Feminismus

11 Gründe, die beweisen, dass wir den Feminismus brauchen

Dienstag, 23. März 2021 / Lesedauer: ca. 11 Minuten

11 Gründe, die beweisen, dass wir den Feminismus brauchen

Dienstag, 23. März 2021 / Lesedauer: ca. 11 Minuten

Wer als Frau durch die Welt geht, erlebt sie ganz anders als jemand, der als Mann durch sie geht. Das müsste per se nicht problematisch sein. Leider ist es das aber, denn in unserer Gesellschaft gibt es ein Machtgefälle zugunsten weißer, heterosexueller Cis-Männer. Und genau deshalb brauchen wir den Feminismus.

von Pia Miller-Aichholz

*Wir wollen euch auch während der aktuellen Maßnahmen inspirieren und versuchen, unsere Artikel laufend Covid-konform upzudaten. Bitte haltet euch weiterhin an die Maßnahmen. Nur wenn wir jetzt zusammenhalten und aufeinander schauen, können wir möglichst bald wieder all diese Inspiration gemeinsam genießen und zu einem halbwegs normalen Alltag zurückkehren.

Feminismus polarisiert. Dabei sollte er das nicht. Wer an die Gleichberechtigung aller Menschen glaubt, muss auch Feminismus gut finden, denn genau dafür setzt sich Feminismus ein. Historisch haben Männer – ganz speziell weiße, heterosexuelle Cis-Männer – den Ton angegeben und sich ihre Welt machen können, wie-de-wie-de-wie sie ihnen gefällt, und damit auch die Welt aller anderen. Feminismus gibt es, weil es auf vielen verschiedenen Ebenen ein krasses Gefälle in der Macht, im Einfluss und in den Rechten von Männern und Frauen gibt – am stärksten zwischen weißen, reichen, heterosexuellen Cis-Männern und Women of Color, Armen, Menschen mit Behinderungen sowie queeren Personen, die gleich mehrfach diskriminiert werden. Deshalb präsentieren wir euch beispielhaft zehn Gründe, aus denen wir den Feminismus brauchen.

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Das Gender-Pay-Gap besteht nach wie vor

Erst vor Kurzem, am 21. Februar, hatten wir in Österreich Equal Pay Day. Der soll auf die Ungerechtigkeit in Sachen Gehälter zwischen Männern und Frauen aufmerksam machen. Der vom Frauennetzwerk Business & Professional Women, kurz BPW, errechnete Termin am Jahresbeginn markiert jenen Punkt im Jahr, an dem Frauen beginnen, im Verhältnis zu Männern etwas für ihre Arbeit zu verdienen. Das BPW hat eine Gehaltslücke von 14,3 Prozent berechnet. Das entspricht dieses Jahr 52 Tagen gratis Frauenarbeit. Weil es verschiedene Berechnungsarten und daher verschiedene Zahlen gibt, sorgt das Thema immer wieder für Kontroversen. Ein Gegenargument lautet, dass man für eine valide Aussage über die Gehaltsverhältnisse mehr Faktoren beachten müsse als nur die Einkommensstatistiken. Berücksichtigt man verschiedene Positionen, Arbeitszeit und Branchenunterschiede, kommt man auf den sogenannten bereinigten Gender-Pay-Gap. Die Unternehmensberatung Mercer kam für 2020 auf einen unbereinigten Gender-Pay-Gap von 15 Prozent und auf einen bereinigten von 6 Prozent. Die gute Nachricht: Der Equal Pay Day verschiebt sich langsam aber doch zugunsten von Frauen. Trotzdem: Mercer stellte fest, dass der Gender-Pay-Gap breiter wird, je höher Männer und Frauen die Karriereleiter hochklettern. Wichtig ist aber immer zu erwähnen, dass auch, was Lohn angeht, Women of Color, Transfrauen und Frauen mit Behinderungen schlechter dastehen als ihre Weißen, able-bodied Cis-Schwestern. In der breiten Öffentlichkeit sichtbar werden vor allem prominente Fälle, in denen Frauen in denselben Positionen oder für dieselbe Arbeit weniger bezahlt bekommen als ihr männliches Gegenüber, etwa für Hauptrollen in hochkarätigen Filmproduktionen.

