Zusammen baden

Unser Senf: Warum zusammen baden das Unerotischste überhaupt ist

Donnerstag, 17. Januar 2019 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Unser Senf: Warum zusammen baden das Unerotischste überhaupt ist

Donnerstag, 17. Januar 2019 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Weil ein bisschen Würze im Leben nie schaden kann, geben wir euch mit dieser Kolumne regelmäßig unseren Senf dazu: Wir erzählen euch, was uns beschäftigt, was uns nervt und was uns zum hysterischen Lachen bringt. Eure Käsekrainer könnt ihr zwar nicht darin eintunken, aber dafür ist unser Senf auch gratis. Dieses Mal fragt sich unsere Redakteurin, was in aller Welt an einem gemeinsamen Bad mit dem Partner romantisch oder sexy sein soll.

von Viktoria Klimpfinger

“Splish, splash, I am taking a – oh, hallo, du auch hier?” Klingt ziemlich unangenehm, einen zweiten Menschen in der Badewanne vorzufinden, oder? Ist es auch. Finde ich zumindest. Zugegeben: Wenn ein Pärchen zusammen badet, ist das in den allermeisten Fällen vorher dezidiert ausgemacht und nicht Ergebnis eines ziemlich distanzlosen Zufalls. Wie fast alle in meinem Bekanntenkreis habe auch ich es immer wieder mal versucht. Und wie bei den meisten meiner Bekannten ist auch mein Fazit: einfach nein. Natürlich kann man mir da Verklemmtheit unterstellen. Doch wenn prüde sein bedeutet, dass ich bei meiner Körperpflege inklusive ungelenkem, rutschigem und nacktem Ausstieg aus der Badewanne lieber unbeobachtet bleibe, dann ja, dann bin ich definitiv prüde. Die flammenden Zelebrierer der kollektiven Waschung können sich übrigens gerne inzwischen gegenseitig die Achseln schrubben und die Brusthaare zusammenflechten, während ich meinen Senf in ihr Gemeinschaftsbad schmiere.

In Filmen und Serien gilt das gemeinsame Bad zweier Liebender offensichtlich als Gipfel der Paar-Romantik. Wenn Bart und Lisa endlich Ruhe geben, lässt sogar der gelbe Homer seiner Marge ein Bad mit Kerzenlicht und Rosenblüten ein und hüpft gleich mit dazu. Da ist es nur verständlich, dass das Paar-Bad in manchen Köpfen als Sinnbild für Intimität und Zweisamkeit herumschwirrt. Die Romantik-Schinken verkaufen es uns, als hätte es sich Amor persönlich ausgedacht. Mit perfekter Ausleuchtung und Filterung der unvorteilhaften Rutschgeräusche der Badewanne lässt es sich aber auch leicht turteln. Noch dazu erspart die Regie sich und uns selbst die entscheidenden Minuten, die das Paar-Bad von der verklärten Leinwand in die gnadenlose Realität holen: den Ein- und Ausstieg aus der Wanne!

Igel im Wasser

Nackt und nass

Das kann nun wirklich nicht in Amors Sinn sein. Es sei denn, er ist ein mieser Sadist. Denn gibt es etwas Unerotischeres, als pudelnackert in eine gefüllte Badewanne einzusteigen? Höchstens, wenn man sich vorstellt, wie Donald Trump pudelnackert in die Wanne steigt. Angeekelt? Perfekt. Dann sind wir ja jetzt alle auf demselben Level. Wie ich es auch drehe und wende: Mir fällt kein vorteilhafter Move ein, mit dem ich in die Wanne gleiten könnte wie eine Wassernixe. An irgendeinem Punkt baumelt immer irgendetwas, rutscht irgendetwas oder schwappt irgendetwas über. Das hat in keinem Fall etwas von Wassernixe. Dafür aber ganz viel von gestrandetem Hippo-Baby. Süß, ja. Sexy? Das muss jeder selbst entscheiden, ich urteile nicht. (Tue ich doch: nein!)

