Faschingsbräuche in Österreich

Dienstag, 28. Februar 2017 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Faschingsbräuche in Österreich

Dienstag, 28. Februar 2017 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Die fünfte Jahreszeit erreicht in diesen Tagen ihren Höhepunkt. Eine Faschingsparty jagt die nächste, der Krapfenkonsum ist enorm und traditionelle Faschingsumzüge locken zahlreiche Schaulustige. Doch welche spezifischen Bräuche gibt es eigentlich in den Bundesländern? Wir haben uns für euch die Traditionen genauer unter die Lupe genommen.

von Marie Amenitsch

Für alle Faschingsnarren unter euch hier unser „Bundesland Best-of“ der österreichischen Faschingskultur.

Tirol

In Tirol zeigt sich einmal mehr die Liebe zum Brauchtum und zur Tradition und es gibt unzählige Rituale, die von Dorf zu Dorf variieren.  So findet zum Beispiel das „Axamer Wampelerreiten“  jedes Jahr bereits am „unsinnigen Donnerstag“ statt und ist ein traditioneller Fastnachtsbrauch in Axams bei Innsbruck. Er symbolisiert ein Rollenspiel, bei dem ein „Reiter“  den „Wampeler“ (Wampe = dicker Bauch) auf den Rücken werfen muss, was den Kampf zwischen Frühling und Winter darstellen soll. Ein weiteres Highlight gibt’s in Landeck, wo beim  traditionellen „Scheibenschlagen“  schon seit Jahrhunderten die Einwohner am Faschingssonntag auf einer Anhöhe zusammenkommen, um von dieser  glühende Holzscheiter zu werfen. Dies gilt als Glücksbringer! Wer jemand anderem seine Glückwünsche versichern möchte, widmet die Scheibe beispielsweise einer geliebten Person – andererseits  kann auch eine „Schimpfscheibe“geworfen werden.

fasching in österreich

pixabay / gemeinfrei

Steiermark

Das Faschingsrennen ist einer der ältesten Bräuche der Steiermark. Am – „damisch Mountag“ – also am Rosenmontag – wandern die „Faschingrenner“ von Haus zu Haus bis zum höchst gelegenen Bauernhof, um nach alten heidnischen Bräuchen den Winter zu vertreiben. Eine Gruppe geschminkter Musikanten begleitet den Umzug und sorgt für musikalische Umrahmung. Den Höhepunkt des Treibens bildet die Hochzeit des sogenannten „Brautpaars“ – eines Bräutigams im Anzug und einem als Braut verkleideten Herren. Im Anschluss wird bei einer nicht mehr ganz so traditionellen Faschingsparty ordentlich gefeiert.

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Oberösterreich

Zwischen Gmunden und Bad Ischl befindet sich die kleine Marktgemeinde Ebensee, mit wunderbaren Blick über den Traunsee. Ebensee kann wohl als die Faschingshochburg  im gesamten Oberösterreich bezeichnet werden und die Faschingstage gelten hier als „Nationalfeiertage“. Ein Faschingsumzug jagt den nächsten und Jung und Alt sind mit voller Begeisterung dabei. Als Verkleidung dienen alte Kleider „Fetzen“, die in den unmöglichsten Kombinationen übereinander getragen werden und riesige traditionelle Holzmasken, die das Gesicht verdecken. In der Nacht von Montag auf Dienstag befindet sich die gesamte Gemeinde in Ausnahmezustand. Der Faschingsdienstag gehört dann den Kindern und ihren Umzügen und Gesängen, bei denen diese – wie mancher Orts zu Halloween – von Haus zu Haus gehen und mit Süßigkeiten belohnt werden. Am Aschermittwoch, dem ersten Tag der Fastenzeit, nimmt die Faschingszeit am Ufer der Traun langsam ihr Ende, mit dem traditionellen Faschingsverbrennen. Dabei wird eine etwa drei Meter hohe Puppe, die symbolisch den Fasching darstellt, zum Traunufer getragen und dort verbrannt. Das endgültige Ende stellt das „Briaftaschlwaschen“ dar, das Eintauchen der Geldbörse in die Traun, als Zeichen dafür, dass nach dem Fasching kein Geld mehr da ist.

Vorarlberg

Einen ähnlichen Brauch gibt es neben einigen kleineren Faschingsumzügen auch im schönen Ländle mit dem  „Gealdbittelwäsch“. Dieses symbolisiert die Vergänglichkeit der Faschingszeit und steht zugleich für einen Nachruf auf die närrischen Tage. Die in weiße Kleider gehüllten Einwohner von Bregenz ziehen in einer Prozession zum Hugo-von-Montfort-Brunnen. Dort legen sie zu den Klängen eines Trauermarsches ihre vom Fasching ausgebeuteten Geldtaschen ins Wasser.

