Fabriken: Seifenfabrik in Graz

8 österreichische Fabriken, die sich zur hippen Location gemausert haben

Mittwoch, 31. Januar 2018 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

8 österreichische Fabriken, die sich zur hippen Location gemausert haben

Mittwoch, 31. Januar 2018 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Wenn Unternehmen eingehen oder ihre Standorte verlagern, bleibt meistens irgendwo eine alte, ungenützte Fabrik zurück, an deren frühere Geschäftigkeit nur Schornsteine, alte Silos oder verwaiste Geräte erinnern. Für die einen ein architektonischer Schandfleck, für die anderen die perfekte Location für Konzerte, Ausstellungen oder um einfach mal so richtig die Party-Sau rauszulassen. Wo in Österreich? Das erfahrt ihr von uns.

von Viktoria Klimpfinger

Letztes Update: Oktober 2018

Fabriken verbinden die meisten wahrscheinlich eher mit Schutzkleidung und Hacklerei als mit spaßiger Freizeitgestaltung. Im Normalfall würde man des Geländes verwiesen, wenn man mitten in der Lagerhalle die Sektflasche schüttelt, die Bluetooth-Boxen aufdreht, bis sie knacken, und laut „Was geht aaab?!“ kreischt. Sobald aber Outsourcing, Insolvenz oder andere wirtschaftliche Faktoren die Fabriken leeren, erhitzen Bands das Betriebsklima bis zum Siedepunkt, macht das Partyvolk die Lagerhalle zum Dancefloor, verarbeitet ein Tross aus Markt-Hipstern den Geschäftsbericht zu Upcycling-Taschen. Das Umfunktionieren alter Fabriken verschafft uns nicht nur ausgefallene Locations im Backstein-Style, sondern streichelt noch dazu das gute Gewissen – weil Nachhaltigkeit und so. Welche aufgepeppten Produktionsstätten ihr euch in Österreich unbedingt mal näher anschauen solltet, lest ihr hier.

Die Sargfabrik in Atzgersdorf

Die Wiener sind makaber. Ein Klischee, das sie anhand der umfunktionierten Sargerzeugung im 23. Bezirk kaum abstreiten können. Wo die Bestattung und Friedhöfe Wien GmbH noch bis 2013 fleißig Holzpyjamas herstellte, befand sich bis Sommer 2018 ein ambitioniertes Zwischennutzungsprojekt

Initiator Erich Sperger hat hier eine regelrechte Kathedrale der Subkultur geschaffen. Die fünf großen Hallen und 10.000 Quadratmeter Nutzfläche werden mit allem bespielt, was die freie Künstlerszene zu bieten hat: von Performances über Märkte bis hin zu Konzerten und Partys. Im August 2017 wurde Wien mit dem Weilbaum-Festival hier sogar um ein neues Festival der zeitgenössischen Musik reicher – neben dem Donauinselfest endlich etwas für alle, die sich nicht im Kuschelmarsch über die Brigittenauerbrücke schieben lassen wollen. Vom Wasserturm bis zu den Lagerhallen erinnert aber nach wie vor alles an Fabrik. Ein Glück für alle Fans des Maroden! Nun soll das Fabriksgebäude saniert werden.

Die Brauerei in Ottakring

Was bringt man mit Wien noch in Verbindung außer den morbiden Schmäh? Richtig, das 16er-Blech! Wenn das Bier schon so legendär ist, dass es einen eigenen Spitznamen besitzt, dann muss seine Produktionsstätte umso legendärer sein. Ist auch so: Die Ottakringer Brauerei kann alles – egal ob Konzerte oder kultige Events wie zu Halloween. Vollkommen klar also, dass sich hier immer wieder das Festival unter den Märkten einnistet: der Fesch’markt.

