So punktest du bei deinen schwangeren Freundinnen

Donnerstag, 24. Januar 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

So punktest du bei deinen schwangeren Freundinnen

Donnerstag, 24. Januar 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Es ist schon bemerkenswert, wie da ein kleiner Mensch in einem anderen Menschen heranwächst. Und gleichzeitig schwer nachvollziehbar, wenn man es selbst nicht am eigenen Leib erlebt hat, das Schwangersein. Unsere Redakteurin hat der Smalltalk mit Bekannten, die ihr das erste Mal erzählt haben, dass sie schwanger sind, schon oft am falschen Fuß erwischt. Wie reagiere ich am besten? Worüber rede ich? Deshalb haben wir hier ein paar Guidelines für euch.

von Viktoria Klimpfinger

UPDATE: März 2020

Mitte bis Ende 20 ist ein seltsames Alter. Man befindet sich irgendwie zwischen den Welten: Die einen bauen Häuser und zeugen Kinder, die anderen googlen im Spritzwein-Rausch lustige Waschbär-Videos. Ich selbst gehöre voller Stolz der zweiten Kategorie an – ich liebe Waschbären. Und Spritzwein. Daher ist es aber auch kaum verwunderlich, dass ich mir etwas schwertue, mich in die erste Kategorie hineinzuversetzen. Sobald die Wörter Kreditrahmen, Fundament oder Ultraschall-Bild fallen, komme ich konversationstechnisch gewaltig ins Schwimmen. Meistens schaffe ich es, einfach nur milde zu lächeln, zu nicken und irgendwann unbemerkt den Raum zu verlassen. Gelingt mir der noble Absprung aber nicht, erwartet man von mir irgendwann einen Beitrag zum Gespräch, der über nervöses Räuspern und gespielt wissendes „Mhm“ hinausgeht. Und dann wird’s unangenehm. Was den Hausbau betrifft, bin ich mittlerweile draufgekommen, dass „ Ah, Häuser. Ich bin in einem Haus aufgewachsen“, nicht unbedingt als wertvoller Gesprächsbeitrag gilt.

Mit einer Freundin bin ich in letzter Zeit des Öfteren auf Freundinnen von ihr getroffen, die ihr überraschend verkündeten, dass sie da was ausbrüten (und wir sprechen hier nicht von einer Grippe). Wieder mal still lächelnd und nickend hatte ich also jede Menge Gelegenheiten zu beobachten, wie meine Freundin, die ebenfalls fötus- und kinderlos ist, sich durch Gesprächsthemen manövriert, die ihr und mir so fern sind wie die dunkle Seite des Mondes. Manches davon war daneben, wie etwa ihre übereifrige Erwähnung des Wortes „Schwangerschaftsdiabetes“. Aber das meiste war doch ziemlich souverän. Deshalb habe ich diese Erlebnisse etwas gefiltert und versorge euch hier mit ein paar Guidelines, mit denen ihr bei euren schwangeren Freundinnen sicher punktet.

Die Neugierde zügeln

Es gibt ja bestimmte Indizien, die den Verdacht nähren, jemandes Gebärmutter bastelt an einem neuen Menschen: Sie trinkt bei der Geburtstagsparty keinen Alkohol, verzichtet auf die sonst so genüsslich inhalierte Party-Tschick und streichelt sich verdächtig oft den Bauch. Was aber natürlich der verlässlichste Hinweis auf einen Uterus in Action ist, ist ein kleines, straff-rundes Bäuchlein. Doch auch, wenn alle Zeichen auf „Baby“ deuten, haltet euch besser zurück und platzt nicht lautstark raus mit: „Oh mein Gott, bist du etwa schwanger?!“

Zum einen ist es Sache der Mutter, die große Neuigkeit selbst zu verkünden, wenn sie so weit ist. Zum anderen könnte man sich mit einer vorschnellen Schwangerschaftsvermutung in ein riesiges Fettnäpfchen setzen. „Nein, das ist bloß mein Foodbaby von den Feiertagen. Bye, Felicia.“ Natürlich ist das bei engen Freundinnen etwas ganz Anderes. Da wird nicht lange gemunkelt und um den heißen Brei gesmalltalkt. Aber bei Bekannten, die einem doch etwas distanzierter gegenüberstehen, ist es besser, erst mal die Neugierde zu zügeln. Wenn die Katze aus dem Sack ist, könnt ihr immer noch ein: „Ich hab’s mir schon gedacht, war mir aber nicht sicher“, nachschießen. Das beweist Sensibilität.

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Schwangerschaft ist kein Influencer-Klischee

Es gibt ja das Klischee, dass Schwangere und junge Eltern über nichts Anderes reden können als über Babys: „Der Jeremy-Pascal hat so ein tolles Bäuerchen gemacht“, oder „Die Estefania-Chantal speibt die Erbsen endlich nicht mehr aus.“ Das mag zwar sicher auf manche zutreffen, aber die verklärte Baby-Blase stülpt sich bei Weitem nicht über alle werdenden Mamas und Papas. Im Gegenteil: Die Schwangeren, mit denen ich bisher über ihre Umstände gesprochen habe, sind alles andere als Babypuder pupsende Kindernärrinnen. Daher bevorzugen manche statt Süßholzraspelei lieber Klartext. Denn obwohl die Schwangeren, mit denen wir gesprochen haben, sich nicht kannten, war der Grundton des Gesprächs derselbe: Schwangersein ist verdammt hart und nicht so zuckersüß und Eitel, Wonne, Sonnenschein, wie es uns Filme und Medien oftmals vorgaukeln.

