Nacht Österreich

Was man in Österreich bei Nacht alles machen kann

Freitag, 14. September 2018 / Lesedauer: ca. 7 Minuten

Was man in Österreich bei Nacht alles machen kann

Freitag, 14. September 2018 / Lesedauer: ca. 7 Minuten

Ihr seid eher Nachteule als früher Vogel? Dann sitzt ihr hier definitiv auf dem längeren Ast! Österreich hat nämlich auch bei Nacht mehr zu bieten als hippe Clubs und verrauchte Beisln. Aber lest am besten selbst.

von Viktoria Klimpfinger

„Finster war’s, der Mond schien helle, schneebedeckt die grüne Flur, als ein Wagen blitzeschnelle, langsam um die runde Ecke fuhr. Drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespräch vertieft, als ein totgeschoss’ner Hase auf der Sandbank Schlittschuh lief.“ Wer jetzt nicht wenigstens einen Flashback an lange Autofahrten oder Wanderausflüge mit reimenden und singenden Eltern hat, ist wahrscheinlich währenddessen im Auto eingeschlafen. Allen anderen beweisen wir jetzt, dass die Nacht in Österreich viel mehr zu bieten hat als skurrile Wagen mit widersprüchlichem Tempo und fragwürdigen Passagieren oder saisonübergreifend wintersportelnde Hasen. Und betrunkene Club-Besucher, definitiv auch mehr als betrunkene Clubbesucher.

Die Nachtwächter sind los

In einigen österreichischen Städten führen euch Nachtwächter durch ihr dunkles Revier. Als sich im Mittelalter die ersten größeren Städte bildeten, sorgten sie nachts für Zucht und Ordnung. Sie streiften durch die Gassen und warnten ihre Bürger für Bränden oder ähnlichen Katastrophen. Dazu überprüften sie, ob die Haustüren auch richtig abgesperrt waren, und hatten das Recht, auffällige Passanten abzupassen, zu befragen und eventuell sogar festzunehmen. Außerdem sagten sie oft auch laut die Uhrzeit an, um nachzuweisen, dass sie ihren Dienst verrichteten und nicht hinter der nächsten Pferdekutsche schnarchten. Aber keine Sorge, die heutigen Nachtwächter dienen vornehmlich Dekorationszwecken und werden euch vermutlich weder verhaften noch die Uhrzeit ins Gesicht brüllen. Vermutlich. Auf Blasphemie, Hexerei oder andere mittelalterliche Vergehen solltet ihr aber sicherheitshalber doch verzichten.

Bette Middler Hocus Pocus

In historischem Gewand und Laternenschein erzählen die Übriggebliebenen jedenfalls von Geschichte und Sagenwelt ihrer Stadt. In Bregenz dreht der Nachtwächter etwa von 16. November bis 1. Februar 2019 jeden Freitag um 18:00 Uhr seine Runde. Hier könnte es euch übrigens durchaus passieren, dass er euch etwas entgegenschreit. Allerdings nicht die Stunde, die es geschlagen hat, sondern den mysteriösen Ruf: „Ehret die Guta!“ Was das bedeutet? Fragt ihn am besten selbst. Treffpunkt ist das Büro des Bregenz Tourismus in der Rathausstraße 35a. Die Teilnahme kostet 10 handgepresste Gulden pro Haupt eines zur Gänze reifen Bürgers. Also 10 Euro pro Erwachsene – wir sind schon reingekippt.

Auf der anderen Seite Österreichs, auf der ebenfalls dunklen Seite der Macht… äh… Nacht, streift Künstler und Harlekin Werner Sandhacker mit euch durch die Altstadt von St. Pölten. Wenn um 20:00 Uhr die Glocke bimmelt, wimmelt ihr am besten vors Rathaus. Dort holt Sandbeck euch und eure nach Lust und Laune mitgebrachten Taschenlampen und Laternen ab. Das Ganze dauert ungefähr eineinhalb Stunden und ist kostenlos. Nächster Termin: 27. September 2018.

Auf den Spuren der Grazer Geister

Wenn wir schon am nächtlichen Gehen sind, dann walken wir gleich weiter nach Graz – zum Ghostwalk. Der Geistergeher Josef Tschida führt euch immer freitags und Samstag ab 20 Uhr in okkultem Gewand durch die Stadt. Dabei hört ihr Geistergeschichten und historische Anekdoten, gruselt euch und erwischt euch zugleich beim Schmunzeln. Denn der Ghostwalk ist weit mehr als eine weitere trockene Stadführung: „Ein mobiles Theaterstück in sechs Bildern aus der Vergangenheit mit vergnüglichem Schauer“ beschreibt Tschida den Walk auf seiner Website. Man darf sich also darauf verlassen, dass er nicht aus der Rolle fällt. Skurril? Definitiv! Sollte es aber auch sein, wenn es um Geister geht, oder? Treffpunkt ist jedenfalls die Neutorgasse Nummer 5. Erwachsene zahlen 15 Euro pro nicht abnehmbarem Kopf.

