Geisterbahnen Wiener Prater Horror Hotel

Die Geisterbahnen im Wiener Prater

Freitag, 30. Oktober 2020 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

Die Geisterbahnen im Wiener Prater

Freitag, 30. Oktober 2020 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

Von Horrorhaus bis Geisterschiff: Die Geisterbahnen im Wiener Prater faszinieren uns und ziehen in ihren Bann. Tretet ein und lasst euch von unserem Guide durch die zahlreichen Geisterbahnen in Wien führen.

von Cornelius Ganter

*Wir wollen euch auch während des zweiten Lockdowns inspirieren und versuchen, unsere Artikel laufend Covid-konform upzudaten. Bitte haltet euch weiterhin an die Maßnahmen. Nur wenn wir jetzt zusammenhalten und aufeinander schauen, können wir möglichst bald wieder all diese Inspiration gemeinsam genießen und zu einem halbwegs normalen Alltag zurückkehren.

Ein Schauer liegt besonders zu dieser Jahreszeit in der Luft: Geisterbahnen sind Kult und fast ebenso sehr in unseren Kindheitserinnerungen verwurzelt, wie der Jahrmarkt selbst. Für manch einen immer wieder ein lustiger Nervenkitzel, für manch anderen ein Kindheitstrauma, das man ganz sicher nicht aufzufrischen gedenkt, wieder andere standen sicher schon unzählige Male vor den mal schaurigen, mal kitschigen, doch stets kultigen Fassaden, haben sich aber noch nie ins innere der Attraktionen getraut. Wer den Horrortrip (einmal mehr) wagen möchte, sollte sich zu diesem Anlass mal wieder einen Besuch im Wiener Prater gönnen. Wir haben uns tapfer durch alle sieben Geisterbahnen gekämpft.
Was wir alles erlebt haben lest ihr hier. Viel Freude beim Durchstöbern!

Old School Geisterbahnen mit Retrocharme

Geisterbahn zum roten Adler

Auftakt macht die Geisterbahn zum roten Adler im Wiener Prater in unserer Auflistrung. Diese Geisterbahn entführt ins finsterste Mittelalter. Hier wird weniger auf Elemente gesetzt, welche die Fahrgästen anspringen, stattdessen fährt man vorbei an verschiedensten kleinen Szenerien am Wegesrand und kann so Hinrichtungen and allerlei andere Gräultaten, dargestellt durch animatronische Puppeninstallationen, bestaunen. Stellenweise würde man sich fast wünschen die Gondel führe ein wenig langsamer, so dass man manch ein Szenario noch eindringlicher bestaunen kann. Eine atmosphärische kleine Geisterbahn mit moderatem Gruselfaktor in der auf typische Jump Scares weitgehend verzichtet wird.

Grusel Halloween Wiener Prater

Hinein ins finsterste Mittelalter (c) Cornelius Ganter

Große Geisterbahn

Die Große Geisterbahn hat tatsächlich eine recht breite Fassade und wirbt damit, die größte, höchste und längste Geisterbahn Europas zu sein. Ganz sicher sind wir uns nicht, ob das entsprechende Schild noch tagesaktuell ist, von außen wirkt die Bahn aber durchaus gewaltig. Im Inneren erwartet einen dann eine klassische, altmodische Geisterbahngestaltung, überwiegend mechanisch bewegte Puppen und die ein oder andere nette Schwarzlicht-Installation. Teilweise würde den Puppen eine Restaurierung eventuell guttun, die große Geisterbahn wirkt insgesamt ein wenig wie ein Relikt. Wer absolutem Retrogeisterbahn-Feeling etwas abgewinnen kann und sich nicht zu sehr gruseln möchte, kann ein Ticket lösen.

Grusel Halloween Wiener Prater

(c) Cornelius Ganter

Geisterschloss

Das Gesiterschloss ist genau die Art von Geisterbahn, die man aus seiner Kindheit vom Jahrmarkt kennt und liefert im Inneren so ziemlich das, was die Fassade verspricht: Typische Geisterbahnpuppen, die einem auch gerne mal entgegenspringen oder fallen, eine schaurige Geräuschkulisse und so manchen Jump Scare, von denen mindestens zwei auch ganz gut sitzen. Manche der Schreckgestalten sehen hier wirklich garstig aus, an vereinzelten Stellen könnten die Puppen oder die Lichtstimmung eventuell eine kleine Überarbeitung vertragen. Nichtsdestotrotz ist das Geisterschloss unter den Old School Geisterbahnen wohl die unheimlichste Attraktion mit den effektivsten Schockern.

