internationaler Frauentag

Warum wir das Frauenvolksbegehren unterzeichnen sollten

Montag, 8. Oktober 2018 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Warum wir das Frauenvolksbegehren unterzeichnen sollten

Montag, 8. Oktober 2018 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Das Frauenvolksbegehren setzt ein wichtiges Zeichen zur Geschlechtergerechtigkeit, es sollen patriarchale Strukturen aufgebrochen werden und es ist ein wichtiger Versuch, endlich ein Umdenken in der Gesellschaft zu erzielen. Warum wir von 1000things es so wichtig finden, das Frauenvolksbegehren zu unterzeichnen, lest ihr hier.

von 1000things Redaktion

Die 1000things-Redaktion hat sich einige Gedanken zum Frauenvolksbegehren und der Wichtigkeit, eine Stimme abzugeben gemacht. Hier entlang geht’s zu unseren persönlichen Statements und Meinungen, warum wir das Frauenvolksbegehren unterzeichnen und es auch ihr tun solltet.

Katharina: Eine Frau ist selbst schuld, wenn sie sexuell belästigt wird, denn sie hätte sich ja weniger aufreizend anziehen können? Eine Frau ist selbst schuld, wenn sie weniger verdient als ein Mann, denn sie hätte ja besser verhandeln können? Eine Frau ist selbst schuld, wenn sie ungewollt schwanger wird, denn sie hätte ja (aus eigener Tasche bezahlt) verhüten können oder kann ja immer noch (aus eigener Tasche bezahlt) abtreiben? Weil ich diese Sätze schon viel zu oft gehört habe und es mir dabei den Magen umdreht, ja deswegen habe ich unterschrieben und deswegen solltest du das auch.

Pia: Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der jeder und jede mit Respekt behandelt wird. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der eine “andere“ Lebensweise oder Frau zu sein keinen Einfluss auf Karriere- und Überlebenschancen haben. Ich hoffe auf Bemühungen der Politik, faire Verhältnisse zu schaffen, von denen auch unsere Kinder profitieren werden.

Viktoria: Laut Gleichstellungsbericht des Weltwirtschaftsforums aus 2016 könnte es noch 170 Jahre dauern, bis Männer und Frauen in Österreich wirklich dieselben Chancen haben. Ich will nicht so lange auf eine ehrliche Gleichstellung warten. Das einzige, was da helfen kann, ist ein gemeinsames Stimmenerheben, das nicht lockerlässt, bis es erstgenommen wird.

Lukas: Als weißer, mitteleuropäischer Mann ohne Migrationshintergrund habe ich das tragische Glück, bisher so gut wie nie Opfer von Diskriminierung geworden zu sein. Tragisch ist das vor allem deshalb, weil man(n) in solch einer Position oft viel zu schnell die hässliche Fratze der ungleichen Behandlung von Frauen und Männern vergisst und gewisse Umstände einfach als gegeben und „eh nicht so schlimm“ hinnimmt. Umso wichtiger ist es mir persönlich, sich dieser Ungerechtigkeit nicht nur in Gedanken – sondern vor allem auch mit Taten ganz bewusst anzunehmen. Deshalb unterschreibe ich das Frauenvolksbegehren. Egal, wie man es dreht oder wendet, beobachtet man unsere Gesellschaft, wir ganz schnell klar: Das Frauenvolksbegehren ist (leider immer noch) absolut notwendig und ein längst überfälliger Schritt in Richtung Menschlichkeit.

Das Frauenvolksbegehren ist ein Muss für alle, die sich eine Welt wünschen, in der jeder Mensch die gleichen Chancen hat und den gleichen Umgang genießen kann – unabhängig davon, mit welchem Geschlecht er geboren wurde. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Ist es aber nicht. Deshalb: Frauenvolksbegehren unterzeichnen!

Marie: Ich komme aus einer Familie, in der ich das Privileg einer Erziehung genießen durfte, in der Geschlechtergerchtigkeit von Anfang eine Selbstverständlichkeit war. Die Erfahrung, dass die Gesellschaft ihre eigenen, zahlreichen Mechanismen zur Unterdrückung der Frau und zur Aufrechterhaltung von patriarchalen Strukturen hat, folgte jedoch bald und immer wieder aufs Neue. Ich möchte in einer Welt leben, in der das Privileg der Geschlechtergerechtigkeit auch im alltäglichen Leben und im Denken eines jeden zur Selbstverständlichkeit wird und deshalb gebe ich meine Stimme ab und unterschreibe das Frauenvolksbegehren.

Julia W.: Meine Oma war eine der wenigen Frauen in Österreich, die in den 1930er Jahren an der Universität Wien studieren durfte. Ungefähr 80 Jahre später habe ich mich an der selben Uni inskribiert. Für meine Oma war es in den 1930er Jahren mit Sicherheit nicht leicht, ernst genommen und akzeptiert zu werden. Zwischen meiner Oma und mir liegen 79 Jahre, das sind: eine Monarchie, zwei Kriege, eine Diktatur und 2. Republiken. Wo wäre ich heute, hätten in diesen 79 Jahren viele Frauen wie meine Oma nicht für ihre Rechte gekämpft? Vor ein paar Tagen war ich zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Mit mir auf der Bühne saßen vier Männer und zwei weitere Frauen. Und zum allerersten Mal erfuhr ich am eigenen Körper, wie sich wohl meine Oma gefühlt hat, als sie im Hörsaal saß und ihre Antworten nicht erst genommen wurden, weil sie ja eine Frau war. Ich saß also in dieser Runde am Podium und mir wurde jegliches Selbstbewusstsein von zwei dieser Männer auf der Bühne genommen. Hier ging es gar nicht um das, was sie gesagt haben, denn das ist natürlich subjektiv. Hier ging es um das WIE. WIE sie in ihren Sesseln saßen und WIE sie ihre selbstverständliche Ignoranz präsentierten. Es war eine enorme Energie die diese 2 Männer ausstrahlten und gleichzeitig mir entzogen. Ich fühlte mich leer, müde und schämte mich für meine Schwäche. Und genau das ist es, warum das Frauenvolksbegehren so unglaublich wichtig ist. Das ist keine Schwäche, wir sind nicht schwach. Diese Männer wollen uns das nur glauben lassen und uns mit einem „Du Dummerchen-Lächeln“ abtun. Hier geht es nicht um Macht sondern um Gleichberechtigung und das im Sinne aller Menschen. Meine Oma konnte nicht fertig studieren, da der 2. Weltkrieg ausbrach.73 Jahre später werden Frauen missbraucht, erpresst, beschnitten, verdienen im Durchschnitt noch immer weniger als Männer und sind nach wie vor in der Unterzahl, wenn es um wichtige Positionen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft geht. 

Ihr habt heute, am 8. Oktober noch bis 20 Uhr Zeit, das Frauenvolksbegehren zu unterzeichnen. Dies könnt ihr unabhängig vom Hauptwohnsitz an jedem Gemeindeamt in Österreich oder ganz einfach online via Handysignatur oder Bürgerkarte.

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