Bad Gastein Yoga herbst

Urlaub in Österreich: 11 Dinge, die man in Bad Gastein unbedingt machen muss

Dienstag, 4. Februar 2020 / Lesedauer: ca. 9 Minuten

Urlaub in Österreich: 11 Dinge, die man in Bad Gastein unbedingt machen muss

Dienstag, 4. Februar 2020 / Lesedauer: ca. 9 Minuten

Manchmal liegen die schönsten Erlebnisse direkt vor der Haustür – oder zumindest nur ein paar Fahrstunden entfernt. Deshalb schauen wir uns in der Reihe Urlaub in Österreich an, wo es sich in Österreich besonders gut urlauben lässt. Immerhin hat das Land der Berge und Täler von Wintersport bis Sonnenbaden so allerhand zu bieten. Und wo im Winter die Pisten knarzen, winkt im Sommer oft die pure Idylle. Daher zeigen wir euch diesmal, warum ihr unbedingt einmal in Bad Gastein Urlaub machen solltet.

von Viktoria Klimpfinger

UPDATE: September 2020

Noblesse oblige, sagt man. Adel verpflichtet. In Bad Gastein fühlte sich lange keiner wirklich verpflichtet. In den 80ern investierte ein schwedischer Unternehmer in ein paar Hotels – was erklärt, warum manche den pittoresken Kurort der Reichen und Schönen noch heute scherzhaft als „zweitgrößte Stadt Schwedens“ bezeichnen –, zur Jahrtausendwende zog dann ein österreichischer Investor nach, übernahm die pompösen Belle-Epoque-Hotels, die so typisch sind für den Ort, und dann kam lange nichts. Investiert wurde nicht, die Prunkbauten runzelten vor sich hin. Viele stehen heute noch so an den Berg gelehnt, wie sie die Habsburger Noblesse nach ihrer Sommerfrische zurückgelassen hat. Doch den langen Leerstand sehen hier nicht alle als ruinösen Schandfleck, im Gegenteil. Einige, mit denen wir gesprochen haben, finden, dass er bewahrt hat, was sonst wahrscheinlich längst modernisierten Hotelkomplexen weichen hätte müssen.

Es scheint, als habe Bad Gastein nur ein wenig abwarten müssen, bis Hochglanz und Makellosigkeit aus der Mode kommen und man sich wieder dem Alten, Vergessenen, der Patina der Geschichte zuwendet. Denn ob sie es wollen oder nicht, entsprechen die verfallenen Bauten, die Historisches aus jeder Diele ächzen, ideal dem Zeitgeist. Vintage, retro, zurück zum Alten, da brauchte Bad Gastein sich nicht erst großartig anstrengen, das ging praktisch von alleine. Mittlerweile siedeln sich immer mehr junge Kreative an, in dem Ort, der schon in seinen Ursprüngen für Urlaubende und Kurgäste aus allen Himmelsrichtungen in den Hang hineinkonstruiert wurde. Ihnen liegt allerdings viel daran, dem Gesicht des Orts kein Facelifting zu verpassen, sondern vielmehr da zu erneuern, wo es nötig ist, und dort zu bewahren, wo es geht.

Bad Gastein

Hotel Straubinger (c) Viktoria Klimpfinger | 1000things

Yoga Herbst im Hotel Miramonte

Starten wir mit einer ganz aktuellen Aktion im Hotel Miramonte: Vom 9. bis 18. Oktober verwandelt sich Bad Gastein in ein wahres Yoga Paradies. Es stehen für euch viele verschiedene Kurse jeden Tag auf dem Programm. Natürlich ist eine bunte Vielzahl für Anfänger und Anfängerinnen sowie für Fortgeschrittene dabei. Obendrauf gibt es Workshops und spannende Kurse an drei Orten. Mit von der Partie sind nämlich Bad Gastein, Bad Hofgastein und Dorfgastein. Wer schon lange einmal Yoga mit traumhaften Blick über herbstliche Kulissen und ein farbenfrohes Bergpanorama erleben wollte, sollte die Chance nicht verpassen. Das Hotel Miramonte hat dazu passend ein cooles drei- Nächte-Angebot in einem Doppelzimmer inklusive Langschläfer-Frühstück und einem  4-Gänge Menü, welches ihr natürlich auch vegetarisch und vegan bekommen könnt. Im Preis sind außerdem zwei Yoga-Einheiten pro Tag und Spa – so viel ihr vertragt, enthalten. Wir sind der Meinung, eigentlich sollte sich jeder Tag im Herbst so sehr nach Verwöhnung anfühlen.

