Unser Senf: Warum Halloween für mich eine einzige Enttäuschung ist

Donnerstag, 25. Oktober 2018 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Unser Senf: Warum Halloween für mich eine einzige Enttäuschung ist

Donnerstag, 25. Oktober 2018 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Weil ein bisschen Würze im Leben nie schaden kann, geben wir euch mit dieser Kolumne regelmäßig unseren Senf dazu: Wir erzählen euch, was uns beschäftigt, was uns nervt und was uns zum hysterischen Lachen bringt. Eure Käsekrainer könnt ihr zwar nicht darin eintunken, aber dafür ist unser Senf auch gratis. Dieses Mal erzählt unsere Redakteurin, warum Halloween sie immer wieder aufs Neue enttäuscht.

von Viktoria Klimpfinger

Am 31. Oktober geht sie wieder los, die Gruselei. Ich habe es allerdings schon längst aufgegeben, mich mitzugruseln. Denn meine bisherigen Halloween-Anläufe waren leider nicht einmal halb so spaßig, wie es uns die Merchandise-Industrie weismachen will. Denn jetzt mal ehrlich: Meistens ist das Ganze doch nur ein willkommener Anlass, sich zur Abwechslung mal in Verkleidung die Kante zu geben. Aber hey: Im Gegensatz zur Trachten-Montur am Oktoberfest könnte man zu Halloween sogar behaupten, dass der Mageninhalt zum Kostüm gehört, der einem im Vollrausch unfreiwillig wieder hochgekommen ist.

Abseits der zwanghaften kollektiven Vernichtung, bin ich ja eigentlich schon ein kleiner Grusel-Fan. Zumindest hat es was seltsam Gemütliches, sich gemeinsam mit der Gang vor den Fernseher zu knotzen und einen Horrorstreifen laufen zu lassen, über den man sich entweder quietschend gruselt oder wiehernd lustig macht. (Mal ehrlich: Wie kann es sein, dass Michael Myers so superlangsam geht und seine Opfer trotzdem hinter der nächsten Ecke überrascht?) Aber alles an Halloween, was über Horrorfilmabende hinausgeht, war für mich bisher eine grandiose Enttäuschung.

1. Süßes sonst gibt’s – gar nichts

Als Kind hat mich an Halloween natürlich vor allem die Idee fasziniert, kostümiert von Haus zu Haus zu ziehen und Fremde um ihre Süßigkeiten zu erleichtern. Die Ami-Filme reden uns ja immerhin erfolgreich ein, dass sich alle Erwachsenen über niedlich verkleidete Kids freuen, die nach Einbruch der Dunkelheit an ihrer Tür läuten. Ein Tipp aus eigener Erfahrung: Don’t fall for that!

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Nach langem Hin und Her hatte ich meine Mutter schließlich so weit, mich mit meinen Volkschulfreunden und einer erwachsenen Begleitperson um die Häuser in unserer Einfamilienhaussiedlung ziehen zu lassen. Vielleicht lag es daran, dass der Trick-or-Treat-Brauch damals in unseren Breiten noch nicht wirklich bekannt war. Vielleicht lag es auch daran, dass keiner unserer Zielpersonen so recht ausmachen konnte, welche Horrorfigur ich unter meinem weißen Leintuch darstellen wollte. (Einen Geist natürlich, duh.)

Halloween

© Patrick Tomasso / Unsplash

Jedenfalls war die Ausbeute am Ende des Abends alles andere als das, was wir uns erwartet hatten. Während die Kinder in den Filmen am Ende ihrer Umzüge ihre prallgefüllten Sackerln leeren und in Süßigkeiten baden, hatten wir in sinful Simmering Mühe, überhaupt welche zu ergattern. Von kongenialen Abfuhren wie „I bin net daham“ bis zu Auswüchsen an Schlagfertigkeit auf unseren „Süßes sonst gibt’s Saures“- Sing-Sang wie „Ich nehm’ lieber Saures, danke“ lehrte uns dieser Abend zumindest eines: den Umgang mit schonungsloser sozialer Ablehnung. Gut für die Zukunft, schmerzhaft fürs Ego.

Dafür, dass die meisten Österreicher back in the 90ies nicht auf Halloween-Hausierer vorbereitet waren, haben wir am Ende des Abends aber doch das eine oder andere Schmankerl abgestaubt. Dass Malzzuckerln nicht unbedingt der mundbefeuchtende Traum eines jeden Kindes sind, sei jetzt mal dahingestellt. Als dann in den Folgejahren Berichte von Rasierklingen oder Gift in Halloween-Süßigkeiten aufkamen, war das Thema Trick or Treat für mich dank meiner Mutter aber sowieso gegessen. Oder eben nicht. Haha.

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2. Snacks zum Grausen

Was in Halloween-Filmen auch immer wie eine gute Idee aussieht, in echt aber meistens schrecklich danebengeht, sind Halloween-Snacks. Nachdem Trick or Treat für mich gestorben war, versuchte ich mich in den Folgejahren immer wieder an Häppchen, die zwar gruselig aussehen, aber köstlich schmecken. Allerdings wirkten meine Versuche nicht ästhetisch-gruselig, sondern irgendwie grauslich-gruselig.

Nie sahen die Frankfurter mit Mandeln als Fingernägel und Ketchup als Blut aus wie abgeschnittene Finger, sondern eben einfach wie Würstchen mit Ketchup, auf denen man unabsichtlich ein paar Nüsse verteilt hat. Von Spinnen aus Zuckerguss oder kulinarisch nachempfundenen Augäpfeln brauchen wir gar nicht erst anfangen. Diesen Skill-Level der Grusel-Cuisine werde ich wohl nie erreichen. Und habt ihr schon mal versucht, einen Totenschädel aus Keksteig zu modellieren? Ich schon. Just don’t.

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3. Kürbisse verstümmeln

Ähnliche Massaker-Flashbacks löst übrigens das Kürbisschnitzen bei mir aus. Ich habe quasi Generationen von unschuldigen Kürbissen auf dem Gewissen, denen ich zuerst mit meinem Messer das Leben geschenkt und es ihnen gleich darauf mit einem unüberlegten Schnitt wieder genommen habe. Wäre ich Gott, hätte ich wahrscheinlich auch Adam mit seiner Rippe erdolcht. In sämtlichen Filmen und Tutorials, ja sogar in den Instagram-Stories meiner Freunde, sieht das Kürbisaushöhlen und –massakrieren immer unglaublich einfach und spaßig aus. Ist es aber nicht. Zumindest nicht für mich. Die Misere fängt ja schon beim Aushöhlen an: Mit einem stumpfen Löffel die Innereien aus einem Kürbis zu schaufeln, der bald darauf ein Gesicht besitzen wird, ist irgendwie barbarisch. Und verdammt anstrengend. Und eine Riesensauerei.

Doch richtig ungustiös wurde es erst, sobald es ans Schnitzen ging. Nicht einmal die einfachsten Gesichtszüge bekam ich hin: Dreiecksaugen wurden zu schrägen, ungleichmäßigen Löchern, der gezackte Mund sah eher aus, als hätte jemand mit der Faust auf das Kürbisgesicht eingeboxt und die Nase – welche Nase? Als mein Kürbis-Gesichtsgulasch eine Woche nach Halloween dann endlich elendiglich vor der Haustür verrottet war, empfanden wir das beide als Erlösung, der Kürbis und ich. Jetzt lebt er weiter als Kompost. Aber jede einzelne Fratze, die ich verunstaltet habe, hat sich in mein Herz geritzt. Autsch.

4. Kostüm-Fails

Apropos verunstaltete Fratzen: Das mit der Verkleidung ist für mich auch so ein Unding. Auch hier blasen sich meine Erwartungen an mich und meine künstlerischen Fähigkeiten immer über die Realität hinaus auf – und ich crashe mit viel zu viel Kunstblut im Gesicht und aufgemalten Narben, die eher wie die Zentimeterangaben auf dem Lineal aussehen, auf den Boden der Tatsachen zurück. Kein Youtube-Tutorial hilft, keine noch so minutiöse Anleitung auf der Kostümverpackung: Mein Gruselfaktor ist und bleibt die Unbeholfenheit meiner Verkleidung – ich schockiere mit Pfuscherei.

Und weil ich meistens ohnehin viel zu spät dran bin mit meinen Vorbereitungen, bleibt mir dann doch wieder nur das Faschingskostüm vom letzten Jahr, das ich mit ein bisschen Kunstblut aufpeppe. Oder ich schmiere mir ein paar Farben aus der Camouflage-Palette ins Gesicht und behaupte wieder, ich bin ein Zombie. Oder ein angepisster Pirat:

Halloween Enttäuschung

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5. Party-Zombies

Und damit die Enttäuschung komplett ist: Am besten mit einem furchtbar unfurchtbaren Kostüm ab zur obligatorischen Halloween-Party. Wir haben sie alle, die eine Person im Freundeskreis, die schon drei Wochen vor dem 31. Oktober fragt: „Und? Was machen wir zu Halloween?“ Meistens zucken alle mit den Schultern und lassen sich dann doch zu irgendeiner Massenparty in irgendeinem übervollen Club überreden. Keine gute Idee. Besonders im Last-Minute-Zombie-Kostüm und mit verunstaltetem Kürbis in der Hand. Andererseits ist es bei diesen Partys doch ehrlicher Weise ziemlich egal, wie perfekt gezogen die Kunstnarben im Gesicht sitzen. Den meisten geht’s doch bloß um einen gepflegten Rausch. Dann wird’s auch gruselig, aber ähnlich grauslich-gruselig wie meine Frankfurter mit Mandel-Fingernägeln.

Es ist schon erstaunlich, dass die alkoholischen Hemmungen rapide fallen, sobald es einen Vorwand gibt: Oktoberfest, Silvester, Halloween – und für Westösterreich auch Pfingsten in Lignano. Mit ein paar Promille wär’s sogar egal, wenn man die Anlässe verwechselt und versehentlich als Zombie im Dirndl zur Silvesterfeier wankt. Hauptsache paniert, dann ist alles blunz’n.

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Aber ich lasse mich dieses Jahr nicht schon wieder von einem Werwolf anheulen, bei dem mir nicht ganz klar ist, wie viel seines Haarwuchers wirklich zum Kostüm gehört. Nicht schon wieder wird mir ein verschmierter Joker vor die Füße reihern. Und von keinem Vampir mit Plastik-Zähnen lasse ich mir ins Gesicht hauchen, dass es mir vor lauter Fahne die Augenbrauen kräuselt: „Darf ich dir ein bisschen Blut abnehmen?“ Zu viele Enttäuschungen haben mich das Gruseln vor dem Gruseln gelehrt. Also läuft es wohl doch wieder darauf hinaus, sich von ein paar mittelmäßigen Horrorfilmen enttäuschen zu lassen. Denn wenn die enttäuschen, gibt’s wenigstens etwas zu lachen.

Worst Halloween Movies Compilations

Ihr wollt mehr von unserem Senf? Dann lest euch durch, warum für mich das Sitzen in den Öffis sozialer Leistungsdruck ist. Lieber doch ein paar Kostüm-Inspirationen? Die findet ihr am Blog. 

Beitragsbild © Paula Smith / Unsplash

Facebook-Bild © https://www.instagram.com/sundaymary_/

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