Ghostwalk Josef Tschida

Fledermäuse besuchen

Für viele besitzen sie Gruselfaktor, sind aber im Unterschied zu Tschidas Geistern aus der Vergangenheit verdammt real: Fledermäuse! Ihre Visagen sind verstörend und zuckersüß zugleich – wie hässliche Babys. Ihr negatives Image haben die niedlichen Flattermänner und –frauen ohnehin vornehmlich Rowdys wie Graf Dracula und seinen spitzzahnigen Freunden zu verdanken. Dass sie nämlich in Wahrheit gar kein Blut saugen, sondern bloß wie haarige, ästhetisch benachteiligte Schmetterlinge durch die Luft flattern, davon könnt ihr euch bei den Fledermaus-Workshops in den Blumengärten Hirschstetten überzeugen, und das nach Vereinbarung das ganze Jahr über. In 75 Minuten lernt ihr die hier lebenden Flugmäuse genauer kennen. Gruppen bis zu zehn Personen zahlen pauschal 50 Euro, jeder weitere Erwachsene zahlt 5 Euro.

Fledermaus Nacht

Stellvertretende Fledermaus. Wahrscheinlicher Name: Frank. Offensichtlich ziemlich verärgert. Foto: Todd Cravens / Unsplash

Schönbrunn bei Nacht

Ihr wollt euch nachts nicht ausschließlich auf Fledermäuse konzentrieren oder spürt vielleicht schon, wie euch Dracula in den Nacken haucht wie ein distanzloser Fahrgast im gesteckt vollen Bus? Dann lieber doch ab nach Schönbrunn, bevor er zubeißen kann. Hier leiten euch die Nachtführungen nämlich querbeet durch die gesamte schlafende und nachtaktive Fauna. Wer weiß, vielleicht hört ihr ja ein paar Pinguine schnarchen oder seht die hyperaktiven Erdmännchen schlafwandeln (niemand kauft den Typen ab, dass sie auch nur eine Minute ruhighalten können)? Und habt ihr eigentlich schon mal gesehen, dass sich die Koalas tagsüber bewegen? Vielleicht liegt’s ja daran, dass sie nachtaktiv sind. Möglicherweise schmeißen sie sich ab 20 Uhr in ihre heißesten Glitzerleggings und fahren Roller-Disco. Wer weiß?

Herausfinden könnt ihr es bei den täglich stattfindenden Touren, die noch bis 20. September um 21:00 Uhr starten, ab 21. September um 20:00 Uhr. Eineinhalb Stunden Nacht-Action inklusive Nachtsichtgerät in Schönbrunn kommen auf stolze 24 Euro pro Person. Jetzt müsst ihr euch fragen: Ist euch das ein vielleicht oder vielleicht auch nicht Leggings tragender und tanzender Koala wert?

Dancing Coala

Schwimmen bei Mondschein

Lieber keine Nachteulen und Siebenschläfer? Dann ist Nachtschwimmen vielleicht eher etwas für euch. Wobei ihr in Naturgewässern vielleicht auch den einen oder anderen verdutzten Fisch aus dem Schlaf reißt. Daher empfehlen wir Mondscheinschwimmen in geschütztem Rahmen. Die Therme Längenfeld „Aqua Dome“ in Tirol hat Schwimmbereich und Sauna jeden Freitag bis Mitternacht geöffnet. Und jetzt der absolute Clue: Ripperl gibt’s für 9,80 Euro auch noch dazu! Danach solltet ihr aber mindestens eine Stunde warten, bevor ihr euch wieder in die nächtlichen Fluten schmeißt.

Für alle, die sich nach der Arbeit noch im Wasser plantschen wollen oder ohnehin vor Mitternacht schlafen gehen, hat die Therme Oberlaa ein After-Work-Ticket im Angebot. Es gilt von Montag bis Freitag von 18:00 bis 22:00 Uhr und kostet 24 Euro.

Die Stadt als dunkler Parkour

Action ja, nassmachen nein? Dann ab auf die Straße. Natürlich wollen wir jetzt nicht, dass ihr ominöse Geschäfte in dunklen Gassen betreibt, um eure Streetcredibility zu pushen. Das wäre wohl die falsche Art von Nervenkitzel. Nein, wir scheuchen euch durch den größten Parkour Wiens – die Stadt selbst. Die Plattform „Parkour Austria“ organisiert verschiedenste Workshops und Kurse rund um Parkour und Freerunning in Wien. Nach dem richtigen Aufwärmen zeigt man euch, wie man mit möglichst wenig Kraftaufwand, also möglichst ökonomisch von A nach B kommt, und zwar direkt: Alles, was zwischen euch und dem Ziel steht, ist ein Hindernis, das entweder übersprungen, durchpurzelt oder über das balanciert wird. Die regulären Kurse finden mittwochs 18:00 bis 19:30 Uhr und freitags 17:00 bis 19:00 Uhr statt. Einmal schnuppern kostet 10 Euro, eine reguläre Teilnahme 15 Euro.

