Die stillsten Orte in Österreich

Mittwoch, 24. April 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Die stillsten Orte in Österreich

Mittwoch, 24. April 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Der 24. April 2019 ist der 22. internationale Tage gegen Lärm, oder auch: International Noise Awareness Day. Es geht darum, auf Ursachen und Auswirkungen von Lärm aufmerksam zu machen, um die Lebensqualität zu verbessern. Da machen wir doch glatt mit und verraten euch, an welchen Orten in Österreich ihr am besten zur Ruhe kommt.

von Viktoria Klimpfinger

Pssst! A Ruah‘ is‘! Mund zu, es zieht! Manchmal brauchen wir eben einfach unsere Ruhe. Besonders nach einem hektischen Tag in Wien zwischen Touristenknödeln und Straßenlärm wäre nichts schöner als einfach mal komplette Stille. Doch wie so oft gilt auch hier: Sei vorsichtig mit deinen Wünschen! Würde dieser Wunsch nämlich in Erfüllung gehen, hätte das ziemlich verstörende Konsequenzen: Wer länger als eine halbe Stunde in einem völlig schalldichten Raum verbringt, beginnt Dinge zu hören, die nicht da sind. Die absolute Stille wäre also weder erholsam noch erstrebenswert. Deshalb haben wir stattdessen lieber nach ein paar Orten in Österreich gesucht, an denen nicht komplettes Audiovakuum herrscht, aber wenigstens natürliche Ruhe oder zumindest ein bisschen Entschleunigung.

Stille Nacht, heilige Nacht

Irgendwie scheint es paradox, dass ausgerechnet die Stille einen eigenen Soundtrack besitzt. „Stille Nacht, Heilige Nacht, alles schläft“ – zum ersten Mal wurde das berühmteste Weihnachtslied der Welt im Jahr 1818 von seinen Schöpfern Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr in der St.-Nikolaus-Kirche im Salzburger Oberndorf aufgeführt. An ihrer Stelle steht heute die Stille-Nacht-Kapelle, die täglich von 8.30 bis 18 Uhr geöffnet hat und vor allem im Advent beliebter Pilgerort für Weihnachtstouristen ist. Für ein Stille-Erlebnis, das nicht nur dem Namen der Kapelle geschuldet ist, empfehlen wir daher einen Ausflug abseits der winterlichen Hauptsaison. Wobei das Bild der eingeschneiten, beleuchteten Kapelle in klarer Winternacht an sich schon nach besinnlicher Stille schreit.

Schweigende Bücherwürmer

„Pssscht! Ruhe bitte!“, gefolgt von einem mahnenden Blick zwischen gekräuselten Augenbrauen und etwas herabgesunkener Brille. Das Bild kommt euch wahrscheinlich bekannt vor, ist es doch das klassische Bibliotheksangestellten-Stereotyp. Mit Stereo wollen wir auf der Suche nach der Ruhe bitte nichts zu tun haben. Aber Bibliotheken hat Österreich einige eindrucksvolle im Angebot. Besonders prächtig umschließt euch die konzentrierte Stille etwa im Augustinerlesesaal, der die Sammlung von Handschriften und alten Drucken der Österreichischen Nationalbibliothek beheimatet. Hier könnt ihr etwa Schriften für eure Diplomarbeit vorbestellen, euch im Freihandbereich in Sekundärliteratur verlieren oder – weniger wissenschaftlich – mit leicht geöffnetem Mund an die Decke starren und das beeindruckende Fresko von Johann Baptist Wenzel Bergl aus dem Jahr 1773 bewundern.

Habt ihr euch am Augustinerlesesaal sattgesehen und vollgestaunt, verlagert ihr eure meditative Bibliothekstour am besten in die größte Klosterbibliothek der Welt im Stift Admont. Nicht nur die gigantische Sammlung an geballtem Wissen, das hier gehütet wird, schlägt euch gegen die Kinnlade. Das spätbarocke Ambiente der Bibliothek ist allein schon durch seine Fresken, Skulpturen und architektonischen Charakteristika ein Ehrfurcht gebietendes Highlight.

