Lesetipps Sommer

Sommerlektüre – 1000things Buchtipps für den Sommer

Freitag, 20. Juli 2018 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Sommerlektüre – 1000things Buchtipps für den Sommer

Freitag, 20. Juli 2018 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Wann hast Du zuletzt ein richtig gutes Buch gelesen? Alle, die stirnrunzelnd überlegen müssen und sich beim besten Willen nicht daran erinnern können, sind hier bestens aufgehoben. Wir präsentieren unsere ganz persönlichen Leseempfehlungen für den Sommer. Egal ob Bücherwurm oder doch eher Lese-Faultier: Mit unseren Tipps ist euch ein fesselndes Abtauchen in die Welt des geschriebenen Wortes sicher.

von Marie Amenitsch & Viktoria Klimpfinger

Wer sich im Sommer danach sehnt, zwischen den Zeilen eines fesselnden Romans abzutauchen und sich von Worten in fremde Welten entführen möchte, ist hier genau richtig: bei den Buchtipps aus der 1000things-Redaktion. Von Klassikern, spannenden Krimis bis hin zu gesellschaftskritischen Neuerscheinungen erwartet euch eine bunte Sommerlektüre.

Prater – Lukas Pellmann

Den Anfang in unserer Sommerlektüre-Übersicht macht der erst kürzlich erschienene, dystopische Heimatroman „Prater“ vom Wiener Autor Lukas Pellmann. Handlungsplatz des gesellschaftskritischen Romans ist Wien im Jahr 2028, das jedoch nicht mehr die Stadt ist, die wir heute kennen und lieben. Schuld daran ist eine Trinkwasserkatastrophe, die sechs Jahre zuvor zwei Wiener Bezirke verwüstete. Den Menschen blieb nur die Flucht über die Donau, in die Bezirke Leopoldstadt und Brigittenau. Da sich die übrigen Stadtteile gegen eine faire Verteilung der Flüchtlinge aussprachen, kippte die hilfsbereite Stimmung. Als Folge daraus hat sich Wien sechs Jahre später in eine Ansammlung loser Stadtstaaten verwandelt. So ist die ehemalige Leopoldstadt nun der autoritär regierte Prater, dessen Herrscher rigoros gegen geflüchtete Danubier vorgeht. Die beiden Hauptprotagonisten Valerie und Jan Kepler erwarten ein Kind, doch angesichts der Umstände in Wien und da Valerie gebürtige Danubierin ist, die im Prater lebt, sehen sie keine Zukunft für sich und ihr Baby.

Die Zusammenhänge, die die Handlung zur momentanen politischen Situation in Österreich aufweist, lassen sich nicht leugnen und betonen die schwierigen Herausforderungen, vor der die österreichische und internationale Politik im Moment steht. Ein packender Lesegenuss, der zum Nachdenken und Reflektieren anregt, ist euch hier sicher.

Sommerlektuere

(c) https://www.instagram.com/books_in_vienna/

Frauen, die Blumen kaufen – Vanessa Montfort

Weiter geht’s mit unseren Tipps für gute Sommerlektüre mit dem bewegenden Roman „Frauen, die Blumen kaufen“ von Vanessa Montfort. Die Handlung entführt nach Madrid in einen malerischen Blumenladen, hin zu fünf Frauen, die regelmäßig Blumen kaufen. Alle aus unterschiedlichen Gründen. Ihre Besuche bringen sie schließlich einander näher und die Frauen werden Freundinnen, teilen ihre Schicksale gemeinsam. Doch obwohl die Frauen unterschiedlicher nicht sein könnten, teilen sie eine wesentliche Gemeinsamkeit: Sie stehen an einem alles entscheidenden Moment ihres Lebens.

