Fidschi: MUWA Graz

Museum der Wahrnehmung

Hier kann man sich auf nichts mehr verlassen – und das ist gut so!

Der Klassiker der lustigen Kettenmails: Was siehst du auf diesem Bild – eine Vase? Oder doch zwei küssende Gesichter? Manchmal können wir unseren Augen einfach nicht trauen – schon klar. Aber im Unterschied zur puren Randomness per Mail spielen uns unsere Sinne im Museum der Wahrnehmung in Graz ziemlich aufregende Streiche.

Vom Sehen mit dem Rücken bis zum Tauschen der Gesichter

Auf drei Stockwerken verdrehen uns die unterschiedlichsten Apparate zum selbst Ausprobieren die Sinne. Gleich im Eingangsbereich zum Beispiel steht das Taktiloskop, konstruiert von einem Studenten der Grazer TU: Auf der Rückenlehne eines Stuhls sind viele kleine Metallstifte befestigt. Sie sorgen dafür, dass der Sitzende eine Bewegung mit seiner Haut sehen kann. Moment mal – mit der Haut sehen? Ja, tatsächlich imitiert das Taktiloskop eine Bewegung, die sich vor dem Stuhl abspielt, mit seinen Metallstiften. So spürt man zum Beispiel ein Winken oder ein Vorbeigehen als Kitzeln im Rücken.

Graz: Museum der Wahrnehmung

Museumsleiterin Eva Fürstner führt unserer Fotografin das Taktiloskop vor. (c) Ines Futterknecht

Bevor du mit deinem Partner den nächsten Schritt gehst und ihr kleine Minions produziert, würdet ihr gerne mal überprüfen, ob eine Mischung aus euch beiden überhaupt etwas hermacht? Dann ist der Mixed Identity Mirror im Obergeschoss des Museums eure Chance: Ihr sitzt euch gegenüber, zwischen euch ein halbdurchlässiger Spiegel. Je nachdem, wie ihr die Beleuchtung eurer Gesichter reguliert, verschmelzen sie zu einem oder wechseln vom einen zum anderen. Wo vorher noch eure Visage allein zu sehen war, lächelt euch plötzlich der Mund des Partners mitten in eurem Gesicht zu, während euch die eigenen Augen entsetzt entgegenstarren. Irgendwie gruselig, aber auch ziemlich cool!

MUWA Graz

(c) Ines Futterknecht

Ich mach mir meine Welt, wie-de-wie-de-wie sie mir gefällt!

Bei den meisten Konstruktionen des Museums geht es vor allem um die visuelle Wahrnehmung. Das Magic Window etwa ist eine Art rauteförmiger Rahmen, der zwar aussieht, als würde er hin und herpendeln, sich aber – Achtung, Spoiler! – eigentlich im Kreis dreht.

Wem die bloße Freude an der Illusion aber nicht genug ist, der kann die Exponate durchaus auch als Agenten des Konstruktivismus’ betrachten. Ja, ganz genau, jetzt wird’s philosophisch: Das ganze Museum ist nämlich von der Idee geprägt, dass unsere Wahrnehmung uns eine ganz persönliche Wirklichkeit auftischt. Oder in professionellen Worten von Leiterin Eva Fürstner: „Jeder konstruiert seine eigene Wirklichkeit.“ Es geht hier also vor allem auch darum, sich die eigene Wahrnehmung bewusst zu machen. Doch Vorsicht: Eine Nebenwirkung davon könnte sein, dass sich festgefahrene Weltbilder eventuell auflockern.

Museum der Wahrnehmung: Fidschi

Das Fidschi-Gerät bringt einen Gegenstand vor den Augen des Betrachters zum Verschwinden. (c) Ines Futterknecht

Wahrnehmung, Kunst inklusive

Auch Kunst hat ja manchmal eine ganz ähnliche Wirkung. Passend also, dass das Museum der Wahrnehmung parallel zur Dauerausstellung abwechselnde Kunstschauen beherbergt. Auch da liegt aber meistens der Fokus auf konkreter, konstruktiver Kunst, die dem Thema Wahrnehmung zumindest von hinten auf die Schulter tippt. Zurzeit liegen im Ausstellungsraum im Erdgeschoss acht Steinskulpturen von Wolfgang Ritter auf dem Boden herum, die ein wenig an dreidimensionale Geometrie-Übungen erinnern. Schon allein, dass man sich instinktiv zu ihnen auf den Boden kniet, könnte man als kleines Zunicken Ritters ans Hinterfragen der üblichen Wahrnehmung verstehen. Oder doch die Tatsache, dass die acht Skulpturen Variationen eines Themas sein sollen? Irgendwie passen sie jedenfalls hier hin.

Wolfgang Ritter: MUWA Graz

Die Bodenskulpturen von Wolfgang Ritter. (c) Ines Futterknecht

Für die, die’s ganz genau wissen wollen, veranstaltet das Museum der Wahrnehmung regelmäßig Workshops in Verbindung mit den Kunstausstellungen. Eine Gruppe von Schülern hat sich letztens zum Beispiel mit der Ritter-Ausstellung beschäftigt, indem sie die Skulpturen mit ihren Smartphones aus ungewöhnlichen Blickwinkeln fotografieren sollten.

Wellness im Museum

Wer noch tiefer in die Materie eintauchen will, der kann baden gehen. Nein, wirklich! Im Untergeschoss des Museums befindet sich das sogenannte Samadhi-Bad: eine Koje, die eher aussieht, als wären ein paar Marsianer auf Weltraummission damit im Hinterhof des Museums abgestürzt. Darin befindet sich Salzwasser, in dem man eine Stunde dümpelt, abgeschottet von allen äußeren Reizen – die pure Konzentration auf sich selbst. Natürlich kann nicht jeder Museumsbesucher nach dem Rundgang mal schnell ins Becken hüpfen, passt ja auch nur ein Mensch hinein. Dafür muss man schon einen Termin ausmachen. Immerhin dauert eine Session ungefähr eine Stunde.

Samadhi-Bad: Museum der Wahrnehmung Graz

Das Samadhi-Bad. (c) Ines Futterknecht

Damit nimmt das Museum geschickt die Tradition des Hauses wieder auf, das ursprünglich eine öffentliche Badeanstalt war, oder wie die Wiener sagen würden: ein Tröpferlbad. Also kein Schwimmbad. Hier kamen die Leute zum Duschen her, die in ihren Wohnungen keine Dusche hatten. Mittlerweile ist das zum Glück alles anders, aber ein Teil des Bades ist auch heute noch in Betrieb – abgetrennt vom Museum nur durch eine Tür, auf der „Kein Zugang“ steht.

Im MUWA in Graz werden die Sinne auf die Probe gestellt.

Wenn du schon mal in Graz bist, willst du die volle Dröhnung? Dann haben wir hier die 10 Dinge für dich, die man in Graz unbedingt unternehmen muss. Oder du stöberst dich einfach durch unsere To Do’s aus der Steiermark.

Facebook- und Titelbild (c) Ines Futterknecht

Hier entlang zur Website!

Aktuelles

Infos zu Workshops und anderen Veranstaltungen findet ihr auf der Website oder auf der Facebook-Seite des Museums.

Die Ritter-Ausstellung läuft noch bis 1. Juni 2018.

Was kostet's?

Erwachsene zahlen € 3,50, ermäßigt € 2,80 Eintritt. Eine Führung kostet € 4,- pro Person, ein Workshop €4,50.

Ein Einzelticket für das Samadhi-Bad kommt auf €48,- für eine Stunde, ermäßigt auf € 36,-. 90 Minuten kosten € 60,-. