Bräuche Advent Österreich

Typische Bräuche im Advent in Österreich

Donnerstag, 5. Dezember 2019 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Typische Bräuche im Advent in Österreich

Donnerstag, 5. Dezember 2019 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Weihnachtsgeschichten vorlesen, einen Adventskranz binden, das Eigenheim mit reichlich Dekoration in ein Weihnachtsdorf verwandeln – all das sind Traditionen, die man bereits seit Generationen in der Vorweihnachtszeit in Österreich pflegt. Wir stellen euch einige Bräuche vor, von Klassikern bis zu total Skurrilem, die man hier in der Adventszeit umsetzt.

von 1000things Redaktion

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Kekse backen und Punsch trinken – mit diesen und noch vielen weiteren Traditionen stimmen wir uns fröhlich auf Weihnachten ein. Wir haben uns mal etwas genauer angesehen, welche Bräuche im Advent in Österreich sonst noch so typisch sind.

Einen Adventkranz aufstellen

Der Adventkranz hat bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts Tradition. Ursprünglich war er mit 24 Kerzen ausgestattet – 20 Kerzen standen für die Wochentage, vier für die Sonntage bis Weihnachten. Erfunden wurde dieser Ur-Adventkranz von Johann Hinrich Wichern, der 1839 erstmals ein Wagenrad mit 20 kleinen roten und vier großen weißen Kerzen versah. Später reduzierte man ihn auf die heutige Form mit vier Kerzen. Manchmal sind drei davon violett und eine rosa, was die liturgischen Farben der katholischen Kirche widerspiegelt. Rosa steht dabei für den dritten Adventsonntag, auch Gaudete genannt. Doch abseits der kirchlichen Tradition gibt es mittlerweile Kränze mit allen möglichen Verzierungen – von kleinen Perlenketten, über Rentiere bis hin zu funkelnden Kugeln sind der Fantasie hier keine Grenzen gesetzt. Wer besonders kreativ ist, kann sich seinen Adventskranz auch ganz leicht nach individuellem Belieben selbst binden – macht total Spaß und ist garantiert einzigartig.

Frauentragen

Diese Tradition ist vielen vielleicht weniger geläufig. Dabei ist das Frauentragen, auch Josephtragen oder Herbergssuche genannt, ein besonders altes Brauchtum. Der grundsätzliche Gedanke dahinter stammt aus der christlichen Theologie, in der Maria und Joseph nach einer Herberge suchen, um ihr Kind zu gebären. Früher war es üblich, dass sich die Menschen aus der Nachbarschaft am Abend stets in unterschiedlichen Häusern getroffen haben mit Figuren von Maria und Joseph und angezündeten Kerzen auf dem Tisch. Auch heute üben manche den Brauch noch aus, indem sie sich in den letzten neun Tagen vor der Weihnachtsnacht vor einem Bild der Heiligen Familie oder der schwangeren Maria versammeln. Das Bild wird jeden Tag von einer anderen Familie beherbergt und die letzte Familie gewährt dem Bild als Stellvertreter für die Heilige Familie bis Maria Lichtmess Herberge. Vermutlich einer der skurrilsten Bräuche im Advent in Österreich!

Weihnachtsbeleuchtung

Wohl kaum ein Weihnachtsbrauch ist stärker umstritten als dieser. Während die eine Hälfte der Menschen es liebt, wenn es von den Dächern und Gärten der Häuser nur so glitzert und funkelt, die Heime mit zahlreichen Lichterketten verziert und und die Vorgärten mit Cupid, Donner, Blitzen, Rudolph und Co. dekoriert sind, wird die andere Hälfte schon fast wütend bei all dem sich durch die Straßen ziehenden Kitsch. Ein Mittelweg wäre vermutlich, die weihnachtliche Beleuchtung in gemäßigter Ausprägung zu halten und – bitte, bitte, bitte – nicht bereits im Oktober mit dem Schmücken zu beginnen. In Wien läutet die Beleuchtung der Einkaufsstraßen der Innenstadt sogar Jahr für Jahr offiziell die Weihnachtszeit ein. Einer der bombastischen Luster am Graben wiegt übrigens starke 400 Kilo. Respekt!

