Leiwande Wörter

13 Ausdrücke, die Sprachpolizist*innen auf die Palme bringen

Donnerstag, 8. April 2021 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

13 Ausdrücke, die Sprachpolizist*innen auf die Palme bringen

Donnerstag, 8. April 2021 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Tatütata! Die Sprachpolizei geht auf Streife und winkt ein paar falsche Ausdrücke aus dem Verkehr, die sich längst in unserer Alltagssprache tummeln. Das ist natürlich in keinster Weise böse gemeint und kommt nichtsdestotrotz mit einem großen Augenzwinkern daher. An diesem Satz hat euch etwas aufgestoßen? Ihr seid nicht die einzigsten.

von Viktoria Klimpfinger

*Wir wollen euch auch während der aktuellen Maßnahmen inspirieren und versuchen, unsere Artikel laufend Covid-konform upzudaten. Bitte haltet euch weiterhin an die Maßnahmen. Nur wenn wir jetzt zusammenhalten und aufeinander schauen, können wir möglichst bald wieder all diese Inspiration gemeinsam genießen und zu einem halbwegs normalen Alltag zurückkehren.

Die deutsche Sprache ist wirklich keine Nuss, die leicht zu knacken ist. Im Gegenteil: Wäre sie so eine verholzte Schließfrucht, wäre sie sicher keine überreife Walnuss, die man mit einem Schlag per bloßer Handkante aufbekommt. Wahrscheinlich wäre sie eine fest verschlossene Pistazie, bei der man sich beim Aufhebeln der Schale erst mal die Nägel ruiniert. Spompanadeln wie drei verschiedene Genus-Formen, wechselnde Artikel und die Dauerbereitschaft des Deutschen, sich in end- und manchmal sinnlose Komposita zu verstricken – Donaudampfschiff-eh-schon-wissen – machen es Deutschlernenden alles andere als leicht. Und um sie soll es hier auch nicht gehen.

Es zeugt vor allem anderen als Symp- und Empathie, wenn man sich über Aussprache- oder Rechtschreibfehler von Nicht-Muttersprachler*innen lustig macht. Generell kommt es ziemlich kleingeistig daher, wenn man sich etwa in Speisekarten diebisch über Tippfehler freut oder jemanden mitten im Gespräch unterbricht, um ihn*sie darauf hinzuweisen, dass es „Inter-esse“ heißt, „Inter-esse!!1!einself“. Besonders, weil sich bei Muttersprachler*innen selbst längst einige Ausdrücke eingeschlichen haben, die so nicht ganz korrekt sind. Und weil wir bisweilen unerbittliche Kreuz- und Querritter mit erhobenem Wörterbuch in unseren Kommentarspalten und Posteingängen haben, die uns etwa vorwerfen, das österreichische Deutsch mutwillig zu desavouieren, nur weil wir wieder einmal irgendetwas „lecker“ fanden, wissen wir längst, was die Schlaubi-Schlümpfe da draußen auf die Palme bringt. Also machen wir uns diesmal den Spaß, drehen den Spieß um und spielen selbst ein bisserl Grammatik-Polizei.

Einzigste

„Bin ich denn die einzigste, die das stört?“ Nein, Barbara, bist du nicht. Du bist garantiert nicht die einzigste, weil ‚einzigste‘ gar kein Wort ist. Das Wort ‚einzige‘ kann nicht gesteigert werden. Warum auch? Wenn man der*die einzige ist, steht man gemeinhin allein auf weiter Flur und kann sich mit niemandem vergleichen. Man kann also gar nicht ‚alleiner‘ sein, als man ohnehin schon ist. Und plötzlich klingt das irgendwie ziemlich traurig.

In keinster Weise

So ähnlich funktioniert das übrigens auch mit dem Wörtchen ‚kein‘: Etwas ist oder es ist nicht. Hobby-Philosoph*innen müssen jetzt nicht gleich alarmiert die Kragen ihrer schwarzen Existenzialisten-Rollis zurechtzupfen. Dass die Existenz etwas Absolutes ist, darüber könnte man natürlich stundenlang debattieren. Sprachlich ist sie es jedenfalls. Und wenn etwas nicht ist, dann kann es auch nicht ‚nichter‘ sein. Mögen uns künftige Philosophie-Seminararbeiten eines Besseren belehren.

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Kwarantäne

Da brauchte es erst eine Pandemie, damit uns auffällt, wie vielschichtig sich unsere Gesellschaft in zwei Lager teilt. Schon an einem einzigen Wort scheiden sich die Geister: Die einen gehen in Quarantäne, die anderen in Kwarantäne. Zweiteres haben wir in letzter Zeit so oft gehört, dass wir uns fast schon damit abgefunden haben. Laut Duden leitet es sich aber ursprünglich vom französischen ‚quarantaine‘ ab, und das kommt ohne W aus. Die Herleitungstheorien sind allerdings vielfältig. Kwauderwelsch.

Infisziert

Eine gute Nachricht gibt es jedenfalls: Mit Corona kann sich keine*r von uns infiszieren. Die schlechte Nachricht: Das stimmt natürlich nur auf lexikalischer Ebene. Weil ‚infiszieren‘ kein Wort ist. Gehört haben wir es in letzter Zeit aber dennoch verdächtig oft. Da will man sich doch glatt die Ohren desinfiszieren. Puh.

Guster

Ein Fehler, der manch einer Redakteurin bei 1000things selbst erst durch die harte Schule der Facebook-Kommentare bewusst wurde: Wenn wir wieder mal die Schoko-Lade plündern, hat uns nicht der Guster übermannt, sondern der Gusto. Obwohl man den in Österreich oft mit -a am Ende ausspricht und es uns manchmal wohl auch gustert.

