Gegen Lebensmittelverschwendung: Die App Too Good To Go

Samstag, 2. November 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Gegen Lebensmittelverschwendung: Die App Too Good To Go

Samstag, 2. November 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Lebensmittel retten und dabei noch Gutes tun? Dank der App Too Good To Go könnt ihr der Lebensmittelverschwendung etwas entgegen treten und dabei gleich noch tolle Lokale in eurem Umkreis kennenlernen sowie Essen vor der Mülltonne bewahren und euren Geldbeutel schonen. Wir haben die App ausprobiert und berichten euch von unseren bisherigen Eindrücke.

von Luisa Lutter

Es tut euch auch jedes Mal weh zu hören oder gar selber zu sehen, wie viele Lebensmittel täglich in den Mülleimer wandern, weil sie in Restaurants, Supermärkten und bei Veranstaltungen übrig geblieben sind? Die kostenlose App Too Good To Go nimmt sich genau diesem Problem an und hat eine simple wie grandiose Lösung gefunden. Wir haben die App für euch ausprobiert und berichten hier von unseren bisherigen Eindrücken. Viel Freude beim Lesen und selber ausprobieren!

Von dem Problem zu einer Win-Win-Situation

Hättet ihr gewusst wie viele Lebensmittel in Österreich jährlich weggeworfen werden? Laut der Homepage von Too Good To Go sind es rund 577.000 Tonnen genießbares Essen alleine in Österreich. Die Zahl muss man sich erst einmal vorstellen können. Wenn man das nun umrechnet, dann wirft jeder Österreicher beziehungsweise jede Österreicherin noch genießbare Lebensmittel im Wert von rund 300 Euro pro Jahr in den Müll. Richtet man dann den Blick über den Tellerrand- und zu den Nachbarländern hin, stößt es sauer auf.
Die Entwickler und Köpfe hinter der App möchten ein Zeichen setzten und es möglich machen, das jeder und jede einzelne von uns schon ganz leicht gegen Lebensmittelverschwendung angehen kann. Der unnötige Wegwurf von noch genießbarem Essen soll, so gut wie es eben geht, dezimiert werden.
Gesagt, getan! So kamen allerhand technisch versierte Begeisterte zusammen und entwickelten die kostenlose App, wie wir sie heute im Store für Apple und bei Google Play finden.
Die App ist eine Win-Win-Situation und ihr könnt nicht nur in Wien Lebensmittel retten. Die Betriebe müssen dadurch weniger entsorgen und können gleichzeitig neue Kundschaft gewinnen. Ihr bekommt im Gegenzug tolle Gerichte und sogenannte Überraschungssackerl für kleine Preise, entdeckt neue Lokale und schont die Umwelt. Ein Deal von dem jeder profitiert.

Das Überraschungssackerl mit Mehrwert

Die 1000things Redaktion hat die App für Wien mehrfach getestet. Bereits vor einigen Jahren probierten wir sie aus, damals herrschte jedoch noch gähnende Leere beim Angebot. Heuer sieht es schon ganz anders aus. Das Thema polarisiert und findet viele Fans. Die App ist gerade sprichwörtlich in aller Munde und es gibt ein vielseitiges- und täglich wechselndes Angebot. Je nach dem wie viel in den jeweiligen Lokalen und Märkten übrig bleibt, stellen die Betriebe eine variierende Anzahl von Überraschungssackerl online.
Die Preise für die geretteten Lebensmittel schwanken zwischen 2,99 bis 5 Euro. Praktischerweise steht der eigentliche Verkaufswert der Speisen und geretteten Lebensmittel auch dabei.

Wie funktioniert’s?

Ein Blick in das Sackerl verrät, es befinden sich frische Waren von dem aktuellen Tag darin. Es sind Speisen, die bis zum Kassaschluss nicht über die Ladentheke gegangen sind. Zum Beispiel: Kuchen, Mehlspeisen, Brote, Sandwiches und auch Currys, Fischgerichten und vieles mehr wartet auf Abholung. Daher kann es auch passieren, dass ihr beim zweiten Mal nutzen der Too Good To Go App für das selbe Geschäft ganz andere Lebensmittel in eurem Beutel vorfindet. Bezahlt wird mit Sofortüberweisung, Kreditkarte oder Google Pay. Direkt nach dem Bezahlvorgang bekommt ihr einen Kaufbeleg für eure Lebensmittelrettung zugesendet, in dem nochmal der Zeitraum der Abholung steht und ein Code für eure Bestellung. Mit diesem geht ihr hin und bekommt euer Überraschungssackerl ausgehändigt. Dann heißt es nur noch auspacken und Schlemmen.

Je nachdem was ihr sucht, wird in der App zwischen Frühstück, Mittagessen, Abendbrot, vegetarischen Speisen, in der Nähe von eurem Standort und Abholzeiten für den nächsten Tag unterschieden. Ganz schön viel zum Scrollen. Jedoch macht es tatsächlich Spaß zu Stöbern, denn es sind regelmäßig neue Lokale dabei und man entdeckt tatsächlich neues.

