Sonnenuntergang am Donaukanal

Wie Wien dem Hass die Stirn bietet

Mittwoch, 4. November 2020 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Wie Wien dem Hass die Stirn bietet

Mittwoch, 4. November 2020 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Angesichts des Attentats am Montag hat die Wiener Bevölkerung auf unterschiedlichste Weise Zusammenhalt gezeigt. Auch in den sozialen Medien überwiegt die Solidarität. Wir haben ein paar Geschichten zusammengetragen, die Hoffnung geben.

von Viktoria Klimpfinger

*Wir wollen euch auch während des zweiten Lockdowns inspirieren und versuchen, unsere Artikel laufend Covid-konform upzudaten. Bitte haltet euch weiterhin an die Maßnahmen. Nur wenn wir jetzt zusammenhalten und aufeinander schauen, können wir möglichst bald wieder all diese Inspiration gemeinsam genießen und zu einem halbwegs normalen Alltag zurückkehren.

Wien lässt sich nicht unterkriegen. Auch wenn die Stadt nach dem Attentat am vergangenen Montag unter Schock steht, überwiegt diese Botschaft. Eine Welle der Solidarität und des Zusammenhalts flutet die sozialen Medien. „Love > hate“, lautet für viele die Devise. Das ist bemerkenswert und wichtig angesichts der Tatsache, dass solche Attentate nicht zuletzt zum Ziel haben, den Hass zu schüren.

„Schleich di du Oaschloch“

„Oaschloch“, hört man auf einem Handyvideo einen Augenzeugen dem Attentäter von einem Fenster aus zurufen. Der Spruch „Schleich di du Oaschloach“ ist innerhalb kürzester Zeit zum Motto der Stunde geworden. Dabei geht es nicht, wie manche unter unserem Artikel dazu kritisiert haben, um die Glorifizierung vulgärer Schimpfwörter, sondern um die Symbolkraft hinter diesem Sager, mit dem man gemeinhin zeigen will, dass man trotz großer Trauer und Betroffenheit dem Terror und der Hetze keinen Raum geben will.

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Stilles Gedenken den Opfern

Mitgefühl und Solidarität gelten besonders den Opfern dieses grauenvollen Attentats und deren Angehörigen. Nachdem die Innenstadt wieder zugänglich war, legten immer wieder Menschen Blumen, Kerzen und Schilder an den Tatorten nieder, an denen die Menschen er- und angeschossen wurden. Am Donnerstag, den 5. November, halten die Jüdischen österreichischen HochschülerInnen um 15.30 Uhr am Morzinplatz eine Gedenkkundgebung ab.

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Die Helden von Wien

Die „Helden von Wien“ nennen einige Medien die zwei türkischstämmigen Wiener Mikail Özen und Recep Gültekin und den Palästinenser Osama Joda zurecht. Sie haben ihr Leben riskiert, um während des Attentats einer älteren Frau zu helfen, sich in Sicherheit zu bringen, und einen schwer verletzten Polizisten zusammen zu einem Krankenwagen getragen. Osama Joda hatte den angeschossenen Polizisten zuvor hinter einer Betonbank in Sicherheit gebracht und Erste Hilfe geleistet, berichtet der Kurier. Manchen ist sein Name vielleicht noch aus der medialen Berichterstattung im vorigen Jahr bekannt, als er und seine Familie ein Haus im niederösterreichischen Weikendorf kaufen wollten, was ihnen der Bürgermeister des Ortes allerdings verwehren wollte, weil sie Muslime sind. Die Nennung der Herkunft der jungen Männer beziehungsweise der Herkunft ihrer Familien ist hier deshalb relevant, weil islamistische Attentate wie jenes in Wien darauf abzielen, die Gesellschaft zu spalten und etwa Menschen unterschiedlichen Glaubens, unterschiedlicher Hautfarbe oder Herkunft gegeneinander aufzuhetzen.

Inzwischen stehen Mikail Özen und Recep Gültekin für frühere Postings und Aussagen in der Kritik. Dieser Absatz bezieht sich ausschließlich auf ihr Verhalten in der Montagnacht.

Kulturbranche hilft beim Ausharren

Montagnacht saßen viele Zuschauerinnen und Zuschauer in Kulturstätten fest. Um sie von den unfassbaren Vorgängen draußen abzulenken und das Warten zu überdauern, gaben manche Kulturschaffende Zugaben oder initiierten Publikumsgespräche. Im Konzerthaus verlängerten etwa Percussionist Martin Grubinger und die Bläserphilharmonie des Mozarteums ihren Auftritt, in der Staatsoper spielten laut einer Twitter-Userin einige Mitglieder der Wiener Philharmoniker auf und im Burgtheater setzen sich das Ensemble des vorher aufgeführten Stückes und der Direktor des Haues Martin Kušej auf die Bühne und unterhielten sich mit dem Publikum, bis es sicher war, nach Hause zu gehen.

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Klares Zeichen gegen pietätlose Berichterstattung

Die Polizei und das Innenministerium riefen wiederholt dazu auf, keine privat gefilmten Videos des Attentats zu posten, sondern sie stattdessen auf eine eigens dafür vorgesehene Plattform zu laden, um bei den Ermittlungen zu helfen. Viele hielten sich daran. Laut Innenminister Karl Nehammer sind etwa 20.000 Videos und damit eine Gesamtdatenmenge von einem Terabyte eingegangen. Zum Vergleich: Hättet ihr ein Terabyte mobiles Internet, könntet ihr damit rund 42 Tage lang durchgehend Netflix in höchster Qualität streamen. Leider gingen allerdings die Boulevardmedien oe24.at und krone.at mit schlechtem Beispiel voran und zeigten auf ihren Plattformen verstörende Videos der Tat. Doch das blieb nicht ohne Folgen: Bis Mittwochvormittag sind gegen oe24.at und krone.at und diese geschmacklose Form der Berichterstattung bereits 1.450 Beschwerden beim Österreichischen Presserat eingegangen, berichtet der Standard. Nach einem Aufruf auf Twitter gaben Billa, Spar, Interspar, Hervis und Hofer bekannt, ihre Werbeanzeigen auf oe24.at zu stoppen, Billa auch auf krone.at.

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Flowerrain

Die sozialen Medien nutzten aber auch viele, um ihre Wohnung mit Hashtags wie #opendoorsvienna als Zuflucht anzubieten. Auch manche Hotels stellten ihre Zimmer für kostenlose Übernachtungen zur Verfügung. Die österreichische Journalistin Livia Klingl berichtet in einem Posting von einem Taxifahrer, der in dieser Nacht kostenlos gefahren ist. Caritas-Geschäftsführer Klaus Schwertner sammelt die Geschichten dieser Heldinnen und Helden des Alltags auf Twitter und sorgt damit, wie bereits 2018 als Gegenbewegung zu den Hasspostings gegen das Neujahrsbaby 2018, für einen „Flowerrain“:

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Falls ihr unsere Grafik als Symbol der Vielfalt und des Zusammenhalts in Wien gerne verwenden würdet, könnt ihr sie downloaden. Wir haben außerdem ein paar Tipps recherchiert, die euch in schweren Zeiten helfen können.

(c) Beitragsbild | Marie Amenitsch | 1000things

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