L’Orient Wien

Zum Essen mal schnell nach Marokko – im 2. Bezirk.

UPDATE: Dezember 2019

Vom Nestroyplatz sind es nur drei Gehminuten bis nach Marokko. In der Rotensterngasse haben Marietta Wanner und Mustapha Khattat im Mai 2017 ihr Restaurant L’Orient eröffnet.

Marokko in der Leopoldstadt

In den warmen Monaten lädt schon von weitem der Gastgarten vor dem Lokal ein. Von der Straße abgeschirmt ist er von einer eisernen Umfassung, durch deren detaillierte Ornamente am Abend das Licht bunter Glaslaternen schimmert. Die kleinen Holztische werden gerne auch für größere Gruppen zusammengeschoben. Wenn einen Wetter oder Saison zwingen, im Restaurant Platz zu nehmen, könnte man das als Glück im Unglück bezeichnen. Im vollkommen in marokkanischem Stil eingerichteten Lokal vergisst man endgültig, dass man in Wien ist. Man kann entweder an einem der massiven Holztische Platz nehmen, auf dem sich unter Umständen auch einmal Gruppen zusammensetzen, oder auf den kleineren Eisentischen mit bunten Mosaik-Einlegearbeiten.

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Augen- und Gaumenschmaus

Egal wie hungrig man bereits ist, es ist schwer, dem Impuls zu widerstehen, erst einmal einen Augenblick Zeit zu nehmen, um das Lokal zu bewundern. Wer auf ausgefallene Toiletten steht und sich deshalb in jedem Lokal aufs Hände waschen freut, kommt auch hier auf seine Kosten. Und die Seife duftet so gut, dass man sich zusammenreißen muss, nach dem Waschen nicht ständig an den Händen zu schnüffeln.

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Zur Erfrischung vorne weg genießt man am besten gleich einmal eine süß-saure Zitronade à la Menthe (klein 3,30 Euro, groß 5,10 Euro), den hauseigenen Eistee mit Limetten, Minze und Ingwer (4,90 Euro) oder einen der würzigen Mocktails (ab 5,10 Euro). Auch sehr gut, im Sommer wie im Winter, ist der Minztee (grüner Tee mit frischer Minze und Zucker; 3,80 Euro). Unsere Empfehlung an euch ist der Thé Royal (grüner Tee, frische Minze, Rosenknospen, Orangenblütenwasser, Safran und Zucker; 4,40 Euro). Alkohol gibt es hier keinen. Staatsreligion in Marokko ist nämlich der Islam, der Alkoholkonsum verbietet. Alkoholfreies Bier gibt es, ebenso die klassischen Softdrinks, aber wieso hier das trinken, was man auch sonst überall bekommt? Wer dennoch nicht auf ein Glaserl Wein verzichten möchte, kann gegen 12 Euro Stoppelgeld eine Flasche mitbringen.

Spiel mit den Geschmacksknospen

In der zum Gastraum hin offenen Küche bereiten Mustapha Khattat und seine Kochgehilfen die Speisen zu, die auf gemusterter und bunter Keramik serviert werden: zum Beispiel marinierte Karotten (4,80 Euro) und Zerlouk (zart gebratene Melanzane in würziger Tomatensauce; 5,60 Euro) als Vorspeise, dazu darf Hummus (4,80 Euro) nicht fehlen. Royale Jarret (geschmorte Lammhinterhaxe mit Auberginentürmchen in Ei-Panade, dazu karamellisierte Tomaten und Reis in würziger Sauce mit eingelegten Zitronen gekocht; 18,90 Euro) oder klassisches Cous Cous Végétarien (Cous Cous mit gemischtem Gemüse, Kichererbsen und karamellisierten Rosinen; 12,40 Euro) zur Hauptspeise.

Royale Jarret (c) Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

Zum süßen Abschluss gibt’s zum Beispiel Jawahra (dünne, knusprige Teigblättchen locker übereinander gelegt, dazwischen eine feine Orangencreme, darauf Früchte der Saison; 5,10 Euro) oder eine Crème Brûlée mit Safran (7,10 Euro). Schon beim ersten Bissen stellt man leicht resignierend fest, wie wenig Ahnung man von Gewürzen hat. Ganz im Gegensatz zu Mustapha, der sie raffiniert und gekonnt kombiniert, sodass sie den Geschmack der Hauptzutaten ergänzen, aber nicht verdrängen. Nicht umsonst hat Gault&Millau dem Restaurant eine Haube verliehen und es damit in den gleichnamigen Gourmet-Guide für das Jahr 2019 aufgenommen. Das kulinarische Wissen, dass Mustapha sich über die Jahre in seinem Herkunftsland Marokko angeeignet hat, gibt er in Kochworkshops weiter, zu denen man sich als Einzelperson oder als Gruppe anmelden kann (85 Euro pro Person inklusive Begrüßungsgetränk). Oder man lässt sich gleich zu Hause bekochen und bestellt das L’Orient Catering.

Crème Brûlée mit Safran (c) Pia Miller-Aichholz | 1000things.at

Zu Gast bei Freunden

Neben den Klassikern gibt es auch eine Tageskarte. Vegetarier und Vegetarierinnen haben nur wenige Hauptgerichte zur Auswahl, allerdings sind die meisten Vorspeisen vegetarisch. Am Sonntag servieren Marietta und Mustapha drei verschiedene Brunch-Varianten (15 Euro pro Person, 9 Euro für Kinderbrunch; zusätzliche Getränke nicht inkludiert). Die setzen sich zusammen aus bekannten Klassikern (Croissant) und marokkanischen Spezialitäten (Amlou – Mus aus gerösteten Mandeln, Arganöl und Honig). Wenn man sich nicht entscheiden kann, berät Marietta gerne. Überhaupt fühlt man sich im L’Orient bestens aufgehoben.

Tagine mit Lamm, Pflaumen, Marillen, Sesam und Mandeln

In Marokko wird gerne süß mit salzig kombiniert – so wie hier Pflaumen, Marillen und Mandeln mit Sesam auf Lamm in einer Tagine gekocht. (c) L’Orient

Marokko zum Mitnehmen

Gleich neben dem L’Orient im 2. Bezirk gibt ein gleichnamiges Geschäft, in dem Marietta und Mustapha Produkte aus Marokko anbieten.

marokkanische Keramiken und Teegläser im Regal

Arganöl, bunte Teegläser, gemusterte Keramiken, aus Palmblättern geflochtene Korbtaschen und ziselierte oder mit Hammerschlag bearbeitete orientalische Tabletts – hier läuft man drei Mal hin und her, bis man sich satt gesehen hat. Ob auf der Suche nach Dekoration für die eigene Wohnung oder nach einem Geschenk, der L’Orient-Shop ist eine willkommene Alternative zu den immer gleichen Geschäften.

Lust auf mehr Orient? In Wien gibt es noch einige andere orientalische Lokale.

(c) Beitragsbild | L’Orient

Zur Website von L'Orient

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag 17 bis 22 Uhr
Samstag 10 bis 22 Uhr
Sonntagsbrunch 10 bis 12.15 Uhr, 12.30 bis 14.45 Uhr
durchgehend warme Küche

Gastgarten von April bis Oktober

  • Location
  • Rotensterngasse 22
Location map  L’Orient Wien
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