1000 Moments: Triest

Sonntag, 18. Dezember 2016 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

1000 Moments: Triest

Sonntag, 18. Dezember 2016 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

Wer das Dolce Vita genießen, aber das elegante Wiener Flair nicht missen möchte, der ist in der wunderschönen Hafenstadt Triest am richtigen Fleck. Espresso, Pasta und Pizza bis zum Umfallen – all das gibt es in der Stadt des Kaffees und der Literatur.

von Alina Johnston

Kaffeehauskultur mit mediterran-italienischem Flair in Triest? Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und begebe mich auf ein etwas anderes Wochenend-Abenteuer am Meer! Meine Triester Bekannten Federica und Daniela haben keine Mühe gescheut mir ihre besten Tipps mit auf den Weg zu geben und diese gebe ich mit Vergnügen an euch weiter – ciao bella Italia!

La bella vita in Triest

Dass das italienische Hafenstädtchen Triest, auch als ‚das Fenster zur Adria‘ bekannt, früher einmal zu Österreich gehört hat, schmerzt bei einem Besuch ein wenig. Dass dieser Schmelztiegel der Kulturen mit seiner malerischen Kulisse am Meer schon den Habsburgern – allen voran Kaiser Franz Josef – das Herz stahl, ist kein Wunder. Die große Blütezeit im 18. Jahrhundert wirkt hier noch immer nach: man entdeckt sie in den großen Frachtern, die im Porto Vecchio ein- und ausfahren, den verwinkelten Gebäuden, die an die typische Habsburger-Architektur erinnern und man lässt den Glanz vergangener Zeiten in den zahlreichen historischen Kaffeehäusern mit einem starken Espresso aufleben.

Um dem verrückten und heißblütigen italienischen Verkehr zu entkommen, gibt es neben der Anfahrt mit dem Auto auch noch die Möglichkeit sicher und schnell (und für wenig Geld!) mit den HELLÖ Bussen der ÖBB nach Triest zu reisen. Ratz-fatz kann das Ticket online ab nur 23,- EUR gebucht werden. Nach einer entspannten Fahrt im top ausgestatteten Bus, steigt man bei einer leichten Brise und mit dem Geruch der Adria in der Nase an der malerischen Küste aus. Solltet ihr doch mit dem Auto anreisen wollen, empfahl man mir Nerven aus Stahl, gute Reflexe und eine einwandfrei funktionierende Handbremse zu haben (die Stadt wurde in einen Berg gebaut und ist dementsprechend relativ steil).

Solo con café – Wieso hier ohne Kaffee gar nichts geht!

Triest ist die Kaffeehauptstadt Italiens – jährlich werden hier im Schnitt 1.500 Tassen Espresso pro Kopf getrunken – dies entspricht dem Doppelten des italienischen Durchschnitts! – daher beginnt ein echter triestinischer Morgen mit dem wohlriechenden Koffein-Schock eines Espressos oder Cappuccinos. Wer es traditionell mag, sollte laut Federica das ‚Ginger‘ oder das ‚Caffé Pirona‘ aufsuchen, wer zum Frühstück bleiben möchte, dem würde sie das ‚Mimi and Cocotte‘ sowie das “Eppinger” empfehlen. Außerdem kommt der wohl bekannteste Kaffee Italiens aus Triest: Illy!

Triest

unsplash.com / CC0

Und zum Schluss noch ein Hinweis: Cappuccino ist in Triest nicht gleich Cappuccino! Federica würde euch einen ‚Capo in B‘ sehr ans Herz legen. Dieser wird als geballter Shot Cappuccino in einem winzigen Glas serviert – delizioso!

Triest wie es wirklich ist

Triest ist nicht so touristisch wie Rom oder Venedig und kann damit bei den meisten Besuchern große Pluspunkte sammeln. Das bedeutet jedoch nicht, dass es hier nicht auch Getümmel und Menschenknäuel gibt. Vor allem in den frühen Morgenstunden wuseln die Triester durch die Straßen. Für den Rest Italiens scheinen die Bewohner der Stadt ein wenig steif und unterkühlt, lernt man sie jedoch besser kennen, sind sie die freundlichsten und warmherzigsten Menschen (und ebenso verrückt wie der Rest ihrer Landsmänner), meint Daniela.

