12 außergewöhnliche Horrorfilme für euren Halloween-Abend

Montag, 29. Oktober 2018 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

12 außergewöhnliche Horrorfilme für euren Halloween-Abend

Montag, 29. Oktober 2018 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

Horrorfilme sind ein Fall für sich. Der eine hasst sie, der andere liebt sie. Manch einer findet sie vielleicht interessant, muss aber jedes Mal aufs Neue zum Ansehen überredet werden. In Gesellschaft ist es jedoch gleich viel weniger schlimm. Wir haben daher hier einige Empfehlungen für euch, die definitiv nicht mit kalten Schauern und elaboriertem Grusel sparen.

von Cornelius Ganter und Luisa Lutter

In diesem Halloween-Gastbeitrag haben wir alles andere als typische Horrorfilme für euch herausgesucht. Hier bekommt ihr eine spannende Auswahl an Delikatessen des Grauens, die euch noch bis in eure Träume verfolge und eurem Halloween neuen Kick verleihen werden. Wir wünschen euch viel Vergnügen, wenn die Schauer über euren Rücken laufen.

Spukhorror mit Albtraumgarantie

Lights Out (2016)

Diesem Film kam hierzulande bei Weitem nicht die Aufmerksamkeit bei, die er verdient hätte. Eine zerrüttete Familie wird von einem Spukwesen heimgesucht, das nur in Dunkelheit existieren kann und durch Licht seine Sichtbarkeit verliert. Diese Grundidee wird mit genialen Details zu einem perfiden Gruselfilm. Selten geht ein Film derart kreativ mit seiner Grundidee um und schürt die Paranoia in der Dunkelheit dermaßen effektiv. In der Nacht nach diesem Film geht garantiert niemand entspannt auf die Toilette.

Sinister (2012)

Der Titel lässt die zuschauerfeindliche Lichtgestaltung dieses Werks bereits erahnen. Das Wesen der Heimsuchung, die die Protagonisten hier bedroht, wird bewusst eine Weile offengelassen, was den großen Reiz des Films ausmacht. Lange bleibt unklar, ob es hier übernatürlich zugeht oder nicht. Sinister geht genial mit seinen filmischen Mitteln um und bettet verschiedene, teils recht kreative Einfälle in den spannenden Plot ein. Die bis zur Grenze der Erträglichkeit perfektionierte Inszenierung von Gruselsequenzen wird hier mit kurzen, aber sehr dreckigen visuellen Gewalt-Schocks gepaart und ergibt so einen denkwürdig effektiven Horrorstreifen.

Trailer

Drag me to Hell (2009)

Horror-Ikone Sam Raimi hatte hier wohl noch einmal Lust, einen Beitrag zu seinem Genre zu leisten und wurde sich selbst mehr als gerecht. Drag me to Hell ist zwar vielen bekannt, aber so gut, dass wir ihn dennoch in diese Liste aufnehmen wollten. Bei der Kombination aus Spukhorror und bis zur Lächerlichkeit überhöhten Gewalt- und Ekelsequenzen kann man sich fantastisch gruseln, zu Tode erschrecken und ekeln zugleich. Der Film ist visuell herausragend, extrem unterhaltsam und bietet tolle Darsteller-Leistungen. Wer auf Horror-Entertainment steht, muss ihn definitiv gesehen haben.

Trailer

Ein wenig Ultrabrutales

Achtung, gleich Vorweg: Die Filme dieser Kategorie wurden für die Veröffentlichung in Deutschland stark zensiert. Die geschnittenen Fassungen sind auch in Österreich in Umlauf, werden den Werken aber natürlich in keiner Weise gerecht. Unser Tipp: Achtet auf die Laufzeit und stellt sicher, dass ihr nicht versehentlich eine Zensur-Version erwischt. Denn FSK 18 bedeutet in der Regel immer noch: zensiert. Welche Fassung des Films man vorliegen hat, lässt sich zuverlässig über schnittberichte.com prüfen.

Evil Dead (2013)

Das Remake des berüchtigten Films „Tanz der Teufel“ überträgt die Qualität des Originals würdig auf die heutigen Sehgewohnheiten. Dieser okkult angehauchte Gewalthorror ist großartig produziert und bietet Special Effects, die filmhistorisch ihresgleichen suchen. Wirklich unheimlich ist dieser Schocker selten, in seiner visuellen Bildgewalt aber um so derber und durchweg mitreißend. Spätestens bei dem Blutregen im Finale, für den eigens ein Tanklastwagen mit 195 Kubikmetern Kunstblut an den Drehort gekarrt wurde, fallen auch dem routiniertesten Genrefan fast die Augen aus dem Kopf.

