Singles Lockdown

So geht es Singles im Lockdown

Freitag, 22. Januar 2021 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

So geht es Singles im Lockdown

Freitag, 22. Januar 2021 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

Neue Leute kennenzulernen, ist in Zeiten des Distanzhaltens denkbar schwierig. Wir haben bei fünf Singles nachgefragt, wie es ihnen im Lockdown geht und inwiefern sich ihr Datingverhalten verändert hat.

von Viktoria Klimpfinger & Pia Miller-Aichholz

*Wir wollen euch auch während der aktuellen Maßnahmen inspirieren und versuchen, unsere Artikel laufend Covid-konform upzudaten. Bitte haltet euch weiterhin an die Maßnahmen. Nur wenn wir jetzt zusammenhalten und aufeinander schauen, können wir möglichst bald wieder all diese Inspiration gemeinsam genießen und zu einem halbwegs normalen Alltag zurückkehren.

Seit März 2020 hat sich zweifelsohne viel verändert. Die Corona-Krise zwingt uns alle dazu, Abstand zu halten und unsere sozialen Kontakte auf ein Minimum zu beschränkten. Das hat natürlich auch unser Dating-Verhalten maßgeblich beeinflusst. Wie tritt man mit neuen Leuten in Kontakt, wenn man eigentlich gar nicht in Kontakt treten darf? Wir haben einige Singles gefragt, wie es ihnen im Lockdown geht und wie man momentan jemanden kennen lernt.

Michael (28): Auch der Körperkontakt fehlt

Michael kommt aus Wien und macht zurzeit in Frankreich seinen PhD in Biologie. Er datet normalerweise regelmäßig. Doch einige Monate, nachdem er nach Frankreich gezogen war, brach Corona aus. 

Ich bin nach wie vor auf Tinder und Grindr. Auf beiden ist noch viel los, auch im harten Lockdown. Auf Tinder steht Sex nicht unbedingt gleich im Vordergrund, das Hin- und Herschreiben kann auch Tage oder Wochen dauern, bevor man sich trifft. Auf Grindr ist das etwas anders, auch wenn die User schon deutlich vorsichtiger sind und abwägen. Ab und zu trifft man sich erst an der frischen Luft und macht einen Spaziergang, um sich doch besser kennenzulernen und abzuklären, wie hoch das Risiko wäre. Das ist schon anders als früher, wo man bei Grindr-Dates meist ziemlich schnell zur Sache kam.

In der ersten Lockdown-Phase im Frühjahr habe ich die Apps überhaupt nicht verwendet, erst im Sommer wieder, als man mehrere Menschen treffen durfte. Ich war wirklich zwei Monate lang komplett alleine in meiner Wohnung und kann verstehen, dass man es irgendwann nicht mehr aushält. Nicht nur der soziale Kontakt fehlt mir und sicher vielen andern, sondern auch der körperliche. Das ist gerade ein Tabuthema, das nicht oft angesprochen wird. Vielleicht steht der körperliche Aspekt beim Dating in der Homosexuellenszene aber auch stärker im Vordergrund. Dass man sich über zwei Monate lang total zurückhält, niemanden anfasst und von niemandem angefasst wird, dass Umarmungen oder Streicheleinheiten fehlen – das war für mich sehr hart, weil ich den Körperkontakt zu anderen einfach brauche, allein schon beim Tanzen im Club.

Natürlich sollte man vorsichtig an die Sache herangehen und sich nicht mit vielen unterschiedlichen Personen gleichzeitig treffen. Daher hat es sich in meinem Umfeld auch ergeben, dass man bestimmte Personen regelmäßiger trifft, auch wenn man nicht auf etwas Längerfristigeres aus ist. Ich würde das aber nicht unbedingt Dating nennen, sondern eher eine pragmatische Lösung, um miteinander Spaß haben zu können und dabei das Risiko möglichst gering zu halten. Finde ich eigentlich auch ganz angenehm.

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Miriam* (29): Ich hatte mit einem Typen das erste Date virtuell

Miriam ist freischaffende Journalistin in Wien. 2020, mitten in der Corona-Krise, ging nach zehn Jahren ihre Beziehung zu Ende. Nach so vielen Jahren in einer Beziehung wieder zu daten, ist für Miriam sehr ungewohnt. Dass dann durch die Pandemie Dating primär online abläuft, ist doppelt seltsam für sie.