Reitlpromenade 3, Bad Gastein

Bad Gastein Miramonte Herbst Yoga

Nach dem Yoga kann natürlich auch wunderbar relaxt werden (c) Charlotte Stoffels | Miramonte Hotel

The Blonde Beans

Apropos gemütlicher Industrial-Charme: Den bekommt ihr in dem schnuckeligen Café The Blonde Beans quasi gegenüber von der Gondelbahn zum Stubnerkogel bereits zum Frühstück serviert. Viel Platz ist hier nicht, die meisten holen sich Snacks und Kaffee zum Mitnehmen. Aber vor der nackten Ziegelwand mit dem pinken Leuchtschriftzug oder an der Theke vor dem Fenster nach draußen sitzt es sich doch ziemlich bequem. Man könnte fast kurz vergessen, dass man sich in einem Ort in den österreichischen Alpen befindet und nicht mitten im urbanen Treiben. Und was hier viel wichtiger ist als das Ambiente, ist natürlich der wirklich wunderbare Third Wave Kaffee und die g’schmackigen Bagels. Wir waren sowohl von unserem BLT-Bagel – für alle, die ähnlich wie wir gerade verwirrt aus ihrer Hipster-Bubble gestolpert sind: Bacon-Lettuce-Tomato – als auch von unserem Lachs- oder Tomate-Mozzarella-Bagel nachhaltiger begeistert, als man von einem Frühstücksweckerl zunächst erwarten würde. Und die süßen Zimtkringel – wir fangen am besten gar nicht erst an, sonst müssen wir leider in den nächsten Zug Richtung Salzburg springen.

Bahnhofplatz 4/8, 5640

Bad Gastein

Die Ziegelwand im Blonde Beans (c) Viktoria Klimpfinger | 1000things

Urlaub zu jeder Jahreszeit

Das können wir übrigens im Sommer wie im Winter, praktisch zu jeder Jahreszeit empfehlen. Dabei kommt es nur darauf an, was man sich von so einem Urlaub erwartet: Im Winter bekommt man hier nicht nur Skifahren am Stubnerkogel, ausgelassenes Après-Ski-Feiern mit einer Horde quietschvergnügter Schwedinnen und Schweden, sondern auch noch eine ordentliche Portion verschneite Wes-Anderson-Stimmung, wenn die dicken Schneeflocken die Hotelruinen in kitschige Ansichtskartenoptik hüllen. In der wärmeren Jahreszeit kann man dafür die weitläufige Landschaft bewandern und spüren, wie in Bad Gastein eine Art neue Urbanität verschmilzt mit ruraler Idylle, wegen der man offenbar schon zu Kaiserszeiten hierher gepilgert ist. Denn eins darf man nicht vergessen: Ursprünglich war Bad Gastein vornehmlich auf den Sommer- und Kurtourismus ausgelegt.

Bad Gastein

Bad Gastein im Juli (c) Viktoria Klimpfinger | 1000things

Vom Kötschachtal zum Reedsee

Eine ganz besondere Wanderung ist etwa jene zum Reedsee, dem wohl schönsten Gebirgssee der Alpen. Ausgangspunkt für den Anstieg ist entweder das legendäre Hotel Gründer Baum, einst beim internationalen Jetset beliebt. Olaf Krohne versuchte es eine Zeitlang, ähnlich wie sein Hotel Regina für jüngere Gäste wiederzubeleben, doch derzeit steht es leer. Jedenfalls geht’s von dort aus in etwa einer halben Stunde zum wirklich steilen Aufstieg. Den sollte man nicht unterschätzen – mit genügend Trinkpausen haben wir circa eineinhalb bis zwei Stunden gebraucht, bis wir beim auf 1.831 Metern gelegenen Reedsee angekommen sind. Jede Schweißperle auf unserer Stirn hat sich aber definitiv gelohnt: Ein uralter Bergwald säumt das stille Wasser. Darin spiegeln sich nicht nur seine Bäume, sondern auch die imposante Tischlergruppe dahinter. Da kann man schon ein wenig die Zeit vergessen. Und keine Sorge, auf die Gehfaulen müssen sich das nicht entgehen lassen: Man kann alternativ auch mit dem Lift von Bad Gastein aus zum Graukogel gondeln und von dort aus über die Palfnerscharte zum Reedsee absteigen.