Grand Canyon à la Österreich

Angeblich ist der Grand Canyon in den USA einer der stillsten Orte der Welt. Schade, dass Österreich nichts Vergleichbares zu bieten hat, oder? Oder? Von wegen! Österreich hat seine eigene Version der felsigen, Ruhe gebietenden Schlucht: die Ötschergräben! Schmale Wege führen durch tiefe Schluchten und am Wasser entlang. Die Wandertour durch den österreichischen Grand Canyon wurde 2011 zur schönsten Tour Osterreichs gewählt. Und nicht nur das: Umgeben von so viel Natur ist euch ein wenig Ruhe sicher – auch, wenn der Ötscherbach neben euch tost. Oder vielleicht gerade deshalb. Denn natürliche Ruhe darf auch mal laut sein. Von 1. November bis 30. April gilt für die Ötschergräben übrigens Wintersperre.

Wüste mal anders

Auch in der Wüste soll es ja ziemlich ruhig sein. Fast schon beunruhigend still. Über Kilometer nur Sand und Hitze und die eine oder andere Fata Morgana. Mal ehrlich: In der echten Wüste würden wir uns hilflos verlaufen. Zum Glück hat Österreich auch davon seine eigene Version: die Mannersdorfer Wüste. Okay, zugegeben: Sand sucht ihr hier vergeblich. Und auch Fata Morganen halluziniert ihr nicht vorbei, es sei denn, ihr nascht mitgebrachte Schwammerln. Die österreichische Wüstenalternative ist nämlich statt ausgetrocknet und verdörrt beständig am üppigen Gedeihen – besonders im Frühling. In diesem weitläufigen Naturpark am Westhang des Leithagebirges habt ihr genügend Platz, um euch auf die Suche nach euch selbst zu machen. Und das noch dazu in bester weil nicht-smalltalkender Begleitung: Eine vielfältige Tierwelt belebt die Wüste Mannersdorf, und auch die buntgemischte Flora kann sich sehen lassen.

Die Bezeichnung des Gebiets als Wüste spricht übrigens deutlich für die ruhevolle Atmosphäre: Im Volksmund hat sich über die Jahre die ungenaue Übersetzung des griechischen Worts „eremos“ für Einsiedelei, Wüste, Einöde durchgesetzt. Wenn euch der Sinn doch ein wenig nach menschlichen Spuren steht, pflastern Ruinen den Weg. Zentrum ist das ehemalige Karmeliterkloster St. Anna, das heute gerne als Veranstaltungsort genutzt wird.

Unbelärmter Urwald

Ich glaub‘, ich steh‘ im Wald – im Urwald! Zirp-zirp, zirp-zirp. Nein, die Grillen zirpen hier nicht wegen unseres unlustigen Jokes, sondern spielen Solisten für die Ruhe, die ihr im letzten echten Urwald Mitteleuropas sicher findet. Gut, dass der in Österreich liegt: Im Wildnisgebiet Dürrenstein liegt der geheimnisvolle Rothwald, dessen vier Quadratkilometer als eines der letzten Stückchen Wald komplett naturbelassen sind. Seit nahezu 12 000 Jahren gedeiht die Flora hier in ihrer ursprünglichen Form, das Ökosystem ist frei von menschlichen Eingriffen. Daher gibt es auch nur wenige markierte Wanderwege, die ihr ohne Guide betreten dürft. Ideal also, um dem Gewurdel der Stadt und dem Geschnatter des Alltags zu entkommen und in aller Ruhe mal tief durchzuatmen.

