Psychische Gesundheit während der Corona-Krise

Mittwoch, 18. März 2020 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Psychische Gesundheit während der Corona-Krise

Mittwoch, 18. März 2020 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Den ganzen Tag zuhause zu bleiben, hört sich im Alltagsstress erst mal gut an. Wenn es aber keine freiwillige Option sondern ein dauerhafter, vorgeschriebener Zustand ist, kann es zeitweise auch an die psychische Substanz gehen. Deshalb ist es gerade in solchen Zeiten wichtig, auf sich selbst, aber auch andere Acht zu geben.

von Magdalena Mösenlechner

*Wir wollen euch auch während der aktuellen Maßnahmen inspirieren und versuchen, unsere Artikel laufend Covid-konform upzudaten. Bitte haltet euch weiterhin an die Maßnahmen. Nur wenn wir jetzt zusammenhalten und aufeinander schauen, können wir möglichst bald wieder all diese Inspiration gemeinsam genießen und zu einem halbwegs normalen Alltag zurückkehren.

Die aktuelle Situation kann für alle, aber besonders für Menschen mit psychischen Erkrankungen und Dispositionen schwierig sein. Deshalb ein paar Tipps, wie ihr Leute in eurem Umfeld, aber auch euch selbst, mentale Unterstützung bieten könnt.

Online connecten

Wir erfahren gerade alle soziale Einschränkungen. Zum Glück sind die Zeiten der Brieftaube Geschichte und ein aufmunterndes Gespräch ist oft nur ein paar Klicks entfernt. Wer die Zeit findet, könnte sich vor allem um jene im Bekanntenkreis kümmern, die mit mentaler Gesundheit zu kämpfen haben. Meldet euch regelmäßig zum Plaudern, Zuhören oder auch, um über Skype, Facetime und Co. gemeinsam Zeit zu verbringen. Trefft euch zu virtuellen Kochabenden oder spielt Gesellschaftsspiele – die Möglichkeiten sind endlos. Sollte die Melancholie bei euch selbst mal überhandnehmen, könnt ihr versuchen, durch virtuellen Austausch den Overthinking-Motor zu drosseln. Tauscht euch etwa in der 1000things-to-do-whilst-Corona Gruppe auf Facebook aus. Wir sitzen alle im selben Boot, und oft zieht einen ein gewisses Gemeinschaftsgefühl schon aus dem Sumpf der Einsamkeit. Außerdem hat sich auf Facebook eine weitere Online-Selbsthilfegruppe formiert, inspiriert von Kulturwissenschaftlerin und Aktivistin Beatrice Frasl und umgesetzt von @tragoethisch.

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Spread positive vibes

Ein kleiner Call-to-Action: Seid lieb zu einander. Wenn ihr mitbekommt, dass jemand gebasht wird, weil er oder sie Zeit außerhalb seiner oder ihrer Wohnung verbringt, dann steht füreinander ein. Das soll jetzt keineswegs die Situation verharmlosen – bitte bleibt wirklich zuhause! –, aber gegenseitiges Niedermachen bringt in der momentanen Situation niemanden weiter. Ebenso gespottet: Hate gegen Leute, die die momentane Quarantäne nutzen, um es sich im Eigenheim gemütlich zu machen mit selbstgekochtem Essen und Serienmarathons. Ablenkung durch nette Beschäftigungen bedeutet nicht zwingend, dass jemand den Ernst der Lage nicht begreift. Meistens heißt es nur, dass es der jeweiligen Person gerade hilft, mit dieser Zeit gut umzugehen. Also: Spread positive vibes, wir können sie wirklich alle brauchen.

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Rausgehen – mit Sicherheitsabstand

Natürlich soll das keine Verharmlosung der Lage sein – das können wir nicht oft genug betonen. Die Anweisungen der Regierung sind zu unserer Sicherheit und daher definitiv einzuhalten. Für die eigene Psyche ist es dennoch von Vorteil, wenigstens einmal am Tag nach draußen zu gehen. Wer am Land wohnt oder die Option hat, an möglichst menschenleeren Orten spazieren zu gehen, kann so der inneren Unruhe entgegenwirken. Für Menschen in der Stadt ist es empfehlenswert, die Stoßzeiten zu vermeiden und weite, abgelegene Flächen zum Spazieren zu wählen. Ein paar Minuten im Innenhof, oder vielleicht sogar im eigenen Garten, tun oft schon Wunder für den Kreisel im Kopf.