Noch viel schlimmer als das Einsteigen in die Wanne ist allerdings das Aussteigen. Wie kommt man da wieder raus, ohne ein Stück der eigenen Würde im Badewasser zurückzulassen? Spielen wir das mal kurz durch: Einer macht den Anfang. Er* steht auf. Das trübe Badewasser rinnt laut plätschernd von seinem noch etwas gebückten Körper ab und schwappt zum anderen Partner hinüber. Der erste Partner versucht jetzt, möglichst schnell und leichtfüßig aus der Wanne zu steigen. Immer noch nass, immer noch nackt, muss er dafür früher oder später die Beine zum Ausfallschritt spreizen. Unmittelbar vor der Nase des anderen. Direkt vorm Gesicht. In anderen Situationen ist das ja vielleicht ganz reizvoll. In dieser aber nicht. Denn hier geht es ja immerhin nicht um proaktives Vorspiel, sondern um profane Wannenflucht. Und ist der erste Fuß mal draußen, gerät der aussteigende Partner im schlimmsten Fall sogar ins Rutschen, sucht kurz hilflos nach Halt, bis er sich mit schreckverzerrter Visage und weiterem Baumeln mancher Körperpartien wieder gefangen hat – nass, nackt, beschämt.

Pinguin rutscht aus

In dieser Wanne ist nicht genug Platz für uns beide

Abgesehen vom Ein- und vor allem Ausstieg ist aber auch das Sitzen selbst in der geteilten Wanne denkbar unbequem. Genügend Platz hat man meistens nicht, außer man besitzt ein fünf Quadratmeter großes Whirlpool. Alle, die ihre Monokel nicht mit Diamanten polieren, wissen, was ich meine. Sobald man die beengte Position etwas verändern will, fängt die verdammte Wanne an, ungute Geräusche von sich zu geben. Porzellanflatulenzen. Also sitzt man doch lieber starr und eingekeilt gegenüber, etwas peinlich berührt, mit angespanntem Lächeln.

„Schön hammer’s.“

„Ja…“ Und dann lange nichts. „Schön.“

Was wäre denn auch ein angebrachtes Gesprächsthema für die Badewanne?

Gemeinsames Bad

Badewannen-Sex – wie geht das?

Außerdem stelle ich mir bei all dem die Frage: Worauf soll das Ganze eigentlich hinauslaufen? Soll das verklärte Hollywood-Setting zu Zärtlichkeiten und zu – um Amors Willen! – Sex führen? Und wenn ja: Wie? Okay, vielleicht schafft man es irgendwie, sich über die Anti-Erotik des Wannenein- und -ausstiegs zu retten und es kommt doch zu ein wenig Geknister. Doch während man sich noch verheißungsvoll lächelnd zuzwinkert, streift der eine Fuß auch schon das Genital des anderen. Nicht liebevoll, nicht sexy. Einfach unabsichtlich. Ups, ein Genital. Und schon ist es vorbei mit der Brunft. Und selbst, wenn das ernüchternde Genitalstreifen die Libido noch nicht ganz abgeschaltet hat, übernimmt das spätestens die präkoitale körperliche Annäherung aneinander in der Wanne. Man rutscht, platscht und schnauft aufeinander zu wie geile Flusspferde auf Tabletten. Da haben wir sie wieder, die Hippos. Manche Sex-Profis schaffen es vielleicht tatsächlich, ihre gequälten Körper aufeinander zu hieven und den Hippo mit den zwei Rücken zu machen. Erstmal: Respekt! Und dann: Schwapp, schwapp, Porzellanfurz. Nein, danke.

Vielleicht geht’s beim partnerschaftlichen Gemeinschaftsbad aber auch nicht vorrangig um das leidige „Eine“. Muss sich ja auch nicht immer alles ums Vögeln drehen. Vielleicht geht’s einfach nur ums gemeinsame Chillen im lauwarmen Wasser. Da finde ich allerdings: Entspannter wär’s sicher auf der Couch oder im Bett. Besonders, wenn die Badewanne nicht für Gruppenveranstaltungen ausgerichtet ist. Aber vielleicht spricht bei all dem auch nur der Bade-Rebell aus mir. Denn ich lehne Baden als Hygieneform generell ab. Aus Prinzip. Wie soll man denn da sauber werden, wenn man im eigenen Dreck vor sich hin dümpelt? Nach einem Entspannungsbad muss man ja erst recht wieder duschen. Also springe ich am liebsten gleich unter die Brause. Und das bitte am liebsten auch allein.

New Girl Schmidt

*Der Einfachheit halber spreche ich hier immer von „er“ in Stellvertretung für alle Partner. Gendern ist bei diesem Thema recht einfach, geht’s doch hier vornehmlich ums Baumeln an sich. Und baumeln tut immer irgendwo irgendwas.

Sollen wir euch noch ein paar mehr Dinge schlechtmachen? Dann lasst euch von unserer Redakteurin erzählen, warum sie Gesellschaftsspiele furchtbar findet. Unser Senf ist aber übrigens nicht nur scharf, sondern manchmal auch zuckersüß, zum Beispiel, wenn es um Ansichtskarten geht. 

Facebook-Bild (c) Adolfo Félix / Unsplash

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