Buch Wien 19

Unsere Highlights der BUCH WIEN 19

Mittwoch, 6. November 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Unsere Highlights der BUCH WIEN 19

Mittwoch, 6. November 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Die Seiten flattern, die Lesezeichen schnalzen, die Augen rotieren – es ist wieder so weit: Die Büchermesse BUCH WIEN 19 schlägt ein weiteres Kapitel auf. Von 6. bis 10. November 2019 huldigt man in der Halle D der Messe Wien dem geschriebenen Wort. Wir haben uns angesehen, welche Highlights dieses Jahr zum Pflichtprogramm gehören.

von Viktoria Klimpfinger

Im Sommer liegen wir mit ihnen in der Wiese, im Winter gehen wir mit ihnen ins Bett. Ja, wir reden von einer großen Liebe, aber nein, es geht nicht ums Schmusen. Wobei: Kommt aufs Genre an. Jedenfalls geht’s um unsere Liebe zu den Büchern. Das Schöne daran ist, dass diese Beziehung schon so lange anhält, und wir uns doch immer wieder neu verlieben. Manchmal ist es nur ein kurzes Schwärmen, manchmal ein kapitellanges Bangen und manchmal sogar ein Kampf mit einem Riesenwälzer, der uns jahrelang begleitet. Aber einer der besten Momente ist – wie so oft in der Liebe – das erste Beschnuppern. Das meinen wir durchaus wörtlich, zumindest wenn es ums Lesen geht: Wer liebt ihn nicht, diesen wunderbaren Geruchsschwall aus Druckerschwärze und Papier, der einem in die Nase zwickt, wenn man die Seiten eines neuen Buches zum ersten Mal durchblättert?

Dafür bietet die BUCH WIEN 19 von 6. bis 10. November 2019 jede Menge Gelegenheiten. Wobei die Ausstellerinnen und Aussteller wahrscheinlich weniger begeistert sind, wenn ihr in jedes ihrer Bücher eure Nasen reinsteckt und kräftig inhaliert. Und bei so viel Auswahl würde das exzessive Geschnüffel wahrscheinlich ohnehin bald in Atemnot und Ohnmacht ausarten. Also lieber erst mal mit den Augen schauen. Als Orientierung in dem vielfältigen Programm haben wir euch unsere absoluten Highlights herausgepickt.

Fuzzman & the Singin‘ Rebels

Wer sagt eigentlich, dass es auf der BUCH WIEN immer nur um Lesungen gehen muss? Literatur kommt immerhin auch mit musikalischer Begleitung ganz gut. Wir starten daher am Mittwoch musikalisch in die Lange Nacht der Bücher, und zwar um 19 Uhr mit Fuzzman & the Singin‘ Rebels auf der ORF-Bühne. Herwig Zamernik ist Teil der Band Naked Lunch, der heimischen Indie-Pop-Großmeister. Auf der BUCH WIEN hat sein Alter Ego Fuzzman sein Album Hände weg von Allem im Gepäck und damit jede Menge schulterzuckende Wehmut und sphärische Lakonie.

Fuzzman Hände weg von allem

Wie die Digitalisierung unsere Welt verändert

Wie selbstverständlich hat sich die Digitalisierung über die Jahre mit unserem Leben verwoben und ist sogar bis in die privatesten Bereiche vorgedrungen. Ein Leben ohne Smartphone? Denkbar, aber für die meisten wahrscheinlich nicht besonders wünschenswert. Und doch reflektieren immer mehr Menschen den Fortschritt und ihre Abhängigkeit vom Digitalen und fragen sich: „Was macht die Digitalisierung mit mir und meinem Leben?“ Darüber diskutieren auf der BUCH WIEN am Mittwoch um 21 Uhr auf der Mastercard-Bühne unter anderem Digitalisierungsexpertin und Autorin Ingrid Brodnig, Philosoph Konrad Paul Liessmann, Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann.

Dirk Stermann: Der Hammer

Den kennen wir doch aus dem Fernsehen! Aber nicht nur. Willkommen Österreich-Moderator und Kabarettist Dirk Stermann hat abseits der Flimmerkiste immer wieder schreibend auf sich aufmerksam gemacht. 2019 hat er unerwarteter Weise erstmals einen historischen Roman abgeliefert, und zwar über den Wiener Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall. Er kommt mit 15 an den Wiener Hof, lernt Türkisch, Arabisch und Persisch und wird dann nach Konstantinopel entsandt, wo er als Dolmetscher fungieren soll. Vermittler zwischen Orient und Okzident – eine Rolle, die er sein ganzes Leben lang einnehmen soll; hier und da und immer irgendwie dazwischen. Stermann stellt seinen neuen Roman am Mittwoch um 12 Uhr auf der ORF-Bühne vor.

Omas gegen rechts

Sie haben bereits bei den Donnerstagsdemos und auch schon früher Furore gemacht und sind Schulter an Schulter mit jüngeren Generationen auf die Straße gegangen: die OMAS GEGEN RECHTS. Schon von Weitem erkennt man sie an ihren Strickmützen, die älteren Damen und Herren, die wunderbar hartnäckig für eine tolerante und offene Gesellschaft und gegen Rechtspopulismus und Fremdenfeindlichkeit mobil machen. Auf der BUCH WIEN stellt Mitbegründerin Monika Salzer am Donnerstag um 10 Uhr auf der Standard-Bühne das dazu gehörige Manifest für mehr Solidarität und gegen rechts vor.