Noch nicht nächtlich genug für euch? Dann sind es die Night-Missions definitiv. Hin und wieder organisiert Parkour Austria Freerunning-Events, wie etwa auch die nächtlichen Parkour-Ausflüge. Dabei bewegt man sich acht Stunden durchgehend hüpfend, rollend oder slidend durch die Stadt. Hatten wir am Anfang impliziert, ihr werdet euch nicht nassmachen? Tja, nach acht Stunden Kunstrennen legen wir für trockene Achseln nicht die Hand ins Feuer. Oder woanders hin.

Durch die Schlucht in tiefer Nacht

Auch die Groppensteinschlucht im Kärntner Mölltal ist nicht nur bei Tag ein Erlebnis, sondern besonders auch in der Nacht. Auf der ungefähr zweistündigen Wanderung durchs Dunkel erlebt ihr die Schlucht in völlig neuem Licht, wortwörtlich: Denn einige Felsen und Vorsprünge sind in buntes Licht getaucht. Das Rauschen des Wassers und die funklenden Sterne des stockdunklen Himmels machen das Ganze fast schon zu einer mystischen Erfahrung. Noch bis 25. September starten die Nacht-Touren immer dienstags um 21:00 Uhr vom Schluchteingang. Erwachsene zahlen 28 Euro, bekommen dafür aber auch eine angeleitete Wanderung mit einem erfahrenen Bergführer, eine Stirnlampe und eine Brotzeit vom Nachbarhof.

In die Sterne schauen

Zum Abschluss haben wir noch den Klassiker unter den Nachtaktivitäten für euch, den man in der Großstadt dank ständiger Beleuchtung und kaum freiem Himmel gerne mal vergisst: Sternderlschauen. Wer jetzt ans Saufen gedacht hat, sollte heute Nacht umso intensiver in den Himmel starren.

Drink and judge

Jedenfalls könnt ihr in Wien etwa auf der Jubiläumswarte auf dem Gallitzinberg, im Freiluftplanetarium Sterngarten Georgenberg in Mauer nahe der Wotruba-Kirche oder auf der Sophienalpe den Sternen ungestört beim Funkeln zusehen. Aber wenn ihr so richtig in die dunkle Materie eintauchen wollt, schmeißt ihr euch am besten ins Auto und fahrt eine halbe Stunde, bis ihr zum Sternenweg in Großmugl im Weinviertel kommt. Ein Themenweg über freie Felder erklärt euch auf Infotafeln hier unten, was ihr dort oben seht. Verfehlen könnt ihr ihn auch in der Dunkelheit nicht: Er startet direkt in der Ortsmitte an der Adresse 2002 Großmugl, Hauptstraße 46. Seine Begehung ist kostenlos – aber ganz sicher nicht umsonst!

Mit einem besonders eindrucksvollen Sternenhimmel rühmt sich übrigens auch der Nationalpark Gesäuse. Bei guter Sicht soll man hier sogar die Milchstraße mit freiem Auge erspähen können. Wenn der Neumond aufzieht, herrscht hier fast völlige Dunkelheit. In Johnsbach im Nationalpark-Gebiet hat man tatsächlich den dunkelsten Himmel Österreichs gemessen. Hier blickt ihr also ins unverfälschte, nicht durch Nachtlichter und Scheinwerfer geblendete Dunkel. Doch Vorsicht, irgendwann blickt es vielleicht zurück, laut Nietzsche: „Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ Denn vielleicht schauen wir in Wahrheit nicht nach oben in den Himmel, sondern hinunter aufs Universum.

Gesäuse Sterne

Sternenhimmel über dem Gesäuse. (c) Rudi Dobesberger

Bevor wir jetzt völlig in den philosophischen Abgrund stürzen, wenden wir uns dem zu, woran wir doch alle gedacht haben, als wir „Nachtaktivitäten“ gelesen haben: Wir schnappen uns ein Spritzweinglas, werden nach 30 Minuten am Dancefloor supermüde und fallen laut schnarchend in die Hapf’n. Gute Nacht!

Jetzt habt ihr doch Lust auf ein bisschen mehr Nightlife bekommen? Dann crasht doch ein paar der ausgefallensten Bars Österreichs. Wenn ihr Tag- und Nachtaktiv seid, helfen euch unsere To Do’s bei Ausflugshunger.

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