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Seit versus seid

Auch hier kann man sich sicher sein, dass hitzige Kommentarspalten-Debatten früher oder später von einem Schlaumeier durchkreuzt werden, dem es einzig um allein ums grammatikalisch richtige Shitstorming geht: „Seits ihr olle deppert?!“ – „Sie meinen wohl: seid’s ihr olle deppert – Brillen-Emoji“. So wild man hier mit dem i-Tüpfelchen Turniere reitet, so wahr ist das leider auch. Der Diskussionsquerschießer hat schon einen Punkt, wenn vielleicht auch keinen besonders konstruktiven: ‚Seit‘ bezieht sich auf eine Zeitangabe, ‚seid‘ auf die zweite Person im Plural.

Das bringt sich nichts

Alles ist umsonst, nichts fruchtet. Manche würden jetzt wahrscheinlich resignierend feststellen: „Das bringt sich einfach nichts.“ Dieser Satz ist genaugenommen selbst sein bestes Beispiel: Das „sich“ hat hier nämlich nichts verloren. ‚Bringt‘ braucht kein Reflexivpronomen, also bringt „sich“ hier tatsächlich nichts.

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Desto … desto

Desto mehr, desto besser? Nope, ‚desto‘ tritt nicht gern im gleichgesinnten Doppelpack auf, sondern hängt lieber solo herum, ist deswegen aber auch nicht gleich allein. Wo ein ‚desto‘, da ein ‚je‘. Und je öfter wir ‚desto‘ vor uns hinsagen, desto schräger klingt es. Was ist das überhaupt für ein Wort? Andere Geschichte.

Kann ich ein Eis?

Wie oft haben wir das in unserer Kindheit über uns ergehen lassen müssen? Da fragt man schüchtern nach ein bisschen Flüssigkeit für die trockene Kehle und schon wird einem mit süffisantem Erwachsenenlächeln um die Ohren gehauen: „Was willst du damit machen? Es zerschneiden? Es anschauen? Es gegen die Wand werfen?“ Nein, Onkel Günter, ich will es natürlich einfach nur haben. Könnte doch alles so einfach sein.

Scheinbar versus anscheinend

Einfach ist das Deutsche, das haben wir schon eingangs geklärt, aber bei Weitem nicht. Da gibt es mitunter Wörter, die so ähnlich klingen, aber doch nicht ganz dasselbe bedeuten. Scheinbar. Oder doch anscheinend? ‚Scheinbar‘ bedeutet, dass etwas zwar den Anschein macht, nicht aber tatsächlich so ist: Ein gewisser Politiker besaß scheinbar keinen Laptop – ein zufälliger Beispielsatz. ‚Anscheinend‘ meint hingegen die Vermutung, dass etwas so ist, wie es wirkt: Anscheinend ist bei der Bestellung der Impfdosen etwas schiefgegangen – noch so ein rein zufälliger Beispielsatz. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Das gleiche ist nicht dasselbe

Auch bei dem Wunsch, dasselbe oder das gleiche wie das Gegenüber zu bekommen, sollte man vorsichtig sein. Hätte die ältere Dame in Harry und Sally gesagt: „Ich will das gleiche wie sie“, hätte sie ein neues, ähnlich zubereitetes Sandwich bekommen. Hätte sie gesagt: „Ich will dasselbe wie sie“, hätte man Sally ihr Sandwich weggenommen und an den Tisch der älteren Dame gebracht. Oder auch nicht – was wäre das denn für ein Service?

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Letzte versus vergangene

Wisst ihr noch, was ihr letzten Montag gemacht habt? Hoffentlich nicht, denn das würde bedeuten, dass ihr den nächsten Montag nicht erleben werdet. Klingt drastisch, und ist es auch, wenn man’s genau nimmt. Letzte Tage, letzte Wochen, letzte Jahre erleben wir hoffentlich noch lange nicht. Und selbst wenn, ist es uns in den seltensten Fällen bewusst. Vergangene Tage, Woche, Monate haben wir hingegen schon einige auf dem Buckel. Wobei das natürlich eine Spitzfindigkeit ist, die die wenigsten noch wirklich streng unterscheiden. Ob Ich weiß, was du vergangenen Sommer getan hast, derselbe Erfolg gewesen wäre? Wer weiß.

Nichtsdestotrotz

Zum Abschluss noch ein Schmankerl für die absoluten Spitzeinreiter*innen der i-Tüpfelchen: ‚Nichtsdestotrotz‘ ist für manche ein absolutes Unwort, ja fast schon ein verbaler Affront für lexikalisch überempfindliche Ohren. Denn eigentlich haben wir es der Student*innensprache des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu verdanken, damals war es noch ein scherzhaftes Kunstwort, zusammengesetzt aus ‚nichtsdestoweniger‘ und ‚trotzdem‘. Lol. Auch Humor verändert sich eben mit der Zeit. Genauso wie unsere Sprache. Mittlerweile verwenden wir es nichtsdestotrotz ganz gerne, das bringt sich vielleicht nichts, weil es dasselbe ist wie ‚trotzdem‘, aber desto mehr Wörter, desto vielfältiger, oder?

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Noch mehr Spaß mit Wörtern gefällig? Wir haben ein paar wunderbare Wörter für euch, die wir wirklich öfter verwenden sollten. Außerdem könnt ihr euren derben Wortschatz bei unserem Schimpfwörter-Quiz auf die Probe stellen.

(c) Beitragsbild | Pixabay

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