Hund und Kind im Partnerlook

Unser Senf: Ich bin nicht wie mein Hund – oder?

Donnerstag, 10. Oktober 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Unser Senf: Ich bin nicht wie mein Hund – oder?

Donnerstag, 10. Oktober 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Weil ein bisschen Würze im Leben nie schaden kann, geben wir euch mit dieser Kolumne regelmäßig unseren Senf dazu: Wir erzählen euch, was uns beschäftigt, was uns nervt und was uns zum hysterischen Lachen bringt. Eure Käsekrainer könnt ihr zwar nicht darin eintunken, aber dafür ist unser Senf auch gratis. Dieses Mal nimmt sich unsere Redakteurin die Volksweisheit Wie der Herr, so das G’scherr vor.

von Pia Miller-Aichholz

UPDATE: April 2020

Seit fast 14 Jahren habe ich einen Hund – das bedeutet mit meinen 25 Jahren: den Großteil meines Lebens. Und seit ich mit zwölf Jahren erstmals alleine mit ihm Gassi gehen durfte, frage ich mich: Wenn der Herr wie das G‘scherr ist, inwiefern bin ich dann wie mein Hund? Mal ganz abgesehen davon, dass ich mich frage, wo eigentlich die in modernen Zeiten überfällige weibliche Form dieser Volksweisheit bleibt – andere Geschichte. Wer kreative Vorschläge hat, kann die mir gerne schicken.

Eine der unergründlichen Fragen meines Lebens

Jedenfalls kann ich mich erinnern, als Kind einmal sehr nette, leicht Karikatur-artige Illustrationen von exzentrischen Haustierbesitzern und -besitzerinnen neben deren tierischen besten Freunden und Freundinnen gesehen zu haben. Und auch von der Werbeindustrie wird die Idee, dass sich Herrchen und Frauchen und ihre Vierbeiner stets ähnlich sind, gerne bedient, wie von der Tierfuttermarke Cesar etwa um das Jahr 2000. Sehr süß gemacht, die Werbung.

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Nach ehrlicher Betrachtung muss ich als kritische Konsumentin aber einwenden: Niemand garantiert mir, dass die in diesen Werbungen gezeigten Menschen auch wirklich die Herrl beziehungsweise Frauerl der fotografierten Tiere sind. Denn ich bisher habe ich nämlich keine solch eklatante Ähnlichkeit zwischen mir und meinem Hund feststellen können – zumindest nicht äußerlich. Natürlich könnte das ein objektiver Betrachter oder eine objektive Betrachterin ganz anders sehen – also nicht äußerlich, wie ihr gleich sehen werdet, sondern maximal vom Verhalten her. Aber glaubt mir, in bald 14 Jahren mit meinem Hund an meiner Seite habe ich während zig Stunden von Gassigehen und weiteren zig Stunden an Prokrastinations-Gedankenausflügen ausreichend Zeit und Gelegenheit gehabt, die Theorie auf den Prüfstand zu stellen.

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Und weil ich die Wissenschaft hochhalte und respektiere, muss ich an dieser Stelle festhalten, dass es sich dabei natürlich nur um eine Fallstudie handelt und meine Ergebnisse und Erkenntnisse nicht repräsentativ sind. Damit hier auch alles professionell bleibt.

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Das Buch und sein Einband

Man sagt ja eigentlich, dass man ein Buch niemals nach seinem Einband bewerten soll. Aber wir wissen ja auch alle, dass die Realität gar nichts mit diesem moralischen Ideal zu tun hat. Blöd wäre ein Verlag, wenn er ein Buch mit einem unansprechenden Einband veröffentlichen würde. Und ganz ehrlich, wer ist nicht schon an Hunden vorbeigegangen und hat sich selbst gedacht: „Armes Ding, so schirch, zum Glück ist das nicht meiner!“ Ja, böse. Aber, wenn ihr ganz ehrlich mit euch selbst seid, wahr. Wir alle beurteilen alles um uns herum natürlich erst einmal nach Äußerlichkeiten.

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Also lassen wir das Ideal mal außen vor und beurteilen die Oberfläche. Und auf der spricht schon einmal so ziemlich alles gegen die in dieser Analyse untersuchte Theorie: Mein Hund ist ein hübscher blonder Kerl mit einem klassisch-guten und glatten Kurzhaarfell – wobei er sich den Schnitt nicht aussuchen kann, sein Fell ist nun mal so und wird nicht länger. Mein Haarbewuchs konzentriert sich zum Glück zum größten Prozentsatz auf meinen Kopf, wo dunkle Locken bis unter die Schultern und beizeiten sehr widerspenstig in alle Richtungen springen. Ein einsames dunkles Haar sprießt im Fell meines Vierbeiners und der einzige Kringel, der meinen Hund ziert, ist seine beizeiten eingeringelte Rute. Die als Locke zu bezeichnen, wäre ziemlich weit hergeholt. Maximal unsere langen Nasen und braunen Augen verbinden uns äußerlich. Das Sprichwort „Gegensätze ziehen sich an“ trifft in dieser Hinsicht also schon eher auf uns zu. Aber nachdem wir Bücher nach Begutachten des Einbandes ja auch aufschlagen, um zumindest kurz den Klappentext zu lesen, schauen wir uns das Innenleben mal etwas genauer an.

