Das Gramm Geschäft

Zero Waste: Unverpackt einkaufen in der Steiermark

Dienstag, 5. Februar 2019 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Zero Waste: Unverpackt einkaufen in der Steiermark

Dienstag, 5. Februar 2019 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

In der Steiermark gibt es nur einen Laden, der sich Zero Waste auf die Fahne schreibt, und er liegt in Graz. Aber mehrere Geschäfte in der Hauptstadt und vor allem Hofläden in der ganzen Steiermark erleichtern euch mit ihrem Angebot, gezielter zu konsumieren.

von Pia Miller-Aichholz

Nicht nur bewussterer Konsum (Ich kaufe die Menge, die ich brauche.) sondern auch der Kampf gegen zu viel Verpackungsmaterial und Lebensmittelabfall (Somit vermeide ich, dass der Rest verdirbt und ich ihn entsorgen muss.) zeichnen die Zero-Waste-Bewegung aus. Wenn euch das ein Anliegen ist, seid ihr in diesen steirischen Geschäften richtig.

Gramm und Dekagramm

Zero-Waste-Pioniere in Graz sind Sarah Reindl und Verena Kassar. Die beiden eröffneten im Frühjahr 2016 gemeinsam zuerst die Greißlerei Das Gramm und wegen des großen Erfolges und guten Feedbacks 2018 Das Dekagramm. Die Spezialitäten-Greißlerei Das Gramm war der erste Unverpackt-Laden in Graz. Dorthin wird auch das österreichische Bio-Fleisch geliefert, das in Sammelbestellung zu fixen Terminen monatlich geliefert wird. Das Dekagramm ist breiter aufgestellt, als sein Vorgänger, besonders auch was Dinge wie Edelstahltrinkhalme, Holzspielzeug und Jausenboxen betrifft, die zur Müllvermeidung im Alltag beitragen.

Das Gramm Geschäft

Das Gramm | © Mathias Schalk

Während im Gramm das Papiersackerl zum Verpacken in den Verkaufspreis inkludiert ist, zahlen Kunden im Dekagramm für Verpackungen auf – noch ein Grund mehr, eigene Behälter mitzubringen. Einige Produkte kommen in Mehrweg-Behältnissen, andere in Einweg-Gebinden. In der warmen Jahreszeit serviert das Dekagramm-Team Samstags Brunch. Unter der Woche werden Lebensmittel, die nicht mehr für den Verkauf geeignet sind, verkocht und als Mittagsmenü serviert. Noch ein paar Tipps aus eigener Erfahrung der beiden Gründerinnen: Eine kompromisslose Umstellung von jetzt auf gleich ist frustrierend. Nachhaltiger Konsum wird dann ein langfristiger Lifestyle, wenn man ihn Schritt für Schritt verwirklicht und sich Zeit gibt. Außerdem ist Konsum nur dann nachhaltig, wenn auch Menge und Ausmaß hinterfragt werden und nicht dieselbe Menge an Produkten aus regionaler und biologischer Herstellung bezogen werden, wie vorher.

Das Gramm, Neutorgasse 7, 8010 Graz | Das Dekagramm, Joanneumring 16, 8010 Graz

Das Dekagramm Geschäft

Das Dekagramm | © Tina Reiter/Tinksi

Ayurveda Naturladen

Nachbarin von Sarah und Verena im Dekagramm ist seit Herbst 2018 Tanja Pinter mit ihrem Ayurveda Naturladen. Sie bietet eine Auswahl an unverpackten Bio-Lebensmitteln an – Tees, Kräuter, Hülsenfrüchte und Nüsse, Besonderheiten wie roter Reis und eigene Frühstücks-Brei-Mischungen. Je nach Saison findet man aber im Naturladen auch andere Spezialitäten, wie etwa Oliven und Olivenöl, die einmal jährlich direkt aus Italien vom Bauern geliefert werden. Wie bereits in der Greißlerei ihres Urgroßvaters, die ihre Eltern noch führten, bietet Pinter offenes Räucherwerk an. Die ausgebildete Visagistin war lange Jahre für Estée Lauder Companies im Außendienst unterwegs und spezialisierte sich dann auf natürliche Kosmetikprodukte. Ayurveda lernte sie im Urlaub kennen, auf ihren Reisen durch Asien. In ihrem Geschäft vereint Pinter, die von sich selbst sagt, sie sei immer eine Kräutertante gewesen, nun ihre Leidenschaften für Ayurveda, Aromatherapie und Naturkosmetik.

Joanneumring 16, 8010 Graz

Ayurveda Naturladen

© Conny Pail

Reformhaus und Gewürzstube Brantner

Der Antrieb für Familie Brantner, unverpackte Ware zu verkaufen, war nicht der Versuch, dem Zero-Waste-Lifestyle zu entsprechen. Schon seit Martin Brantners Vater das Geschäft 1975 eröffnet hat, stehen Säcke voller Hülsenfrüchte, Samen, Nüsse und Getreide im Reformhaus. In Holzregalen reihen sich unzählige Vorrats-Gläser mit Kräutern, Tee und Gewürzen aneinander, aus denen die von den Kunden gewünschte Menge abgefüllt wird – gerne auch direkt in mitgebrachte Streuer oder in Probiermengen ab 10 Gramm. Immer mehr Kunden bringen eigene Gefäße zum Einkauf mit. Ansonsten verpacken Brantner und seine Mitarbeiter die Ware möglichst in Papiersäckchen oder, etwa schnell fettende gemahlene Nüsse, in Plastiksäckchen. Nüsse und Getreide werden auf Wunsch nämlich frisch gemahlen. Untypisch für ein Reformhaus sind die Schweinehälften, die im Geschäft hängen – außer in den heißen Sommermonaten. Nach der Übernahme des Geschäftslokal, in dem vorher ein Feinkostladen war, soll die Kundschaft den dort erhältlichen Kärntner Speck so stark nachgefragt haben, dass die Brantners ihn wieder ins Sortiment aufnahmen. Obst und Gemüse führt Branter nicht – bis auf Orangen und Zitronen in der kalten Jahreszeit, die aus dem Ausland kommen. Soweit möglich, bezieht Brantner die Ware aus Österreich.

Gleisdorfer Gasse 10, 8010 Graz

Reformhaus und Gewürzstube Brantner

© Reformhaus und Gewürzstube Brantner

Außerhalb und in der Hauptstadt bieten diverse Hofläden oder Bio-Geschäfte frische, unverpackte Lebensmittel an. Außerdem verkaufen viele Bauern ihre Produkte direkt ab Hof. Auf Facebook könnt ihr euch mit Zero Wastern in und um Graz verbinden. Besonders viele Zero-Waste-Stores gibt es in Wien, aber auch in Vorarlberg sind Zero-Waste-Pioniere am Werk.

Beitragsbild: Das Gramm | © Mathias Schalk

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