Weihnachtsbeleuchtung am Wiener Graben (c) Schaub-Walzer | PID

Mistelzweig

Ach, der Mistelzweig. Eine der romantischsten Traditionen im Advent, denn unter dem Mistelzweig wird ja bekanntlich geküsst und wenn man einer landläufigen Legende trauen darf, so bleiben Pärchen, die sich unter dem Mistelzweig küssen, ein Leben lange zusammen. Viele assoziieren damit jetzt wahrscheinlich vor allem kitschige Weihnachtsfilme made in Hollywood, aber wo der Brauch wirklich herkommt, ist nicht eindeutig belegt. Schon in der Antike galt die Mistel als heilige, mysteriöse Pflanze. Die Germanen verwendeten sie als Glücksbringer, die keltischen Priester mischten Tränke mit ihr wie Miraculix in den Asterix-Heften. Zum römischen Saturnalienfest schenkte man sich einen Mistelzweig als Zeichen der Freundschaft und in Skandinavien herrschte zwischen Kriegern, die unter einem Mistelzweig zusammenstießen, für einen Tag Waffenstillstand. Die Erklärungsansätze sind also vielfältig. Und das, obwohl die die weißbeerige Mistel eigentlich ein Halbparasit ist und Bäumen sowohl Wasser als auch Nährstoffe raubt, indem sie ihre Wurzeln in die Wasserkanäle der Bäume schiebt. Leider wenig romantisch, was dieses kleine, filigran aussehende Gewächs so macht, wenn es nicht gerade in unseren Türrahmen hängt.

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Sauschäd’lstehlen vor Weihnachten

Achtung, bei dieser Tradition in der Vorweihnachtszeit wird’s ein bisschen grauslich. Nach dem Schlachten eines Schweines war es üblich, den Körper zu spalten, den Schädel jedoch ganz zu lassen. Anschließend wurden die Körperteile in das Vorhaus des Hofes zum Aushängen gebracht. Obwohl die Haustür beziehungsweise Schlachtkammertür nachts versperrt war, wurden immer wieder Wege gefunden, diesen Sauschäd’l zu klauen. War das erst einmal geschafft, so wurde zuerst ein Gedicht verlesen und jener im Anschluss zusammen verspeist. Als wäre das für den Bestohlenen nicht schon bitter genug, musste jener obendrein auch noch eine Strafe in Form von Getränken bezahlen.

Nikolaus am 6. Dezember

Im 4. Jahrhundert gab es da so einen Bischof von Myra in Kleinasien, der ganz besonders sozial engagiert war. Genau, die Rede ist vom Heiligen Nikolaus, dessen Gedenktag am 6. Dezember ist. Daher ist es Brauch, dass als Nikolaus verkleidete Männer in Bischofsornat und mit weißem Rauschebart zu den Familien nach Hause kommen und die braven Kinder mit Süßem und kleinen Geschenken belohnen. War man jedoch nicht so folgsam, so sollte man sich vor dem haarigen Begleiter des Nikolaus’ – dem Krampus – in Acht nehmen, denn er verteilt Schläge mit seiner Rute an die schlimmen Kinder. Zwar wird er mittlerweile eher als Sidekick des naturgemäß beliebteren Nikolaus‘ gesehen, dabei ist er aber viel älter als sein weißbärtiger Vorgesetzter. Die Figur des Krampus‘ stammt nämlich aus der vorchristlichen Zeit und macht in manchen Regionen in eigenen Krampusläufen die weihnachtlich beleuchteten Straßen unsicher.

Christoph Waltz erklärt Jimmy Fallon den Krampus
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Adventkalender

„Ist mir egal, wie alt ich bin – ich will einen Adventkalender!“ Das lässt sich ganz einfach damit begründen, dass die Vorweihnachtszeit schlichtweg nicht dasselbe wäre, hätte man keinen. Weil es nichts Besseres gibt, als den Tag mit einem Stück Schokolade oder einer anderen Überraschung zu beginnen, ist das wohl unser absoluter Höhepunkt der Bräuche im Advent in Österreich. Das versüßt – wortwörtlich – den Morgen und das tägliche Öffnen des Kästchens führt uns stets vor Augen, wie schnell das große Fest näher rückt. Wusstet ihr, was für eine furchtbar süße Geschichte hinter dieser Tradition steckt? Der kleine Gerhard Land aus Deutschland gilt als Erfinder des gedruckten Adventkalenders. Als Kind beschäftigte er sich stets mit der Frage, wann denn nun endlich das Christkind kommt. Deshalb nahm seine Mutter kleine Schachteln, in die sie je einen Keks legte. Anschließend klebte sie Nummern auf die Schachteln und erlaubte ihrem Gertschi jeden Tag, eine zu öffnen. Zuckersüße Idee!

Und, setzt ihr selbst einen dieser typischen Bräuche im Advent in Österreich um? Wir stellen wir euch außerdem vor, wie Weihnachten in anderen Ländern gefeiert wird, und entführen euch zu den schönsten Weihnachtsmärkten in Österreich.

(c) Beitragsbild | Pixabay

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