Nichts mit Influencer-mäßigem, total zufriedenem weil zu sich selbst gefundenem Posieren mit zuversichtlichem Blick in die Ferne. Nein, wo in der medialen Inszenierung die Hände auf dem Babybauch die Finger zum Herz formen, tritt in der Realität ein rabiater Fötus gegen die Bauchdecke. Schlecht ist einem, hier zwickt’s, dort zieht’s. Schön und idyllisch ist anders. Das heißt natürlich nicht, dass Schwangersein per se furchtbar und schrecklich ist. Nein, das heißt nur, dass es für die, deren Körper neun Monate massiv in Anspruch genommen wird, nicht immer ein Zuckerschlecken ist und man das ruhig auch offen ansprechen kann.

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Verzicht und Entbehrungen

Apropos Unannehmlichkeiten: Eine werdende Mama muss ihrem Mini-Me zuliebe auf allerhand verzichten. Dass Tschick und Alk tabu sind, wissen wohl die meisten. Aber damit ist die Liste noch längst nicht voll: Sushi, Weichkäse, weichgekochte Eier, ein blutiges Steak, mehr als eine Tasse Kaffee am Tag – die Liste an Verzichtsprodukten während der Schwangerschaft wird heutzutage immer umfangreicher. Und sie endet nicht beim Essen allein: vom Meiden lauter Clubs und Konzerte übers Fingernägel-Lackieren bis zum Katzenstreicheln gibt es allerhand potenzielle Gefahrenquellen – und den einen oder anderen übervorsichtigen Mythos.

Damit will ich euch jetzt natürlich nicht einreden, dass ihr vor eurer schwangeren Freundin keinen Weichkäse verzehren oder eure Katze nach Narnia verbannen sollt. Aber allein schon zu wissen, mit wie viel Vorschreibungen, Entbehrungen und Panikmachen man als Schwangere heutzutage konfrontiert ist, hilft vielleicht, im Gespräch einfühlsam auf das Thema einzugehen. Und vielleicht nicht unbedingt euer liebstes Sushi-Lokal als Treffpunkt vorzuschlagen.

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Unaufgefordertes Bauchstreicheln

Auch immer ein gutes Thema sind die Reaktionen der anderen Menschen auf die Schwangerschaft eurer Freundin. Denn eins ist ziemlich wahrscheinlich: Irgendjemand hat ihr, sobald das Bäuchlein sichtbar wurde, sicher schon unaufgefordert auf den Bauch gefasst. Schräg, oder? Das ist ähnlich wie das plötzliche Bedürfnis mancher, anderen unwillkürlich durch die Haare zu wuscheln, wenn sie eine neue Frisur haben. Offenbar sinkt die physische Hemmschwelle rapide, sobald jemand seine äußere Erscheinung merklich verändert hat. Und was sollte man auch bitte erfühlen? Das Treten des Babys? Wahrscheinlich. Und creepy. Denn das geht eigentlich bloß die Eltern selbst was an.

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Scheinschwangere Partner

Bei all dem darf man nicht vergessen, dass sich auch für den nicht-schwangeren Part der Beziehung in diesen neun Monaten einiges ändert. Manchen wird aus Sympathie mit ihren schwangeren Partnerinnen gleich mit übel am Morgen, manche nehmen aus unabsichtlicher Solidarität ebenfalls ein paar Kilo zu. Daher kommt’s auch immer gut, nach der babylosen zweiten Hälfte und ihrem wahrscheinlich skurrilen schein-schwangeren Verhalten zu fragen. Abseits davon: Über Partnerinnen und Partner tratscht es sich ohnehin immer gut – egal ob mit gemeinsamem Sprössling im Bauch oder ohne.

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Endlich kennenlernen

Doch jetzt mal all die unangenehmen Nebenwirkungen und skurrilen Begleiterscheinungen beiseite: Wahrscheinlich jede Schwangere freut sich darauf, wenn das kleine Wonnebündel endlich da ist. Endlich kann man es sehen, endlich anfassen, endlich riechen. Wenn alle konversatorischen Stricke reißen, bietet die Ankunft des lang ersehnten Nachwuchs sicher genügend Gesprächsmaterial.

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Ehrlicher Rückzieher

Und manchmal muss man sich vielleicht auch einfach offen eingestehen, dass man keinen Plan hat, wovon man spricht. Meistens hilft es, das offen auszusprechen: „Ich kann da leider kaum mitreden. Kann mir nicht vorstellen, wie das für dich ist.“ Klingt lapidar, ist aber einfach ehrlich. Denn es gibt kaum Krampfigeres, als im Gespräch so zu tun, als wüsste man, was der oder die andere durchmacht, obwohl man es selbst nicht erlebt hat.

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(c) Beitragsbild | Pixabay

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