Erwachsen sein

Diese Dinge geben uns das Gefühl, total erwachsen zu sein

Mittwoch, 3. April 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Diese Dinge geben uns das Gefühl, total erwachsen zu sein

Mittwoch, 3. April 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Das Kind ist stark in euch? Dann habt ihr sicher gerade Laserschwert-Kämpfe und schwer atmende Maskengesichter im Kopf. Nein, das hier ist kein Artikel über Star Wars. Das ist ein Artikel darüber, dass wir zwar gerne Kindsköpfe sind, aber in manchen Situationen reifer als gedacht.

von Viktoria Klimpfinger

„Boah, werd’ doch endlich mal erwachsen!“ Mal ehrlich: Wie oft hättet ihr eurem humorlosen Gegenüber, das offenbar euren total lustigen Penis-Witz nicht geknissen hat, gerne ins Gesicht gebrüllt: „Ja, wie denn?!“ Erstaunlich viele Menschen, die auf dem Papier bereits einige Jahre zu den Erwachsenen zählen, haben nicht das Gefühl, dass sich ihr bürokratisches Alter mit ihrem emotionalem deckt. Sprich: Viele Millennials würden sich selbst nicht als prototypische Erwachsene bezeichnen. Wo dieser Trend begründet liegt, was er über unsere Gesellschaft aussagt und ob die Illuminati etwas damit zu tun haben, würde an dieser Stelle zu weit führen. Stattdessen haben wir einige Dinge für all jene altersverwirrte Peter und Petra Pans da draußen gesammelt, die ihnen beweisen, dass sie erwachsener sind als gedacht.

Eigene Frischhalteboxen

Seit wir das elterliche Nest verlassen haben, stopften wir unsere Essensresteln in Tupper-Geschirr. Sehr zur Verärgerung unserer Eltern leider nicht in unser eigenes, sondern in geborgtes von daham. Jedes Mal, wenn wir in unser Elternhaus zurückkehrten, hagelte es daher herbe Kritik oder passiv-aggressive Anspielungen wie: „Brauchst du meine G’schirrdeln eigentlich noch?“ Aber das ist längst vorbei: Mittlerweile besitzen wir eigene leere Plastikbehälter, die wir verborgen und mit denen wir anschließend sozialen Druck ausüben können, weil wir eine eigenartig tiefgehende emotionale Bindung zu ihnen aufgebaut haben. Das fühlt sich für uns schon ziemlich erwachsen an.

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Werkzeug für Erwachsene

Schon seit unserer Kindheit kann das wohl größte Vorbild in Sachen Heimwerken kein anderer sein als Tim, der Heimwerker-King, Taylor. Eh klar. Und ungefähr genauso begnadet wie der Profi-Tollpatsch sind auch wir beim Möbel Zusammenbauen oder Bilder an die Wand Nageln. Haben wir einen Hammer? Das glaub’ ich nicht, Tim! Versuchen wir doch einfach mit dem Deko-Baseballschläger, den Nagel in die Wand zu schlagen. Ups, schon ist der Putz ab. Mit der Zeit hat sich aus dieser und ähnlichen Nöten heraus aber doch das eine oder andere Werkzeug in unseren Wohnungen versammelt. Ja, manche besitzen inzwischen sogar eine eigene Werkzeugbox. Und wir meinen, hat jemand sein Leben mehr im Griff als der Mensch, der für alle Heimwerker-Notfälle mit passendem Equipment gewappnet ist? Dasselbe gilt übrigens für Nähzeug und Nähkisten. Ein Loch im Socken? Kein Problem!

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Fusseln wegrollen und Hemden bügeln

Und wo wir gerade beim adretten textilen Erscheinungsbild sind: Wie wurscht waren uns bitte lange Zeit Fusseln auf unseren schwarzen Pullis oder Falten in unseren Hemden? Einmal drüber gewischt und die Fusseln sind – naja, immer noch da, es sind eben Fusseln. Und bei zerknautschtem Gewand galt lange Zeit die Devise: Ist es anliegend, gleichen sich die Falten sowieso aus. Ist es Oversized, gehören sie eben dazu. Punkt. Mittlerweile ist aus dem Punkt allerdings ein fettes Fragezeichen geworden. Denn irgendwie klingt es mit Mitte 20 nicht mehr ganz so süß rebellisch, wenn man auf die Frage nach der verknitterten Kleidung trotzig antwortet: „Ich glaube nicht an Bügeleisen.“ Besitzt ihr also eine Flusenrolle oder ein Bügeleisen oder vielleicht sogar beides, liegt die Vermutung nahe, dass ihr in der Erwachsenenwelt angekommen seid. Ab jetzt sollten wir euch wohl besser siezen.

