Kriminalfälle Österreich

5 österreichische Kriminalfälle, die Geschichte schrieben

Sonntag, 14. März 2021 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

5 österreichische Kriminalfälle, die Geschichte schrieben

Sonntag, 14. März 2021 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Ein Diebstahl mit einem Fallschirm, eine wochenlange Verfolgungsjagd, Agenten – klingt nach Actionthriller, ist aber Zeitgeschichte. Wir haben fünf spektakuläre Kriminalfälle aus Österreich für euch, die längst in die Geschichtsbücher eingegangen sind.

von Rafael Prehsler

*Wir wollen euch auch während der aktuellen Maßnahmen inspirieren und versuchen, unsere Artikel laufend Covid-konform upzudaten. Bitte haltet euch weiterhin an die Maßnahmen. Nur wenn wir jetzt zusammenhalten und aufeinander schauen, können wir möglichst bald wieder all diese Inspiration gemeinsam genießen und zu einem halbwegs normalen Alltag zurückkehren.

Spektakuläre Ein- und Ausbrüche, ein mysteriöser Todesfall und ein echter Agententhriller –Österreichs Kriminalgeschichte hat es in sich! Wir haben fünf Tatorte genauer unter die Lupe genommen und dabei allerlei Abenteuerliches, Schauriges und Kurioses entdeckt.

Meisterdieb Blanchard

Im Juni 1998 findet im Schloss Schönbrunn die große Jubiläumsschau anlässlich des 100. Todestages von Kaiserin Elisabeth statt. Highlight der Ausstellung ist der so genannte Sisi-Stern, ein mit einer Perle und Diamanten besetztes Schmuckstück, das die Kaiserin gerne im Haar trug. Als ein Museumsführer einer Besucher*innengruppe das kostbare Exponat zeigen will, das in einer mit Panzerglas gesicherten Vitrine aufbewahrt war, verschlägt es ihm den Atem: Denn anstelle des Originals liegt ein billiges Duplikat in dem Schaukasten. Die Polizei ermittelt, tappt jedoch im Dunklen – jahrelang weiß niemand, wer den echten Sisi-Stern wann und wie entwendet hat.

Erst 2007 taucht das kostbare Ausstellungsstück im kanadischen Winnipeg wieder auf, wo es der Meisterdieb Gerald Blanchard versteckt hatte. Den Ermittlern erzählt Blanchard eine schier unglaubliche Geschichte: Er sei 1998 in Wien gewesen, habe den Stern bei einer Führung gesehen und sofort gewusst, dass er ihn haben müsse. In der Nacht nach dem Rundgang sei er mit dem Fallschirm über Schönbrunn abgesprungen, in das Schloss eingedrungen und habe das Original durch eine Plastikreplik ersetzt. Warum? Wegen des Kicks. Außerdem wollte er seiner Frau ein nettes Geschenk machen, so Blanchard. Die Polizei hierzulande schenkt den abenteuerlichen Schilderungen Blanchards wenig Glauben. Dennoch ist die Freude groß, als der Sisi-Stern im August 2008 unversehrt nach Wien zurückkommt, wo er noch heute als ständiges Exponat im Sisi-Museum bestaunt werden kann.

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Auf der Flucht

Die Strafanstalt Stein bei Krems gilt als eines der sichersten Gefängnisse Österreichs. Adolf Schandl, der hier seit 1970 einsitzt und eigentlich zu zehn Jahren verurteilt worden war, kümmert das offenbar wenig. Schon kurz nach der Einweisung gelingt es ihm, die Gefängnismauern zu überwinden. Da er sich bei der Aktion ein Bein bricht, misslingt die Flucht allerdings. Entmutigen lässt sich Schandl dadurch aber nicht. Zusammen mit zwei weiteren Häftlingen plant er im November 1971 einen neuen Ausbruchsversuch. Während einer Anhörung vor dem Untersuchungsrichter überwältigen die Komplizen die Wachbeamten und nehmen zwei Geiseln. Sie fordern ein Auto und erzwingen einen Vorsprung von 30 Kilometern.

Die abenteuerliche Verfolgungsjagd, die sich das Trio nun mit der Polizei liefert, ist hollywoodreif: Ohne konkretes Ziel fahren die Ausbrecher tagelang in und um Wien herum, wobei sie mehrmals die Fluchtautos und sogar die Geiseln austauschen. Der Polizei, die ihnen dabei stets dicht auf den Fersen ist, gelingt es nach rund 48 Stunden, zwei der Flüchtigen zur Aufgabe zu bewegen. Schandl kann sich jedoch absetzen. Er kommt bei der Mutter eines seiner Mithäftlinge im 17. Bezirk unter, wo er – völlig unerkannt und unbehelligt – immer wieder Kaffeehäuser besucht. Erst nach zwei weiteren Wochen können die Beamten sein Versteck ausfindig machen. Dem legendären Ausbrecher bleibt nur der erneute Weg zurück ins Gefängnis.

