Alte Eibe im Wildnisgebiet Dürrenstein

Der letzte Urwald Europas im Wildnisgebiet Dürrenstein

Mittwoch, 21. März 2018 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Der letzte Urwald Europas im Wildnisgebiet Dürrenstein

Mittwoch, 21. März 2018 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Der Rothwald im Süden Niederösterreichs ist nicht nur der letzte Urwald in Österreich, sondern auch das letzte Fleckchen unberührter Natur in Mitteleuropa. Tauche ein in die faszinierende Welt des letzten Urwaldes im Wildnisgebiet Dürrenstein.

von Katharina Tesch

Im südöstlichen Zipfel Niederösterreichs, eingebettet in das Wildnisgebiet Dürrenstein liegt der geheimnisvolle Rothwald, der letzte echte Urwald Mitteleuropas. Knapp die Hälfte der Fläche von Österreich ist Wald, doch nur vier Quadratkilometer, also 0,15 Prozent der österreichischen Waldfläche, sind komplett naturbelassen. Komm mit auf die Reise durch einen Wald, den du vermutlich so noch nie gesehen hast!

Die Geschichte mystischen Rothwaldes

1875 stellte Albert Rothschild den, nach ihm benannten, Wald im Wildnisgebiet Dürrenstein unter Schutz vor jeglichem menschlichen Eingriff. Schon damals erkannte Rothschild, wie wichtig es ist, die Natur von Eingriff und Zerstörung zu schützen. Bäume, Sträucher und Pflanzen wachsen hier seit nahezu 12.000 Jahren in ihrer natürlichen ursprünglichen Form und das komplette Ökosystem regelt sich ohne Eingriff des Menschen von selbst. Es wird kein bestimmter Zustand konserviert, sondern die natürlichen Prozesse dürfen und sollen weitestgehend ohne Einfluss des Menschen ablaufen. Seit 2017 gehören 50 Prozent des gesamten Wildnisgebietes Dürrenstein zum UNESCO Weltnaturerbe.

Bach im Rothwald, Wildnisgebiet Dürrenstein

Bach im Rothwald im Wildnisgebiet Dürrenstein – (c) Wildnisgebiet Dürrenstein, Christoph Leditznig

Das Wildnisgebiet Dürrenstein hautnah erleben

Da es sich beim Wildnisgebiet Dürrenstein um ein strenges Schutzgebiet handelt, gibt es nur einige wenige markierte Wanderwege, die ohne Begleitung eines Ranchers begangen werden dürfen. Wer tiefere Einblicke in das Wildnisgebiet und den Rothwald möchte, kann bei einer geführten Wanderung tief ins innere des Naturjuwels blicken. Jedes Jahr gibt es ein kleines Kontingent an geführten Wanderungen und Themenexkursionen, die man im Vorfeld buchen kann. Von Mai bis Oktober werden Wanderungen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen zu den Themen ‚Flora‘, ‚Geologie‘ oder auch ‚Fotografie in der Natur‘ angeboten. Hier geht’s zum Besucherprogramm für 2018. Als besonderes Highlight  kann man an einer der Nachtwanderungen teilnehmen oder sogar eine ganze Nacht mit Fledermäusen verbringen.

Die Südwestflanke des Dürrenstein im Frühling

Die Südwestflanke des Dürrenstein im Frühling – (c) Wildnisgebiet Dürrenstein, Theo Kust

Die tausendjährige Eibe des Rothwaldes

Entdeckt Flächen die von Moos überwachsen sind und vor Jahrzehnten umgefallene Bäume, auf denen riesige Pilze und sogar neue kleine Bäumchen sprießen. Wenn man sich die Fotos des Rothwaldes ansieht, ist es als würde man in eine andere Welt eintauchen, in eine friedliche, verwunschene Fantasiewelt. Doch genauso so sieht ein Wald ohne menschlichen Einfluss aus. Im Gegensatz zu beforsteten Wäldern erreichen alle Bäume im Rothwald ihr natürliches Maximalalter. Durchschnittlich werden die Bäume 500 Jahre alt, einige Eiben und Tannen haben sogar bereits 1000 Jahre auf dem Buckel.

Alte Eibe im Wildnisgebiet Dürrenstein

Alte Eibe im Wildnisgebiet Dürrenstein – (c) Wildnisgebiet Dürrenstein Hans Glader

Doch nicht nur das Alter der Bäume ist überwältigend, denn auch die Artenvielfalt der Flora und Fauna ist mehr als beeindruckend. Das vorhandene Trottholz schafft einen Lebensraum für über 800 Pilz- und 280 Moosarten. Darunter finden sich auch Arten, die erstmals in diesem Gebiet beschrieben wurden. Die Untersuchung von Pollen- und Bodenproben haben den Urwaldcharakter des Waldes auch wissenschaftlich bestätigt.

Die faszinierende Tierwelt im Wildnisgebiet Dürrenstein

Neben der verwunschenen Flora und Fauna im Rothwald gibt es im ganzen Wildnisgebiet eine faszinierende Tierwelt zu bestaunen. Im Gegensatz zum Rothwald, der nur unter bestimmten Bedingungen besichtigt werden kann, ist das Wildnisgebiet inklusive seiner umfangreichen Tierwelt auf markierten Wanderwegen begehbar. Unter den 70 Vogelarten, die dort beheimatet sind, finden sich auch der Steinadler, sowie zahlreiche Eulen- und Kauzarten, wie zum Beispiel der Habichtskauz, wieder.

Ein Hanbichtskauz im Wildnisgebiet Dürrenstein

Ein Habichtskauz im Wildnisgebiet Dürrenstein – (c) Wildnisgebiet Dürrenstein, Christoph Leditznig

Mit etwas Glück kann man im Wildnisgebiet sogar einen durchziehenden Luchs und dort angesiedelte Rothirsche, Gämse und Schneehasen beobachten. Wer ganz genau hinsieht entdeckt vielleicht auch einen Bergmolch, eine Kreuzotter oder den seltenen Weißrückenspecht, während er ein Loch in einen urigen Baum klopft.

Eine Gämse im Wildnisgebiet Dürrenstein

Mit etwas Glück kann man im Wildnisgebiet Dürrenstein Gämsen beobachten – (c) Schutzgebietsverwaltung Wildnisgebiet Dürrenstein

Für alle Naturliebhaber, Tierfreunde und Wanderfans ist das Wildnisgebiet Dürrenstein mit Sicherheit ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Lasst euch von der faszinierenden Flora und Fauna bezaubern und taucht ein in eine vergessene Welt im letzten Urwald Mitteleuropas.

Du suchst nach mehr Aktivitäten für die ganze Familie? Dann haben wir hier die schönsten Familien-Ausflugsziele in Österreich!

Beitragsbild: (c) Wildnisgebiet Dürrenstein, Hans Glader
Beitragsbild Facebook: (c) Wildnisgebiet Dürrenstein, Christoph Leditznig

×
×
×
Blogheim.at Logo