das volle Brauchtumsprogramm von Bauernmarkt bis Erntedankfest. Auch hier paart sich die rötliche Sturmversion übrigens gekonnt mit heißen Maroni.

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#burgdeutschlandsberg #austria #travel

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Südsteirische Weinstraße

Und wenn wir schon in der Steiermark sind, dann machen wir selbstverständlich auch einen Abstecher zur Südsteirischen Weinstraße. Bunte Blätter und niedrig flimmernde Sonnenstrahlen tauchen die eifrigen Maronibräter entlang der Straße in nostalgisches Licht. Auch da ist der Sturm nicht weit. Im Gegenteil: Eigentlich ist er hier überall, in den Buschenschänken und Wirtshäusern, auf den Standeln und in den Gläsern.

Uhudler-Sturmfest

Der Uhudler ist im Burgenland das, was für die Steiermark das Kernöl ist. Daher ist im Herbst Uhudler-Sturm ein Muss. Am 29. September huldigt ihm die Kellergasse in Heiligenbrunn ab 11:00 Uhr daher mit einem ganzen Fest – dem Uhudler-Sturmfest. Zwischen historischen Weinkellern, die teilweise sogar noch Strohdächer tragen, formiert sich ein einzigartiger Festplatz. Und obwohl der Sturm klarer Star des Tages ist, könnt ihr euch natürlich auch quer durch Uhudler-Frizzante und Uhudler-Sekt bis zum originalen Uhudler probieren.

Uhudler Sturmfest

Uhudler-Sturmfest 2017. (c) Kellerviertel Heiligenbrunn

Winzerhof Scheit

So g’miadlich und g’schmackig die Sturm-Events auch sind, so schnell sind sie leider wieder vorbei. Wenn ihr mehr als ein paar Tage braucht, um euch dem Sturm voll und ganz zu verschreiben, dann sucht ihr euch am besten den Winzer eures Vertrauens und nistet euch entweder hartnäckig bei ihm ein oder kauft seinen Sturmbestand für zuhause auf. Der Winzerhof Scheit in Karnabrunn im Weinviertel verkauft seinen Vorwein zum Beispiel in einer eigenen „Sturmhütte“ vor dem Hof noch bis 23. September immer Mittwoch bis Sonntag von 9:00 bis 19:00 Uhr. Besonderes Highlight: der Rosésturm. Und wenn ihr eher skeptisch seid, könnt ihr natürlich auch erst mal kosten.

Winzerhof Scheit

Wiener Heurige von Grinzing bis Simmering

Auch der Sturm der Wiener kann sich sehen lassen. Hier ist man ja bekannt dafür, gern mal am Heurigenbankerl picken zu bleiben. Hotspot dafür ist natürlich der 19. Bezirk mit gediegenen Alt-Wiener-Heurigen wie dem „Mayer am Pfarrplatz“, „Sirbu“ oder „Maly“ und dem Weinbauort Grinzing. Aber auch in weniger von der Haute-Volet frequentierten Gefilden gibt’s guten und ziemlich sicher günstigeren Sturm. So hat zum Beispiel auch der 11. Bezirk einen Heurigen im Angebot – wer hätte das gedacht? Mitten in der ruhig schlummernden Einfamilienhaussiedlung „Hasenleiten“, unmittelbar vor den Oberlaaer Feldern lockt die „Fabigan Weinschenke“ mit urigem Gasthaus-Flair und grünem, gemütlichem Gastgarten. Der Sturm ist dieses Jahr übrigens besonders was für die Süßen unter uns – also eh für alle von euch. Ups, jetzt sind wir doch glatt auf der Schleimspur ausgerutscht…

Slip GIF

…und sitzen plötzlich im Heurigen Windisch in Oberlaa. Neben dem Liesingbach steht der Traditionsheurige bereits seit 1882. Bis heute, also bereits in vierter Generation, bebaut die Familie Windisch die Weinhänge des Laaerberges in der Nähe. Ab Oktober gibt es ihn natürlich auch hier, den Sturm!

Sturm Heuriger Fabigan

Fabigan Weinschenke.

Jetzt würdet ihr am liebsten einen Bauchfleck in den nächsten Laubhaufen machen? Lieber nicht – wir zeigen euch, wie ihr euch besser in Herbststimmung bringt. Was ihr das ganze Jahr über in Österreich anstellen könnt, verraten euch unsere To Do’s.

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