Stadtführungen Österreich

Die ausgefallensten Führungen durch Österreichs Hauptstädte

Samstag, 2. Juni 2018 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

Die ausgefallensten Führungen durch Österreichs Hauptstädte

Samstag, 2. Juni 2018 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

Von Bregenz bis Eisenstadt: Die österreichischen Hauptstädte sind immer wieder einen Erkundungstrip wert. Denn abseits der ausgetrampelten Touri-Pfade, jenseits von der Bregenzer Seebühne oder Schloss Esterházy gibt es hier noch allerhand Verborgenes zu entdecken. Deshalb haben wir hier die ausgefallensten Touren durch die österreichischen Citys für euch.

von Viktoria Klimpfinger

Egal ob durch Schulausflüge oder übereifrig-unternehmungslustige Eltern – die Hauptstädte der Bundesländer kennt ihr jedenfalls schon zur Genüge? Wenn ihr die klassischen Stadtführungen schon längst nicht mehr nötig habt, dann haben wir hier ein paar alternative Touren für euch, die euch ganz neue, unerwartete Seiten der österreichischen Hauptstädte zeigen.

Bregenz

Wir arbeiten uns am besten strategisch von West nach Ost vor. Also erst mal Bregenz: Das hatte seine goldene Zeit unter anderem zur Jahrhundertwende, vor dem ersten Weltkrieg. Macht also Sinn, sich für eineinhalb Stunde in diese Zeit zurückversetzen zu lassen, um den Atem der Stadt im Genick zu spüren. Und wie würde das besser klappen als in Begleitung einer waschechten Lady aus dem Fin de Siècle? Na gut, waschecht ist sie vielleicht nicht unbedingt – so weit sind wir mit den Zeitreisen ja noch nicht. Aber immerhin ist Austria Guide Karin Fetz der damaligen bürgerlichen Gesellschaft konform gekleidet und im um 1900 brandaktuellen Klatsch und Trasch versiert. Wie nebenbei nimmt sie euch zwischen dem einen oder anderen pikanten G’schicht’l mit zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zu ihrer Blütezeit, vom Hafen bis zur mittelalterlichen Oberstadt.

Die Führung kostet pauschal € 120,- für maximal 30 Personen.

Innsbruck

Auch in Innsbruck könnt ihr eine kleine Zeitreise machen, und das sogar mit Gruselfaktor: Jeden ersten Donnerstag im Monat führt Kulturhistoriker Ewald Strohmar-Mauler durch die Stadt und ihre Kriminalgeschichte. Mit Wams und Zylinder verkleidet als Erzähler aus dem 19. Jahrhundert schildert Strohmar-Mauler eineinhalb Stunden lang die Geschichten von Mördern, Räubern, Gesetzeshütern und Henkern und führt zu ihren Schauplätzen.

Die Führung kostet € 15,- pro Person. Los geht’s jeweils um 19 Uhr bei der Annasäule, also nicht unweit von dem Ort, wo im Mittelalter der Pranger stand. Trifft sich perfekt – welches Zeitalter hat in Sachen Folter und Bestrafung wohl mehr zu bieten als das Mittelalter?

Salzburg

Salzburg ist ebenfalls zum Fürchten! Also nicht wirklich, natürlich ist Salzburg wunderschön. Aber wie jede Schönheit lässt oft gerade eine dunkle, verborgene Seite das Schöne umso heller strahlen. Hach. Deshalb könnt ihr bei der Führung „Gruselgeschichten und Düsteres über Salzburg“ von Tourguide Sabine Rath genau diese Seite etwas besser kennenlernen. Eineinhalb Stunden führt sie als Hexe verkleidet über den St.-Peter-Friedhof und vorbei am Rathaus, dem Waagplatz, der neuen Residenz und an der Festung Hohensalzburg. Da soll nämlich die „Weiße Frau“ herumgespenstert sein, vornehmlich bei Vollmond. Mit Scheinwerferlicht hat man sie dann schließlich vertrieben. Gespenster mögen’s eben dunkel, weiß doch jeder!

#regram of an amazing pic by @zuparino . We just love it. Check out his great work!

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Einer der Schwerpunkte ist auch der Hexenprozess um den Zauberer Jaki, der im 17. Jahrhundert in Salzburg gelebt und gehext haben soll. Auch Orgien mit dem Teufel wurden laut Foltergeständnissen am Gaisberg abgehalten. Zauberer und Hexen wurden im Mittelalter geschoren und mit Weihwasser gewaschen. Das alles und noch viel mehr ist sicher nicht unbedingt etwas für schwache Nerven, durchaus aber etwas für Gruselfans und Gänsehaut-Fetischisten.