Ein wunderschönes, literarisches Werk über das Leben, die Liebe und den Mut zu wagen und zu scheitern, sich neu zu erfinden und niemals aufzugeben.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Milan Kundera

Auch ein wunderschöner Klassiker aus dem Jahr 1984 darf in unserer Sommerlektüre-Übersicht nicht fehlen. Der Name ist Programm: Der philosophische Roman „Unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ des tschechischen Autors Milan Kundera behandelt die existenziellen Fragen des Lebens und flechtet die philosophischen Thesen Nietzsches elegant in die verwobene Liebesgeschichte ein. Schauplatz der Handlung ist Prag zur Zeit des Kalten Kriegs. Der Chirurg Tomas und die Serviererin Teresa lernen sich in einem Lokal kennen und fühlen sich sofort zueinander hingezogen. Es entwickelt sich eine innige, leidenschaftliche Liebe. Doch Tomas ist Treue fremd. Er hat unzählige Affären mit anderen Frauen, von denen Teresa weiß und unter denen sie furchtbar leidet. Denn ihr ist wiederum eine Unterscheidung von Sexualität und Liebe fremd. Nichtsdestotrotz heiraten die beiden und ziehen nach der gewaltsamen Niederschlagung des Prager Frühlings in die Schweiz. Doch dort lebt bereits die Malerin Sabrina, ebenfalls eine tschechische Emigrantin und eine der Geliebten von Tomas. Teresa droht daran zu zerbrechen und trifft eine Entscheidung.

Ein tiefsinniges und tief berührendes Werk, das mit seiner hohen poetischen Kraft und den vielzähligen philosophischen Einflüssen zwar nicht die leichteste Sommerlektüre, aber umso schöner zu lesen ist.

Heute gibt es bei der #DieWocheDerBücher Challenge des @dumontbuchverlag eine besonders spannende Frage: Was war das schönste/bedeutendste Buch, das du je geschenkt bekommen hast? „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ von Milan Kundera ist nicht nur per se ein großartiges Buch, das ich bereits mehrmals gelesen habe. Es ist außerdem das erste Buch, das mir jemals geschenkt wurde, bei dem ich das Gefühl hatte, der Schenkende hat sich wirklich Gedanken gemacht, was mir gefallen könnte. Es war kein „Das Buch ist grad auf der Bestellerliste und mir fällt nichts besseres ein“-Geschenk. Oder ein „Guck hier, du bist jung und blond- ein seichter Frauenroman für dich.“-Geschenk. Mittlerweile ist es mindestens 10 Jahre her, das mir dieses Buch geschenkt wurde, aber es ist für mich immer noch ein Herzensbuch. Danke, Stefan!

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Die Geschichte von Herrn Sommer – Patrick Süskind

Nein, diesen Titel haben wir uns nicht ausgesucht, weil darin der Sommer namentlich erwähnt ist. Aber gerade zum Sommer passt die sensible Erzählung von Patrick Süskind irgendwie ganz gut: locker geschrieben, mit Witz und trotzdem viel Tiefgang. Denn von der naiven Schilderung des kindlichen Ich-Erzählers darf man sich nicht täuschen lassen. Gerade wegen des präzisen Einblicks Süskinds in das präpubertäre Gemüt kommt euch sicher wie uns der eine oder andere laute Lacher aus. Das Ich erzählt rückblickend von seiner Kindheit in einer süddeutschen Kleinstadt und lässt dabei keine Situation aus, um seine damals so dramatischen, heute witzigen Unsicherheiten herauszustellen. Wie zum Beispiel seine furchtbar strenge Schreckschraube von Klavierlehrerin, die unabsichtlich beim Schimpfen auf die Tasten spuckt. Als das Ich die betreffenden Tasten vor lauter Ekel auslässt, geht das Donnerwetter erst richtig los.

Eigentlich geht es mit solchen skurrilen Episoden also um eine Rückschau auf die Kindheit. Der alte, ausgemergelte Herr Sommer, der in der Kleinstadt permanent mit seinem Stock und verbissener Miene umherwandert, ist da eher eine Randfigur. Aber gleichzeitig zieht er das Gemunkel der neugierigen Einwohner auf sich – man spricht also mehr über ihn als mit ihm, wie das besonders in kleineren Städten ja oft der Fall ist. Und sein Umherirren unterstreicht auf bizarre Weise die Unsicherheit und das Getriebensein des kindlichen Ichs. Warum Herr Sommer ungebremst, scheinbar Tag und Nacht, auf jeden Fall aber bei Wind und Wetter die Straßen auf- und abmarschiert? Vielleicht erfahrt ihr es ja am Ende des Buches.