Grusel Halloween Wiener Prater

Jump Scares und Geisterpuppen: hier kommt alles zusammen (c) Cornelius Ganter

Die Sonderlinge

Jack the Ripper

Das Jack the Ripper Haus ist eine der berüchtigtsten Prater-Attraktionen und die einzig fixe Horror-Installation, die komplett zu Fuß durchschritten werden muss. Traut ihr euch?
Im ersten Teil durchwandert man ein kulissenhaftes Gewölbe, in dem man immer wieder an Schaukästen vorbeikommt, in deren inneren animatronische Puppen ganze Szenen darstellen. Es lohnt sich, sich hier ausreichend Zeit zu nehmen. Viele der Szenen pausieren, ehe sie von neuem beginnen, und wer zu schnell geht, läuft Gefahr, etwas von der liebevoll gestalteten Schauermär zu verpassen. Im Vergleich zu den Gondelgeisterbahnen ist es sehr erfrischend, endlich einmal die Zeit zu haben, sich alles so genau anschauen zu können, wie man möchte. Gleichzeitig geht diese Ruhe aber natürlich auch etwas auf Kosten des Gruselfaktors, da man hier leider besonders gut sieht, an welchen Stellen das Interieur schon etwas in die Jahre gekommen ist. Dennoch ist das Jack the Ripper Haus durchgehend atmosphärisch. Gegen Ende warten dann noch einige sehr gelungene Überraschungen auch die Besucher, denn den größten Spaß machen hier die kleinen, sehr effektvollen Fahrgeschäfte im Fahrgeschäft, in denen man sich unverhofft wiederfindet. Zumindest, wenn man keine Angst vor Fahrstühlen hat.

Geisterbahnen Wiener Prater Jack the rippr

Nicht nur zu Halloween schön schaurig: Die Geisterbahn Jack the Ripper (c) Cornelius Ganter

Carn Evil Fun House – Horrorclowns VR

Diese Virtual Reality Geisterbahn lockt mit einer ebenso aufwendigen wie schaurigen Fassade. Alles, was es im Inneren zu sehen gibt, ist virtuell, aber dadurch nicht minder unheimlich: Eher im Gegenteil. Ausgestattet mit Kopfhörern und einer VR-Brille fährt man mit einer Gondel in den Zirkus des Schreckens, die Bewegung ist echt, die audiovisuelle Komponente kommt komplett über das VR-Setup. Auch hier erlebt man keine zusammenhängende Geschichte, sondern eine Aneinanderreihung einzelner Szenen, die durch das Horrorclown-Motiv miteinander verknüpft sind. Mit fortschreitender Dauer wird das Geschehen immer morbider, bis es in einem gelungenen und mitreißenden Finale mündet. Durch die Möglichkeiten der VR-Technologie sind die Schauwerte entsprechend üppiger, als sie durch Puppeninstallationen darstellbar wären. Insbesondere die Tiefe und Großflächigkeit der einzelnen Sequenzen wären mit klassischen Mitteln kaum umsetzbar, die immensen Möglichkeiten einer virtuellen Realität für eine Geisterbahn zu nutzen, erweist sich als sehr lohnend. Uns schien das Potential der Technologie zwar nicht gänzlich ausgereizt, eindrucksvoll und unheimlich ist diese ungewöhnliche Erfahrung jedoch allemal.

Horror Clown Geisterbahnen Wiener Prater

Clowns wohin das Auge blick. (c) Cornelius Ganter

Die Toilette neben den Horrorclowns

Das Toilettenhäuschen, das vielversprechend in die Außenkulisse der Horrorclown-Bahn integriert ist, war wohl kaum als Attraktion konzipiert, hat aber seinen ganz eigenen Charm. Die 50 Cent Eintritt lohnen sich schon fast alleine für die absolut entsetzlich quietschendste Toilettentür, die wir jemals hören mussten. Dieser Ort wird wohl vom Geist des verstorbenen Wes Craven [Anm. d. Red.: Wesley Earl „Wes“ Craven war ein US-amerikanischer Filmregisseur, Drehbuchautor, Produzent und Schauspieler, der vor allem durch Horrorfilme wie Nightmare on Elm Street, Hügel der blutigen Augen und Scream bekannt wurde.] heimgesucht, der sein Requisit zurückhaben möchte.