The Midnight Meat Train (2008)

Für einen Horrorfilm unfassbare 15 Millionen Dollar hat diese Indie-Produktion des japanischen Regisseurs Ryuhei Kitamura gekostet, in der der damals noch kaum bekannte Bradley Cooper eine seiner ersten Hauptrollen gibt. The Midnight Meat Train beeindruckt vor allem durch seine Farb- und Licht-Ästhetik, die penibel genau auf das jeweilige Setting angepasst ist. Alles sieht irritierend schön aus, und doch unheimlich. Dieser Film hat gruselige Momente, ist durchweg immens spannend und in seinen zahlreichen Action-Szenen so grotesk brutal, dass man teilweise kaum fassen kann, was man zu sehen bekommt. Auch das kuriose Ende wird definitiv Gesprächsbedarf hinterlassen. Wer Horrorfilme mag, muss dieses gigantisch produzierte Werk gesehen haben.

Trailer

Frontier(s) (2007)

Die sogenannte French New Wave of Horror spülte in den 2000ern einige Filme aus Frankreich in die Welt, die bis heute berüchtigt sind. Frontier(s) entstammt dieser Welle und wirkt wie „The Texas Chain Saw Massacre“ auf Steroiden. Viel ambitionierter, viel besser produziert, noch kranker, noch brutaler. Der Film ist so derb, dass er eigentlich nur dann mit Genuss geschaut werden kann, wenn man die Überdrehtheit der Gewaltakte irgendwann nur noch als unfreiwillig komisch empfindet. Wer schon immer mal sehen wollte, wie ein Mensch lebendig in einen telefonzellengroßen Dampfgarer gesteckt wird, ist hier richtig. Frontiers ist noch nicht einmal der beste oder dramatischste Film der French New Wave of Horror, aber in unseren Augen der für einen Videoabend unterhaltsamste. Nicht minder krank, brutal und wirkungsvoll sind „Inside“ (2007) und „High Tension“ (2003). Alle drei Filme bewegen sich konsequent hart an der Grenze zur Geschmacklosigkeit, sind für Fans des Extrem-Kinos aber quasi unumgänglich.

Martyrs (2008) und Ghostland (2018)

Diese Filme sind Sonderfälle der French New Wave of Horror. Sie stammen beide von Regisseur Pascal Laugier und wurden mit französischem Geld in Kanada produziert. Wir bringen euch diese Filme hier im Doppelpack näher, da sie sich in ihren Qualitäten sehr ähneln. Die Gewalt ist hart, wird aber nie um ihrer selbst willen eingesetzt. Beide Filme erzählen sehr intelligent und leben davon, dass man vor dem Ansehen kaum etwas über sie weiß. Sie sind unmittelbar greifbar, unheimlich, hart, spannend und mitreißend. Gleichzeitig sind sie aber auf symbolischer Ebene so komplex, dass sie definitiv Gesprächsbedarf hinterlassen und man kaum das Gefühl hat, die Filme vollständig verstanden zu haben. Die Qualität, insbesondere von „Martyrs“, geht weit über das Horrorgenre hinaus. Wir würden diesem Werk tatsächlich den Status eines filmhistorischen Meilensteins verleihen. „Ghostland“ ist nicht mehr so innovativ und tiefgründig, als cleverer Hardcore-Schocker aber mindestens genau so effektiv. In der Kategorie „ultrabrutal“ bildet „Ghostland“ übrigens auch eine kleine Ausnahme: Es ist nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet dieser Film ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben ist.

An dieser Stelle noch ein persönliches Anliegen von uns: Natürlich geht es bei Filmabenden gerne mal etwas flüssig zu. In diesem Fall solltet ihr diese Filme eher zu Beginn des Abends ansehen. Die Intensität dieser Meisterwerke an ein Besäufnis zu verschwenden, wäre ein Sakrileg!

