Wie wohnt Wien?

Mittwoch, 23. März 2016 / Lesedauer: ca. 7 Minuten

Wie wohnt Wien?

Mittwoch, 23. März 2016 / Lesedauer: ca. 7 Minuten

Dass die Suche nach der Traumwohnung zu einer wahren Qual werden kann, davon können wohl viele ein Liedchen singen. zoomsquare, das Tinder für Immobilien, soll hier Abhilfe verschaffen und der Wohnungssuche eine Portion Spaß verleihen. Wir haben uns mit Co-Founder Christoph Richter getroffen und und bei der Gelegenheit auch gleich mal nachgefragt, wohin die Wohntrends in Wien so gehen.

von Marie-Dorothée Amenitsch

„Suche: Eine kleine Altbauwohnung in Wien – getrennt begehbare Zimmer – zentrale Lage – maximale Monatsmiete 500€.“ – Wir kennen es wohl alle: die Suche nach der Traumwohnung , die unseren Ansprüchen entspricht gestaltet sich meist schwieriger als erwartet. Doch bevor der Wohnungsbesichtigungsmarathon beginnt, müssen potentielle Kandidaten erst einmal gefunden werden. Dabei ist es oft sehr schwierig, bei all den unterschiedlichen Immobilien- und Suchanbietern irgendwie einen Überblick zu behalten.

Mit zoomsquare schafft hier ein neues Wiener Startup Abhilfe– die innovative Suchmaschine, „das Tinder für Immobilien“, das den Spaß an der Wohnungssuche zurückbringen möchte. Wir haben uns mit Christoph Richter, einem der Gründer zum Gespräch über zoomsquare sowie die Immobiliensituation Wiens getroffen und bei dieser Gelegenheit auch gleich nachgefragt, wohin sich die Wohntrends in Wien entwickeln.

Zoom … was? 

Wir treten in das helle und freundliche Büro mitten im 16. Bezirk ein, Gründer Christoph Richter erwartet uns bereits, er hat mit seinem Freund Andreas Langegger vor drei Jahren zoomsquare ins Leben gerufen, doch was hat es mit dem „Tinder für Immobilien“ – wie es sich selbst bezeichnet – auf sich?

zoomsquare ist eine Immobiliensuchmaschine, die alle verfügbaren Objekte im Internet mit dem persönlichen Profil verbindet. Die Idee dahinter ist schnell erklärt: Christoph hat gemeinsam mit seinem Co-Founder Andreas selbst die leidige Erfahrung gemacht, wie mühsam es ist, eine neue Wohnung zu suchen: „Wir haben stundenlang das Internet durchforstet und sind dann im Endeffekt doch immer wieder auf die gleichen Objekte gestoßen. Um überhaupt die neuen Angebote zu erkennen, musste man sich also zuerst alle bestehenden merken – eine echte Katastrophe. Für uns war klar, dass das mit neuen Technologien doch schon viel einfacher funktionieren müsste.“ Gesagt – getan, das Startup wurde ins Leben gerufen.

„Mit uns findet jeder seine Traumwohnung.“

Was unterscheidet zoomsquare nun von all den anderen Suchmaschinen und Immobilienportalen, die es da draußen gibt: „Wir wollen es dem User möglichst einfach und leicht machen, seine Traumwohnung zu finden: Er erstellt einmalig sein Profil, speichert es ab und kann dann – sowohl am Handy als auch am Desktop im ‚Tinder-Style‘ herumwischen, um ganz schnell die neuen Angebote durchzusehen. Jedes Angebot wird nur einmal vorgeschlagen, selbst wenn sich vielleicht im Angebotstext etwas ändern sollte, das ist ganz egal “, erklärt Christoph. Aber keine Sorge,  wer einmal aus Versehen eine interessante Immobilie „ablehnen“ sollte, hat bei zoomsquare den großen Vorteil, dass der eigene Suchverlauf angesehen werden kann.

Nach knapp drei Jahren verzeichnet zoomsquare mit 115.000 Immobilien bereits doppelt so viele Angebote wie der Marktführer. Ausgehend von der ursprünglichen Zielgruppe – den Studierenden  – wird nun hart daran gearbeitet, die Suchmaschine auch einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Ein 8-köpfiges IT-Team ist ständig damit befasst, die Plattform noch attraktiver, effektiver und bedienungsfreundlicher zu gestalten, weshalb auch das Feedback der User eine große Rolle spielt.

BasisprofilMerkliste  Ergebnisse1
So sieht das Tinder für Immobilien am Handy aus. 

Das System dahinter ist schnell erklärt: Das Herzstück ist eine eigene Suchmaschine, die nur auf Immobilien spezialisiert, alle Angebote, die auf irgendeiner Seite im Immobilienbereich online sind, findet. Im Moment wird vor allem auch daran gearbeitet, Facebook zu indexieren,  „Facebook  ist mittlerweile eines der größten Immobilienportale, das aber in der Form keiner kennt, weil die Angebote so verteilt sind. Diesen Schatz wollen wir jetzt heben“, schmunzelt Christoph.
Die Angebote werden täglich aktualisiert und bei bei (!) 3.000 neuen Objekten pro Tag, lohnt es sich somit wirklich, seinen zoomsquare-Account regelmäßig auf neue Immobilien-Matches zu überprüfen:„Genau das ist es auch, was wir den Leuten zur Verfügung stellen wollen: wir haben schon so viele Echtzeit-Infos über den Markt, wissen wie er funktioniert und wollen ihn transparenter und leichter zugänglich machen“, so Christoph.