#bookishfoodiesmar [ Book and Flower ] #marchbookstagram [ A book without romance ] .. . . Them Spring Flowers 🙌 Spring is coming you guys!! .. . . The Story of Mr. Sommer is a heart warming book, with gorgeous illustrations by Sempé, that makes us think about those years growing up, about loneliness and mean people. All while talking about tree climbing and bicycle rides. .. . . It looks like a simple story at first, until you start seeing the parallels between a kid's adventures and life itself. .. . . 'I don't remember how long it took me to master the dark art of riding a bicycle. All I remember is that I learned it by myself, with a mixture of unwillingness and grim resolve(…)' That's me and life and adulting. .. . . Have you read this book? .. . . . #cubbifulreads #igreads #books #bookworm #booklovers #bookaddicts #bookcover #booksofinstagram #bibliophile #bookaholic #bookstagrammer #readersofinstagram #bookstagram #bookcovers #instabook #patricksuskind #herrsommer #sempe

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Der Electric Kool-Aid Acid Test – Tom Wolfe

„Those were the best days of my life / Back in the summer of 69“ – von wegen! Gegen Frühling, Sommer, Herbst und Winter der vorigen Jahre sieht der Sommer ’69 ziemlich alt aus. Zumindest erweckt die Langreportage „The Electric Kool-Aid Acid Test“, die Journalist Tom Wolfe 1968 veröffentlichte, diesen Eindruck. Er begleitete den amerikanischen Autor Ken Kesey und seine Gefolgschaft auf ihrer Reise quer durch die USA. Klingt harmlos? Wie wär’s dann mit ein bisschen LSD? Die „Merry Pranksters“, wie sich Keseys Anhänger nennen, verehren den progressiven Autor wie einen Propheten der Hippie-LSD-Bewegung der 60er. Die Acid Tests waren Partys, auf denen die Prankster mit LSD versetztes Kool-Aid tranken, um gemeinsam zu trippen.

Diese sphärischen Drogenexzesse der Hippie-Community schildert Tom Wolfe zwar anfangs noch als unbeteiligter Beobachter, aber sprachlich hat man von Anfang an das Gefühl, dass auch er sich ab und zu in anderen Sphären bewegt. Eindrücke prallen auf Theorien, vermischen und überlagern sich und werden zu einem sprachlichen Sog, der uns ganz woanders wieder an die Luft setzt als dort, wo er uns eingesogen hat. Diese beispiellose Reportage ist aber kaum als platter Lobgesang auf Drogenpartys zu verstehen, sondern viel mehr ein hautnahes Dokument der amerikanischen Hippie-Bewegung, ihrer Ideen und ihrer Entwicklung. Wenn ihr euch also noch unschlüssig seid, wohin ihr auf Urlaub fahren wollt, nimmt euch dieses Buch garantiert mit auf eine Reise in andere Sphären. Ein mittlerweile legendärer Klassiker, der laut Klappentext „längst als Neues Testament der Hipster-Mythologie gilt.“

Töchter – Lucy Fricke

Zurück im Jahr 2018 haben wir eine diesjährige Neuerscheinung für euch im Gepäck: Lucy Fricke erzählt in ihrem Roadtrip von Martha und Betty, zwei Frauen Mitte Vierzig, die Marthas todkranken Vater mitnehmen auf seine letzte große Reise gen Süden. Sie kommen durch die Schweiz, Italien und Griechenland – und nichts läuft so ab, wie es geplant war. Obwohl das Thema an sich ein schweres ist, tritt Fricke dem Trübsalblasen mit geballtem Humor gegenüber. Eine kleine Kostprobe des Fricke-Schmähs:

„‚Was soll das eigentlich werden?‘, fragte ich. ‚Thelma und Louise?‘
‚Die waren jung, sexy und unterdrückt‘, sagte Martha. ‚Guck uns an, wir sind nicht mal unterdrückt.'“

Die Kritiker sind von Frickes „Töchter“ durch die Bank begeistert. Besonders viel Lese-Guster macht Denis Scheck von „ARD Druckfrisch“: „Das ist einer der wenigen deutschen Romane, der mir die Lachtränen in die Augen treiben konnte.“  Also nichts wie ran an die Lesebrillen!

Natürlich lesen wir im Sommer am liebsten draußen! Wohin ihr euch aber mit eurem Lieblingsbuch bei Schlechtwetter zurückziehen könnt, zeigen euch unsere gemütlichsten Lese-Cafés in Wien. Wenn euch mal danach ist, das Buch kurz wegzulegen, findet ihr bei unseren To Do’s jede Menge Alternativprogramm.

Beitrag (c) Ben White/ Unsplash

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