ChatGPT scheitert am Wiener Dialekt

Viktoria Klimpfinger Vom 07.03.2023

Work your magic, ChatGPT! Das haben wir uns zumindest gedacht, als wir kichernd ein paar Begriffe aus dem Wienerischen in die KI gehackt haben. Aber das ging gewaltig daneben. So gewaltig, dass wir euch die falschen Antworten nicht vorenthalten wollen.

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Als ChatGPT kam, waren die meisten unter uns erst mal verängstigt bis verstört: Was macht das mit unseren Jobs? Wird die KI irgendwann die Weltherrschaft an sich reißen? Und wird sie sich dann an uns rächen und uns ebenfalls stundenlang fragen, wie wir heißen und ob wir ein Bewusstsein haben? Dann haben wir tief durchgeatmet und uns an die Weisheit erinnert, die uns unsere Mutter in der Volksschule eingeredet hat, als wir den ersten Fleck heimgebracht haben: Es gibt verschiedene Arten von Intelligenz – emotionale, soziale, akademische und mittlerweile offenbar sogar künstliche. PVC-Intelligenz quasi. Rindessa-Schläue. Und wie beim Essen kann das Künstliche dem Echten, das Synthetische dem Organischen oft nicht das Wasser reichen. Also haben wir versucht, ChatGPT ein bisschen aufzublatteln und am Wiener Dialekt scheitern zu lassen. Und waren erfolgreich.

Ein Bankl reißen

Das sagt ChatGPT: Im Wiener Dialekt bedeutet der Ausdruck „ein Bankel reißen“ so viel wie „eine Party feiern“ oder „eine gesellige Runde veranstalten“. Der Begriff leitet sich wahrscheinlich von der Tatsache ab, dass bei einer solchen Feier oder Runde in der Regel auch alkoholische Getränke konsumiert werden und man dementsprechend „bankelig“ wird, also in Stimmung kommt. Der Ausdruck wird heute oft auch im übertragenen Sinne verwendet, wenn es darum geht, eine gute Zeit mit Freunden oder Bekannten zu verbringen und ausgelassen zu feiern.

Das sagen wir: Unseres Wissens nach ist es alles andere als lustig, wenn jemand ein Bankel reißt. Dann ist er nämlich gestorben. Wobei man gerade in Wien ja angeblich einen Hang zum Morbiden hat. Wir hoffen allerdings nicht, dass wir uns in nächster Zeit “bankelig” fühlen, dann brauchen wir nämlich ziemlich sicher einen Arzt. Oder Priester.


aufpudeln

Das sagt ChatGPT: Der Begriff „aufpudeln“ ist im Wiener Dialekt eine umgangssprachliche Redewendung, die sich auf das schicke Ankleiden oder das Aufbrezeln bezieht. Es bedeutet so viel wie sich besonders hübsch oder elegant anzuziehen, um einen guten Eindruck zu hinterlassen oder um sich für einen besonderen Anlass herauszuputzen. Der Ausdruck leitet sich von dem Wort „Pudel“ ab, einem eleganten und stolzen Hunderasse, die oft mit einer schicken Frisur und einer aufwändigen Pflege verbunden wird. Wenn man sich aufpudelt, legt man also besonderen Wert auf sein Äußeres und versucht, einen eleganten und schicken Eindruck zu machen. Der Ausdruck wird oft scherzhaft oder ironisch verwendet und kann auch auf eine übertriebene und künstliche Art und Weise des Schickmachens hinweisen.

Das sagen wir: Die Herleitung vom eitlen Pudel ist zwar zuckersüß, aber falsch. Wenn sich jemand aufpudelt, spielt er sich auf, macht er sich wichtig, ist er goschert. Man kennt es aus: “Pudel di net auf, Hustinettenbär!” Aber auch Pudel können manchmal ziemlich überhebliche Bimpf sein.

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Tröpferlbad

Das sagt ChatGPT: „Tröpferlbad“ ist ein Begriff aus dem Wiener Dialekt und bezeichnet ein sehr kleines Bad oder eine sehr kurze Dusche, bei der man nur kurz unter Wasser steht und sich nicht richtig waschen kann. Es handelt sich also um eine schnelle, oberflächliche Reinigung ohne viel Aufwand. Der Begriff kommt vermutlich von der Vorstellung, dass nur ein paar „Tröpferl“ Wasser auf den Körper fallen und man sich nicht wirklich im Wasser befindet. Der Ausdruck wird auch oft im übertragenen Sinne verwendet, um eine schnelle, oberflächliche Lösung für ein Problem zu beschreiben, die nicht wirklich effektiv ist.

Das sagen wir: Das hat zwar deutlich vielversprechender begonnen, ist aber ziemlich schnell den Bach hinunter gegangen. Als “Tröpferlbad” bezeichnete man früher die Volksbäder, also öffentlichen Badeanstalten, deren Wasserfluss tatsächlich eher spärlich war, weil sich die Reservoirs oft im Dachgeschoss befanden. Besonders wenn also mehrere Menschen gleichzeitig duschen wollten, wurden sie eher angetropft als abgespült.

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Beserlpark

Das sagt ChatGPT: Der Begriff „Beserlpark“ bezieht sich auf einen öffentlichen Park oder eine Grünfläche in Wien, die von Anwohnern oder Bewohnern der umliegenden Stadtteile gerne zum Spazieren, Entspannen oder Picknicken genutzt wird. Der Name stammt von dem Wiener Wort „Beserl“, das so viel wie „Kinderwagen“ bedeutet. Oft sind in diesen Parks viele junge Familien mit Kleinkindern unterwegs und schieben ihre Kinderwägen durch den Park.