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Der tote Kronprinz

Am 30. Jänner 1889 macht man im niederösterreichischen Schloss Mayerling eine schaurige Entdeckung: Man findet die Leiche des erschossenen Kronprinzen Rudolf und neben ihm den leblosen Körper seiner erst 17-jährigen Geliebten Mary Vetsera. Der vielseitig gebildete Rudolf von Habsburg war – anders als sein Vater, der greise und stockkonservative Franz Joseph – liberal gesinnt und durchaus beliebt. Bei seinen regelmäßigen Heurigenbesuchen zeigte er sich gerne volksnah. Unglücklich verheiratet mit der Tochter des belgischen Königs, flüchtete er sich immer wieder in Affären. 1888 machte er so Bekanntschaft mit der jungen Mary Vetsera. Die Beziehung der beiden war von Anfang an von Klatsch und Tratsch begleitet. Und nun, da beide tot sind, ist der Skandal umso größer.

Der Fall Mayerling entwickelt sich rasch zu einer staatstragenden Affäre. Und die Geschichte bleibt mysteriös, denn der Hof verhängt eine Nachrichtensperre und auch die Zeugen hüllen sich in Schweigen. Bald kursieren die wildesten Gerüchte, etwa dass Rudolf einem politisch motivierten Mordanschlag zum Opfer gefallen sei. Schließlich besteht aber kein Zweifel mehr: Der Kronprinz muss zuerst Mary und im Anschluss sich selbst getötet haben. Ihre letzte Ruhe finden die beiden getrennt voneinander: Rudolf in der Kapuzinergruft, Mary Vetsera auf dem Friedhof in Heiligenkreuz.

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Top Secret

Nach dem Zweiten Weltkrieg huschen geheimnisvolle, in dunkle Mäntel gehüllte Gestalten mit großen Hüten quer durch Österreich: Es sind Geheimagenten der amerikanischen und sowjetischen Besatzungsmächte, die sich in dieser Dritte-Mann-Atmosphäre gegenseitig das Leben schwer machen. Zu einem regelrechten Showdown kommt es im Jänner 1946 in der Salzburger Wohnung von Richard Kauder, der damals für den US-Geheimdienst arbeitet. Für die Sowjets ist Kauder von Interesse, weil er im Krieg als Spion der Deutschen allerlei Informationen über Pläne des russischen Militärs zusammengetragen hatte. Nun soll er von sowjetischen Agenten entführt werden. Doch als diese die Wohnung stürmen, stellen sich ihnen bewaffnete Offiziere des US-Geheimdienstes entgegen. Die Mission scheitert.

1947 missglückt ein zweiter Entführungsversuch: Kauder versteckt sich in einem Kleiderschrank und kann so dem russischen Einsatzkommando entkommen. Für Anlauf Nummer drei wird schließlich die berühmt-berüchtigte Bande des Bulgaren Nikolai Borrisow engagiert, der sich selbst Benno Blum nennt. Die Blum-Gang kooperiert schon seit Längerem mit den Sowjets, kidnappt allerlei Leute aus den westlichen Besatzungszonen Österreichs und erhält dafür freie Hand beim Schmuggel mit Zigaretten. Allerdings riechen die Amerikaner den Braten erneut: In einer großangelegten Aktion, die unter dem Codenamen Countersnatch läuft, zerschlagen sie die Blum-Gang. Borrisow wird während des Feuergefechts erschossen. Und Kauder stirbt 1960 eines natürlichen Todes in Salzburg.

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Salzfass Deluxe

Man schreibt den 11. Mai 2003, als gegen vier Uhr nachts ein Bewegungsmelder im Kunsthistorischen Museum in Wien anschlägt. Reagiert wird zunächst nicht – ein Kontrollgang bleibt aus, niemand verständigt die Polizei. Erst am nächsten Morgen wird klar, dass die Saliera, das luxuriöse Salzfass des italienischen Bildhauers Benvenuto Cellini, nicht mehr da ist, wo sie sein sollte.

Großen Aufwand hatte der Dieb nicht betrieben. Er war auf ein temporäres Gerüst vor dem KHM geklettert, hatte eine Fensterscheibe eingeschlagen und den 26 Zentimeter hohen Kunstgegenstand aus der Vitrine entfernt. Der Schätzwert der Saliera liegt damals bei 50 Millionen Euro – entsprechend bemüht sucht die Polizei nach dem Kunstwerk und dem Täter. Eine konkrete Spur gibt es jedoch erst drei Jahre nach dem Raub, als Ermittler einen Teil des Salzfasses – den kleinen abnehmbaren Dreizack des Meeresgottes Neptun – finden.

Im Jänner 2006 meldet sich schließlich ein Alarmanlagen-Experte aus Wien Neubau bei der Polizei und gesteht seine Tat. Er führt die Beamten zu einer Stelle in einem Waldstück bei Zwettl, wo er die Saliera in einer vergrabenen Kiste versteckt hatte. Ironischer Weise ist Cellinis Saliera erst durch den Diebstahl weltweit bekannt geworden. Sie gilt heute als eines der wichtigsten Ausstellungsstücke des KHM.

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Wir zeigen euch außerdem 7 düstere Ausflugsziele in Österreich. Und wir verraten euch, was man in Österreich bei Nacht alles machen kann.

(c) Beitragsbild | Susanne Feischl

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