Eher lustig als schrecklich

Happy Death Day (2017)

In der Slasher-Version von „Täglich grüßt das Murmeltier“ erlebt eine notorische Collage-Zicke immer wieder denselben Tag, der stets damit endet, dass sie von einem maskierten Serienkiller abgemurkst wird. Der Plot bietet ein unheimliches Potenzial an schwarzem Humor. Freunde absurder Szenarien und schamloser Schadenfreude werden üppig bedient. Neben allerlei garstigen Gags schafft es der Film obendrein auch, eine gewisse Spannung aufzubauen und einen gelungenen Twist zu servieren. Von der genre-untypischen FSK12-Freigabe sollte man sich nicht abschrecken lassen. Der Gewaltgrad ist für den Film völlig angemessen und man wird von der ersten bis zur letzten Sekunde köstlich unterhalten.

Housebound (2014)

Diese bewusst konfuse Kuriosität gehört ebenfalls zu jenen Spezialfällen, die unter Genre-Nerds seit den ersten Festival-Vorführungen Kultstatus genießen und über die Szene hinaus aber zu Unrecht fast völlig unbekannt sind. Die Story wirkt anfangs greifbar, bis man merkt, dass man komplett an der Nase herumgeführt wurde. Ob man es mit einem Spuk, einem Serienkiller oder etwas völlig anderem zu tun hat, wird erst gegen Ende durch einen zwar stimmigen, aber dennoch total schrägen Twist klar. „Housebound“ funktioniert als leichtere Horrorkost genauso gut wie als Komödie, bietet viel skurrilen Witz, intensive Spannungsmomente und gelegentlich durchaus effektiven Grusel. Der Film wirkt dadurch stellenweise zwar etwas unentschlossen, macht aber wahnsinnig Spaß und man wird ihn garantiert nicht so schnell vergessen.

Sonderfälle außerhalb des Rahmens

The Chaser(2008)

Der koreanischer Thriller kratzt eigentlich nur selten an den Grenzen zum Horrorgenre. Die teils heftigen Gewalt-Eruptionen, die Serienkiller-Thematik und die herausragende Qualität dieses Films haben uns aber dennoch dazu veranlasst, ihn hier mit aufzunehmen. „The Chaser“ erzählt aus Perspektive unterschiedlicher, untypischer und komplexer Charaktere verschiedene Handlungsstränge einer gemeinsamen, grausigen Geschichte. Diese ist so ereignisreich, grotesk und doch glaubhaft, dass der Thriller eine Sogwirkung entwickelt, der man sich nicht entziehen kann. Dieser Film ist einzigartig, genial erzählt, toll gespielt, mitreißend, wahnsinnig spannend, erschütternd und in vielen bewusst skurrilen Momenten dennoch humorvoll. Ein brillantes Meisterwerk!

Sleep Tight (2011)

Dieser spanische Stalker-Thriller kommt ebenfalls kaum als klassischer Horrorfilm daher, ist aber so bösartig und auf verdrehte Art und Weise beängstigend, dass er letztlich doch in das Genre fällt. Die völlig unkonventionelle Erzählperspektive zwingt den Zuschauer, mit einem Hauptcharakter zu sympathisieren, der eigentlich zum Verabscheuungswürdigsten gehört, das je aus einem Drehbuch hervorging. „Sleep Tight“ beginnt als Tragikomödie und kippt dann unerbittlich ins Horrordrama: Ehe man weiß, wie einem geschieht, ist man gleichermaßen zutiefst erschüttert, fasziniert und verstört und muss sich erst einmal wieder emotional sortieren, ehe man diese filmische Erfahrung werten und verdauen kann. Hauptdarsteller Luis Tosar hat sich mit der Jahrhundert-Performance, die er hier als Bösewicht liefert, eigentlich jeden Preis verdient, der an einen Film-Schauspieler verliehen werden kann. Getragen von seiner virtuosen Darbietung liefert dieser Film etwas absolut Außergewöhnliches, das so bestimmt noch niemand gesehen hat.

Anmerkung: „Sleep Tight“ ist der persönliche Lieblingsfilm des Autors.

Ihr habt noch nicht genug gesehen und wollt noch mehr? Dann schaut bei unseren gruseligsten Orten in Wien vorbei. Wir nehmen euch zudem mit zu einer Vienna Underground Tour. Zieht den Schal fester und macht euch auf schaurige Entdeckungen gefasst. Die Gänsehaut steht euch gut!

Beitragsbild:
(c) Oleksandr Kurchev / unsplash

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