Sich auf Tinder und Bumble ein bisschen umzuschauen, ist gerade eine nette Abwechslung. Ich find’s echt super momentan, diesen neuen Einfluss zu haben. Ich denke viele Leute freuen sich darüber, mal mit jemandem zu reden, der*die nicht der*die Mitbewohner*in ist oder ein Elternteil. Mir ist aufgefallen, dass es Phasen gibt, in denen die Aktivität auf Dating-Plattformen stärker und weniger stark ist. Ich habe das Gefühl, dass das damit zusammenhängt, was für Regelungen gerade vorherrschen und wie wohl die Leute sich bei dem Gedanken fühlen, etwas zu unternehmen. Im Sommer kam schon mal um 1 Uhr Früh noch eine Nachricht, ob man sich treffen wolle, so Booty-Call-Style. Und dann gab es Phasen, in denen bisschen tote Hose war, zum Beispiel vor Weihnachten. Corona fließt auch in das eine oder andere Profil ein. Man macht in der Bio irgendeinen Witz darüber oder hat ein Masken-Foto dabei. Corona lässt sich nicht wegreden oder -denken.

Das klassische erste Date, das früher vielleicht „dinner and a movie“ war, ist jetzt Spaziergang und coffee to go. Als im November die Zahlen explodiert sind, hatte ich mit einem Typen das erste Date virtuell. Es ist natürlich seltsam, weil irrsinnig viele Sachen wegfallen, allein der natürliche Gesprächsstoff wie: “Wie bist du hergekommen?“, „Wie gefällt dir das Restaurant?“, „Was wollen wir essen, was trinken?“ Auch die Körpersprache fällt teilweise weg. Deshalb war’s natürlich ein bisschen befremdlich. Aber er hat sich dann ein Bier aufgemacht und ich mir einen Radler und wir haben tatsächlich zwei Stunden geplaudert und beschlossen, dass es nett genug war, dass wir das Risiko eines Spazier-Dates eingehen wollen.

Außerdem ist die körperliche Ebene eine ganz andere. Während man früher im Club an einem Abend schon mal mit wem geschmust hat, den*die man am selben Abend kennengelernt hatte, ohne groß darüber nachzudenken, begegnet man einander jetzt viel vorsichtiger und Corona ist im Hinterkopf immer da. Es fehlt an Gelassenheit. Auf der anderen Seite suchen aktuell viele Typen einen Lockdown-Companion und da kann’s auch passieren, dass es viel schneller ernst wird als früher. Früher hätte man eventuell erst eine Zeit lang mehrere Leute parallel gedatet, aber jetzt kommt das nicht infrage, weil es grob fahrlässig wäre. Außerdem kommt sehr früh die Frage auf, wie viele Leute die anderen Person sonst noch trifft – nicht ausschließlich auf Dates bezogen, aber schon auch. Normal würde man das nie beim ersten oder zweiten Date fragen.

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Chris (22): So richtig Lust habe ich momentan nicht

Chris arbeitet als Buchhalter im Finanzwesen und hat normalerweise ein reges Dating-Leben. Gerade als Corona in Österreich zum Thema wurde, ging seine jüngste Beziehung zu Ende.

Früher habe ich mich schon oft auf Dates getroffen und ich hatte auch öfter G’spusis. Im Sommer habe ich mich nur mit drei Leuten getroffen, hatte aber mit niemandem was, und auch seit dem Sommer mit niemandem, abgesehen von meinem ganz engen Umfeld. Ich bin schon auf Tinder und auf Grindr, aber es passiert halt nichts. Ich schreibe sogar mit Leuten, aber entweder die wollen sich dann im Endeffekt nicht treffen oder es verläuft sich einfach. Und so richtig Lust habe ich momentan ehrlich gesagt auch nicht. Ich will mich halt auch nicht anstecken oder so. Mein Dating-Leben ist also sehr eingeschränkt momentan. Ich hoffe, das ändert sich zumindest im Sommer wieder.

Silvia* (31): Die Pandemie raubt wertvolle Zeit bei der Partnersuche

Silvia lebt in Wien und arbeitet als Social-Media-Managerin. Sie ist auf Tinder und Bumble und ist interessiert an einer längerfristigen Beziehung. 

