Schnarchen

Unser Senf: Warum man es als Schnarcherin auch nicht immer leicht hat

Donnerstag, 6. Februar 2020 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Unser Senf: Warum man es als Schnarcherin auch nicht immer leicht hat

Donnerstag, 6. Februar 2020 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Weil ein bisschen Würze im Leben nie schaden kann, geben wir euch mit dieser Kolumne regelmäßig unseren Senf dazu: Wir erzählen euch, was uns beschäftigt, was uns nervt und was uns zum hysterischen Lachen bringt. Eure Käsekrainer könnt ihr zwar nicht darin eintunken, aber dafür ist unser Senf auch gratis. Dieses Mal erzählt unsere Redakteurin, warum ihr Schnarchen nicht nur für die anderen eine Bürde ist.

von Viktoria Klimpfinger

Als ich noch im Volksschulalter war, hatten wir auf dem Heimweg vom familiären Skiurlaub eine kleine Autopanne. Irgendwie schien der Motor nicht ganz rund zu laufen. Meine Mutter hielt auf dem Pannenstreifen, untersuchte den Motor – nichts. Sie startete – auch nichts. Also fuhren wir weiter. Eine Zeitlang lief alles wieder wie gewohnt. Und da war es wieder, dieses alarmierende, ungesunde Motorengeräusch. Nur dass es eben nicht aus dem Motor kam, sondern vom Rücksitz. Aus meinem Mund.

Achtung, jetzt wird’s laut!

Ja, ich schnarche. Und mittlerweile habe ich gelernt, das relativ offen zu sagen, sobald sich mit irgendjemandem ein gemeinsamer Urlaub anbahnt. Denn viel zu oft bin ich tiefenentspannt aufgewacht, die Vögel zwitscherten, die Sonne schien, als würde sie nur für mich am Himmel stehen. Und neben mir: eisiges Schweigen. Die matratzenbenachbarten Augenringe hängen bis zum Lattenrost und empört zischt man mir entgegen: „Du schnarchst!“ Meine kleinlaute Entschuldigung, dass das wohl an meiner verengten Nasenscheidewand liegt, lässt man zwar gelten – immerhin kann man anderen anatomische Fehlstellungen ja auch schwer zum Vorwurf machen –, aber besser macht das das Ganze auch nicht unbedingt.

Denn ich weiß ja selbst, wie vehement das Sägegeräusch, mit dem ich nachts ganze Wälder fällen könnte, an den Nerven sagelt. Immerhin bin ich nicht die einzige in meiner Familie mit krummer nasaler Innenausstattung. Wenn wir uns alle zusammen ein Zimmer teilen würden, bräuchte man wahrscheinlich Schallschutzmauern, um nicht im Radius von 100 Metern ganze Wände zu erschüttern. Es gibt wohl nichts, was um drei Uhr Früh mehr an die Substanz geht, als wenn man immer wieder kurz vorm Einnicken hochschnellt, weil neben einem jemand die gutterale Trompete auspackt. Da kann man der friedfertigste Mensch auf Erden sein, die Geräuscheschleuder neben einem noch so sehr lieben – früher oder später erwischt man sich dann doch bei der Überlegung, wie lange man ihr den Polster ins Gesicht drücken müsste, um der Misere ein für alle Mal ein Ende zu setzen.

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Horizontaler Spießrutenlauf

Also habt Nachsicht, liebe Geräuschempfindliche und Normschlafende! Wir Schnarchnasen wissen ja, wie anstrengend wir sind, sobald das Licht ausgeht. Das macht das Ganze auch für uns nicht einfacher, ja sogar zu einem ziemlichen Spießrutenlauf. Immerhin ist es ja auch alles andere als sexy, wenn man etwa zum ersten Mal eine gemeinsame Nacht mit einer neuen Liebe verbringt. Man hat eine schöne Zeit, kuschelt eng umschlungen, hat vielleicht sogar ein bisschen kitschigen Sex und dann – klingt man plötzlich wie das Klischee eines derben, grobgewachsenen Holzfällers nach einem Sixpack Bier. Der Mund weit offen, das Kinn ausgehebelt, einfach nicht besonders ansehnlich. Und laut. Um Himmels willen, wie laut.

Besonders unattraktiv wird es übrigens, wenn man nicht die anderen, sondern sich selbst mit dem eigenen aspirativen Sägen aufweckt. Das ist einem in den meisten Fällen allein schon vor sich selbst irgendwie unangenehm. Richtiggehend peinlich wird es aber erst, wenn das passiert, während man gemeinsam netflixt und chillt und der Partner oder die Partnerin einen entgeistert dabei beobachtet, wie man zuerst genüsslich wegdöst, laut aufschnarcht und dann wie vom Blitz getroffen hochschnellt und sich nach diesem impertinenten Störgeräusch umsieht. Oh, da war ja was.

