Schwammerl Guide

Der 1000things Schwammerl-Guide

Freitag, 11. September 2020 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Der 1000things Schwammerl-Guide

Freitag, 11. September 2020 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Im Herbst schießen die Schwammerln aus dem Boden wie – nun ja, Schwammerln eben. Also begeben wir uns auf die Suche. Aber ganz so einfach ist das nicht: Davor gibt es noch einiges zu beachten, damit man nicht in rechtliche oder gesundheitliche Schwierigkeiten kommt. Deshalb haben wir vorab die wichtigsten Tipps für euch.

von Sarah Kampitsch

Herbstzeit ist Schwammerlzeit! Wenn der Wald ruft, muss man ihm nach: Ab ins dichte Grün und runter auf die Knie, die Schwammerlsuche hat begonnen. Ein Volkshobby, das kaum wegzudenken ist aus der österreichischen Seele – und wirklich perfekt, um dem Alltag zwischendurch zu entfliehen. Wir können dabei den Alltag stummschalten und uns gleichzeitig wie die Urururvorfahren unser Essen selbst auf den Teller schütteln. Weil es aber beim Sammeln einiges zu beachten gibt und wir schließlich nicht in einen Fliegenpilz beißen wollen, haben wir ein kleines Sammelsurium an Tipps, Aktivitäten und Hotspots rund ums Schwammerlsammeln für euch zusammengeklaubt.

Tipps für die perfekte Schwammerlsuche

Wer auf ein optimales Schwammerlsuch-Erlebnis abzielt, der ist mit diesen Tipps gut beraten:

Die Ausrüstung

Wie heißt es doch so schön? Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung. Da ihr in Wäldern und auf Almen, oft auf moosigem Untergrund oder im Dickicht unterwegs seid, sind trittsichere und wasserabweisende Schuhe oder Wanderschuhe eine gute Idee. Die Pilze sammeln sich am besten in einem luftdurchlässigen Korb. Plastiksackerln sind  ganz falsch, da die Schwammerln sehr schnell verderben oder zermatschen. Wäre doch schade,  wenn die ganze Suche umsonst gewesen wäre.

Die Technik

Mit einem kleinen Messer oder Taschenmesser lassen sich die Schwammerln leichter vom Waldboden entfernen. Vollprofis verwenden natürlich eigene Schwammerlmesser mit eingebauter Bürste zum Abputzen. Am besten dreht ihr den Pilz vorsichtig aus dem Boden oder schneidet ihn knapp über dem Erdboden am Stiel ab. Das entstandene Loch bedeckt ihr am besten wieder mit Erde, damit auch bald wieder etwas nachwächst. Mit dem Messer können die Schwammerl auch schon vor Ort von dem gröbsten Dreck befreit werden. Das erspart euch zu Hause viel Arbeit – und einige Bodenbewohner wie Würmchen und Schnecken im Korb.

Zeit und Ort

Der richtige Zeitpunkt bringt’s: Schwammerln lieben Feuchtigkeit und Wärme. Wenn es also vor Kurzem erst geregnet hat und dann die Sonne wieder scheint, wachsen sie besonders eifrig. Am besten eignen sich ein, zwei Tage nach einem Regenschauer zum Suchen. Wenn ihr eine Stelle gefunden habt, an der besonders viel sprießt: Merkt sie euch und kommt bald wieder! In der Regel vermehrt sich das Pilzmyzel sehr gut und immer wieder.

Safety first!

Um Malheurs zu vermeiden, die einem mitunter heftige Lebensmittelvergiftungen einbringen können, sollte man ausschließlich Pilze in sein Körbchen geben, die man ganz sicher kennt. Im nächsten Absatz haben wir daher ein paar Anhaltspunkte für euch.

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Diese Pilze kann man essen

Die wohl beliebteste Schwammerlsorte in Österreich und absoluter Star unter den Sammlenden ist das Eierschwammerl oder der Pfifferling. Steinpilze und Parasole sind ebenso beliebte Funde, Perlpilze und Röhrlinge sind auch recht bekannt und kommen mit am häufigsten vor. Unter den rund 4.500 Großpilzen, die es in Österreich gibt, sind etwa ein Drittel gefährdet und stehen auf der roten Liste. Sehr viele weitere Pilze sind ungenießbar oder giftig und sollten keinesfalls verzehrt werden. Wer dennoch Verdacht auf eine Pilzvergiftung hat (diese kann sich auch erst Tage später zeigen!), sollte sofort in der Vergiftungszentrale anrufen (01 406 43 43), auch direkt die Rettung verständigen und Pilzreste, Speisereste und eventuell Erbrochenes mitnehmen. Keine abführenden Substanzen einnehmen oder Medikamente selbst verschreiben! Wer das Aussehen der fünf beliebtesten Speisepilze genau studiert, sollte jedoch relativ safe durch den Wald spazieren. Im Zweifelsfall gilt in der Natur immer: Wenn man sich nicht ganz sicher ist, lässt man es besser stehen.

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Was es beim Schwammerlsammeln rechtlich zu beachten gibt

Eigenbedarf

Weil sich doch so viele hin und wieder gerne “in die Schwämme stürzen”, wird im Österreichischen Forstgesetz ganz genau festgelegt, wie viel wir sammeln dürfen. Pro Person und Tag dürfen zwei Kilo Schwammerln für den Eigenbedarf mitgenommen werden. Wer also übereifrig ist, sollte besser aufpassen – an beliebten Spots wird gerne mal kontrolliert!