Aber auch abseits der kultigen Events kommt hier das Bier nicht zu kurz. Immer wieder finden Führungen durch die Brauerei, Verkostungen und natürlich die immer wieder herbeigesehnten Braukultur-Wochen statt. Seit 180 Jahren ist die Wiener Brau-Hochburg in Betrieb – und damit die einzige Produktionsstätte auf unserer Liste, die noch immer ihrer anfänglichen Bestimmung nachgeht. Wer im Bier seine eigene Bestimmung gefunden hat, der kann hier übrigens sogar die Ausbildung zum Biersommelier machen. Und auf der nächsten Familienfeier so richtig protzen!

Fabriken Österreich: Ottakringer Brauerei

Ottakringer Brauerei © CC-BY-SA-3.0

Die Glanzstoff-Fabrik St. Pölten

Da der Fesch’markt offenbar ein Indikator für szenetypische Hotspots ist, folgen wir ihm einfach mal bis nach St. Pölten. In der ehemaligen Glanzstoff-Fabrik wurden bis 2008 Viskosefasern hergestellt. Weniger unterhaltsam als Bier, aber nicht minder erfolgreich: Zeitweise war das Unternehmen Glanzstoff Austria sogar der zweitgrößte Produzent weltweit! Heute bietet die Eventlocation „Die Konerei“ einen weitläufigen Rahmen für Ausstellungen, Theater und alles, was sich aus dem Party-Hut zaubern lässt.

Die Tabakfabrik in Linz

Langsam zeichnet sich da irgendwie ein Muster ab: Die ehemalige Tabakfabrik in Linz verfolgt nämlich ein ganz ähnliches Konzept: Poetry Slams, Märkte oder Acts wie Bilderbuch und Co. tummeln sich auf der Event-Agenda. Und auch hierher pilgern Hipster aller Bundesländer zum Fesch’markt – ja, definitiv ein Muster. Als wäre das Ganze nicht schon hipp genug, haben sich übrigens auch einige junge Start-Ups angesiedelt.

So zweckmäßig das Gebäude, so bunt also das Programm. Das riesige Gelände hat aber bereits einiges an Geschäftigkeit gesehen: 1850 gegründet, war es zunächst Produktionsort für Textilien. Zwischen 1929 und 1935 wurde darauf die eindrucksvolle Industrieanlage errichtet, die bis heute denkmalgeschützt ist. 2001 verarbeitete hier ein japanisches Unternehmen Tabak. Seit 2010 ist die Fabrik schließlich wieder in den Händen der Stadt Linz.

Die Seifenfabrik in Graz

Was für die einen der Tabak ist, ist für die anderen die Seife. Oder so ähnlich. Zumindest bietet die ehemalige Seifenfabrik in Graz ein ebenbürtiges Pendent zur Linzer Tabak-Werkbank. Denn auch hier macht unter anderem der Fesch’markt Halt. Und mit diesem Inbegriff der Hipster-Kultur kann man sich schon ungefähr vorstellen, wohin die Reise inhaltlich geht. 2018 verspricht allerdings ein paar besonders ausgefallene Schmankerln, wie zum Beispiel eine Convention zur Feier des japanischen Kirschblütenfestes Ende März oder ein Halloween-Rave.

Auch die Seifenfabrik hat abseits des wilden Treibens Eigenwilliges auf Lager: 1872 wurde hier nämlich ursprünglich Düngemittel produziert. Es gibt zwar kaum zwei Produkte, die weniger eng Hand in Hand gehen sollten als Dünge und Seife, aber was soll’s – öfter mal was Neues: 70 Jahre nach der Gründung wechselte man in Graz auf die wohlriechendere Seite des Produktionsspektrums.

Die Papierfabrik in Laakirchen

Wer nicht nur in Sachen Location auf Recycling steht, für den muss die Papierfabrik im oberösterreichischen Laakirchen ganz oben auf die Liste im handgeschöpftem Bio-Collegeblock. Ein Museum erinnert an den ursprünglichen Nutzen der Fabrik – von 1868 bis 1988 wurden hier Papier und Zellstoff erzeugt. Im Papiermachermuseum muss man nicht nur brav zuschauen, sondern kann sich sogar sein eigenes Blatt Kritzelleinwand schöpfen. Und wem das an Weiterbildung noch nicht reicht, der kann ja im Druckerei- oder Feuerwehrmuseum noch ein bisschen weiter strebern.

