Hund und Kind im Partnerlook

Unser Senf: Bin ich meinem Hund wirklich ähnlich?

Donnerstag, 10. Oktober 2019 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Unser Senf: Bin ich meinem Hund wirklich ähnlich?

Donnerstag, 10. Oktober 2019 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Weil ein bisschen Würze im Leben nie schaden kann, geben wir euch mit dieser Kolumne regelmäßig unseren Senf dazu: Wir erzählen euch, was uns beschäftigt, was uns nervt und was uns zum hysterischen Lachen bringt. Eure Käsekrainer könnt ihr zwar nicht darin eintunken, aber dafür ist unser Senf auch gratis. Zum Welthundetag nehmen wir den Spruch Wie der Herr, so das G’scherr unter die Lupe.

von Pia Miller-Aichholz

Seit 13 Jahren habe ich einen Hund – das bedeutet mit meinen 25 Jahren: den Großteil meines Lebens. Und seit ich mit zwölf Jahren erstmals alleine mit ihm Gassi gehen durfte, frage ich mich: Wenn der Herr wie das G‘scherr ist, inwiefern bin ich dann wie mein Hund? Mal ganz abgesehen davon, dass ich mich frage, wo eigentlich die in modernen Zeiten überfällige weibliche Form dieser Volksweisheit bleibt – andere Geschichte. Den heutigen Welthundetag habe ich also zum Anlass für eine Analyse des Sprichworts genommen. Eine Fallstudie.

Lockenkopf trifft blonde Mähne

Äußerlich spricht schon einmal so ziemlich alles stark gegen die Theorie: Mein Hund ist männlich und ich weiblich. Mein Hund hat kurzes, semmelfarbenes, glattes Fell, mein Haarbewuchs konzentriert sich zum Glück primär auf meinen Kopf und dort springen dunkle lange Locken beizeiten sehr widerspenstig in alle Richtungen. Ein einsames schwarzes Haar sprießt im Fell meines Vierbeiners und der einzige Kringel, der meinen Hund ziert, ist seine beizeiten eingeringelte Rute. Die als Locke zu bezeichnen, wäre ziemlich weit hergeholt. Maximal unsere langen Nasen und braunen Augen verbinden uns äußerlich. Das Sprichwort „Gegensätze ziehen sich an“ trifft in dieser Hinsicht also schon eher auf uns zu. Aber gut, das Aussehen sagt ja bekanntlich recht wenig aus über das Innenleben von Mensch und Tier.

Feinspitze unter sich

Die erste Gemeinsamkeit, die ins Auge – oder besser: in die Nase sticht, ist das Essen. Erstens isst mein Hund am liebsten dann, wenn ich auch esse, wobei ich das als verständliches soziales Verhaltensmuster deute. Außerdem ist er ein kleiner Gourmet. Trockenfutter verschmäht er, genauso wie ich nicht zu jeder Mahlzeit dasselbe trockene Müsli essen wollen würde, sodass es mir nur so aus den Ohren staubt. Wenn ich also Gemüse in der Pfanne brate, reibe ich meinem Fellknäuel auch gleich ein bisschen Karotte und Zucchini in sein mit Reis vermischtes Feuchtfutter. Aber auch das belegt nicht die Hypothese der fast grotesken Ähnlichkeit zwischen Frauchen und ihrem Vierbeiner, sondern ist dem Umstand geschuldet, dass wir unter demselben Dach leben und Vitamine im Grunde Hunden ebenso guttun wie Menschen.

Resolutes Auftreten

Auch wenn manche meinen, was in einem Fell steckt und auf vier Beinen geht, erfülle in der Essenz die Funktion eines Kuscheltiers, verbirgt sich in Wahrheit hinter jeder Schnauze ein komplexes Lebewesen. Zugegeben: mal mehr und mal weniger komplex. Mein Hund zählt jedenfalls zur komplexen Sorte. Während sich manch anderes Wauzi vor Fremden prompt auf den Rücken wirft und sich den Bauch kraulen lässt, schaut das bei meinem Vierbeiner anders aus. Wenn tierbegeisterte Fremde ihn spontan streicheln, knurrt er, fletscht die Zähne und im unpraktischsten Fall schnappt er nach der fremden Hand, die sich plötzlich auf seinem Hinterteil befindet. Das ist für mich  nicht immer leicht, aber ich find’s verständlich. Ich hätte auch gern die Geistesgegenwart, nach der fremden Hand zu schnappen, die sich dann und wann im Bus oder in der U-Bahn auf meinem Hintern positioniert. Das würde einmal Eindruck hinterlassen. Solange beschränke ich mit auf verbales Zähnefletschen. Wir können also schon mal festhalten: Wir beide lassen uns nichts gefallen und wissen uns zur Wehr zu setzen.

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Was meinen Hund und mich aber möglicherweise wirklich verbindet, ist, dass unsere Zündschnur hinsichtlich rücksichtslosem Verhalten verdammt kurz ist. Wenn jemand auf einem sowieso schon unfassbar lauten Motorrad vollkommen unnötigerweise so stark Gas gibt, dass einem das Knattern fast das Trommelfell sprengt, fängt mein Hund augenblicklich an, dem Motorrad hinterher zu bellen. Und weil ich eine brave Bürgerin bin, ziehe ich meinen Hund zurück und beruhige ihn mit den Worten: „Alles okay, Schatzi, das ist einfach ein dummes asoziales Arschloch!“ Bei ihm ist es das laute Geräusch, bei mir das laute Geräusch in Kombination mit Rücksichtslosigkeit, das uns auf die Palme bringt. Aber auf der Palme sind wir jedenfalls beide.

Nettes Klischee, wenig dahinter

Aber alles in allem komme ich auch im 14. Jahr mit meinem Hund zum selben Schluss: Der Spruch „Wie das Herr, so das G’scherr“ ist eine hervorragende Vorlage für Comic-Streifen und Karikaturen, entspricht aber nicht der Realität und wird höchstens mal von einer amüsanten Ausnahme der Regel erfüllt. Auch nach 13 Jahren mit meinem Hund bin ich nicht dazu übergegangen, mein soziales Umfeld mit der Nase zuerst und vom Hintern aufwärts kennenzulernen. Und nachdem mein Hund seit Jahren genau ein rotes Halsband und ein schwarz-grünes Brustgeschirr besitzt, gehen wir auch maximal höchst zufällig color-coordinated außer Haus. Wenn ich allerdings dann mit 94 Jahren – 14 Hundejahre in Menschenjahre umgerechnet – noch genauso agil hüfthohe Mauern hinauf- und hinunterhüpfe und über Wiesen fetze wie mein Hund jetzt, erzähle ich hundertprozentig im Pensionisten-Verein herum, dass ich nur so topfit bin, weil mein erster Hund das im selben Alter auch war.

Übrigens sind wir zum Weltkatzentag den schrägen Internet-Trends rund um Katzen in den letzten Jahren nachgegangen. Wenn ihr an täglichen Lesetipps interessiert seid, abonniert unseren Whatsapp-Service.

(c) Beitragsbild | Levi Saunders | Unsplash

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