(c) Magdalena Mösenlechner

Feste Zeiten für Nachrichten und Social Media

Die Flut an Nachrichten, die uns zurzeit stündlich oder sogar minütlich erreicht, kann auch ein belastender, triggernder Faktor sein. Was hier helfen kann, sind festgelegte Zeiten für ihren Konsum. Zweimal täglich die News zu checken, reicht definitiv aus. Auch sinnvoll ist es, den eigenen Instagram-Feed zu managen. Wenn ihr merkt, dass euch die konstante Beschallung zum derzeitigen Hauptthema an die Substanz geht, dann sperrt das Thema via Hashtags. Außerdem kann es hilfreich sein, Accounts, die good vibes verbreiten, zu folgen, etwa zum Thema Sport, Natur, self care oder DIY. Eine Empfehlung ist hier das @goodnews_movement auf Instagram, die es sich zur Aufgabe macht, täglich gute Nachrichten zu posten.

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Routine schaffen

Ganz wichtig, um dem Trott, depressiver Stimmung und innerer Unruhe vorzubeugen, ist eine gewisse Routine. Jeden Tag zur selben Uhrzeit aufzustehen, und sich trotzdem anzuziehen und fertig zu machen, kann ein gewisses Sicherheitsgefühl geben. Sport, wie etwa Yoga-Übungen, gleich nach dem Aufstehen können helfen, einer gewissen Rastlosigkeit entgegenzuwirken. Ein guter erster Tagespunkt ist außerdem das Erstellen einer Liste von To-dos, die dann nach und nach abgearbeitet werden. Auf diese Liste dürfen auch ruhig ganz kleine Aufgaben stehen, wie zum Beispiel Geschirrspüler ausräumen, denn das Abhaken vieler Punkte kann ebenfalls eine beruhigende Wirkung haben. Auch soziale Kontakte können routiniert fixiert werden. Jeden Abend um 18 Uhr mit Freundinnen und Freunden zu telefonieren, oder sich jeden Morgen nach dem Aufstehen ein paar Nachrichten zu schreiben, wären eine Möglichkeit.

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Mit Vorbehalt: beschäftigen!

Momentan lesen wir das überall: Keep busy! Dieser Rat ist nicht immer fehl am Platz, aber auch mit Vorsicht zu genießen. Sich möglichst den ganzen Tag zu beschäftigen, kann Angstanfälle verhindern. Aber wenn man die ganze Zeit die eigenen Emotionen, Ängste und Sorgen ausblendet, indem man sich Anderem widmet, kann das auch irgendwann nach hinten losgehen. Daher: Wenn ihr merkt, dass ihr akut in eine Gedankenspirale fallt, die nirgends hinführt, lenkt euch gern mal ab. Wem die Homeoffice-Arbeiten ausgehen, der kann zu verschiedenen kreativen Tätigkeiten greifen. Vom Stricken übers Basteln bis hin zum Backen oder Schreiben ist alles möglich. Auch putzen, sortieren oder aufräumen ist um Vielfaches besser als nur herumzusitzen. Vor allem kann man sich danach über eine saubere, schöne Wohnung oder über vollendete Projekte freuen. Dr. Georg Psota, Chefarzt der Psychosozialen Dienste Wien, hat im Interview mit uns zuletzt festgestellt, dass ein Ohnmachtsgefühl dann auftritt, wenn wir keine Handlungsmöglichkeiten haben oder zumindest keine Möglichkeit sehen, zu handeln. Diesen Kreis zu durchbrechen, so klein die gesetzte Handlung auch immer sein mag, kann also sehr hilfreich sein.

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In Akutfällen

In akuten Notfällen könnt ihr euch rund um die Uhr beim psychosozialen Notdienst oder bei der Telefonseelsorge und anderen Krisennummern melden. Während der aktuellen Lage ist es auch möglich, Psychotherapie über Skype, Telefon, Facetime in Anspruch zu nehmen und diese auch wie eine ganz normale Stunde über die Krankenkassen abzurechnen. Außerdem hat der Berufsverband der österreichischen Psychologinnen und Psychologen eine Helpline eingerichtet, über die ihr vier Tage die Woche kostenlose telefonische Beratung erhaltet und auch per Mail Fragen stellen könnt.

Keine Sorge oder Angst auf dieser Welt ist lächerlich oder unberechtigt. Hilfe nötig? Zum Hörer greifen und reden:

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Lust auf noch mehr Tipps, was ihr zu Hause alles machen könnt? Außerdem findet ihr am Blog Tipps dazu, wie ihr online in Kontakt bleiben könnt. Stefanie Jäger von der Helferzone, Polizistin und psychologische Beraterin in Ausbildung unter Supervision, und Dr. Georg Psota, Chefarzt der Psychosozialen Dienste Wien, haben uns noch mehr Tipps für Tage gegeben, an denen alles zu viel wird.

(c) Beitragsbild | Wokandapix | Pixabay

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