Den gefangenen Schriftstellern Stimme verleihen – Lesung aus Dawit Isaaks „Hoffnung“

Das Writers-in-Prison-Komitee des österreichischen PEN-Clubs präsentiert das Buch Hoffnung des schwedisch-eritreischen Schriftstellers und Journalisten Dawit Isaak. Seit 18 Jahren wird er in Eritrea ohne Gerichtsverfahren und ohne Kontakt zu seinen Angehörigen gefangen gehalten. Hoffnung ist die erste deutsche Übersetzung eines seiner Werke und wird am Donnerstag um 17 Uhr auf der Radio-Wien-Bühne vorgestellt.

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I dag, den 23 september, har det gått 18 år sedan den svenske journalisten och författaren Dawit Isaak frihetsberövades. Hans brott är att han yttrat sig fritt. I 18 år har han suttit fängslad under livshotande förhållanden utan att hans fall prövats i domstol. . . År efter år fortsätter Eritrea att rankas som ett av världens värsta länder för journalister. Sedan 2001 finns det inga oberoende medier i landet. . . Svenska PEN fortsätter att påminna om Isaaks fall och hans kamp för oberoende journalistik. Ingen ska fängslas för sina ord eller åsikter. 18 år är 18 för många. Vi uppmanar Eritrea att omedelbart frige Dawit Isaak. . . #freedawit #dawitisaak #eritrea #pressfrihet #yttrandefrihet #svenskapen #detfriaordet

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Robert Misik: Herrschaft der Niedertracht

Journalist und Polit-Schriftsteller geht immer wieder hart, aber fair mit dem Zeitgeist ins Gericht. So auch in seinem 2019 erschienenen Buch Herrschaft der Niedertracht. Er setzt sich mit der neuen Rechten auseinander und fragt sich und uns, wie es so weit kommen konnte, dass eine derart menschenverachtende, gesellschaftsgefährdende Politik in die Mitte der Gesellschaft rücken konnte. Oder ist die Mitte der Gesellschaft etwa nach rechts gerückt? Wir sollten uns nicht wieder so regieren lassen, findet Misik. Er stellt sein Buch am Freitag um 12 Uhr auf der ORF-Bühne vor.

Reinhold Mitterlehner: Haltung

Apropos Politik: Ein Buch, das dieses Jahr einiges an Aufsehen erregt hat, ist Reinhold Mitterlehners Haltung. Darin erzählt der ehemalige ÖVP-Chef und Vizekanzler nicht nur von seinem steilen Werdegang, sondern resümiert ungefiltert mit seiner Demontage als Vizekanzler und der Kurz-Bewegung. Alles in allem geht es letztlich darum, wie man als Politiker Haltung gewinnt und bewahrt. Darüber wird Mitterlehner am Freitag um 14 Uhr auf der ORF-Bühne sprechen.

Thomas Brezina: Liebesbrief an Unbekannt

Er hat uns und viele vor und nach uns mit seinen Geschichten durch Kindheit und Jugend geworden. Langsam wurden wir mit ihm erwachsen, und nun sind es seine Geschichten auch. Nach über 560 Kinderbüchern erschien Thomas Brezinas erster Krimi für Erwachsene im Jahr 2017 und danach drei weitere Bücher für erwachsenes Publikum. Auf der WOMAN-Bühne der BUCH WIEN liest er am Freitag um 17 Uhr aus seinem neuen Roman Liebesbrief an Unbekannt, der sich um die vom Leben enttäuschte Emma dreht. Auf den Rat einer Freundin hin schreibt sie Briefe an einen unbekannten Traummann und schmeißt sie weg – ein magischer Trick, um eine neue Liebe zu finden. Und tatsächlich: Irgendwann schreibt Unbekannt zurück. Aber wie kann das überhaupt sein?

Barbara Frischmuth: Verschüttete Milch

Der eine erinnert uns an unsere Kindheit, die andere führt uns in die ihre zurück. Autorin Barbara Frischmuth taucht in ihrem autobiografischen Roman Verschüttete Milch ein in die Kriegs- und Nachkriegsjahre im Ausseerland und lässt sie wie durch eine Nostalgiebrille noch einmal ablaufen. Dabei geht es aber nicht um Verklärung kindlicher Erinnerungen, sondern um Erinnertes und das Erinnern selbst. Auf der BUCH WIEN liest sie am Samstag um 13 Uhr auf der ORF-Bühne.

Julya Rabinowich: Hinter Glas

Es ist ein Strudel aus Enttäuschung und Gewalt, in den Alice in Julya Rabinowichs Jugendroman Hinter Glas zusehends hineingerät. Sie flieht vor ihrem tyrannischen Großvater und zu ihrem scheinbar liebevollen Freund Niko. Doch der wird immer unbeherrschter, bis Alice schließlich zum Befreiungsschlag ansetzt. Damit schildert Rabinowich nicht nur eindrücklich die Stufen und feingliedrigen Mechanismen der Gewalt, sondern auch die hoffnungsvolle Geschichte einer Emanzipation davon. Sie stellt ihr Buch am Sonntag um 11 Uhr auf der Standard-Bühne vor.

Nicht nur zu lesen und zu hören, sondern auch zu feiern gibt’s jede Menge – am 7. November sogar bis spät in die Nacht. Am Freitag beweist die Buchszene wieder einmal, dass Bücherwürmer auch gerne mal zu Tanzmäusen mutieren, und wirbeln ab 22 Uhr im Gartenbaukino durchs Vintage-Foyer. Also: Ran an die Bücher!


Wo ihr eure neuen Errungenschaften am besten durchschmökert? Natürlich in einem der besten Cafés zum Lesen. Ihr seid nicht so die Leseratten? Unsere To Dos verraten euch, was ihr in Wien sonst noch so anstellen könnt.

(c) LCM Foto | Mercan Sümbültepe

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