In schwindelnden Höhen

Im Winter muss man sich nicht erst die Ski anschnallen, um am Stubnerkogel ein bisschen Nervenkitzel zu erleben. Das geht auch in warmen Wanderschuhen. Denn die Hängebrücke, die neben einer der Pisten verläuft, ist das ganze Jahr über frei begehbar. 140 Meter lang führt sie euch von der Terrasse des Restaurants der Bergstation bis zur Senderanlage – schwingend, blickdurchlässig und ziemlich hoch. Unter unseren Füßen fällt der Blick etwa 28 Meter tief, dafür aber an klaren Tagen auch wunderbar weit über die Gipfellandschaft. Im Sommer empfehlen wir euch hier unbedingt einen Abstecher auf den Tischkogel und den Zitterauer Tisch. Gute eineinhalb Stunden braucht ihr von der Gondel-Bergstation bis zu den beiden Gipfeln, der Weg ist abwechslungs- und aussichtsreich, aber Achtung: Ihr begeht dabei einen schwarzen Wanderweg mit steilen, manchmal ausgesetzten Stellen und Absturzgefahr. Seid euch also der Schwierigkeit bewusst, zieht vernünftige Bergschuhe an und achtet auf eure Schritte.

Bad Gastein Stubnerkogel

Die Hängebrücke am Stubnerkogel (c) Viktoria Klimpfinger | 1000things

Flying Waters

Auch ein Flying Fox, der von einer Seite des Tals zur anderen führt, klingt zunächst mal wie der ultimative Adrenalinkick. Bei der Zipline von Fyling Waters geht es allerdings weniger um nervenzerreißende, magenumdrehende Schallgeschwindigkeit, sondern um die herrliche Aussicht über Bad Gastein. 300 Meter lang schwebt ihr bei bis zu 35 km/h vorbei an den historischen Bauten, grünen oder dick verschneiten Bäumen und natürlich an dem tosenden Wasserfall, der für das Antlitz Bad Gasteins das ist, was für Cindy Crawford ihr Muttermal ist.

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Spaziergang zum Wasserfall

Den könnt ihr euch natürlich nicht nur von einem Metallseil baumelnd ansehen, sondern auch mit festem Boden unter den Füßen. Ein kleiner Weg führt steil hinauf zu seinem Ursprung und hinab, dorthin, wo der weiße Wasserschaum sich zum Fluss beruhigt. Entweder man spaziert weiter bis zu einer kleinen Brücke und von dort aus wieder bergauf zum Ort, oder man legt ein kleines Päuschen im Café Kraftwerk ein. Das ist längst kein Geheimtipp mehr, wirkt allerdings mit seinen schrillen giftgrünen und violetten Möbeln irgendwie aus der Zeit gefallen. Als wäre es aus einem Möbelhaus-Abverkauf der 90er abgestürzt und direkt neben den Wasserfall geplumpst. Der wertet die Location unbestreitbar auf. Genauso wie die Innenausstattung, die zum Teil noch original aus dem 1914 errichteten und 1996 eingestellten Kraftwerk stammt, wie etwa die beiden großen Francis-Turbinen, die den Raum dominieren.

Wasserfallstraße 7, 5640

Bad Gastein

Der obere Teil des Wasserfallwegs (c) Viktoria Klimpfinger | 1000things

Café Schuh

Eine deutlich verstecktere und schrulligere Location ist das Café Schuh an der Kaiser-Wilhelm-Promenade. Ein Besuch hier zahlt sich eigentlich schon allein wegen des Ausblicks auf den Ort aus. Aber auch im Inneren hängt sich einem erst einmal ein wenig die Kinnlade aus. Denn hier trifft einiges zusammen, was auf den ersten Blick nicht wirklich zusammenpasst, aber auf den zweiten unbedingt zusammen bleiben sollte. Das Café wirkt, als hätte es jemand irgendwo in Wien geklaut und eins zu eins in die Berge transplantiert. Tatsächlich steht es aber bereits Jahrzehnte hier in Bad Gastein. Schon Paula Wessely und Attila Hörbiger haben es damals gekauft, in der Hoffnung, ihre Tochter Christiane Hörbiger würde das Kaffeehaus irgendwann einmal übernehmen. Die hatte da offensichtlich andere Pläne. Übernommen hat es inzwischen Remo de Joris und steht mit all seinem Schmäh hinter der dunklen Vollholztheke, in deren Innerem die Torten brüten. Und nicht nur wegen der Mehlspeisen kommt man hierher. Joris ist Italiener, also greift er hier tief in den Klischeetopf und zieht jede Menge Pastavariationen heraus. Pasta im Kaffeehaus – klingt erst mal eigenartig, passt aber perfekt in die Bad Gasteiner Zwischenwelt.