Die Führung findet jeden letzten Freitag im Monat statt, dauert ungefähr eineinhalb Stunden und kostet € 15,- pro Person. Treffpunkt ist um 20:00 Uhr in der Festungsgasse vor der Talstation Festungsbahn.

#StPeterFriedhof historical cemetery.

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Klagenfurt

Die Kärntner Hauptstadt hat offenbar viele Gesichter. Zumindest, wenn man sich durch das vielfältige Angebot auf der Website der Stadtführerin Mag. Maria Hartlieb scrollt: Von Medizingeschichte über vergangene Esskultur bis zur Geschichte des Honigs führt sie euch durch unterschiedlichste Themen und Gassen. Besonders ausgefallen: Die Kostümführung: „Von Sinnesfreuden und Todesängsten“, bei der die original barocke Kammerzofe Elsa durch Klagenfurt führt. Sie tratscht ungeniert über Sorgen und Geheimnisse ihrer Herrin, verbreitet den Klatsch und Tratsch der Stadt und gibt Einblick in Schönheitsideale, Liebesgeschichten und Heiratssachen des Barocks.

Der Preis ist abhängig von der Gruppengröße und beginnt bei € 100,-. Die Führung ist auf Anfrage jederzeit buchbar.

Außerdem feiert Klagenfurt 2018 sein 500-jähriges Bestehen als Landeshauptstadt. Am 24. 4. 1518 machte Kaiser Maximilian I. Klagenfurt den Kärntner Landesständen zum Geschenk, weshalb es von März bis Oktober 2018 an jedem 24. des Monats ganz spezielle Themenführungen gibt:

Diese herzliche Einladung von Maria Hartlieb von "Kärnten #Guide – Austria Guide" für den kommenden Samstag geben wir gerne weiter! Begeben Sie sich jeweils am 24. jeden Monats zu einigen der 16 Erzähl-Standorte ganz in der Nähe, um einen ersten Einblick in verschiedene Facetten der 500-jährigen pulsierenden Stadtgeschichte zu bekommen. Warum ausgerechnet am 24. März bis zum 24. Oktober? Am 24. April 1518 machte Maximilian I. als Landesfürst den Kärntner Landständen das 1514 von einer Feuersbrunst zerstörte Klagenfurt zum Geschenk. Dieser landesfürstliche Gabbrief markiert den blühenden Neubeginn Klagenfurts als Landeshauptstadt und vielseitiges Zentrum Kärntens. #visitklagenfurt #klagenfurt #kärnten #carinthia #video #visitcarinthia

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Linz

Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen. Wenn das stimmt, kann man sich schnell mal in Linz verknallen. Die Sinnestour, die euch mit sämtlichen Schmankerln der Stadt bezirzt, wäre zumindest schon mal eine gute Voraussetzung. Hier lernt man die Stadt nämlich von ihrer kulinarischen Seite kennen, von herzhaft bis süß. Zweieinhalb Stunden kostet ihr euch also durch allerhand G’schmackiges, bekommt nebenbei noch Input über regionale Lebensmittel und ihre Produzenten und lernt, wie man denn überhaupt richtig verkostet.

Die Gruppe muss mindestens sechs und maximal 15 Teilnehmer stark sein. Das Ganze kostet € 39,- pro Person, exklusive Getränke. In Wien gibt’s das übrigens auch.

Graz

Graz hat so viele Facetten, dass wir gar nicht wissen, welche Führung wir zuerst machen sollen. Besonders DieGrazGuides machen uns die Entscheidung schwer – von Innenhof-Touren über Art Walks bis hin zu einer akustischen und taktilen Tour für Leute mit Sehbehinderung. Besonders spannend ist die „Graz weiblich“-Führung, die die Stadt im Zeichen ihrer Frauen abgeht und zeigt, wo sie wohnten und wie sie wirkten – und heute noch wirken. Buchbar ist das Ganze über die Homepage von DieGrazGuides.

Wenn ihr nach Innsbruck und Salzburg voll auf den urbanen Gruselgeschmack gekommen seid, könnt ihr daran in Graz gleich anknüpfen. Der „Ghostwalk of Graez“ findet jeden Freitag und Samstag um 20:00 Uhr statt und nimmt euch mit auf schaurig-schöne Stadterkundung. Zugegeben, vieles von dem Gegrusel ist eher Legende als Faktum, aber darum geht’s beim Gruseln ja auch! Jedenfalls wird eure Schauer-Fantasie so definitiv angekurbelt und das schöne Graz bekommt einen Hauch von spannender Unzähmbarkeit – rawr!

Nach einer ausgedehnten Winterpause starten die Touren am 9. Juni 2018 wieder. Treffpunkt ist die Neutorgasse 5. Das Ganze dauert etwa 90 Minuten und kostet € 13,- pro Person.

