Viennale Lazzaro Felice

Unsere Highlights der Viennale 2018

Samstag, 27. Oktober 2018 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Unsere Highlights der Viennale 2018

Samstag, 27. Oktober 2018 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Von 25. Oktober bis 8. November 2018 macht die Viennale Wien zum 56. Mal zur Filmmetropole. Eine Auswahl zu treffen, ist bei 300 Filmen aus aller Welt denkbar schwer. Deshalb haben wir hier für euch unsere Highlights der diesjährigen Viennale.

von Viktoria Klimpfinger & Pia Miller-Aichholz

Endlich ist sie wieder da, die Viennale! Von 25. Oktober bis 8. November 2018 versorgt Österreichs größtes internationale Filmevent die Hauptstadt in fünf Kinos mit 300 bunt gemischten Filmen aus aller Welt. Am liebsten würden wir uns natürlich alle ansehen. Weil wir das aber wahrscheinlich nicht schaffen, haben wir hier zumindest die sechs Viennale-Highlights für euch, die schon fest in unserem Kalender eingeplant sind.

Lazzaro Felice

Den märchenhaften Festivalauftakt gab am Donnerstag bereits der Film Lazzaro Felice von Alice Rohrwasser. Lazzaro ist quasi der Junge für alles in einem Dorf in der verträumten italienischen Provinz, das noch wie anno dazumal von einer herrschsüchtigen Gräfin ausgebeutet wird. Als der bösen Herrscherin schließlich doch das Handwerk gelegt wird und es die Dorfbewohner ins Exil verschlägt, altern alle bis auf Lazzaro. Lazzaro Felice steht zwischen verträumtem Märchen und sozialer Wirklichkeit – eine außergewöhnliche, mutige Mischung.

Meeting Gorbachev

Vielen ist er wahrscheinlich als Regisseur einiger Filme mit Klaus Kinsky bekannt – oder wie Kinsky selbst ihn bei einem legendären Streitgespräch einmal nannte: als „Zwergenregisseur“. Manche kennen Werner Herzogs charakteristisch-säuselnde Stimme vielleicht auch aus der Knast-Dokureihe Im Todestrakt. Die Viennale zeigt nun mit Meeting Gorbachev seine neueste Dokumentation, die erst dieses Jahr erschienen ist. Im typisch Herzog’schen Gesprächsstil unterhält sich der Regisseur mit Michael Gorbatschow, dem letzten Präsidenten der Sowjetunion, über seine bedeutende Amtszeit, seine Vision von einem neuen „Haus Europa“ und die Folgen seines Rücktritts.

Viennale Gorbachev

Werner Herzog am Tisch mit Michail Gorbatschow. © Viennale

Ute Bock Superstar

Im Jänner dieses Jahres ist Ute Bock verstorben und in die Geschichtsbücher eingegangen als Ritterin der Menschenrechte: Der österreichische Psychiater und Filmemacher Houchang Allahyari huldigt ihrem Schaffen mit einem Porträt. Er ergänzt Szenen aus zwei seiner früheren Dokus über Ute Bock und ergänzt sie mit Gesprächen von Verwandten, Wegbegleitern, Aktivisten und Geflüchteten. Sie erinnern sich liebevoll an die mitfühlende und doch eigensinnige, humorvolle und doch grantelnde Gallionsfigur der Geflüchtetenhilfe. Ihre Motivation begründete sie ganz einfach: „Da braucht jemand Hilfe, da mach‘ ich das doch!“

Viennale 2018 Ute Bock

Houchang Allahyari mit Ute Bock. © Viennale

First Reformed

In First Reformed geht es vor allem um das Gewissen. Pfarrer Ernst Toller steckt ohnehin bereits in einer Glaubenskrise. Dann wendet sich Mary an ihn. Sie hat entdeckt, dass ihr Mann Michael, ein radikaler Umweltaktivist, Bomben baut. Die Gespräche mit Michael und die Zustände unseres Planeten und der Menschheit nähren Pfarrer Tollers Zweifel – auch an der Kirche als Institution. Er sucht nach einem Weg, etwas in der Welt zu bewegen. Regisseur Paul Schrader hat als Drehbuchautor bei vier Martin Scorsese-Filmen mitgewirkt hat, darunter Taxi Driver. First Reformed ist eine düstere und fesselnde Studie über Gewissenskonflikte geschaffen – passend zur heutigen Zeit, in der Materialismus und Verantwortung immer stärker diskutiert werden.

Weldi – Dear Son

Ein weiterer Film, der sich um ein sehr aktuelles Thema dreht: Der Sohn einer tunesischen Familie hat ständig Migräne und Stimmungsschwankungen und Schwierigkeiten bei seiner Ausbildung. Sein Vater versucht beinahe krampfhaft herauszufinden, was es mit der Migräne seines Sohnes auf sich hat. Eines Tages ist dieser weg und hat alle seine wichtigsten Sachen mitgenommen. Er ist nach Syrien gegangen, um Teil einer Dschihadisten-Gruppe zu werden. Nun müssen seine Eltern mit der Radikalisierung ihres Sohnes umgehen. Der Regisseur Ben Attia lässt uns in diesem Familiendrama an ihrem emotionalen Balanceakt teilnehmen.

Die Stadt ohne Juden

Jahrzehntelang waren mehrere Szenen Hans Karl Breslauers Stummfilmes Die Stadt ohne Juden von 1924 verschollen und der Film vergessen. Dank Zufallsfunden und aufwändiger, durch Crowdfunding finanzierte Restaurierungsarbeiten, konnte er im vergangenen Frühjahr erstmals wieder in Komplettfassung öffentlich aufgeführt werden. Vorlage ist das gleichnamige Buch des österreichischen Journalisten Hugo Bettauer, der 1925 von einem Nationalsozialisten ermordet wurde. Bettauer zeichnete in seinem Buch unter dem Eindruck der Realität in Österreich das imaginäre Bild eines Staates (ironischerweise Utopia genannt), dessen wirtschaftliche Misslage das Volk auf die Straßen treibt. Schuld an allem sollen die Juden sein. Das Parlament beschließt also deren Ausweisung. Retrospektiv kann man den Film als stellenweise prophetisch bezeichnen. Die Stadt ohne Juden bringt die Zusehenden häufig zum Lachen, öfter zum Schmunzeln und regelmäßig zum Kopfschütteln – übrigens mit einem jungen Hans Moser unter den Darstellern.

Ganz besonderes Highlight sind natürlich auch die zahlreichen Partys, Künstlergespräche und Präsentationen bei freiem Eintritt!

Darf’s noch mehr Filmspaß sein? Dann seht euch doch unsere Filmhighlights für Halloween an. Die Unternehmungslustigen unter euch finden genügend Anregungen in unseren To Do’s.

Beitragsbild © Viennale

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