Triest

mdm1979mdm / pixabay

„Machen Sie es so wie in Wien“, soll Franz Josef vor langer Zeit den Stadtplanern und Architekten gesagt haben, „nur ein bisserl kleiner“. Nirgendwo empfindet man diese Verbundenheit zur damaligen K.u.K. Monarchie (entgegen seinem Namen) so wie am Hauptplatz von Triest, der prunkvollen Piazza dell’Unità d’Italia. Dieser ist der größte zum Meer offene Platz Italiens. Nur shoppen lässt es sich hier (wie zum Beispiel am Wiener Stephansplatz) weniger gut. Dafür entführe ich euch lieber in die verschlungenen Gassen des ‚Cavana’. Das Viertel wird zusehends beliebter – bei der Menge an kleinen Shops, Bars und Restaurants ist das auch kein Wunder. Für den Hipster-Einkaufbummel schaut unbedingt im ‚Stranomavero‘ sowie im ‚Bardot‘ vorbei, sucht ihr Vintage-Kleidung, seid ihr im ‚Boogaloo‘ richtig. Auch Flohmärkte und Shopping-Straßenfeste werden immer häufiger veranstaltet. Hierzu hat Federica noch einen kleinen Geheimtipp für euch: Schaut vor eurem Triest-Urlaub unbedingt auf der Facebook-Seite ‚Barbacan Produce‘  vorbei und erfahrt, wann der nächste Markt ansteht!

Die kulinarischen Highlights in Triest!

Wo das Meer ist, ist auch der frische Fisch nicht weit! Triest ist mindestens genau so bekannt für seine vielen Fisch-Lokale wie für die vielen Osterias und genau dort ist eine Mittagsstärkung einzuplanen. Im ‚L’Arco di Riccardo‘ lässt es sich hervorragend Schmausen und außerdem hat das Restaurant eine wunderschöne Kulisse: so ist es neben einen altrömischen Bogen, der früher einer der Haupteingänge des römischen Triests war, gebaut. Einmal im Monat werden hier übrigens auch Kunstausstellungen, bei denen man zwischen den Werken essen kann, organisiert.

Für den Snack zwischendurch ist Federicas Leibgericht übrigens ‚Panino con cotto e kren‘ (also eine Art Schinken Panini mit Kren) – das beste Sandwich aus lokalen Produkten gibt es in der Ortschaft Osmiza in den Carso Bergen, wo man einen Aperitif aus einer tollen Weinauswahl und einen wunderbaren Ausblick über die Adria genießen kann.

Hier ist immer etwas los

Jeden Oktober findet in Triest außerdem das ‚Barcolana‘ statt – eine Segelregatta, die mit über 2.000 teilnehmenden Yachten die größte der Welt ist. Zu dieser Zeit (jeden zweiten Sonntag im Oktober) finden viele Festivitäten und Märkte rund um das Event statt – ein Besuch lohnt sich also auch im Herbst!

Wer mit vollem Magen und glücklichem Herzen den Tag in der sonnigen Perle der Adria ausklingen lassen möchte, sollte dies am Canal Grande tun. Der Sonnenuntergang ist wunderschön und verzaubert immer wieder aufs Neue. Noch Energie für einen Nachtclub? Dann ab ins spätabendliche Getümmel und hinein ins Triester Nachtleben! Im ‚Ausonia‘ lässt sich (sowohl im Sommer als auch im Winter) die Nacht zum Tag machen und das direkt am Meer! In der warmen Saison ist die Badeanstalt auch für Sonnenanbeter und Schwimmer geöffnet, während sie im Winter Events beheimatet. Die Straße ‚Viale XX Settembre‘ hat zu jeder Jahreszeit etwas anderes zu bieten, doch günstige Clubbing-Möglichkeiten und Bars für das Studentenbörserl sind hier immer zu finden.