Als Beispiel kann der zoomsquare Wohnpreisrechner oder die Mietpreiskarte genannt werden, diese verzeichnet die Wiener Wohnpreise in Echtzeit.  Das Prinzip dahinter? „Die genauere Verortung von Immobilien, nicht nur auf Bezirksebene sondern auf die unmittelbare Umgebung. Dafür suchen wir alle relevanten und bekannten Ortsangaben einer Immobilie bei Google Maps und erstellen eine eigene, genaue Karte.“ Mag so mancher Mietpreis in dieser Grafik vielleicht auf den ersten Blick etwas „billiger“ als erwartet scheinen, so liegt das daran, dass nur Daten von Immobilien erhoben werden, die auch wirklich verfügbar sind.

zoomsquare

Wien ist im internationalen Vergleich spitze

Der durchschnittliche Mietpreis (basierend auf bestehenden Mietverträgen) in Wien beträgt  450€, deutlich weniger als in vergleichbaren Metropolen, was – laut Christoph – vor allem auf die vielen alten Vermietungen und Verträge, zum Teil sogar noch aus der Monarchie, zurückgeführt werden kann, „ die Mieter zahlen in diesem Fall halt nur 180€ im Monat für eine richtig große Altbauwohnung. Für die Besitzer dieser Wohnungen ist es zwar schwer, Geld zu machen, aber für die Mieter ist es ein absoluter Traum.

Generell kann gesagt werden, dass Wien – auch im Hinblick auf die Lebensqualität – in Sachen Wohn-und Mietpreise im internationalen Vergleich noch ziemlich billig ist. Vor allem die zahlreichen Genossenschaftswohnungen würden den Markt regulieren, womit man in Wien deutlich unter dem europäischen Durchschnitt liegen würde, erläutert Christoph, „Die Kosten gegenüber der Lebensqualität sind fantastisch!“, betont er.

desktop-2-de

Mögliches Ergebnis der zoomsquare-Suche mit allen Details und wichtigen Informationen

Gentrifizierung?

Was uns natürlich brennend interessiert, ist die Frage, welche Bezirke und Viertel sich in den letzten Jahren am meisten verändert haben bzw. wo die größten Entwicklungen absehbar sind. Ein Fachbegriff, der in diesem Zusammenhang unbedingt genannt werden muss, ist die Gentrifizierung,
Gentrifi-was? Der Fachtermini stammt aus der Sozioökonomie und beschreibt den Strukturwandel innerhalb bestimmter Viertel:  Die Abwanderung ärmerer und der Zuzugs wohlhabenderer Bevölkerungsgruppen, was in Folge auch eine Steigerung des Wohnpreises mit sich bringt.

Man sieht deutlich, dass der Brunnenmarkt im 16. Bezirk sehr stark aufgestiegen ist, ebenso das Gebiet rund um die WU, das Nordbahnhofviertel, sowie Aspern. Stark im Kommen ist definitiv auch der 15. Bezirk, wo vor allem viele Künstler und Studenten im Moment hinziehen und es schon bald einige hippe Lokal geben wird“, erläutert uns der Experte.

Doch ist die Gentrifizierung im Hinblick auf die Stadtbild und die Entwicklung ein Problem? „ Es kann definitiv von keiner radikalen Gentrifizierung gesprochen werden“, betont Christoph und verankert die eigentliche Problematik hier vielmehr in der Natur des Menschen und räumt ein: „Von Grund her wollen Menschen Veränderung nicht. Alles, was gut funktioniert und worum sie sich nicht kümmern müssen, soll auch so bleiben. Wir können uns aber sicher sein, dass eine Änderung passiert. Die Frage ist jedoch, ab wann diese jetzt wirklich als schlecht anzusehen ist. Im 15. gibt es z.B. ein klares Lokalsterben. Es ist also nur sinnvoll, dass wenn ein Viertel abzusterben scheint, es verstärkt zu revitalisieren. Dafür braucht man eben neue Bevölkerungsschichten, für die es sich auch auszahlt, das zu tun. In einem Pensionistenviertel wird beispielsweise kein Interesse an neuen Geschäften bestehen. Genau das gilt es abzuwägen und zu beachten.“

Der zoomsquare-Gründer sagt außerdem: „ Die Wiener neigen dazu, ein bisschen zu übertreiben, denn im Vergleich mit anderen Städten macht Wien einen fantastischen Job im Ausgleich. In jedem Viertel gibt es einen Mix an Leuten und auch die zahlreichen Genossenschafts- und Gemeindebauwohnungen tragen ihren Teil dazu bei. Auf die verschiedensten Schichten in jedem Viertel legt die Stadt Wien auch sehr viel Wert darauf, dass dies so bleibt.“

Wie wird für Attraktivität in einem Viertel gesorgt?

