1000 Moments: Triest

Sonntag, 18. Dezember 2016 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

1000 Moments: Triest

Sonntag, 18. Dezember 2016 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

Wer das Dolce Vita genießen, aber das elegante Wiener Flair nicht missen möchte, der ist in der wunderschönen Hafenstadt Triest am richtigen Fleck. Espresso, Pasta und Pizza bis zum Umfallen – all das gibt es in der Stadt des Kaffees und der Literatur.

von Alina Johnston

UPDATE: Juni 2019

Kaffeehauskultur mit mediterran-italienischem Flair in Triest? Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und begebe mich auf ein etwas anderes Wochenend-Abenteuer am Meer! Meine Triester Bekannten Federica und Daniela haben keine Mühe gescheut, mir ihre besten Reisetipps für Triest mit auf den Weg zu geben. Diese gebe ich mit Vergnügen an euch weiter. Ciao bella, Italia!

La bella vita in Triest

Dass das italienische Hafenstädtchen Triest, auch als das Fenster zur Adria bekannt, früher einmal zu Österreich gehört hat, schmerzt bei einem Besuch ein wenig. Dass dieser Schmelztiegel der Kulturen mit seiner malerischen Kulisse am Meer schon den Habsburgern – allen voran Kaiser Franz Josef – das Herz stahl, ist kein Wunder. Die große Blütezeit im 18. Jahrhundert wirkt hier noch immer nach: Man entdeckt sie in den großen Frachtern, die im Porto Vecchio ein- und ausfahren, den verwinkelten Gebäuden, die an die typische Habsburger-Architektur erinnern und man lässt den Glanz vergangener Zeiten in den zahlreichen historischen Kaffeehäusern mit einem starken Espresso aufleben.

Um dem verrückten und heißblütigen italienischen Verkehr zu entkommen, gibt es neben der Anfahrt mit dem Auto auch noch die Möglichkeit sicher, schnell und – wenn man rechtzeitig bucht – für wenig Geld mit dem Nachtzug nach Triest zu reisen. Nach einer entspannten Fahrt im Nachtzug, steigt man bei einer leichten Brise und mit dem Geruch der Adria in der Nase an der malerischen Küste aus. Solltet ihr doch mit dem Auto anreisen wollen, empfahl man mir Nerven aus Stahl, gute Reflexe und eine einwandfrei funktionierende Handbremse zu haben. Die Stadt wurde in einen Berg gebaut und die Straßen dementsprechend relativ steil.

Solo con caffè: Wieso hier ohne Kaffee gar nichts geht

Triest gilt als Kaffeehauptstadt Italiens. Jährlich werden hier im Schnitt 1.500 Tassen Espresso pro Kopf getrunken. Das entspricht dem Doppelten des italienischen Durchschnitts.Triest ist außerdem die Heimat der Kaffeemarke Illy. Daher beginnt ein echter triestinischer Morgen mit dem wohlriechenden Koffein-Schock eines Espressos oder Cappuccinos. Wer es traditionell mag, sollte laut Federica das Ginger oder das Caffè Pirona aufsuchen. Wer zum Frühstück bleiben möchte, dem würde sie das Mimi and Cocotte sowie das Caffè Eppinger empfehlen. 

Triest

(c) unsplash.com | CC0

Und zum Schluss noch ein Hinweis: Cappuccino ist in Triest nicht gleich Cappuccino. Federica würde euch einen „Capo in B“ sehr ans Herz legen. Das ist ein kurzer, starker Espresso mit etwa Milchschaum, also quasi ein Turbo-Cappuccino – delizioso!

