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Unser Senf: Warum Dates und Essen nicht zusammenpassen

Donnerstag, 25. Juli 2019 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Unser Senf: Warum Dates und Essen nicht zusammenpassen

Donnerstag, 25. Juli 2019 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Weil ein bisschen Würze im Leben nie schaden kann, geben wir euch mit dieser Kolumne regelmäßig unseren Senf dazu: Wir erzählen euch, was uns beschäftigt, was uns nervt und was uns zum hysterischen Lachen bringt. Eure Käsekrainer könnt ihr zwar nicht darin eintunken, aber dafür ist unser Senf auch gratis. Dieses Mal macht sich unsere Redakteurin Gedanken darüber, warum essen gehen beim ersten Date nicht so romantisch ist wie oft gedacht.

von Viktoria Klimpfinger

Wenn wir die Sternstunden unseres Lebens nicht mit Alkohol feiern, feiern wir sie mit Essen. Das ist so, fast überall. Und das ist ja auch wahnsinnig schön: Matura geschafft? Deine Familie lädt dich auf das teuerste Steak auf der Karte ein. Das Uni-Semester überstanden? Deine Studi-Gruppe trifft sich im gediegenen Fisch-Restaurant. Endlich mal geschafft, vor neun Uhr aus dem Bett zu kraxeln? Heute Abend gibt’s Pizza! Wir koppeln Essen also mit unseren emotionalen Höhenflügen und teilen sie so mit unseren Lieben. Bis hierhin: kein Problem. Doch sobald jemand eine Essenseinladung ausspricht, der mir nicht so nahesteht wie Familie, Freunde oder meine Uni-Gang, werde ich nervös. Besonders, wenn ich der Person auch noch meine möglichst beste Seite vor den Latz knallen will und dabei nicht daran denken möchte, dass ich bei den Spaghetti Bolognese vielleicht selbst ein Lätzchen gebraucht hätte. Egal ob Networking oder erstes Date – lädt mich jemand zum Essen ein, vergeht mir der Hunger.

Liebe im Magen

Von wegen: Schön wär’s! Denn sobald ich weiß, dass ich abends auswärts schlemmen werde, stelle ich mich schon den ganzen Tag mental – und gastrisch – darauf ein, dass ich mir am Abend „gönnen werde“, wie die coolen Kids sagen würden. Ich esse also tagsüber eher leicht, nicht etwa, weil ich einen auf schlanke Linie mache, sondern damit am Abend möglichst viel in meinen Magen passt. Eine gute Vorbereitung durch kontinuierliches Vordehnen ist da übrigens der Schlüssel, aber ich schweife ab. Wenn die Vorfreude mich fast schon zu verschlingen droht, durchstöbere ich online schon mal vorab die Speisekarte und wäge meine Favoriten gegeneinander ab. Man merkt schon: Ich pflege eine wirklich ernsthafte, intensive Beziehung zu gutem Essen.

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Wie isst man Nudeln schön?

Blöderweise funken mir soziale Krampfpartien wie Geschäftsessen oder gestelzte erste Dates da gewaltig dazwischen. Denn ausgerechnet, wenn ich einen guten Eindruck hinterlassen möchte, ist der Guster auf Spaghetti Bolognese so groß wie das letzte Mal zu meinem fünften Geburtstag. Also muss ich in solchen Situationen meinen Guster auch noch abwägen mit meiner Unfähigkeit, bestimmte Gerichte visuell ansprechend zu verschlingen. Da fällt dann leider schon mal eine ganze Menge weg. Nudeln? Die purzeln mir meistens aus dem Gesicht wie die Tentakeln von Davie Jones. Burger? Ich kann ihn mir nur entweder sehr unappetitlich ins Gesicht stecken oder mühselig auseinanderschneiden – macht auch keinen Spaß. Suppe? Ja klar, kein Problem – mit Strohhalm. Es ist also gar nicht so einfach, etwas zu finden, das man genüsslich und zugleich den sozialen Standards der Nahrungsaufnahme gemäß verspeisen kann. Oder einfacher: Meistens patze ich mich an.

Ja, ja, das liegt natürlich an mir und gehässige Menschen würden mir jetzt wahrscheinlich sogar einen Mangel an Tischmanieren unterstellen. Sollen sie nur – ich wische mir einstweilen genüsslich die Steaksauce mit dem Handrücken aus dem Gesicht. Aber bei Essensdates geht es ja nicht nur ums Essen allein. Im Gegenteil: Was mir als mampfophiler Person besonders wehtut, ist, dass es ja eigentlich nur in zweiter Konsequenz ums Essen geht. Im Vordergrund steht das Kennenlernen, die lockere Konversation, die natürlich deutlich erschwert wird, wenn eine von beiden ihr Gesicht in Spaghetti Bolognese vergräbt.

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Entweder schweigend kauen oder kauend sprechen

Doch egal, ob ich in Gedanken schon beim Dessert oder tatsächlich bei meinem Gegenüber bin: Eine flüssige Unterhaltung ist kaum möglich, ohne Pausen des peinlichen Schweigens, während man in trauter Eintracht vor sich hin kaut. Gibt es eigentlich etwas Eigenartigeres, als sich dabei auch noch verliebt in die Augen zu sehen? Vielleicht könnte das nur ein zusätzliches schmieriges Zwinkern und vollen Backen toppen.

Deshalb warte ich manchmal ab, bis mein Gegenüber anfängt zu essen, werfe wie ein Ninja so viele Gesprächsbälle wie möglich auf den Tisch und kaue selbst genüsslich weiter, während er versucht, sie aufzufangen und zurückzupassen. Das funktioniert solange gut, bis mir eine Frage ins Gesicht geknallt wird, während ich gerade die Gabel aus dem Mund ziehe. Verdammt. Jetzt möglichst schnell kauen, ein kurzes verschämtes Lachen und deuten auf den vollen, viel zu vollen Mund, neckisches Augenverdrehen – wieso ist dieses Steak nur so verdammt flaksig? Eine halbe Ewigkeit, verkrampfte Gesichtsakrobatik und peinliches Schweigen später kann ich dann endlich erleichtert antworten: „Mhm!“

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Man bringe uns lieber den Spritzwein!

Essengehen mit jemandem, den ich eigentlich von mir beeindrucken oder den ich zumindest nicht in den ersten Minuten vergraulen möchte, ist also meist mit – gesichtsmuskulärem und mentalem – Stress verbunden. Früher habe ich noch hart daran gearbeitet, dieses Mechanismus abzulegen. Aber einige zähe Dates, leere Mägen und viele ähnliche Geschichten von Freundinnen und Freunden später sage ich selbstbewusst und ohne Umschweife: „Wollen wir nicht einfach was trinken gehen?“ Natürlich könnten wir jetzt auch lange über den automatischen Griff zum Alkohol diskutieren, der für viele von uns längst zur Dauerrequisite bei Treffen jeder Art geworden ist. Aber hey: Wenigstens ist es beim Spritzwein nicht möglich, mit vollem Mund zu sprechen. Manieren gehen nun einmal vor.

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Wenn wir schon bei Dates sind: Unsere Redakteurin verweigert Smalltalk – und das hat seinen Grund. Darf’s noch ein bisserl mehr Senf sein? Unsere Redakteurin erzählt euch, warum ihr der Faceapp-Trend langsam unheimlich wird.

(c) Beitragsbild | Pixabay

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