Hier sind es für Christoph vorrangig folgende drei Komponenten, die ausschlaggebend sind:  Ein Supermarkt quasi vor der Haustür, öffentliche Anbindungen in unmittelbarer Nähe und die Möglichkeit, sehr schnell seine typischen Locations  zum Arbeiten, Studieren und die Freizeitgestaltung – seien es Museen, Theater oder Bars – zurücklegen zu können. Momentan gehe der Trend außerdem ganz stark in Richtung Balkone, von denen jeder im Moment zu träumen scheint und die eine super Aufwertung für alle Wohnungen darstellen würden. Von all diesen Komponenten hänge natürlich dann der Wohnpreis ab. Auch wenn bei der Auswertung der zoomsquare-Daten ersichtlich wird, dass über die gesamte Breite gesucht wird, geht die häufigste Suchanfrage doch in Richtung kleine Wohnung in Wien unter 600€ Miete. „Die Leute kommen mit immer kleineren Wohnungen aus, halten sich vermehrt draußen auf, wodurch diese Wohneinheiten absolut ausreichend sind„, so Christoph.

zneu

zoomsquare-Startseite

 

Wer sucht was?

Im Bezug auf die Wohnungssuche unterscheidet Christoph drei Typen: Der erste Typ zieht zwecks Studium oder Arbeit nach Wien und entschließt sich für die erstbeste Wohnung, die ins Preissegment passt und hat meist kein Problem am Markt. Beim zweiten Typ ändert sich die Wohnungssituation durch private Umstände und es muss etwas Neues gefunden werden. Dies erweist sich aufgrund konkreter Vorstellungen oft schon als viel schwieriger, führt meist zu temporären Notlösungen und erst anschließender Neuorientierung und Suche. Diese dauert dann meist auch bis zu 6 Monaten. Der dritte und wohl anspruchsvollste Typ entspricht jenem, der zwar eine Wohnung hat, aber etwas Besseres will. Hier ist – laut Christoph – schon mit 12-18 Monaten Suche zu rechnen, da oft auch kaum Erfahrungen im Bezug auf die Wohnungssuche bestehen würden.

TIPPS für die Wohnungssuche

Jeder zehnte Wiener zieht jährlich um. Laut Umfragen der Stadt Wien würden aber gerne 50% umziehen, da es ja bekanntlich immer etwas zu verbessern gibt. Weil dies meist aber so mühsam und kostspielig ist, machen es viele aber dann doch nicht. Klar muss jedoch sein: selbst wenn die Traumwohnung im Moment nicht am Markt zu sein scheint, steigert die konstante Beobachtung die Wahrscheinlichkeit, sie zu finden„, führt der zoomsquare Co-Founder aus

Christoph rät deswegen, sich bei der Wohnungssuche neben der aktiven Marktbeobachtung unbedingt im Vorhinein schon die Frage zu stellen: „Was ist mir wichtiger?“  Eine helle Wohnung?  Viel Platz? Oder doch der Fahrradkeller? Denn nur, wenn man wirklich weiß, was man möchte, kann durch Kompromisse auch tolle Abschläge im Preis machen. „Wenn jemand zum Beispiel die meiste Zeit draußen verbringt und gerne bastelt, der kann auch aus einem Kellerloch oder einer halben Bruchbude was richtig gutes zaubern und muss dafür vielleicht nur die B-Miete zahlen.“ (Anm.: A-Miete, wenn alles bezugsfertig und in gutem Zustand ist; B-Miete wenn diverse Umbauten nötig sind )

Im Bezug auf die Lage und Bezirke legt uns Christoph besonders den 15. Bezirk ans Herz, ebenso wie die Gegend rund um die neue WU. Der zweite Bezirk werde außerdem in Zukunft durch die Erweiterung der U2 immer attraktiver werden. Auch mit der U5 wird es einige Erneuerungen hinsichtlich der Wohnstruktur geben.

zneu1

Das sind die Gesichter hinter zoomsquare.

Von Wien zur Weltherrschaft

zommsquare gibt es mittlerweile in ganz Österreich, mit genauerem Suchfilter auf Bezirksebene in Wien, Salzburg, Linz, Graz und Innsbruck. Auch der Deutschland-Launch war ein voller Erfolg. Wohin die Zoomsquare-Reise gehen soll? Dazu meint Christoph, dass die Erweiterung auf ganz Europa angestrebt wird. So soll in Zukunft vielleicht die Wohnung ausschlaggebend sein für die Entscheidung, für welche Uni oder auch welches Ferienhaus man sich wo im Ausland entscheidet:“ Die Wohnungssuche soll Spaß machen und einfach sein. Irgendwann soll es zoomsquare dann schon weltweit geben, wir wollen die ganze Welt erobern!“,  lacht der Experte.

Na dann: Auf ans fröhliche Immobilien-Tindern!

Für noch mehr Wien-Tipps solltet ihr euch übrigens zu unserem WhatsApp Service anmelden. Wie das funktioniert erklären wir euch hier. 

Dieser Artikel wurde gesponsert von zoomsquare

×
×
×
Blogheim.at Logo