Triest, wie es wirklich ist

Triest ist nicht so touristisch wie Rom oder Venedig und kann damit bei den meisten Besuchern viele Pluspunkte sammeln. Das bedeutet jedoch nicht, dass es hier nicht auch Getümmel und Menschentrauben gibt. Vor allem in den frühen Morgenstunden wuseln die Triester durch die Straßen. Im Vergleich zum Rest Italiens scheinen die Bewohner der Stadt ein wenig steif und unterkühlt, lernt man sie jedoch besser kennen, sind sie die freundlichsten und warmherzigsten Menschen und ebenso verrückt wie der Rest ihrer Landsmänner, meint Daniela.

Triest

(c) mdm1979mdm | Pixabay


„Machen Sie es so wie in Wien“, soll Franz Josef vor langer Zeit den Stadtplanern und Architekten gesagt haben, „nur ein bisserl kleiner“. Nirgendwo empfindet man so die Verbundenheit zur damaligen Habsburger-Monarchie, wie am Hauptplatz von Triest, der prunkvollen Piazza dell’Unità d’Italia. Dieser ist der größte zum Meer offene Platz Italiens. Nur shoppen lässt es sich hier weniger gut. Dafür entführe ich euch lieber in die verschlungenen Gassen des Cavana-Viertel. Dieser Teil der Stadt wird immer beliebter. Bei der Menge an kleinen Shops, Bars und Restaurants ist das auch kein Wunder. Für den Hipster-Einkaufsbummel schaut unbedingt im der Officina Stranomavero, sowie bei Bardot vorbei. Sucht ihr Vintage-Kleidung, seid ihr bei Boogaloo richtig. Auch Flohmärkte und Shopping-Straßenfeste werden immer häufiger veranstaltet. Hierzu hat Federica noch einen kleinen Geheimtipp für euch: Schaut vor eurem Triest-Urlaub unbedingt auf der Facebook-Seite Barbacan Produce vorbei, um zu erfahren, wann der nächste Markt ansteht.

Die kulinarischen Highlights in Triest

Wo das Meer ist, ist auch frischer Fisch nicht weit. Triest ist mindestens genauso bekannt für seine vielen Fisch-Lokale, wie für die vielen Osterias, und genau dort ist eine Mittagsstärkung einzuplanen. Im L’Arco di Riccardo lässt es sich hervorragend Schmausen und außerdem hat das Restaurant eine wunderschöne Kulisse: Es liegt neben einem altrömischen Bogen, der früher einer der Haupteingänge des römischen Triests war. Einmal im Monat werden hier übrigens auch Kunstausstellungen organisiert, bei denen man zwischen den Werken essen kann.

Für den Snack zwischendurch ist Federicas Leibgericht übrigens „panino con cotto e kren“, also ein Sandwich mit Schinken und Kren. Das beste Sandwich mit lokalen Produkten aus dem Triestiner Karst gibt es in den Osmize, also italienischen Heurigen, im Weinbaugebiet Carso, das Triest umschließt. Dort kann man einen Aperitif aus einer tollen Weinauswahl und einen wunderbaren Ausblick über die Adria genießen.

Hier ist immer etwas los

Jeden Oktober findet in Triest die Barcolana statt, eine Segelregatta, die mit durchschnittlich 1.800 teilnehmenden Schiffen die größte der Welt ist. Jährlich am zweiten Sonntag im Oktober finden in Triest viele Festivitäten und Märkte rund um das Event statt. Ein Besuch Triests lohnt sich also auch im Herbst. Wer mit vollem Magen und glücklichem Herzen den Tag in der sonnigen Perle der Adria ausklingen lassen möchte, sollte dies am Canal Grande tun. Der Sonnenuntergang ist wunderschön und verzaubert immer wieder aufs Neue.

Noch Energie für einen Nachtclub? Dann ab ins spätabendliche Getümmel und hinein ins Triestiner Nachtleben. Im Ausonia lässt sich, sowohl im Sommer als auch im Winter, die Nacht zum Tag machen – und das direkt am Meer. In der warmen Saison ist die Badeanstalt auch für Sonnenanbeter und Schwimmer geöffnet, während sie im Winter Events beheimatet. Die Straße Viale XX Settembre hat zu jeder Jahreszeit etwas anderes zu bieten. Günstige Clubbing-Möglichkeiten und Bars für das Studentenbörserl findet ihr hier immer.