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Von der Versicherung bis zum Steuerausgleich

Lange waren wir bei unseren Eltern mitversichert, viele von uns noch während des Studiums. Doch dann ist das muntere Studieren zu Ende und der Ernst des Lebens fängt an. Und plötzlich stehst du – entschuldigen Sie bitte – stehen Sie beim Arzt und müssen das erste Mal laut verkünden, dass Sie nun nicht mehr bei der Mama mitversichert sind. Ein großer Schritt. Sobald man sich den Kopf über Versicherungen, Zusatzversicherungen und Pensionsvorsorgen zerbricht, fühlt man sich schon ziemlich reif und selbstverantwortlich. Nur eines toppt das noch: Das Formulare-Wälzen beim ersten eigenen Steuerausgleich. Plötzlich fühlt man sich wie ein kleiner Bürokrat, der Mappen anlegt und Rechnungen aufbewahrt – man könnte es ja das nächste Mal abschreiben. So weit in die Zukunft zu planen, verleiht einem definitiv das Erwachsenen-Abzeichen auf der Pfadfinder-Schärpe.

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Sich mit Kreditkarten vertrauen

Genauso wie der Besitz einer eigenen Kreditkarte übrigens. Wir ziehen den Hut und unser Monokel. Denn wer sich selbst mit einer Karte über den Weg traut, die einem quasi unbegrenztes Online-Shopping ermöglicht und das Konto erst im Folgemonat belastet, der weiß sich zu beherrschen. Jedes Mal, wenn wir mit unseren Freunden Flüge buchen oder Festivaltickets online kaufen wollen, sind diejenigen mit den Kreditkarten die Heldinnen und Helden in glattgebügelter und fusselfreier Rüstung. An irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben müssen sie aktiv an die Bank ihres Vertrauens herangetreten sein und eine Kreditkarte verlangt haben, um ihre Ausgaben zu flexibilisieren. Wahrscheinlich schwadronierte man dabei auch wissend über Jahresgebühren und Kreditrahmen. Schick!

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Daueraufträge einstellen

Genauso schick und vor allem reif fühlen sich Daueraufträge an, die man dem eigenen Konto aufbürdet. Egal ob drei oder 300 Euro – jedes Mal aufs Neue klopft uns das Online-Formular, das wir dafür ausfüllen müssen, dabei gönnerhaft auf die Schulter: In solchen Momenten scheint es, als hätten wir so ziemlich alles im Griff. Immerhin gehören wir mit dem Dauerauftrag zu den Planern, die zuversichtlich sind, dass ihr Konto ihre Fixkosten Monat um Monat duldend erträgt, ohne sie in Mahngebühren zu stürzen.

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Eigene Visitenkarten besitzen

Das ultimative Willkommenspaket in die Erwachsenenwelt besteht aus einem Stapel kleiner Kärtchen. Diesmal nicht Kreditkärtchen – schön wär’s, Sie Schlawiner! Nein, die Rede ist natürlich von Visitenkarten. Kleine Stücke Hartpapier, mit denen wir der Welt mitteilen: Wir sind wichtig! Oder zumindest erreichbar. Jedenfalls signalisieren wir damit deutlich, dass wir unsere geschäftlichen Angelegenheiten mit Stil regeln.

Den Rotwein dekantieren

Aber wir wollen Sie nicht länger mit Finanzen und Business langweilen, werte Leserinnen und Leser, die gerade ihre Hemden bügeln und Versicherungsanbieter vergleichen. Wir schließen diese Tür und öffnen stattdessen ein Fenster. Und zwar ein Kirchenfenster. Wenn Sie den Schmäh verstanden haben, sollten wir Sie nicht einmal mehr siezen, sondern gleich zum Pluralis Majestatis übergehen. Als „Kirchenfenster“ bezeichnet man nämlich die Strukturen, die sich an der Innenwand des Weinglases bilden, wenn man den Vino fachgerecht schwenkt. Und wer solche Dinge weiß, besitzt mit ziemlicher Sicherheit auch einen Dekanter, damit der vollmundige Rotwein sein Aroma auch optimal entfalten kann.

Sich am Abend ein Gläschen aus dem hauseigenen Dekanter zu gönnen, das Glas zu schwenken, ohne die Wand mit roten Spritzern zu tapezieren, die an Hannibal Lecter erinnern, und dabei mit überschlagenen Beinen auf der Couch zu sitzen, zufrieden und doch beiläufig nickend, wenn der wohlschmeckende Rotwein zum ersten Mal die Geschmacksknospen passiert – das alles macht euch vielleicht noch nicht zu ernstzunehmenden Erwachsenen, fühlt sich aber schon schwer danach an. Das beweist einmal mehr: It’s all about the show! And the wine…

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Natürlich ist uns bewusst, dass Erwachsensein nichts mit Dekantern oder Werkzeugboxen zu tun hat. Ja, nicht einmal mit gebügelten Hemden und geflickten Socken. Was Erwachsensein bedeutet, entscheidet am besten jeder für sich selbst. Und ein bisschen Kind bleiben, schadet dabei auch nicht.

Egal wie erwachsen ihr euch fühlt – bei den Eltern werdet ihr immer wieder zum Kind? Unsere Redakteurin erzählt in unserer Senf-Kolumne, wie unangenehm es ist, mit den Eltern im Fernsehen Nacktszenen zu sehen. Wir haben uns außerdem angesehen, welche bestimmten Dinge man in jedem Haushalt findet.

(c) Beitragsbild | Vlad Sargu | Unsplash

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