In diesen Situationen werden wir wieder zum Kind

Dienstag, 14. Mai 2019 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

In diesen Situationen werden wir wieder zum Kind

Dienstag, 14. Mai 2019 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Endlich wieder einmal Kind sein? Passiert uns quasi jeden zweiten Tag. Denn es gibt immer noch Dinge und Situationen, in denen wir uns plötzlich wieder wie fünf fühlen. Welche das sind? Wir verraten’s euch!

von Viktoria Klimpfinger

Eastpak-Bauchtasche, Glockenjeans, Tattoo-Halsbändchen – klingt zwar, als würden wir ein Urban-Outfitters-Model beschreiben. Doch eigentlich geht’s um unser inneres Kind aus den späten 90ern bis frühen 2000ern. Zwischen Steuerausgleich und Stromrechnungen sitzt es mittlerweile allerdings hauptsächlich beleidigt in der Ecke und lässt sein Jo-Jo mit düsterem Tunnelblick immer wieder gegen die Wand bouncen. Höchste Zeit also, es endlich mal wieder an die frische Luft zu lassen. Wir haben uns angesehen, welche Situationen uns wie von selbst dazu bringen, unseren persönlichen Peter Pan zu channelen.

Wegstaben verbuchseln in der Suppe

Suppe versetzt uns regelmäßig in sepiagefärbte Nostalgie-Flashbacks, zum Beispiel zu unserer heftigen Grippe im Jahre 2003, die unsere Großmutter mit heißer Suppe und ganz viel Liebe kurierte. Besonders hüpft das Kind in uns auf seinem Pogo-Stick aber bei der Buchstaben-Suppe. Was damals noch pädagogische Maßnahme war, um uns die Buchstaben auch durch den Verdauungstrakt näherzubringen, ist es irgendwie immer noch. Früher haben wir leidenschaftlich in unserer Suppe gestöbert, um die Buchstaben herauszufiltern, die wir brauchen, um unflätige Worte oder – wie die braven Kinder – einfach unseren Namen in die instabile Flüssigkeit zu schreiben. Wir sind so stark darauf konditioniert, dass es auch heute noch schwer ist, diesem Bedürfnis nicht nachzugeben: Sobald Mini-Buchstaben in unserer Flüssigmahlzeit schwimmen, wollen wir sie zu lustigen Worten anordnen, auf die wir unsere Sitzgenossen mit schelmischem Grinser hinweisen: „Haha, schau mal, was da steht!“ „Po.“ Haha. Haha. Ha.

Der Boden ist Lava

Ähnlich stark macht sich der Drang in unserer Magengrube breit, nicht auf die „Lava“ am Boden zu steigen. Nein, wir wohnen nicht am Fuße eines Vulkans. Sondern wir haben früher einfach ein paar Mal zu oft „Der Boden ist Lava“ gespielt, wobei wir nur auf bestimmte Markierungen auf dem Boden steigen durften, weil wir sonst elendiglich im Asphalt verendet wären. Das ist Fakt. Auch heute noch. Bei jedem Zebrastreifen streben unsere Füße von einem weißen Streifen zum nächsten. Besondere Bürde für jeden Lava-Neurotiker sind etwa auch große Kopfsteinpflaster wie auf der Wiener Kärntnerstraße, bei denen man um Himmels willen alles daran setzt, nicht auf die Fugen zu treten. Es ist allerdings denkbar schwierig nachvollziehbar für weniger Lava-Konditionierte, warum man plötzlich so komisch geht und konzentriert auf den Boden starrt. Naja, wenn ihr unbedingt verbrennen wollt, ist das euer Ding, ihr Muggles.

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Doppelkekse austricksen

Deutlich weniger dramatisch wird unser inneres Kind beim Naschen. Wobei es auch für Kekse klare Regeln hat, die es bis heute in unseren Köpfen durchsetzen will: Doppelkekse, die Sudokus unter den Süßigkeiten, das Faden-um-die-Finger-Spiel der Backwaren. Denn habt ihr schon einmal probiert, an die Schokolade innerhalb der Prinzenrolle ranzukommen, ohne ihren Kekspanzer außen zu zerstören? Wir schon. Jedes Mal. Seit wir fünf Jahre alt waren und zum ersten Mal erkannt haben, dass sich die Kekse voneinander lösen, wenn man sie vorsichtig in die entgegengesetzte Richtung dreht. Immer noch ist es das Nonplusultra, wenn wir es tatsächlich schaffen, die Füllung vollständig vom Keks zu lösen, ohne selbiges zu beschädigen. Mit triumphierendem Lächeln sitzen wir dann auf dem Sofa, zwei nackte Kekshälften in der Hand und unfassbar glücklich.