Italienisch für Anfänger – Von Locals für euch

Was ich euch für euren nächsten Wochenendtrip nach Triest noch unbedingt mit auf den Weg geben möchte, sind Vokabeln, die meine Triester Bekannten mir beigebracht haben und die vor einem Besuch an der Hafenstadt zum Sprach-Repertoire zählen sollten. Mit diesen Wörtern wird euer Trip sicher ein Erfolg:

– “capo-in-b” (ein Shot Cappuccino mit ein wenig Milch)
– “bori” bedeutet „Geld“
– “bora” ist der eisige Wind, der ab und zu die Küste heimsucht
– “un bic’” heißt „ein bisschen“

Ciao und buon divertimento!

Triest

(c) unsplash.com | Roman Kraft

Unterkunft in Triest

Als perfekte Basis für den entspannten Wochenendtrip eignet sich das kleine aber feine Bed & Breakfast Ariamarina im Stadtzentrum. Seit 2010 stehen diese geräumigen Apartments in einem neoklassischen Palazzo mitten im alten Stadtzentrum zur Verfügung. Im Sommer wird das Frühstück direkt im Mini-Innenhof serviert. Außerdem gilt die Betreiberin Signora Nadja als exzellente Quelle für Insider-Tipps. Sollte das B&B ausgebucht sein, was bei nur drei Zimmern durchaus vorkommt, ist das Hotel L’Albero Nascosto eine gute Wahl.

Nicht zu verpassen

Bei MUG (Piazza Hortis 6) bekommt ihr köstlichen Kaffee und dazu feine Cookies und Kuchen. Direkt daneben werden Eis-Tiger mit hohen Ansprüchen bei Natura Gelato (Piazza Hortis 6a) garantiert zufriedengestellt.

Transport

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind eine tolle Alternative zum hektischen Triestiner Autoverkehr. Am besten kommt man mit Hilfe von Bussen von A nach B. Eine Fahrt kostet hierbei günstige 1,25 Euro. Ein Erlebnis der besonderen Art ist außerdem das öffentliche Boot von Triest nach Muggia, das eine wunderbare Aussicht zum kleinen Preis von 7,90 Euro für eine Fahrt hin und zurück bietet. Wer viel mit den Öffis unterwegs ist, für den lohnt sich eine Tageskarte um 4,35 Euro. Dieses bekommt man in allen Trafiken und auch online, jedoch nicht in den Bussen selbst. Auch die Verbindung zum Internet wird einem meistens recht leicht gemacht: Fast jedes Café hat einen Hotspot und auch öffentliches WLAN findet sich an mehreren Plätzen, wie dem Piazza dell’Unità d’Italia und auch bei der Universität.

Einen Ausflug wert

Die Luxusbucht Portopiccolo Sistiana ist zwar etwas außerhalb der Stadt gelegen, aber trotzdem einen Trip wert!

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(c) unsplash.com | Caroline Grondin

Triester Literatur-Empfehlungen

Die Stadt der Dichter war nicht immer gütig zu ihren Schaffenden. Italo Svevo, Umberto Saba oder James Joyce fanden alle erst nach jahrelangem Kampf zu Ruhm und gelten als Außenseiter der Literatur. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Triest war die Stadt ihrer Herzen. Der deutsche Krimi-Schriftsteller Veit Heinichen hatte hierbei mehr Glück. Er lebt und schreibt in der Perle der Adria. Wer sich also auf den Weg nach Triest macht, sollte sich eines der Bücher dieser großen Schriftsteller in den Koffer packen!

Wenn unsere beiden Locals Daniela und Federica nicht gerade das Leben in Triest genießen, arbeiten und studieren sie in Wien.

(c) Beitragsbild | vasile_pralea | Pixabay

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