Ghostwalk Graz

Josef Tschida ist der Ghostwalker. (c) Josef Tschida

St. Pölten

In der Nacht schaut alles ein bisschen anders aus. Auch St. Pölten. Gut, dass euch der authentisch verkleidete Nachtwächter und Berufsharlekin Werner Sandhacker einmal im Monat auf seine Tour mitnimmt. Mit seiner Laterne führt er euch durch die Gassen der Altstadt, während sich die Nacht über das schlummernde St. Pölten legt. Wenn’s euch zu düster wird, könnt ihr gerne eigene Taschenlampen oder Laternen mitbringen – und vielleicht sogar den eigenen Nachtwächter-Umhang, der schon seit Jahren ungetragen im Kasten hängt?

Treffpunkt ist jedenfalls 20:00 Uhr auf den Glockenschlag genau vor dem Rathaus. Das Ganze dauert ungefähr eineinhalb Stunden, und jetzt kommt das Beste: Es ist gratis!

Werner Sandhacker Harlekin

Wien

So hübsch Wien ist, so verrückt kann es doch auch sein. Auf dem Crazyness-Spektrum irgendwo zwischen Berlin und Buxtehude anzusiedeln, ist es nur zu verständlich, dass verschiedenste Touren sich lieber auf Um- und Abwegen der viel besungenen Landeshauptstadt verirren. Der Veranstalter space and place bietet zum Beispiel alles Mögliche an von Geruchstouren, bei denen ihr Wiens olfaktorische Vielfalt erschnuppert, über Insta-Walks bis hin zu einer Tour, bei der die typisch-touristischen Statuen der Innenstadt plötzlich lebendig werden und für sich selbst sprechen. Der Klassiker unter den Anti-Klassikern: die Vienna Ugly Touren mit Eugene Quinn. Er zeigt den Wienern, wie schön schirch ihre geliebte Stadt eigentlich ist, indem er ihr die vergoldete Habsburger-Maske vom Gesicht reißt und zu Orten führt, die eben besonders hässlich sind. Passt doch gut, immerhin sagt man den Wienern doch eine gewisse Obsession mit Tod und Melancholie nach.

Auch der Anbieter Secret Vienna verspricht mit seinem Namen nicht zu viel. Zahlreiche Thementouren machen’s möglich, die Stadt nach Interessenschwerpunkt zu erkunden. Zum Beispiel gibt es eine Napoleon-Tour, bei der habsburgische Infanterie-Soldaten samt Kommandant durch die Stadt führen. So viel zum Thema übersteigerte Habsburger-Nostalgie. Eine andere Tour enthüllt Geheimnisse über geheime Gesellschaften und Verbände, die die österreichischen Machthaber steuerten. Auch Profi-Grusler und Hobby-Schocker sind natürlich in Wien bestens aufgehoben, zum Beispiel bei der „Vienna’s Bloody Secrets“-Tour, die zeigt, dass es in der jetzt so lebenswerten Weltstadt einst alles andere als plüschig zuging.

Die Secret-Vienna-Touren kosten zwischen € 15,- und € 25,-. Der genaue Treffpunkt wird erst nach der Anmeldung zu einer bestimmten Tour bekanntgegeben.

Eisenstadt

Puh, auch schon so erschöpft vom bloßen Gedanken an alle Touren, die ihr euch jetzt im Terminkalender notiert habt? Dann haben wir zum Abschluss etwas Erholsameres für euch. Wie fast jede Stadt könnt ihr mittlerweile auch das schnuckelige Eisenstadt auf den seltsam-futuristischen Segways erkunden. Und hier habt ihr sogar die Wahl zwischen der Spaß-und-Erlebnis-Tour bei der, no na, Spaß und Erlebnis im Vordergrund stehen. Also setzt ihr euch zuerst mal ausgiebig mit eurem fahrbaren Trend-Untersatz auseinander, bevor ihr locker-flockig durch die Altstadt, den Schlosspark, das jüdische Viertel und die Weingärten cruist. Zwei Stunden Segway-Spaß kosten € 65,- pro Person. Wenn ihr doch etwas ausgedehnteren Input zur Stadtgeschichte wollt, ist vielleicht eher die Kultur-Tour etwas für euch. Sie dauert ganze drei Stunden, in denen euch staatlich geprüfte Fremdenführer das volle Touristenprogramm bieten. Das kommt allerdings auch auf € 80,- pro Person.

#feiertag #ausflug #ente #schlosspark #teich

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Bei so viel Schönem kannst du dich jetzt gar nicht entscheiden, wo du dich in Österreich am besten niederlässt? Dann hilft dir sicher unser Quiz, wo in Österreich du leben solltest, weiter. Für kurze Ausflüge findest du allerhand Sehenswertes bei unseren To Do’s.

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