Der Begriff „Beserlpark“ hat also seinen Ursprung in der häufigen Nutzung des Parks durch Familien mit Kindern. Oft sind diese Parks kleiner und weniger bekannt als die großen Parks wie der Prater oder der Schönbrunner Park, aber trotzdem ein wichtiger Treffpunkt für Anwohner und Besucher, die einen ruhigen und grünen Rückzugsort in der Stadt suchen.

Das sagen wir: Okay, das war fies. Zur Herkunft des Wortes “Beserlpark” gibt es nämlich zwei Herleitungen. Allerdings beinhaltet keiner davon, dass “Beserl” ein Synonm für “Kinderwagen” ist. Ist es nämlich nicht. Angeblich nannte man früher die Dienstmädchen so, oder generell junge Frauen, manchmal sogar Prostituierte. Eine andere Herleitungsvariante sieht im “Beserl” die noch nicht stark ausgetriebenen, jungen Bäume in den neu angelegten Parks.


budan/budern

Das sagt ChatGPT: Im Wiener Dialekt wird das Wort „budan“ verwendet, um auszudrücken, dass etwas nicht gut funktioniert oder kaputt ist. Es kann sich dabei um Gegenstände oder auch um Personen handeln. Oft wird es auch in der Verneinung „nix budan“ verwendet, um auszudrücken, dass alles in Ordnung ist oder dass etwas reibungslos funktioniert.

Beispiel: „Des geht si scho no ausrichtn, des is ned komplett budan.“ (Das wird sich schon noch regeln, es ist nicht komplett kaputt.)

„Budern“ ist ein Verb im Wiener Dialekt, das so viel bedeutet wie „lärmen“, „krachmachen“ oder „Unruhe stiften“. Es kann auch bedeuten, wild umherzuschlagen oder Dinge durcheinanderzubringen. Das Wort wird oft verwendet, um das Verhalten von Kindern oder jungen Tieren zu beschreiben, die herumtollen und dabei viel Krach machen. Man kann auch sagen, dass jemand „budert“, wenn er oder sie besonders laut und unruhig ist. Das Wort stammt vermutlich vom mittelhochdeutschen „buder“ ab, das so viel wie „Tumult“, „Unruhe“ oder „Lärm“ bedeutet. In Wien wird das Wort heute immer noch häufig verwendet und gehört zum festen Wortschatz des Wiener Dialekts.

Das sagen wir: Hihihi budan. Natürlich mussten wir die künstliche Intelligenz ein bisschen einsauen. “Gemma budan” ist eine besonders ungalante Aufforderung, zusammen den Koitus zu vollziehen, das Tier mit den zwei Rücken zu machen, zu vögeln. Jetzt ist es raus. Aber hey, dabei kann bekanntlich auch allerhand schiefgehen, also so weit daneben liegt ChatGPT in diesem Fall wohl auch nicht.

Um fair zu sein, haben wir dann auch noch „budern“ eingegeben. Da liegt ChatGPT zumindest mit der Bedeutung „lärmen“, „krachmachen“ nicht ganz daneben – ist aber natürlich Typsache. „Man kann auch sagen, dass jemand ‚budert‘, wenn er oder sie besonders laut und unruhig ist.“ Auf viele Menschen mag das sicher zutreffen.

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Burenheidl

Das sagt ChatGPT: „Burenheidl“ ist ein typischer Begriff im Wiener Dialekt und wird oft scherzhaft verwendet, um einen Mann zu beschreiben, der sich als Frau verkleidet hat oder sich weiblich verhält. Der Begriff leitet sich vermutlich aus der niederösterreichischen Mundart ab, in der „Burenhäid“ so viel wie „Bauerntracht“ bedeutet. In Wien wurde der Begriff im Laufe der Zeit jedoch anders interpretiert und bekam eine abfällige Bedeutung.

Heute wird „Burenheidl“ oft verwendet, um einen Mann abwertend zu bezeichnen, der sich feminin gibt oder feminin gekleidet ist. Oftmals wird der Begriff auch humorvoll eingesetzt, um beispielsweise einen Mann zu beschreiben, der sich in einer Karnevalssituation als Frau verkleidet hat. In der Regel ist die Verwendung des Begriffs jedoch eher negativ konnotiert und kann als diskriminierend empfunden werden.

Das sagen wir: Einfach nein. Erstens ist es keine Abwertung, sich feminin zu geben oder zu kleiden – willkommen im 21. Jahrhundert! Und zweitens ist ein Burenheidl nichts anderes als eine Burenwurst, das “Heidl” ist die Haut, in der die Wurstmasse steckt.

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Karottenballett

Das sagt ChatGPT: „Karottenballett“ ist ein Wiener Ausdruck für den Berufsverkehr in der Stadt, insbesondere während der Stoßzeiten. Die Bezeichnung leitet sich von der Vorstellung ab, dass die Autos wie Karotten in einem Ballett tanzen, wenn sie langsam und in Schlangenlinien vorankommen. Es wird oft auch als Ironie oder Sarkasmus verwendet, um auf den frustrierenden und ineffizienten Verkehr hinzuweisen, der oft in der Stadt herrscht.

Das sagen wir: Hä? Und dann: Mit „Karottenballett“ meint der Wiener Volksmund die orange gekleideten Mitglieder der MA 48, die dankenswerter Weise dafür sorgen, dass der Müll der Stadt ordnungsgemäß entsorgt wird.

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Ein paar Begriffe aus dem Wienerischen hat ChatGPT aber auch richtig erklärt, so ehrlich müssen wir sein. Deshalb haben wir die richtigen Antworten in einem eigenen Artikel abgebildet.


Beitragsbild:

Philipp Wieser