Kärnten

Vor dem Villacher-Fasching und seinen Faschings-Sitzungen gibt es  für niemanden ein Entkommen und das bekannte „LEI LEI!“, als Ausruf der Faschingszeit, ist wohl jedem ein Begriff. Diese Faschings-Sitzungen verstehen sich als buntes Kabarett- und Musikprogramm unter dem Vorsitz des Faschingsprinzen und der Faschingsprinzessin und unterhalten dank TV-Übertragung Menschen aus ganz Österreich, wenn nicht sogar der ganzen Welt. Die Faschingssitzungen sind zu einer richtigen Institution geworden und aus der Kärntner Kultur nicht mehr weg zu denken.

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Burgenland

Im Burgenland gibt es vor allem rund um den Neusiedler See zahlreiche Faschingsveranstaltungen, die jedes Jahr aufs Neue für Spaß und Unterhaltung sorgen. So gibt es zum Beispiel in Gols einen riesigen Umzug, der mit Live-Musik und anschließender Narrenparty punkten kann. Hier findet außerdem auch die  Krönung eines Prinzenpaares statt.  Ein besonderes Highlight ist am Faschingsdienstag auch der höfische Faschingsball im Schloss Esterházy. Hier gibt es neben einem bunten Spiele-Nachmittag für Kinder am Abend eine große Party. Zum Ausklang des Faschings findet außerdem in Andau am Faschingsdienstag eine Veranstaltung mit Faschingsverbrennung um Mitternacht statt.

Wien

In Wien scheint der traditionelle Faschingsbrauch ziemlich ausgestorben zu sein, dafür gehört diese Zeit ganz den Balltraditionen, wo ein prunkvoller Ball dem anderen folgt und zum Tanzbeinschwingen einlädt. Richtige Faschingsfeste und Umzüge gibt es nur noch selten in den Bezirken innerhalb des Gürtels oder gar in der Innenstadt. Wenn in Wien Fasching gefeiert wird, dann in Jedlersdorf, Meidling, Döbling, Ober St. Veit oder Währing. Dafür ist Wien mit Abstand die unschlagbare Führungsposition im Krapfen-Konsum, so werden allein am Faschingsdienstag mehr als eine Million Krapfen verkauft. Die Faschingsdienstags-Angebote im Nachtleben sind ebenso  heißbegehrt, so zum Beispiel jenes im Wiener Volksgarten.

Salzburg

In Salzburg gibt es die älteste Faschingsgilde Österreichs. Moment, Faschingsgilde? Das sind völlig unparteiische Vereinigungen, die es sich zur Aufgabe machen, nicht alle dunklen Seiten des Lebens schwarz zu sehen. Vielmehr wollen sie dazu anregen, gemeinsam über Negatives zu schmunzeln, darüber lachen zu können und andere Menschen an den jährlich stattfindenden Narrenabenden damit zu unterhalten. Dennoch wollen sie aber auch Missstände in der heutigen Zeit auf humoristische Art und Weise aufzeigen.

Niederösterreich

In Niederösterreich gibt es in dieser „fünften Jahreszeit“ vereinzelte Faschingstraditionen. Die Zeit gilt aber vielerorts eher als „Vorbereitung auf die Fastenzeit“ und soll genutzt werden, um sich selbst noch einmal so richtig etwas zu gönnen, bevor es dann ja eigentlich in die sechswöchige Fastenzeit geht. Außerdem steht der Fasching hier vor allem unter dem Zeichen der Kinder. Dennoch sorgen „Gschnas“, also Faschingsparties, am Faschingssamstag bzw. -dienstag, in vielen Orten für beste Stimmung und Partylaune. Auch in Mödling übernimmt mit Faschingssamstag jedes Jahr ein „Narren-Pärchen“ die Herrschaft über die Stadt. Ein großer Faschingsumzug mit Blasmusik, Faschingssitzungen und eine Party im Ausmaß eines Stadtfestes runden das Programm ab.

fasching in österreich

pixabay / gemeinfrei

In diesem Sinne: LEI LEI und noch einen feinen Faschingsdienstag euch allen – wir sehen uns hoffentlich auf der Faschingsparty! Auf der Suche nach weiteren lustigen Inhalten? Hier geht’s zu 10 Dingen, die man nur versteht, wenn man länger in Österreich gelebt hat.

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