Beitragsbild Außenansicht Dolce Pensiero

Bäckerei-Weltreise durch Wien – Teil 1

Sonntag, 25. August 2019 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

Bäckerei-Weltreise durch Wien – Teil 1

Sonntag, 25. August 2019 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

Metropolen wie Wien zeichnen sich auch durch ihre kulturelle Vielfalt aus. Die macht sich in der österreichischen Hauptstadt auch in der Back-Szene bemerkbar. Wir haben eine Erkundungstour durch empfehlenswerte internationale Wiener Bäckereien gemacht.

von Pia Miller-Aichholz

Nichts gegen das gute alte Brioche-Kipferl und eine saftige Topfen-Golatsche, aber ab und zu brauchen wir auch in unserem Backwaren-Konsum ein wenig Abwechslung. In unserer beschaulichen Metropole bieten einige Bäckerinnen und Bäcker Teigwaren an, die ihren Ursprung in verschiedensten Ecken der Welt haben. Wir haben uns auf eine kleine Bäckereien-Weltreise begeben.

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Türkei: Bäckerei Gül

Die türkische Bäckerei Gül kann man getrost als Wiener Institution bezeichnen. 1990 gegründet, kommen mittlerweile an fünf Standorten in Wien duftende Sesamringe, Börek und fluffige Fladenbrote aus dem Ofen, aber auch Schwarzbrot und österreichische Klassiker wie Apfelstrudel oder Krapfen. Verschiedene Sorten Baklava – Pistazie, Kokos, Walnuss – warten auf jene, die es gerne sehr süß haben. Daneben bekommt ihr hier auch diverse türkische Lebensmittel, aber auch etwa – so, wie man es aus Bäckereien eben kennt – Milch, Softdrinks und andere herkömmliche Lebensmittel. Unser Tipp: die Sesamringe.

Sesamring

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

Nicht zuletzt, weil sie eine köstliche Begleitung auf so manchem nächtlichen Heimweg nach dem Feiern sind – süß, aber auch salzig, perfekt ausgewogen und herrlich sowohl mit salzigem als auch süßem Belag, oder einfach so. Ja, richtig gelesen: nach dem Ausgehen, denn die Filialen an der Rechten Wienzeile und in der Othmargasse haben täglich 24 Stunden lang geöffnet und die Backzentrale in der Hütteldorferstraße von 5.30 Uhr bis 24 Uhr, nur sonntags von 6 bis 24 Uhr.

Rechte Wienzeile 45, 1040  | Hütteldorfer Straße 113, 1140 | Yppenplatz 7, 1160 | Brunnengasse 60, 1160 | Othmargasse 42, 1200

Bäckerei Gül Wienzeile Innenansicht

Bäckerei Gül auf der Linken Wienzeile (c) Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

Frankreich: Parémi

Wenn es in Wien eine optimale Adresse für eine Bäckerei gibt, dann ist es jene, an der ihr die französische Bäckerei und Pâtisserie Parémi findet. Die hat sich passender Weise in der Bäckerstraße eingerichtet – an der Ecke zur Essiggasse, die dann wieder nicht ganz ins Konzept passt, aber man kann nicht alles haben. Die Essiggasse ist eine Fußgängerzone und eben dort hat Parémi einen von Feigenbäumen flankierten Gastgarten mit geflochtenen Sesseln und Bänken und runden Marmortischen eingerichtet.

Außenansicht Parémi

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

Nachgeschmissen werden einem die Köstlichkeiten hinter der Verkaufsvitrine zwar nicht gerade, aber meist sind sie jeden Cent wert. Die gefüllten Baguettes könnten für ihren stolzen Preis allerdings üppiger belegt sein. Bei Parémi bekommt ihr selbstverständlich französische Klassiker wie Baguettes, Pains au Chocolat und Croissants, aber auch Schwarzbrot-Varianten. Uns lockt regelmäßig die feine Pâtisserie hierher, etwa zart auf der Zunge zergehende Macarons, Le Citron – eine süß-saure Zitronencreme-Füllung umhüllt von knackiger weißer Schokolade – und Le Pistache Framboise – frische Himbeeren und Pistaziencreme zwischen Pistazien-Macaron-Hälften. Ein weiterer guter Grund dafür, wiederzukommen: Das Angebot variiert zum Teil nach Jahreszeit.