Ich bin jetzt mehr auf Dating-Apps unterwegs als vor Corona, weil das restliche Leben so wenig Alternativen bietet. Man sitzt eigentlich den ganzen Tag allein daheim, netflixt immer dieselben Sachen und swipt halt nebenbei so durch, fast schon wie auf Instagram. Ich betreibe das auch deshalb etwas halbherzig, weil man ja nicht weiß, ob und wann man sich treffen kann. Außerdem werden sich die Profile und Chats immer ähnlicher: Es ist eine Endlosschleife der immergleichen Antworten – eh klar, weil alle im Lockdown dasselbe machen und sich nicht viel tut. Und auch wenn man sich dann trifft, spricht man erst mal über die Pandemie.

Mit wem ich mich dann tatsächlich treffe, suche ich mir momentan viel gezielter und genauer aus als sonst. Es gibt so wenige Chancen, jemanden zu treffen, da muss schon vorab beim Schreiben wirklich die Chemie stimmen. Denn man kann ja gerade beim ersten Kennenlernen nicht viel machen außer Spazierengehen. Lockeres und vielleicht angeschwipstes Flirten wie in einer Bar ist fast unmöglich, wenn man gemeinsam durch das kalte Wien stapft, vor allem, wenn es nicht gleich auf Anhieb funkt. Dann läuft man einfach mit einer wildfremden Person im Park herum. Das ist das Risiko nicht wert. Natürlich könnte man sich ausmachen, dass man sich vor dem Date testen lässt und sich dann zu Hause treffen. Aber da muss man einer wildfremden Person schon sehr viel Vertrauen entgegenbringen. Statt physischen Dates kommen auch enorm viele Anfragen für Zoom- und Video-Calls, was das Schlimmste ist für mich. Komischer Weise sehen das viele Männer, mit denen ich schreibe, anders. Anrufanfragen sind auch gestiegen, aber telefonieren finde ich persönlich auch unangenehm, wenn man sich gar nicht kennt.

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Eines der größten Probleme ist, dass es uns allen gerade nicht wirklich gut geht. Wir befinden uns alle in einer Extremsituation. Gleichzeitig setzt man sich total unter Druck, man hat das Gefühl, dass die Pandemie wertvolle Zeit auf der Suche nach dem*der richtigen Partner*in raubt. Wenn man über 30 ist, ist das extrem belastend, finde ich. Man hat ja doch Lebenspläne und die können deswegen eventuell nicht so stattfinden, wie man sich das vorgestellt hat.

Marie-Luise (27): Ich warte lieber, bis die Infektionsrate sinkt

Marie-Luise absolviert gerade ein Erasmus-Jahr in Belgien und hatte Tinder ursprünglich aktiviert, um während ihrer Zeit dort generell Einheimische kennenzulernen.

Ich war von September bis Ende November auf Tinder, habe aber mittlerweile aufgehört damit. Mein drittes und letztes Date habe ich während des strengen Lockdowns in Belgien getroffen, der ab Ende Oktober war. Nachdem keine Lokale offen hatten, sind wir spazieren gegangen und konnten so Abstand halten. Wir waren ja doch beide in unseren Blasen und wollten es natürlich vermeiden, Corona weiterzugeben, sollte es eine*r von uns haben. Am nächsten Tag habe ich dann erfahren, dass jemand in seiner Arbeit positiv getestet wurde und hatte einen riesigen Stress, weil ich Angst hatte, auch infiziert zu sein. Am Ende war er aber negativ, und ich konnte durchatmen. Das war der Schock meines Lebens. Ich selbst habe prinzipiell keine Angst vor Corona, aber man will trotzdem nicht die Person sein, die sagen muss: „Hey, ich habe dir vielleicht Corona weitergegeben.“ Ich vermeide daher also, in großen Gruppen unterwegs zu sein. Ich möchte mit dem Daten also lieber warten, bis die Infektionsrate wieder sinkt.

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Die aktuelle Situation könnte aber auch besser für unser Sexleben sein als gedacht. Warum, verraten wir euch in einem Artikel unserer Senf-Kolumne. Auf unserer Winter-Dahoam-Seite inspirieren wir euch außerdem für den Winter in Österreich.

(c) Beitragsbild | Pixabay

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