Ein zusätzliches Schmankerl: Auf der Homepage könnt ihr einsehen, wie viele Gerichte und Lebensmittel seit Start der App schon gerettet- und wie viele Tonnen CO2 eingespart wurden. Dort könnt ihr auch diverse Rezensionen nachlesen von Benutzern und Nutzerinnen, die ihre fast durchweg positiven Erfahrungen teilen.

Test, Test, Test

Auch wir von der 1000things-Redaktion haben uns die App auf das Handy geladen und können uns dem guten Feedback anschließen. Die App ist einfach zu handhaben und man kann nach seinen Lieblingslokalen Ausschau halten und diese in eine Merkliste aufnehmen. Wir sind überrascht und sehr freudig, wie viele wir mittlerweile von denen dort schon vorfinden!
Manchmal überfordert das Angebot auch, doch das kann man getrost eher als Luxusproblem ansehen und da die einzelnen Lokale auch nach Tageszeiten, also sprich Frühstück, Mittag und Abendbrot gerankt sind, erleichtert das die Suche enorm.
Größere Ketten, wie zum Beispiel Nordsee, sind auch mit von der Partie und bieten meist bis spät am Abend noch Abholmöglichkeiten an. Dieser Fakt kam bei der ersten Bestellung im Oktober zu Gute und so wurde es ein Überraschungssackerl um 3,99 Euro bei dem genannten Betrieb. Der Wert des Essens war tatsächlich wie angegeben um die 12 Euro. Wir durften uns sogar aussuchen, was für ein Gericht man mit nach Hause nehmen mag. Die Wahl fiel auf frisches Gemüse mit überbackenem Lachs und Spinatbett. Kurz daheim nochmal warm gemacht und schon stand eine fertige und schmackhafte Mahlzeit auf dem Tisch.
Eine Notiz an uns selbst, für die nächste Lebensmittelrettungsaktion, nehmen wir von dort ebenfalls mit: Einfach eine Tupperdose von daheim mitbringen und so erspart man sich und der Umwelt auch die Verpackung vom Lokal.

Der zweite Besuch führte in ein nahegelegenes Lokal, das indisches Essen anbietet und welches noch nicht auf unserem Radar war. Das gerettete Essen für 4,99 Euro war zwar auch in diesem Fall in Ordnung, doch bemerkten wir, dass die Kellner etwas ungeduldig waren. Kein Wunder, wie wir dann feststellten, denn es gab keinen Gast mehr zu bedienen und die Küche war bereits geputzt. Man wartete nur noch darauf, dass wir unsere Mission erfüllten und das gerettete Gericht abholten. Dieser Umstand war etwas unangenehm, denn wir ließen uns Zeit und kamen erst kurz vor Ablauf der Frist vorbei.

Der dritte Besuch lockte in den 8. Bezirk zu einem kleinen Café. Wir erhielten für 2,99 Euro eine 250 Gramm Packung mit Dörrpflaumen und eine Packung frischen Bohnenkaffee. Etwas verwundert nahmen wir den Kaffee entgegen und fragten sogleich den Besitzer des Cafés, warum er denn Kaffee hergibt? Es entspann sich ein angeregtes Gespräch und so kam heraus, dass man in dem Café besonderen Wert darauf legt niemals Kaffee zu verkaufen, der länger als zwei Monate dort lagert. Für den Weg nach Hause gab es dann auch noch einen kostenlosen Cappuccino oben drauf sowie einen Espresso Shot im Lokal, da wir ihn nach seiner favorisierten Kaffeesorte fragte. Solche Überraschungen kann man also auch beim Abholen erleben. Während diese Zeilen geschrieben werden, wird der neuen Kaffee  probiert. Die Begeisterung ist groß. Dank der App wurden  nicht nur Lebensmittel gerettet sondern auch zu einem neuen Kaffee-Lieferanten für die eigenen vier Wände gefunden.

Good to know: Lebensmittel retten mit Too Good To Go könnt ihr ab jetzt auch in Linz.

Das Fazit der Redaktion: bis dato ist wirklich nur Positives zu dieser App zu sagen. Jedem Leser und jeder Leserin sei ans Herz gelegt, sich einfach selber zu überzeugen. Das Frühstück für morgen ist bereits um 4,99 Euro gekauft, wobei der Warenwert bei 15 Euro liegt. Die Abholung des Frühstücks-Überraschungssackerls wird in ein Hotel in den 5. Bezirk führen. Sehr praktisch, da es auf dem Weg ins Büro liegt, eine neue Route entdeckt wird und gleichzeitig die Überreste des Frühstücksbuffet vor der Mülltonne bewahrt werden.

Ihr möchtet noch mehr zu diesem und ähnlichen Themen erfahren? Wir erzählen euch in unserem Beitrag zum Dumpstern allerhand Hintergrundfakten.
Wenn ihr gerne selbst nachhaltiger leben wollt, aber nicht wisst wie, haben wir ein paar Tipps, wie’s klappt. Außerdem zeigen wir euch, wo ihr beim Shopping in Wien auf die grüne Seite der Macht kommen könnt. Go green!

(c) Beitragsbild | Louis Hansel | Unsplash

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