Bäckerstraße 10, 1010

Vitrine Paremi

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

Syrien: Alsharq

Auch in Syrien gehört die Süßspeise Baklava traditionell auf den Dessert-Teller. Bei der Bäckerei Alsharq – der Name bedeutet übersetzt „Osten“ – liegt es in verschiedensten Varianten auf großen, runden, silbernen Tabletts hinter der Vitrine. Aus den Grundzutaten, also Blätterteig und Nüssen wie Cashews, Pistazien und Walnüssen, werden zum Beispiel Röllchen, Täschchen oder sogenannte Vogelnester – zu Nestern gewickelte Teigfäden mit Nüssen in der Mitte – gefertigt.

Tabletts voller Baklawa

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

Auch arabische Kekse werden in der Backstube ums Eck des Geschäfts hergestellt, verfeinert mit Nüssen oder Datteln. Daneben gibt’s bei Alsharq Nougat, Raha – in Richtung Turkish Delight –, Datteln und arabischen, mit Kardamom gewürzten Kaffee. Die Süßigkeiten aus dem Balkan, Anatolien und Vorderasien ähneln sich sichtlich, wobei verschiedene Füllungen üblich sind und die Zubereitung sich leicht unterscheidet. Während Baklava aus der Balkanregion meist großzügig in Zuckersirup oder Honig getränkt ist, ist das arabische Baklava zurückhaltender gesüßt und knackiger. Wenn ihr bisher also fandet, die Süßspeise sei zu pickig, probiert einmal die arabische Variante. Kostet euch am besten einmal durch das Sortiment, denn wir selbst konnten uns nicht für einen Favoriten entscheiden.

Alserbachstraße 35, 1090

Innenraum Alsharq

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Italien: Dolce Pensiero

Wusstet ihr, dass der Ausdruck „la dolce vita“ erst durch Federico Fellinis gleichnamigen Film ein geflügeltes Wort wurde? Ob das so gedacht war oder nicht, jedenfalls hat Fellini es geschafft, Italiens Image als Land des allumfassenden Genusses einen Titel zu verpassen. Die Konditorei Dolce Pensiero, übersetzt „süßer Gedanke“, spielt genau damit.

Außenansicht der Konditorei

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

Und das erfolgreich, denn der Name prägt sich ein. Wer gerne einen Blick in Italiens pasticcerie wirft, wird beim Blick auf die Vitrine bei Dolce Pensiero schon gedanklich dorthin katapultiert. Hier wie dort sind Köstlichkeiten in Miniatur-Ausgabe aneinandergereiht. Auch ein paar größere Desserts werden angeboten. Aber was gibt es Schöneres, als nicht nur ein Stück pasticceria, sondern gleich verschiedene zum italienischen Kaffee probieren zu können?

Ansicht der Vitrine

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

Außerdem warten auf euch Arancini – Risottobällchen verschiedener Sorten –, hausgemachte Pasta und andere salzige Speisen. Der Chef hat übrigens sizilianische Wurzeln. Typisch für diese südlichste Region Italiens sind Cannoli, Teigröllchen gefüllt mit einer süßen Ricottacreme, in die Stücke kandierter Orangen und Schokotropfen eingestreut sind. Klassisch italienisch sind die sogenannten „brutti ma buoni“, also die Hässlichen-aber-Guten, Baiser-Häufchen mit Haselnuss- und Mandelstücken – außen leicht bröselig, innen schön weich. Im Sommer liefert der Nußdorfer Eissalon Vanella Eis zu Dolce Pensiero, das ihr in Becher, Tüte oder aber in einem Brioche genießen könnt – die italienische Antwort auf Eis-Sandwiches. Zu Weihnachten werden in der hauseigenen Backstube Pandoro und Panettone produziert und zu Ostern die traditionelle Colomba.