WC Horror Clown Geisterbahnen Wiener Prater

Ein skurriles Klo im Prater? Hier haben wir es gefunden. (c) Cornelius Ganter

Unsere Highlights

Hotel Psycho

Diese Attraktion überzeugt, lockt und verängstigt bereits von außen. Die bösartig animierten Fake-Gemälde verheißen bereits einen gewissen technischen Aufwand, aus einigen Lautsprechern tönt das berüchtigte Filmmusikstück Hello Zepp aus dem Soundtrack zu Saw. Die Köder versprechen nicht zu viel. Hotel Psycho täuscht zu Beginn noch eine gut gemachte Old School Geisterbahn vor, bis dann nach und nach die harten Geschütze aufgefahren werden. Viele Effekte arbeiten auch hier mit Puppen, in diesen steckt jedoch eine atemberaubende Animatronik. Die Beweglichkeit der Figuren und deren motorische Möglichkeiten sind enorm. Viele der wirklich grässlich entstellten Monster sehen in der kongenialen Lichtinstallation verstörend echt aus, können die Gondeln zum Teil über mehrere Meter verfolgen und kommen gerade nicht nahe genug an einen heran, dass man sie in einem Panik-Anfall versehentlich schlägt. Hier kommen aber auch andere Technologien wie (sehr drastische) Videoanimationen hinter Fakefenstern zum Einsatz, die Gondeln werden teilweise gekippt, fahren seitwärts, rückwärts, die Lichter gehen immer im perfekten Moment an oder aus. Dank diesem sehr durchdachten und perfiden Einsatz von An- oder Abwesenheit von Licht sitzen die Jump Scares, die einem hier im Sekundentakt um die Ohren gehauen werden, ordentlich. Neben stroboskopischen Lichteffekten tut dann die  laute und extrem unheimliche Soundkulisse ihr Übriges, um einen Stresspegel und eine Horrorintensität zu erzeugen, der kaum einer Geisterbahn gelingt. Wer an Horrorattraktionen in erster Linie den Anspruch stellt, sich nach allen Regeln der Kunst fertig machen zu lassen, sollte unbedingt im Hotel Psycho einchecken. Diese spektakuläre Geisterbahn ist nicht nur der krasseste Schocker im Prater, sondern generell die härteste Gondelgeisterbahn, in der wir je gesessen sind. Laut Aushang ist dieses Erlebnis für Kinder ab 12 Jahren freigegeben – wir wissen nicht, was für Zwölfjährige hier als Referenz gedient haben – wir haben jedenfalls Angst vor diesen Kindern.

Geisterbahnen Wiener Prater Horror Hotel

Hotel Psycho verspricht nicht zu viel: Es wird heftig! (c) Cornelius Ganter

Skull Rock – Fluch der Piraten

Geht man in die richtige Richtung, hat man gerade den Hello Zepp Schallradius von Hotel Psycho verlassen, da lockt Skull Rock schon mit dem ebenso ikonischen Soundtrack aus Fluch der Karibik. Skull Rock sieht zwar von außen nicht ganz so spektakulär aus wie der Nachbar, steht diesem in Inneren jedoch in nichts nach. Wir begeben uns hier auf eine Schatzsuche auf einem verfluchten Piratenschiff, allerlei Schreckgespenster, mit denen man an solch einem Ort rechnen muss, treiben ihr Unwesen. Skull Rock ist eine enorm aufwendige und liebevoll gestaltete Gruselattraktion, in der ein mit Hotel Psycho vergleichbarer, technischer Aufwand steckt, die jedoch noch mehr auf Schauwerte, dafür deutlich weniger auf Horrorintensität setzt. Aufwendige Video- und Lichtinstallationen lassen einen Hochseegewitter und Unter-Wasser-Szenarien erleben, man wird von Zombiepiraten angegriffen und mit Kanonen beschossen. Das deutlich an Fluch der Karibik angelehnte Konzept ist dabei so gut uns konsequent durchgezogen, dass man sich auf dem Piratenschiff stellenweise räumlich orientieren kann, und in die ungewöhnlich lange Fahrt mit ein wenig Fantasie sogar einen kleinen Handlungsverlauf interpretieren kann. Die Stimmung ist wirkungsvoll unheimlich, kommt jedoch bei weitem nicht an Hotel Psycho heran. Skull Rock hat das aber auch gar nicht nötig. Der durchdachte Ablauf der Szenarien, die großartigen Kulissen und ein unerwartetes Finale machen diese Piratengeisterbahn zwar nicht zur extremsten, aber definitiv zur stilvollsten und vergnüglichsten Gruselattraktion im Prater.

Horror Halloween

Achtung, vor Zombiepiraten wird gewarnt! (c) Cornelius Ganter

Ihr möchtet euch noch mehr erschrecken in Wien? Dann haben wir hier für euch die gruseligsten Orte in Wien. Kennt ihr außerdem schon das Wiener Kriminalmuseum? Haarsträubende Geschichten und allerlei Skurriles und Wissenswertes erwartet euch.

(c) Beitragsbild | Cornelius Ganter
(c) Facebook-Beitragsbild | Cornelius Ganter

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