Weltkulturerbe Urwald Dürrenstein

Reif für die Insel

Wahrscheinlich ist es nirgends so einsam wie auf einer einsamen Insel. Obwohl wir gerne mal im Scherz behaupten, „eine Insel zu sein“, suchen wir hier aber nicht nach Stille aus Einsamkeit, sondern nach selbstgewählter Ruhe. Daher retten wir uns auch nicht nach einem Schiffbruch auf eine verschollene Insel mitten im Ozean, sondern verzupfen uns stattdessen lieber auf die Kapuzinerinsel im Wörthersee. Sie ist zwar unbewohnt, wird aber im Sommer gerne von Badegästen mit Mietbooten angesteuert. Doch Vorsicht: Auf beiden Seiten der Insel ziehen sich Sandbänke ins Wasser. Habt ihr hier sicher und idealerweise außerhalb der Haupt-Badesaison angelegt, ist euch ein bisschen Einsame-Insel-Feeling sicher.

Bergwelt weit ab vom Schuss

„In die Berg‘ bin i gern!“ Genauso wie gefühlt 100 000 andere Bergkraxelnde. Zwar befällt uns eine tiefe Ruhe, wenn wir von einem Berggipfel hinab ins Tal schauen. Die wird aber oft abrupt von lärmenden Touristengruppen oder unabsichtlich ins Kreuz pieksenden Selfie-Sticks gebrochen. Statt in ausgetretenen Trampelpfaden auf den Spuren von zig anderen Höhenlover zu wandeln, suchen wir uns daher lieber weniger erschlossene Bergwelten. Wie etwa die Villgratner Berge im Süden der Hohen Tauern. Hier gibt es weder besondere Attraktionen, volle Berghütten noch übermäßig viele Seilbahnen oder Straßen. Bloß weitläufige Landschaft und ein paar unberührte, idyllische Bergseen – ideal also für eine ruhige Wanderung abseits von Freizeitstress-Domizilen.

Stilles Mahnmal Zwentendorf

Schweigen kann nicht nur beruhigend oder gar reinigend sein, sondern auch ein Symptom der Betroffenheit. Und das ist manchmal ungeheuer wichtig, weil wir dadurch Lehren ziehen können. Eine eigenartig bedrückende Stille hält etwa das AKW Zwentendorf in seinen Mauern gefangen. Hier hallt Geschichte nach, die nie zum Einsatz kam: Es ist das einzige Kernkraftwerk der Welt, das zwar fertig gebaut wurde, aber nie in Betrieb genommen wurde. 1978 entschied sich das österreichische Volk dagegen. Heute ist es möglich, mit Führungen die Räumlichkeiten und Instrumente zu besichtigen, die in typengleichen Atomkraftwerken weltweit verwendet werden.

Reaktor Zwentendorf

Blick von oben in den Reaktor. (c) 1000things Redaktion / Viktoria Klimpfinger

Schweigende Wohlfühloase

Ihr wollt euch von der Stille weniger bedrücken, sondern vielmehr berücken lassen? Dann lieber ab in die Therme. Aber natürlich nicht in eine x-beliebige, in der schreiende Kinder vom Beckenrand köpfeln und sich urlaubsüberspannte Pärchen hartnäckig auf ihren Liegen streiten. Nein, für das umfassende Schweige-Retreat bucht ihr euch am besten im SILENT SPA der Therme Laa ein. Dieses Premium Day Spa ist erst ab 16 Jahren zugänglich und bügelt eure verkrampften Nerven mit purer Entspannung glatt. Architektur, Licht und Düfte bringen euch in Relax-Modus, während das einzige Plappern, das ihr hier hört, das Plätschern des warmen Thermalwassers ist. Herrlich! Und jetzt: Ruhe bitte!

Stille braucht ihr nicht, dafür eure tägliche Dosis Sonnenstrahlen? Wir verraten euch, wo ihr in Österreich am besten sonnenbaden könnt. Was es sonst noch so zu erleben gibt, schlagt ihr am besten bei unseren To Do’s nach.

(c) Beitragsbild | Jelleke Vanooteghem | Unsplash

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