Gabenzaun

Wie du obdachlose Menschen momentan unterstützen kannst

Donnerstag, 26. März 2020 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Wie du obdachlose Menschen momentan unterstützen kannst

Donnerstag, 26. März 2020 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

In Deutschland hängen immer mehr Menschen ihre Spenden für Obdachlose und Armutsgefährdete an Gabenzäune. Wäre das auch in Österreich eine Option? Und wie können wir sonst noch helfen?

von Viktoria Klimpfinger

Momentan gibt es die, die zu Hause bleiben können, und die, die es nicht können. Etwa, weil sie weiterhin arbeiten gehen müssen, um das System am Laufen zu halten, oder aber, weil sie kein Zuhause haben. Die momentan notwendigen Ausgangsbeschränkungen treffen obdachlose und armutsgefährdete Menschen besonders hart. Wie ist helfen trotz Social Distancing und Mindestabständen möglich?

Spenden an Zäunen

Die Initiative Manege Hilft hat in Berlin vor einigen Tagen etwa sogenannte Gabenzäune ins Leben gerufen. Das sind Zäune, an denen die Zivilbevölkerung Sackerln mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und allem, was hilft, aufhängt und bei denen sich obdachlose Menschen frei bedienen können. Mittlerweile tauchen solche Zäune in ganz Deutschland auf. Die Idee für diese Aktion stammt ursprünglich aus Hamburg, wo es solche Gabenzäune bereits seit zwei Jahren im öffentlichen Raum gibt. In Graz und Wien haben Studierende 2017 im Rahmen einer ähnlichen Initiative im Winter warme Jacken zur freien Entnahme an Bäume gehängt.

Jetzt macht die Zivilbevölkerung auch in Wien erneut mobil und errichtet ebenfalls Gabenzäune, oder Hilfe-Zäune, wie sie hier heißen werden. Am Wochenende hat die 1000things-Redaktion eine Nachricht erreicht, die dazu aufruft, folgende Zäune mit Spenden zu behängen: Siebensterngasse Ecke Kirchengasse, Europaplatz Ecke Mariahilfer Straße, Gaullachergasse Ecke Gürtel, Praterstern Ausgang Nord-Ost.

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Niederschwellige Initiative

Eine lobenswerte und engagierte Zivilinitiative ist das definitiv. Außerdem zeige die Bevölkerung damit, dass Obdachlose in dieser Krisenzeit gesehen und respektiert werden, betont Perrine Schober von von SHADES TOURS. Die Versorgung der Obdachlosen in Wien sei im Moment eine ziemliche Herausforderung, auch aufgrund der vielen Menschen, die ihre Jobs verloren haben, sei der Bedarf an Lebensmittelspenden stark gestiegen.

Der große Vorteil solcher Zäune ist mit Sicherheit ihre Niederschwelligkeit, sowohl für die Spendenden als auch für jene, die auf die Spenden angewiesen sind. Damit diese Initiative bei ihnen ankommt, muss aber nicht nur die Zivilbevölkerung zum Mitmachen aufgerufen werden, sondern vor allem sollten jene, an die sich diese Spenden richten, darüber informiert werden, dass es diese Zäune gibt und dass sie sich auch daran bedienen dürfen.

Direkte Spenden an die Organisationen

Gleichzeitig sei es aber auch immens wichtig, dass man den betreffenden Hilfseinrichtungen wie dem Neunerhaus oder der Caritas direkt hilft, sagt Schober. Denn gerade diese Einrichtungen brauchen momentan besonders tatkräftige Unterstützung. Viele Notschlafstellen werden in 24-Stunden-Quartiere umgewandelt. Die Caritas hat etwa drei Lebensmittelnotausgabestellen und eine vierte zusammen mit dem Roten Kreuz in Wien eingerichtet. Gleichzeitig fallen aber viele Freiwillige weg, weil sie zur Risikogruppe gehören. Das neunerhaus gibt obdachlosen und nicht versicherten Menschen im neunerhaus Café seit April täglich von 10 bis 14 Uhr in der Margaretenstraße 166 ein frisch zubereitetes Mittagessen zum Mitnehmen aus und die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter bieten Beratung an.

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Freiwilligenarbeit trotz Corona-Krise

Deshalb hat sich die Caritas etwa dezidiert an junge Menschen gerichtet und um Unterstützung gebeten. Bereits über 2.000 Menschen haben sich gemeldet, erzählt Caritas-Wien-Geschäftsführer Klaus Schwertner in Café Puls. Aber widerspricht die Freiwilligenhilfe nicht den Corona-Maßnahmen in Sachen Minimierung der Sozialkontakte und Mindestabstand? Schwertner versichert, dass man sich bei allem streng an die Maßnahmen halte: Die Lebensausgaben wurden ins Freie verlegt, fertige Pakete werden zusammengestellt und Sicherheitsabsperrungen sorgen für die Einhaltung des Abstands. „Wir sind gut gerüstet für die Ausgabe“, sagt er bei Café Puls. Das Wichtigste, um mithelfen zu können, sei, dass man selbst nicht zu einer Risikogruppe gehöre. Momentan ist die Caritas dabei, einen Pool an Freiwilligen aufzubauen, bei denen sich die Organisationen jederzeit melden können. Eine ähnliche Initiative hat vor einiger Zeit auch Ö3 mit seinem Team Österreich ins Leben gerufen. Die VinziWerke rufen junge Freiwillige, die nicht zu einer Risikogruppe gehören, ebenfalls zur Mithilfe auf.

Lebensmittelspenden

Die private Initiative Frühstück im Park gibt im Esterhazypark warme Lunchpakete und Kaffeebecher unter strenger Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen aus. Freiwillige Helferinnen und Helfer werden momentan keine benötigt, aber selbst gepackte Lunchpakete nimmt man gerne entgegen. Auch `s Häferl, die Einrichtung der Diakonie, bittet etwa um Lebensmittelspenden.

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Finanzielle Unterstützung

Aber auch auf Geldspenden sind die Organisationen momentan besonders angewiesen, um Notquartiere auf 24-Stunden-Quartiere umzustellen und bedürftige Menschen angemessen versorgen zu können. Die Caritas hat etwa gemeinsam mit der Kronen Zeitung das Corona-Hilfspaket gestartet. Auch die Straßenzeitung Augustin steht aufgrund der Ausgangsbeschränkungen vor enormen Herausforderungen und setzt nun auf digitalen Verkauf, Crowdfunding und auf die Zustellung der Print-Abos per Post. Vor Kurzem hat das Neunerhaus eine Spendenaktion auf Facebook gestartet. Wie und wo ihr sonst noch spenden könnt, lest ihr am besten auf den Websites der Organisationen nach. Hier eine kleine Liste:

Caritas

Neunerhaus

VinziWerke

Straßenzeitung Augustin

´s Häferl

Obdach Wien

Verein Obdachlosenhilfe Schwester Grata

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Auch in eurem direkten Umfeld könnt ihr helfen, und zwar mit der Nachbarschaftschallenge. Außerdem zeigen wir euch einige neue Initiativen, die sich aufgrund der Corona-Krise gebildet haben.

(c) Beitragsbild | missmadlock | Instagram

Wir sind uns bewusst, dass in diesem Artikel Gutscheine, To Dos und Gewinnspiele aufscheinen, die momentan eventuell aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht umsetzbar sind. Dennoch haben wir uns dazu entschieden, sie auch weiterhin einzubetten, um euch schon jetzt für die Zeit nach der Krise zu inspirieren.

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