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Luftpolsterfolie ploppen

Nichts geht allerdings über Luftpolsterfolie! Sobald wir die aufgeplusterten Noppen in die Hände bekommen, schubst uns das Kind in uns unsanft zur Seite, reißt sie an sich und ploppt, was das Zeug hält. Unwiderstehlich ist die Mischung aus Zerstörungsdrang und dem kleinen Plopp-Geräusch, das ultimative Befriedigung verschafft. Umgekehrt ist nichts frustrierender, als wenn eine Noppe der Folie nicht ploppt. Was soll das?

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Auf Schaukeln schaukeln

Huiiiii! An kaum einer Schaukel können wir vorbeigehen, ohne dass uns nicht zumindest in unserem Kopf ein schriller Freudenjauchzer auskommt. Am liebsten würden wir sofort den Spielplatz stürmen, die anderen, echten Kinder von den Schaukel tacklen und nach Herzenslust hin- und herschwingen. Hach, was wäre das schön. Aber auch ziemlich brutal. Und auch abseits des Von-der-Schaukel-Schubsens würde es wohl einige Umstehende skeptisch stimmen, wenn plötzlich eine erwachsene Person selig lächelnd den Spielplatz in Beschlag nimmt. Tja, da bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als uns nach Sonnenuntergang auf den Spielplatz zu schleichen. Wobei hier die Gefahr relativ hoch ist, auf rabiate Jugendliche zu treffen, die sich ebenfalls im Schutz der Dunkelheit hier versammeln. Allerdings nicht um zu schaukeln, sondern um zu saufen. Oder so. Zum Glück gibt es da noch die alten Schaukeln auf der Sophienalpe. Die sind auch für Erwachsene ohne eigenartige Missverständnisse oder nächtliche Gangfights vorm Klettergerüst zugänglich.

Sophienalpe

(c) Marie Amenitsch | 1000things

Spaß mit Seifenblasen

Das Brautpaar verlässt glücklich den Saal und die Gäste pusten ihnen Seifenblasen entgegen. Der Grund, aus dem wir Seifenblasen blasen, hat sich zwar im Vergleich zu unserer Kindheit drastisch verändert. Aber fasziniert sind wir immer noch, sobald sich aus der Flüssigkeit runde Gebilde formen. Während das Brautpaar das gemeinsame Glück noch gar nicht fassen kann, finden wir unsere ganz eigene Erfüllung in der selbst auferlegten Aufgabe, die größtmögliche Blase zu formen, ohne dass sie … zerplatzt, oje. Stundenlang könnten wir uns mit der Seifenflüssigkeit spielen, doch das würde den anderen Hochzeitsgästen wohl irgendwann ziemlich auf die Nerven gehen. Und wie faszinierend sind bitte Seifenblasen-Straßenkünstlerinnen und -künstler, die überlebensgroße Bubbles machen? Mit geöffnetem Mund und offenem Herzen stehen wir noch heute entgeistert in der Menge und fragen uns, wie es wohl wäre, in so einer Riesenblase davonzuschweben.

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Zuckerwatte. Einfach Zuckerwatte!

Schon wieder kommen wir zurück zum Essen. Aber kaum etwas kitzelt das Kind in uns eben mehr hervor als etwa der Geruch von frischer Zuckerwatte von einem Zuckerlstand im Prater. Der warme, süßliche Duft steigt uns in die Nase und schon drücken wir sie uns fast an der runden Abdeckung des Zuckerwatte-Geräts fest. Die warme Luft braust, die Zuckerfäden ziehen sich und winden sich um den Holzstab, den der Zuckerwatte-Verkäufer mit gleichgültiger Geste hineinhält. Gleich wird sich wie von Geisterhand ein picksüßer Wattebausch vor uns auftürmen, der sich ebenso mysteriös wieder auflöst, sobald wir hineinbeißen. Und plötzlich sind wir wieder fünf Jahre alt und endlos glücklich.

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Ihr wollt noch mehr Nostalgie? We’ve got you covered! Unsere Redakteurin erzählt euch, warum sie im Schwimmbad immer nostalgisch wird. Oder ihr seht euch an, was wir als Kinder von Pumuckl gelernt haben.

(c) Beitragsbild | Annie Spratt | Unsplash

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