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Ehrgeizige Männer gelten als zielstrebig, ambitionierte Frauen als zickig

Frauen werden am Arbeitsplatz nicht nur weniger für ihre Leistungen belohnt, sondern durchschnittlich auch weniger ernst genommen und geschätzt als ihre männlichen Kollegen. Women of Color, Frauen mit Behinderungen oder queere Frauen sind dabei noch schlechter dran als Weiße, heterosexuelle Cis-Frauen. Frauen mit Behinderungen werden aufgrund ihrer Einschränkungen beispielsweise weniger ernst genommen und unterschätzt. Weil Diskriminierung also auf unterschiedlichen Ebenen passiert, muss ein moderner Feminismus all diese Ebenen miteinbeziehen.

Sind Frauen ehrgeizig und zielstrebig, haben eine No-Bullshit-Attitüde und sprechen Probleme knallhart an, gelten sie als aggressiv, als zickig, als laut, als Kampf-[unpassenden, zweckentfremdeten Begriff mit Hinweis auf ihre sexuelle Orientierung oder Identität einfügen]. Tun Männer dasselbe, besonders wenn sie Weiß und heterosexuell sind, gelten sie als stark, als leistungsorientiert, als Macher. Frauen können und wollen es sich nicht mehr leisten, leise zu sein, um ja nicht anzuecken, und müssen das auch nicht. Ihre Ideen müssen genauso ernst genommen und gehört werden wie jene ihrer Mitarbeiter. Und zwar nicht erst dann, wenn ein Kollege die zuvor von einer Kollegin geäußerte und überhörte Idee wiederholt und das Lob dafür einheimst, ein Phänomen, das so häufig auftritt, dass es den Namen „Hepeating“ bekommen hat.

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Mansplaining is still a thing

Es gibt Situationen, da sagen Männer besser nichts und nehmen die Anliegen von Frauen schlicht zur Kenntnis. Besser noch sie nehmen die Anliegen von Frauen als Anlass zur Reflexion und unterstützen sie darin. Etwa in der Debatte um die Kosten für Menstruationsprodukte. Schon länger wird öffentlich immer wieder darüber diskutiert, ob man die Mehrwertsteuer auf Menstruationsprodukte senkt oder abschafft oder Menstruationsartikel überhaupt kostenfrei sein sollten. Binden, Tampons, Slipeinlagen, Schmerzmittel, in der einen oder anderen Kombination müssen menstruierende Menschen für all das finanziell aufkommen. Das kann sich je nach Stärke des Zyklus und der Schmerzen übers gesamte Leben gerechnet auf Hunderte Euro bis in den einstelligen Tausender-Bereich summieren, wie Der Standard nachgerechnet hat. Schottland hat im November 2020 als erstes Land der Welt beschlossen, dass Menstruationsprodukte kostenlos sein sollen und in Österreich wurde zumindest die Mehrwertsteuer von 20 auf 10 Prozent gesenkt. Immer wieder mischen sich in diese Debatte Männer ein, die meinen, dass das unnötig sei und sie ja auch keine Hygieneartikel geschenkt bekommen, obwohl sie diese Debatte schlichtweg nicht betrifft. Einfach nein.

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Menstruation ist ein Tabuthema …

Das bringt uns auch gleich zum nächsten Punkt: Obwohl die Menstruation für einen Großteil der Bevölkerung ein fixer Bestandteil des Lebens ist und menstruierende Personen aus evolutionärer Sicht den Fortbestand der Spezies sichern, ist die Menstruation in der Öffentlichkeit häufig ein Tabuthema. Wenn dann doch öffentlich darüber geredet wird, fallen schnell einmal die Wörter „eklig“ oder „schmutzig“. Wer menstruiert, wächst mit dem Eindruck auf, die Monatsblutung verheimlichen zu müssen. Das Tampon oder die Binde wird in der Hand oder in der Hosentasche versteckt und auf die Toilette geschmuggelt. Und Sex während der Periode gilt für viele als eklig. Dabei ist die Menstruation ein normaler biologischer Prozess, über den sich genauso einfach reden lässt wie über den Blutkreislauf. Und Periodensex hat nebenbei bemerkt auch seine Vorteile.