Waldbesitzer

Bevor man fleißig zu sammeln beginnt, sollte man sich erkundigt haben, dass man sich an einem Ort niederlässt, wo es auch erlaubt ist. Jeder Wald hat einen Besitzer, der sich gegen die Suche aussprechen kann. In dem Fall stehen dann offensichtliche Hinweisschilder vor Waldeingängen. Wenn man dagegen verstößt, kann zivilrechtlich geklagt werden. Der Waldbesitzer kann einem die gesammelten Pilze dann abnehmen, ebenso die Forstbehörde, Forstschutzorgane oder die Polizei.

Naturschutz

Besonders in Nationalparks und Naturschutzgebieten gelten teilweise Beschränkungen oder Verbote. In manchen Bundesländern stehen diverse Pilzarten komplett unter Schutz, teilweise zu bestimmten Jahreszeiten oder Monaten. Informiert euch also besser vorab, welche Richtlinien in der angestrebten Region gelten.

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So verarbeitet ihr die Pilze am besten

Putzen

Verarbeitet die Pilze idealerweise zu Hause gleich weiter. Erstmal wird mit einem Messer ordentlich geputzt, nicht gewaschen. Wenn es sich zeitlich doch nicht ausgeht, könnt ihr die Pilze in einem luftigen Korb draußen stehen lassen.

Lagern

Achtet darauf, dass die Pilze auch beim Lagern nicht gequetscht werden und möglichst viel Luft und Platz zum Atmen haben. Schwammerln können super eingefroren werden. Dafür solltet ihr sie vorher kurz blanchieren.

Kochen

Je länger man die Pilze kocht, desto leichter verdaulich sind sie. Besonders Steinpilze, aber auch Eierschwammerln eignen sich auch super als Würze für Suppen und Saucen. Dafür die Pilze in dünne Scheiben schneiden und im Backofen langsam trocknen. Auch die Chips solltet ihr trocken lagern und könnt eure Gerichte jederzeit mit ihnen aufpeppen.

Essen

Pilze sollen übrigens niemals roh gegessen werden – bis auf wenige Ausnahmen wie Champignons –, da sie Chitin enthalten, das nur sehr schwer verdaulich ist. Am besten schwenkt ihr sie in einer heißen Pfanne in etwas Öl oder Butter für fünf bis zehn Minuten und schmeckt sie mit Zwiebeln, Knoblauch, Salz, Pfeffer und Kräutern ab.

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Pilzwanderungen quer durch Österreich

Nach dem österreichischen Forstgesetz dürfen keine Pilzsammelveranstaltungen durchgeführt werden. Dabei kommt es aber auf die Definition an. Die Österreichische Mykologische Gesellschaft (ÖMG) ist die wohl beste Adresse für Pilzsammlende und -begeisterte. Sie vertritt die Pilzkunde und ist für alle Interessenten eine offene Anlaufstelle. Neben Vorträgen, einer fachlichen Pilzauskunft und diversen Publikationen werden auch Exkursionen zum gemeinsamen Pilzesammeln angeboten, die als Schulungsveranstaltungen zur Aus- und Weiterbildung des eigenen Wissens über heimische Pilze dienen. Die verschiedenen Pilze werden besprochen und erklärt. Wer mitgeht, darf natürlich auf sein eigenes Körbchen zum Sammeln nicht vergessen! Für Mitglieder der Gesellschaft sowie Kinder sind die Exkursionen gratis, Gäste zahlen einen kleinen Beitrag von fünf Euro. Die Pilzwanderungen finden in regelmäßigen Abständen und an verschiedenen Orten in Österreich statt, die nächste etwa am Samstag, dem 19. September in Krems bei Egelsee und am 27. September im südlichen Waldviertel. Alle weiteren Termine findet Ihr auf der Website.

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Die besten Sammelspots

Wer schon alle Infos und die richtige Ausrüstung beisammen hat, aber noch nicht weiß, wo suchen – hier kommt die Mastermap der Schwammerl Klauber! Gemeinsam mit der Fakultät für Biodiversität der Universität Wien hat die ÖMG den “Mushroomfinder” auf die Beine gestellt. Auf der Website kann man nach Registrierung nach Pilzarten filtern und bekommt deren Standorte in ganz Österreich und darüber hinaus angezeigt. So spart man sich ein wenig des mühsamen Suchens, denn – das ist die erste Lektion im Sammel-Ein-mal-Eins – man braucht den richtigen Spot, um auch garantiert mit vollen Körbchen nach Hause zu kommen. Gleichzeitig dient die Plattform auch der Bestimmung des natürlichen Erhalts heimischer Pilzarten.

In diesem Sinne: Ab in die Schwämme und fröhliches Sammeln!

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In unserem Sturm-Guide haben wir übrigens auch ein paar Tipps zu unserem liebsten Herbstgetränk für euch. Und auf unserer Herbst-dahoam-Seite versorgen wir euch mit Inspiration für euren Herbst in Österreich.

(c) Beitragsbild | Pixabay

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