Programmtechnisch wird hier zwar die Kultur auch großgeschrieben, aber nicht immer nur in Kombination mit der Vorsilbe „sub“. Traditionelle Kunstmärkte wechseln sich mit Kabarett-Programmen und Konzert-Dauerbrennern wie der Spider Murphy Gang ab.

Die Bleifabrik in Saag

Aha, Fabrikslocations sind also nur was für Hipster, Künstler und Museumsgänger? Von wegen! In der Kärntner FABRIK Saag  steppt der Bär in polierten Schuhen und weißem Hemd. Ganz nahe des Wörthersees gelegen, ist hier nämlich die berühmt-berüchtigte Fête Blanche das Aushängeschild. Wer also das protzige Prada-Imitat dem ausgewaschenen Jutebeutel vorzieht und seine latschigen Sneaker lieber gegen schmerzhafte Highheels eintauscht, der ist in der ehemaligen Bleifabrik genau richtig.

Wobei Blei historisch nicht ganz korrekt ist : Seit 1850 wurden hier Minium und Glätte hergestellt, also Blei-Nebenprodukte, die als gelbe und rote Pigmente zum Beispiel für Öl- oder Rostschutzfarben verwendet wurden. Vor allem Minium ist aber ziemlich giftig und daher heute verboten. Daher wahrscheinlich auch die Werkschließung 1992. Schlecht fürs Unternehmen, gut für fette Partys. Und ein bisschen was von der rustikalen Atmosphäre bleibt trotz gestriegelter Clubbing-Atmosphäre auch hier noch übrig: Maschinenteile, Hochöfen und Zahnräder wurden zu innenarchitektonischen Accessoires upgegradet.

Das Kesselhaus in Bregenz

Nicht dem Fortschritt, sondern dem Outsourcing zum Opfer gefallen, ist das Kesselhaus in Bregenz. Es gehörte zur Produktionsstätte der Spinnereigruppe Schoeller und war von 1907 bis 1997 in Betrieb. In der heutigen Location wurde allerdings nicht gesponnen, sondern das damalige „Heizhaus“ sorgte für die Energie im Werk. Heute kann man hier gediegen essen gehen oder schwingt das Tanzbein bei einem der TanzCafés und ähnlichen massentauglichen Veranstaltungen.

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That’s it. Tango in November. Ask around and you will have nice surprises. For example round Lake Constance: Taking part on 20 year tango-school celebrations means having a really exceptional possibility to join a Milonga with life music. Thanks to tangissimio.net Martin y Claudia the @Kesselhaus in Bregenz is a great place to enjoy Cuarteto Rotterdam’s delicate Interpretation of original tango music. . . . So ist das mit dem November: Ein bisschen herum gefragt und schon findet sich eine Gelegenheit zum feiern mit feinster Tangolifemusik. Im Kesselhaus Bregenz werden 20 Jahre Tanzschule zelebriert. Mit einer Milonga wie es sich gehört. Martin y Claudia sind tangissimo.net. Wunderbar dies mit den feinfühligen Interpretationen von Cuarteto Rotterdam zu untermalen . . . #kesselhausbregenz #tangoargentino #tangoargentine #cuartetorotterdam #tangofever #tangofieber #milonga #milongaparabailar #tangissimo #bregenz #lakeofconstance #november #tangoamsee #tangoambodensee

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Bevor ihr euch gleich ins Auto schwingt und zum Fabriken-Roadtrip aufbrecht, schaut euch doch unsere ausgefallen Wanderrouten an. Vielleicht liegt die eine oder andere ja am Weg!

Was ihr in Österreich sonst noch so anstellen könntet, lest ihr in unseren To Do’s.

Titelbild (c) CC-BY-SA-3.0-AT

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