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Die Macht der Gewohnheit

Tatsächlich stellt sich im Zusammenleben mit einem Tier ein gewisser Rhythmus ein, den nicht nur der Mensch, sondern auch das Fellknäuel einhält. Und hier finden wir auch die ersten Tatsachen, die die Theorie, Haustiere wären wie ihre Menschlein, stützen. Etwa isst mein Hund am liebsten dann, wenn ich auch esse. Allerdings muss man dabei festhalten: Das wäre wohl auch bei Menschen so. Eine Wohngemeinschaft, in der immer jede Person für sich isst, kann man wohl als gescheitert betrachten. Demnach ist das kein Phänomen, das rein auf Tiere und ihre Herrl oder Frauerl zutrifft, sondern einfach ein soziales. Apropos Essen: Trockenfutter verschmäht mein Hund und auch ich habe hohe kulinarische Standards. Nein, ich brauche nicht jedes Mal Kaviar zu meinem Shrimpscocktail. Ich will einfach gute Qualität, möglichst unverarbeitete Produkte und viel Liebe – ja, das geht auch in einem Single-Haushalt. Dass mein Hund lieber Feuchtfutter von verschiedenen Fleischquellen isst als trockene Bällchen, ist meiner Ansicht nach aber auch keine Überraschung. Ich würde ja auch nicht zu jeder Mahlzeit dasselbe trockene Müsli essen wollen, sodass es mir nur so aus den Ohren staubt. Wenn ich also Gemüse in der Pfanne brate, reibe ich meinem Fellknäuel auch gleich ein bisschen Karotte und Zucchini in sein mit Reis vermischtes Feuchtfutter. Aber auch das belegt nicht die Hypothese der fast grotesken Ähnlichkeit zwischen Frauchen und ihrem Vierbeiner, sondern ist dem Umstand geschuldet, dass wir unter demselben Dach leben und eine bunte Palette an gewissen Nährstoffen Hunden ebenso guttut wie Menschen.


Zähne fletschen und andere Kommunikationsmittel

Auch wenn manche meinen, was in einem Fell steckt und auf vier Beinen geht, erfülle in der Essenz die Funktion eines Kuscheltiers, verbirgt sich in Wahrheit hinter jeder Schnauze ein komplexes Lebewesen. Zugegeben: mal mehr und mal weniger komplex. Mein Hund zählt jedenfalls zur komplexen Sorte. Während sich manch anderes Wauzi vor Fremden prompt auf den Rücken wirft und sich den Bauch kraulen lässt, schaut das bei meinem Vierbeiner anders aus. Wenn tierbegeisterte Fremde ihn spontan streicheln, knurrt er, fletscht die Zähne und im unpraktischsten Fall schnappt er nach der fremden Hand, die sich plötzlich auf seinem Hinterteil befindet. Das ist für mich als Halterin nicht leicht, tut mir immer leid, aber ich find’s verständlich. Ich hätte auch gern den Reflex, nach der fremden Hand zu schnappen, die sich dann und wann im Bus oder in der U-Bahn auf meinem Hintern positioniert. Das würde einmal Eindruck hinterlassen. Wer weiß, vielleicht lerne ich da noch was von meinem Hund dazu. Solange muss ich mich wohl oder übel auf verbales Zähnefletschen beschränken.

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Was meinen Hund und mich aber möglicherweise wirklich verbindet, ist, dass unsere Zündschnur hinsichtlich rücksichtslosem Verhalten verdammt kurz ist. Wenn jemand auf einem sowieso schon unfassbar lauten Motorrad vollkommen unnötigerweise so stark Gas gibt, dass einem das Knattern fast das Trommelfell sprengt, fängt mein Hund augenblicklich an, dem Motorrad hinterher zu bellen. Und weil ich eine brave Bürgerin bin, ziehe ich meinen Hund zurück und beruhige ihn mit den Worten: „Alles okay, Schatzi, das ist einfach ein dummes asoziales Arschloch!“ Bei ihm ist es das laute Geräusch, bei mir das laute Geräusch in Kombination mit Rücksichtslosigkeit, das uns auf die Palme bringt. Auf der Palme sind wir jedenfalls beide.

Schön wär’s

Aber alles in allem komme ich auch im 14. Jahr mit meinem Hund zum selben Schluss: Der Spruch „Wie das Herr, so das G’scherr“ ist eine hervorragende Vorlage für amüsante Comic-Streifen und Karikaturen, entspricht aber nicht der Realität. Ich lasse mich aber gern immer wieder von treffenden Ausnahmen der Regel überraschen und unterhalten. Weil ich aber, wie oben erwähnt, die Wissenschaft respektiere, muss ich abschließend festhalten: Vielleicht kommt ja ein objektiver Beobachter oder eine objektive Beobachterin zu einem anderen Ergebnis. Was ich euch an dieser Stelle allerdings versprechen kann ist, dass ihr nie wieder an einer Hundewiese vorbeigehen werdet, ohne zu versuchen, die Besitzer und Besitzerinnen mit ihren jeweiligen Vierbeinern zu matchen, dass ihr künftig jeden an der Leine geführten Hund und den am anderen Ende der Leine befindlichen Menschen nach äußerlichen Übereinstimmungen scannen werdet und beim Besuch eurer Katzen besitzenden Freunde und Freundinnen stets kleine Verhaltensstudien mit den Vier- und ihren Zweibeinern durchführen werden. (Bekanntlich sind ja eher Katzen die Herren und Herrinnen ihrer Besitzer und Besitzerinnen, wobei das wohl auch einmal eine nähere Untersuchung wert wäre.) Das ist bisschen wie Memory oder Suchbilder, nur die Real-Life-Experience. Viel Spaß dabei!

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Übrigens sind wir zum Weltkatzentag den schrägen Internet-Trends rund um Katzen in den letzten Jahren nachgegangen. Apropos Bücher, wenn ihr nach neuem Lesestoff sucht, findet ihr ihn vielleicht in den aktuellen Buchtipps der Redaktion.

(c) Beitragsbild | Levi Saunders | Unsplash

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