Kaiser-Wilhelm-Promenade 9, 5640

Bad Gastein Café Schuh

Das Café Schuh von innen (c) Viktoria Klimpfinger | 1000things

MEX bar & taqueria

Genauso wie das noch relativ neue mexikanische Restaurant mit dem naheliegenden Namen MEX, das mitten in der Bad Gasteiner Partymeile oben bei der Talstation der Gondelbahn liegt. Die Auswahl ist zwar überschaubar, aber man vermisst nichts, was man von der mexikanischen Küche erwarten würde: Nachos, Tacos, Quesadillas und Salate kommen in jeweils vier verschiedenen Varianten mit Pulled Chipotle Chicken, Coconut Fried Halloumi, Lime & Jalapeño Beet oder Apple Habanero Chorizo daher. Die Tacos gibt es übrigens sogar in herrlich cremiger süßer Ausführung, entweder mit Himbeer- oder mit Schokoladeneis. Auch hier fühlt man sich, ähnlich wie bei den Blonde Beans, zwischen Kaktus-Leuchtsymbol im Retro-Look und Leuchtschrift an der Wand, als wäre man mal mitten in den Alpen mal kurz nach Berlin oder Amsterdam gestolpert, während nebenan im Haeggbloms die Schwedinnen und Schweden Aprés-Ski feiern.

Kaiser Franz Josef-Straße 40, 5640

Bad Gastein

Der Leuchtkaktus des MEX (c) Viktoria Klimpfinger | 1000things

Betty’s Bar

Ist man schon mal da, kann man auch gleich weiterstolpern, und zwar in Betty’s Bar. Das schummrig-stilsichere Ambiente hier erinnert fast ein wenig an eine Speakeasy-Bar aus den rumorenden 20ern des vorigen Jahrhunderts. Besonders in der gemütlichen Nische an der hinteren Wand des Lokals bleibt man gerne länger picken. Kommt nach ein paar süffigen Longdrinks wie dem herrlich erfrischenden Cranberry Crush doch wieder der Hunger, stillen ihn die köstlichen Flammkuchen- oder Tapas-Varianten definitiv zur Genüge.

Kaiser Franz Josef-Straße 17, 5640

Bad Gastein Bar

Einer der köstlichen Flammkuchen mit gebratenem Lamm in Betty’s Bar (c) Viktoria Klimpfinger | 1000things

Villa Excelsior

Zugegeben: Zwischen all den verfallenden Prunkgebäuden selbst in Speakeasy-Stimmung zu verfallen, liegt irgendwie auf der Hand. Aber wenn schon, dann bitte auch so richtig. Denn die Hausbar des Hotels Villa Excelsior zeigt vor, wie Fin-de-Siècle-Feeling richtig geht. Betreiber Christof Erharter hat das Haus vor fast 20 Jahren übernommen und ihm seinen alten Schuss zurückgegeben. Eine Zeitlang diente die Villa ab den 50ern nämlich als Priesterwohnheim – die gediegenen Originalmöbel hob man auf dem Dachboden auf. Nachdem Erharter sie wieder ausgegraben und restauriert hatte, richtete er das gesamte Haus originalgetreu wie zur Jahrhundertwende ein. Er selbst lebt den Dandy-Lifestyle vor, mit Seidenhalstuch und allem, was dazugehört. Zum Beispiel führt er die Kartei über seine Gäste nach wie vor handschriftlich. Vor allem hat es uns bei unserem kurzen Besuch hier aber die kleine Bar angetan, die sich im Zwischenstock zwischen einem Aufenthaltsraum versteckt. Viel Platz ist hier nicht – und das ist auch gut so. So kann man die schummrige Stimmung und das skurrile Flair bei Kir Royal und Co. am besten aufsaugen. Im Sommer ist sie allerdings geschlossen, stattdessen kann man aber auf die ebenso kleine, ebenso gemütliche Terrasse des Hauses ausweichen und die lauen Sommerabende genießen.

Bad Gastein Villa Excelsior

Christof Erharter in seiner Speakeasy-Bar (c) Veronika Micheli | 1000things

Egal ob ihr wegen der Ruinen oder der Landschaft, des Skifahrens oder des Wanderns kommt – bleiben werdet ihr in Bad Gastein definitiv wegen seiner ganz besonderen Atmosphäre, die irgendwo zwischen Aufbruch und Stillstand hängt, irgendwo zwischen Flying Fox und Wasserfall.

Ihr kriegt nicht genug von Bad Gastein? Wir haben uns angesehen, warum die junge Kreativszene hier so floriert. Noch mehr Inspiration für euren Sommerurlaub in Österreich findet ihr auf unserer Herbst-dahoam-Seite.

(c) Beitragsbild | Nikola Rehbein
(c) Beitragsbild Facebook | Nikola Rehbein

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