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… und der Zyklus für viele Anlass für sexistische Pointen

Der Zyklus einer menstruierenden Person geht mit Hormonschwankungen einher, die ihre Stimmung, das Hautbild, die Verdauung und die Libido beeinflussen können, aber auch den Energiehaushalt. Während der Menstruation erleben viele Menschen Schmerzen, zum Beispiel Krämpfe, die teils so stark sind, dass sie Schmerzmittel nehmen oder sich sogar krankmelden müssen. Menstruierende Personen sind dieser Hormonachterbahn und ihren Auswirkungen in der Regel – pun intended – monatlich ausgesetzt, jahrelang, und müssen in ihrem Alltag damit klarkommen. Was sie zum Drüberstreuen ganz sicher nicht brauchen, sind ignorante Kommentare von Arbeitskollegen, Bekannten oder sogar Freunden. Und nein, nur weil eine Frau emotional wird, lässt das nicht direkt darauf schließen, dass sie knapp vor oder mitten in ihrer Regelblutung ist. Und selbst wenn sie tatsächlich gerade aufgrund ihrer Hormonschwankungen emotional wird, ist das erstens kein Grund, sie nicht ernst zu nehmen, sie zu veralbern und nicht zu respektieren, und zweitens ist der Umstand ohne weitere unsensible Kommentare oder Fragen hinzunehmen.

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Frauen und weiblich gelesene Menschen sind in der Öffentlichkeit weniger sicher

Ab einem bestimmten Alter gehört es zum Alltag von Frauen, dass ihnen fremde Männer im öffentlichen Raum nachpfeifen, ihnen im Vorbeigehen schmatzende Kussgeräusche zuwerfen, ihnen Dinge wie „Uuuh, sexy!“ oder „Mmmh, baby!“ zuraunen und sie in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Menschenmengen begrapschen. Für Nachpfeifen und Co. gibt es einen umstrittenen Begriff: catcalling. Manche finden nämlich, der Begriff, der übersetzt „Katzengeschrei“ heißt, verharmlose die eigentliche Handlung, die vom Großteil der Betroffenen als sexuelle Belästigung empfunden wird, ihnen Angst macht und ihnen ein unsicheres Gefühl gibt. Durch jede dieser Handlungen wird ein Machtgefälle ausgenützt. Spricht man das an und ruft Männer dazu auf, damit aufzuhören, fühlt sich eine große Zahl von Männern angegriffen. Das allein spricht schon Bände. Sie sagen, früher hätten Frauen so etwas noch als Kompliment gesehen. Sie sagen, Frauen sollten sich nicht so anstellen. Sie sagen, wenn Frauen ansprechen, dass sie so etwas nicht wollten, machten sie ungute Stimmung. Newsflash: Frauen sind nicht dafür verantwortlich, für gute Stimmung zu sorgen und Komplimente passieren auf Augenhöhe.

Im Herbst des vorigen Jahres hat die Influencerin Isabell Gerstenberger auf Instagram darauf aufmerksam gemacht, dass sich Frauen im öffentlichen Raum oft nicht sicher fühlen. „Was würdet ihr tun, wenn es 24 Stunden keine Männer gäbe“, fragte sie in ihrer Instagram-Story. Das Gedankenexperiment ging viral, die Antworten verdeutlichten, dass oft schon die einfachsten Dinge begleitet sind von sexuellen Übergriffen oder bedrohlichen Situationen: „Abends durch die Stadt spazieren“, „im Fitnessstudio ruhig und unbeobachtet trainieren“, „Feiern gehen ohne begrapscht zu werden“, „nachts rausgehen ohne die Angst, vergewaltigt oder entführt zu werden“, sind nur einige davon. Als Gestenberger ihrer männlichen Followershaft die gleiche Frage stellte, also, was Männer 24 Stunden ohne Frauen machen würden, war der allgemeine Tenor hingegen ein schulterzuckendes: „dasselbe wie immer.“ Sehr aufschlussreich.

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Die Gewalt an Frauen steigt

Die Überzeugung, dem eigenen Begehren jederzeit Luft machen oder nachgeben zu dürfen, ohne Rücksicht auf die davon betroffene Person, bereitet darüber hinaus fruchtbaren Boden für physische sexuelle Gewalt im öffentlichen Raum, aber auch im Privaten. Verurteilungen für sexuelle Straftaten betreffen in Österreich vorwiegend Männer. Betroffen sind im Großteil der Fälle Frauen. Unter ihnen sind besonders Frauen mit Behinderungen, Women of Color und queere Frauen gefährdet.