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Schlaflose Nächte…

Schnarchen ist also alles andere als gesellschaftskonform. Das habe ich inzwischen des Öfteren feststellen müssen dank genervter Kommentare und panischer Blicke, sobald ich vor dem Einschlafen kurz vorwarne, dass es vielleicht gleich etwas lauter werden könnte. Nicht selten ging mein kleiner Schlafmakel sogar einher mit einer gewissen Form sozialer Isolation. Ja, es gibt Menschen, die mittlerweile lieber auf dem harten Boden nächtigen würden, als sich noch einmal mit mir ein Bett zu teilen. Fies. Immerhin kann ich schlichtweg keine Verantwortung dafür übernehmen, was mein Körper anstellt, habe ich ihn erst einmal auf Schlummermodus gestellt.

Würde ich das dröhnende Flattern meiner Atemwege kontrollieren können, bei Hypnos, ich würde es tun. Es ist ja auch nicht so, als hätte ich es nicht schon versucht. Zum Beispiel war ich eine Zeitlang redlich bemüht, das Einschlafen so lange hinauszuzögern, bis mein Nebenan endlich im Traumland herumflaniert. Was man selbst als laute Schläferin allerdings nicht mitbedenkt: Bei leisen Schlaftypen, diesen beneidenswerten Streberkindern, ist es deutlich schwieriger festzustellen, wann sie denn endlich nicht mehr wach sind. Und nickt man dann doch selbst irgendwann notgedrungen ein, reißt es einen sofort wieder hoch, denn: Man könnte ja geschnarcht haben. Das hat mir also schon die eine oder andere schlaflose Nacht beschert, nur um irgendwann empört festzustellen: Meistens sind es gerade die größten Ruhefaschos, die irgendwann selbst mit markerschütterndem Geschnarche loslegen. Und schon dreht sich der Spieß um. Ich weiß, manche würden das jetzt vielleicht ausgleichende Gerechtigkeit nennen.

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…und der Kinngurt

Aber mentale Selbstkontrolle ist noch lange nicht die einzige peinigende Unlösung, mit der ich experimentiert habe. Als meine neue Beziehung noch relativ frisch war, hat mir meine wohlmeinende große Schwester zu Weihnachten etwas geschenkt, womit sie eigentlich meinem Freund etwas Gutes tun wollte, mit dem ultimativen Bonus für große Geschwister, ihre jüngeren Nahverwandten zu piesacken: einen Kinngurt! Böse Zungen würden jetzt wahrscheinlich behaupten: Wer sich zum Schlafen anschnallen muss, sollte wohl auch nicht ohne Helm außer Haus gehen. Jedenfalls schnallt man ihn sich fest um Kiefer und Hinterkopf, damit einem vor lauter Entspannung beim Einschlafen die Kinnlade nicht nach unten fällt, die Zunge nicht nach hinten rutscht und zu flattern beginnt. Das ist genauso logisch wie perfide. Denn zum einen sehe ich, wenn ich mir den Gurt umschnalle, aus wie ein übergewichtiger Hannibal Lecter. Das löst also nicht nur das Problem mit dem gemeinsamen Schlafen – in diesem Aufzug hätte sich wohl ohnehin niemand mehr freiwillig neben mich gelegt –, sondern ist auch noch ein ziemlich zuverlässiges Verhütungsmittel. Zum anderen würde es die Schnarcherei wohl etwas zu effektiv zum Verstummen bringen, bedenkt man, dass ich durch die Nase ja nicht wirklich atmen kann. Ich würde also elendiglich ersticken – und dabei verdammt bescheuert aussehen.

Mit anderen unangenehmen Gimmicks wie Nasenklammern und Ähnlichem will ich gar nicht erst anfangen. Was bleibt mir also übrig? Nicht besonders viel. Lösung habe ich für dieses Problem bislang keine gefunden. Außer vielleicht, präpotent von meinen Mitschlafenden Toleranz einzufordern und sie dazu zu nötigen, doch selbst ein wenig kreativ zu werden, wenn sie doch ach zu überempfindliche zarte Pflänzchen sind. Angriff ist manchmal eben wirklich die beste Verteidigung. Liegt doch nicht an mir, dass diese beschränkten Fantasielosen nicht in der mentalen Lage sind, sich mein herbes Schnarchen zum meditativen Walgesang (oder zumindest den beruhigenden Geräuschen einer gebärenden Seekuh) schönzureden. Ohropax helfen manchmal auch, habe ich mir sagen lassen.

Schnarchen

Beweisfoto: Schnarchgurt (c) Viktoria Klimpfinger | 1000things

Darf’s noch ein bisserl mehr Senf sein? Dann machen wir gleich weiter mit den unerotischen Themen und erzählen euch, warum das gemeinsame Baden für eine unserer Redakteurinnen ein Albtraum ist. Genauso wie Spieleabende übrigens.

(c) Beitragsbild | Alexandra Gorn | Unsplash

(c) Facebookbild | Cris Saur | Unsplash

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