Salzgries 9B, 1010

Cannoli

Babà und Cannoli (c) Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

USA: Donuteria

Klar, es gibt Dunkin‘ Donuts in Wien und viele Fans des Gebäcks schwören auf die US-amerikanische Kette. Aber uns haben es die Kreationen der Donuteria angetan: amerikanisch inspiriert, österreichisch neu gedacht. Früher war die Donut-Manufaktur neben dem Haus der Musik zuhause, nun findet ihr sie im Durchgang zwischen Landstraßer Hauptstraße und Hainburger Straße. Vorsicht, gleich rinnt euch das Wasser im Mund zusammen. Die Donuteria bietet nämlich eine Reihe verschiedener kreativer Sorten an: den Steirer („Kürbiskern küsst Kürbiskernöl“), Sacher („Schoko küsst Marille“), Mozart („Marzipan küsst Schoko“), aber auch Sorten wie LiMi Kiss („Limette küsst Minze“) und Muss Nougat! („Nuss küsst Nougat“).

Donut Steirer

Der Steirer, gefüllt mit Kürbiskernöl-Vanille-Creme (c) Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

Nicht zu vergessen sind die Spezialkreationen für Gelegenheiten wie Weihnachten, Valentinstag oder Fasching. Falls ihr euch ab Mittag einen Donut holen wollt, meldet euch am besten vorher im Geschäft, denn manchmal sind die Donuts schon am frühen Nachmittag ausverkauft und die Pforten der Donuteria geschlossen. Entsprechend früh Bescheid geben müsst ihr auch, wenn ihr größere Mengen an Donuts bestellen wollt. Neben Donuts versorgt euch die Donuteria übrigens auch mit frisch gepressten Säften, Smoothies und Kaffee.

Landstraßer Hauptstraße 71/01, 1030

Außenansicht Donuteria

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

Griechenland: Pnyka

Die griechische Bäckerei Pnyka fällt in die Kategorie „klein und vollgestopft“. Sie erinnert an die Lebensmittelgeschäfte der Generation unserer Großeltern, an die Greißlereien, die Wien mit allem Möglichen versorgten, bevor sie den Preiskampf gegen die Supermärkte verloren haben. Bei Pnyka findet ihr nicht nur griechische Mehlspeisen, etwa Orangen-Kuchen mit Joghurt und Galaktoboureko – Grießauflauf mit Bio-Ziegenmilch und Honig –, sondern auch salziges Gebäck: verschieden gefüllte, warme Teigtaschen und diverse Teigkringel, etwa mit Spinatteig.

Orangen-Kuchen mit Joghurt

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

Und, für Griechenland-Kenner und -Kennerinnen vielleicht nicht so überraschend, auch zur griechischen Back-Tradition gehört Baklava. Im Sortiment finden sich außerdem Oliven, Kanister mit Olivenöl aus Kreta, griechische Softdrinks, Wein und Snacks, die ihr zuletzt im Urlaub im griechischen Supermarkt gesehen habt. Angehörige der griechischen Community in Wien gehen hier ein und aus und aus den umliegenden Büros kommen Stammgäste für ihren Mittagskaffee vorbei, den sie dann am Stehtisch vor dem Geschäft trinken.

Landskrongasse 3, Top 14, 1010

Außenansicht Bäckerei Pnyka

(c) Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

Haltet die Augen offen für den zweiten Teil unserer Weltreise durch internationale Bäckereien in Wien. Bis dahin nehmen wir euch gerne auf andere kulinarische Reisen mit, etwa durch Wiens griechische oder italienische Restaurants.

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(c) Beitragsbild | Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

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