Traurige Gipfel der Gewalt an Frauen sind Femizide. Zwischen 2014 und 2019 hatte sich die jährliche Zahl der Frauenmorde von 19 auf 39 verdoppelt. Im laufenden Jahr wurden bereits vier Frauen ermordet. In der öffentlichen Wahrnehmung und Einordnung solcher Taten sind Medienberichte durch ihre Reichweite bedeutend. Laut einer vom Marktanalyse-Institut Media Affairs durchgeführten Studie zur Berichterstattung über Gewalt an Frauen verharmlosen allerdings besonders Boulevardmedien die Taten, und das gegenüber einer besonders großen Leser*innenschaft. Diese Verharmlosung geht oft Hand in Hand mit einer Täter-Opfer-Umkehr, indem etwa beschrieben wird, dass das Vergewaltigungsopfer einen kurzen Rock getragen habe oder dass die von ihrem Lebensgefährten ermordete Frau Trinkerin gewesen sei. Was dabei meist unerwähnt bleibt, ist das den Taten zugrundeliegende gesellschaftliche Problem. Sie werden stattdessen als dramatische Einzelfälle inszeniert.

Frauen mit einem lebendigen Sexleben werden oft dafür verurteilt

Eine Frau mit vielen Sexualpartner*innen ist eine Schlampe, ein Mann ein Held. So die vorherrschende Wahrnehmung, zumindest wenn man nach vielen Filmen, Serien oder Boulevard-Blättern urteilt. Unsere Gesellschaft hat eine ganz ordentliche Doppelmoral im Umgang mit Sexualität. Egal ob Mann oder Frau, wir müssen aufhören, die Anzahl von Sexualpartner*innen mit Bedeutung aufzuladen. Eine Zahl sagt nichts über den Charakter, den Wert, die physische oder psychische Gesundheit einer Person aus.

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Die Orgasmus-Lücke bringt niemandem etwas

Bei heterosexuellem Sex kommt die Frau wesentlich weniger wahrscheinlich zum Orgasmus als der Mann. Die Gründe für diesen sogenannten orgasm gap, auf Deutsch: Orgasmus-Lücke, werden bereits seit mehreren Jahren erforscht und füllen Studien. Historisch wurde die weibliche Sexualität lange negiert und von der Wissenschaft ignoriert. Heute gilt in unserer Kultur Penetrationssex als ultimativer sexueller Pfad zum Gipfel. Dass das allein für Frauen aber nicht zum Orgasmus führt, wissen viele nicht. Frauen brauchen für den Höhepunkt auch klitorale Stimulierung – vor der Penetration, teilweise auch währenddessen. Was genau eine Frau anturnt, ist von Person zu Person und mitunter auch von Tag zu Tag unterschiedlich. Der Partner muss also Interesse, Verständnis, Neugier und mitunter Geduld mitbringen. Nur dann, wenn Frauen klar wird, dass sie ihre Befriedigung einfordern dürfen, wird Hetero-Sex zu einer Win-win-Situation.

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Verhütung ist nach wie vor hauptsächlich Frauensache

Apropos Sex: Verhütung ist immer noch vorrangig Sache der Frau. Dabei sind Mann und Frau gleichermaßen daran beteiligt, dass ein Kind gezeugt wird. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde an hormonellen Verhütungsmitteln für Männer geforscht, aber dann kam die Pille für Frauen auf den Markt und das Problem war sozusagen nicht mehr drängend, beziehungsweise ging das Forschungsinteresse an einer Variante für Männer zurück und damit auch Forschungsgelder. Zuletzt wurde eine Studie der WHO 2011 abgebrochen, weil zu viele Männer über Nebenwirkungen klagten. Natürlich soll der Standard in der Forschung sein, möglichst sichere und nebenwirkungsfreie Mittel zu finden. Dennoch ist die Doppelmoral im Umgang mit Verhütungsmitteln frappant: Frauen erleben durch hormonelle Verhütungsmittel ebenfalls Nebenwirkungen – sie reichen von Stimmungsschwankungen bis zu erhöhtem Krebsrisiko. Dennoch wird ihnen die Pille bereits im Teenager-Alter sehr leichtfertig verschrieben, unter anderem auch gegen Hautprobleme oder starke Regelbeschwerden.