Italienisch für Anfänger – Von Locals für euch!

Was ich euch für euren nächsten Wochenendtrip nach Triest noch unbedingt mit auf den Weg geben möchte, sind Vokabeln, die meine Triester Bekannten mir beigebracht haben und die vor einem Besuch an der Hafenstadt zum Sprach-Repertoire zählen sollten. Mit diesen Wörtern wird euer Trip sicher ein Erfolg:

– “capo-in-b” (ein Shot Cappuccino mit ein wenig Milch)
– “bori” bedeutet Geld
– “bora” ist der eisige Wind, der ab und zu die Küste heimsucht
– “un bic’” heißt ‚ein bisschen‘

Ciao und buon divertimento!

Triest

unsplash.com / Roman Kraft / CC0

Noch einige Fakten:

Hinkommen?

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Unterkommen?

Als perfekte Basis für den entspannten Wochenendtrip eignet sich das kleine (aber feine) Bed&Breakfast Ariamarina im Stadtzentrum. Seit 2010 stehen diese geräumigen Apartments in einem neoklassischen Palazzo mitten im alten Stadtzentrum zur Verfügung. Im Sommer wird das Frühstück direkt im Mini-Innenhof serviert. Außerdem gilt Signora Nadja als exzellente Quelle für Insider-Tipps. (Preis pro Nacht ab 80,- EUR) Sollte das B&B ausgebucht sein (was bei nur drei Zimmern durchaus vorkommt), ist das Hotel “L’Albero Nascosto” (Preis pro Nacht ab 75,- EUR) sowie das “Hotel Miramar” (Preis pro Nacht ab 90,- EUR) mit Meerblick eine gute Wahl.

Nicht zu verpassen

Im ‚Chocolat‘ (Via di Cavana 15), mitten im Triester Stadtzentrum, kann feinste Schokolade zum Niederknien erstanden werden.

Vernetzt bleiben

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind eine tolle Alternative zum hektischen Triester Autoverkehr. Am besten kommt man mit Hilfe von Bussen von A nach B. Eine Fahrt kostet hierbei günstige € 1,15. Ein Erlebnis der besonderen Art ist außerdem das öffentliche Boot von Triest nach Muggia, das eine wunderbare Aussicht zum kleinen Preis (€ 6,90) bietet. Wer viel mit den Öffis unterwegs ist, für den lohnt sich eine Tageskarte, genannt „Bigletti“ um € 3,80. Diese bekommt man in allen Trafiken, jedoch nicht in den Bussen selbst!

Auch die Verbindung zum Internet wird einem meistens recht leicht gemacht: Fast jedes Café hat einen Hotspot und auch öffentliches WLAN findet sich an mehreren Plätzen, wie dem Piazza dell’Unità d’Italia und auch bei der Universität.

Einen Ausflug wert

Die Luxusbucht Portopiccolo Sistiana ist zwar etwas außerhalb der Stadt gelegen, aber trotzdem einen Trip wert!

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unsplash.com / Caroline Grondin / CC0

Triester Literatur-Empfehlungen

Die Stadt der Dichter war nicht immer gütig zu ihren Schaffenden – Italo Svevo, Umberto Saba oder James Joyce fanden alle erst nach jahrelangem Kampf zu Ruhm und gelten als Außenseiter der Literatur. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Triest war die Stadt ihrer Herzen. Der deutsche Krimi-Schriftsteller Veit Heinichen hatte hierbei mehr Glück – er lebt und schreibt in der Perle der Adria. Wer sich also auf den Weg nach Triest macht, sollte sich eines der Bücher dieser großen Schriftsteller in den Koffer packen!

Wenn unsere beiden Locals Daniela und Federica nicht gerade das Leben in Triest genießen, arbeiten und studieren sie in Wien.

Titelfoto: (c) vasile_pralea / pixabay / CC0

Gesponserter Artikel von HELLÖ

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