Eine alternative Verhütung für den Mann abgesehen von einer Sterilisation – ziemlich sicher, dafür extrem invasiv und meist permanent – und Kondomen – niederschwellig, aber dafür nicht so sicher – gibt es nicht. Will eine Frau sichergehen, dass sie nicht schwanger wird, muss sie neben dem Kondom ein weiteres Verhütungsmittel anwenden und dafür finanziell aufkommen. Das Mindeste, was Männer machen können, ist konsequent auch selbst ans Kondom zu denken und es ohne Beschwerden darüber, dass es sich nicht so gut anfühlt, überzuziehen. Und es auch dabei zu belassen. Denn die Abneigung gegen die einige Mikrometer dünnen Gummi-Überzüge bewegt leider manche Männer dazu, sich das Kondom während des Geschlechtsverkehrs heimlich abzuziehen. Diese Praxis hat den Namen „Stealthing“ bekommen, abgeleitet vom englischen Wort „stealth“ für „List“ und „Heimlichtuerei“. Im Rahmen einer australischen Studie gaben 32 Prozent der befragten Frauen und 19 Prozent der befragten Männer an, von Geschlechtspartnern Stealthing erlebt zu haben. Stealthing ist kein Kavaliersdelikt. Die Praxis offenbart eine eklatante Missachtung der Rechte des um die Selbstbestimmung betrogenen Gegenübers und ist in Großbritannien und Deutschland bereits strafbar.

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Unternehmen verdienen auf dem Rücken von Frauen Geld

Sex sells. Meistens werden dafür Frauen instrumentalisiert. Die Werbebranche greift immer wieder stereotypische Annahmen über Frauen auf und versucht, daraus Profit zu schlagen. https://pinkstinks.de/werbung-ist-immer-noch-sexistisch/ Mit welcher Begründung ist auf dem Firmenwagen einer KFZ-Werkstatt eine breitbeinig über einem Motorrad stehende, knapp bekleidete Frau von hinten zu sehen? Sagt dieses Werbesujet etwas über die Qualität des Betriebs aus? Nein. Spricht es für den Betrieb? Nein. Wieso braucht man eine halbnackte Frau, um einen Burger zu verkaufen? Wieso schlagen sich in Waschmittelwerbungen vor allem Frauen mit hartnäckigen Flecken herum?

Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s allen gut? Fehlanzeige. Denn solange sexistische und diskriminierende Werbung in der Öffentlichkeit zu sehen ist und offensichtlich geduldet wird, werden diskriminierende Stereotype über Frauen weiter verbreitet, die wiederum zu mehr Diskriminierung führen. In Österreich kann diskriminierende Werbung zum Beispiel beim Werberat gemeldet werden. Der hat einen Ehrenkodex für die Österreichische Werbewirtschaft verfasst, der geschlechterdiskriminierende Werbung untersagt. Wirklich Strafen oder Konsequenzen dafür gibt es allerdings nicht. Die Reaktion der Unternehmen – ein Einlenken, eine öffentliche Entschuldigung, die Entfernung eines Sujets – und ihr zukünftiges Verhalten hängen also stark davon ab, wie positiv oder negativ die Öffentlichkeit auf das diskriminierende Sujet reagiert.

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Besonders bitter ist, dass Unternehmen Frauen nicht nur für den eigenen Vorteil zu Verkaufsargumenten und Lockvögeln degradieren, sondern Konsumentinnen auf der anderen Seite ganz schön abgezockt werden. Für feminin vermarktete Produkte und Leistungen zahlen Frauen häufig mehr als Männer für an sie gerichtete gleichwertige Güter. Diese Praxis ist als Gender Pricing und der festzustellende Preisunterschied als Pink Tax bekannt geworden, weil für Frauen vermarktete Produkte häufig rosa sind. Das Institut für Höhere Studien hat 2019 eine Studie zu Gender Pricing in Österreich veröffentlicht. Die Autorinnen kamen zu dem Schluss, dass Frauen insbesondere für vergleichbare Dienstleistungen viel mehr verrechnet wird als Männern, etwa im Frisier-Salon und bei der Textilreinigung. Die Autorinnen untersuchten auch eine Reihe von beliebten Körperpflegeprodukten und stellten fest, dass zwar nicht alle an Frauen gerichteten Produkte teurer sind als jene der Männer. Aber die Preisspanne für feminin vermarktete Produkte ist nach oben hin stets größer. Je höher das Preissegment, desto stärker wird der Preisunterschied sogar noch. Und das, obwohl Frauen mehr unbezahlte Arbeit machen und für dieselbe Arbeit weniger verdienen als Männer.

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Wenn ihr euch im Alltag öfter mit feministischen Themen auseinandersetzen wollt, empfehlen wir euch ein paar tolle feministische Instagram-Accounts. Außerdem hat sich unsere Redakteurin überlegt, warum wir alle mehr Rosa tragen sollten.

(c) Beitragsbild | Sandra Spiegel | 1000things

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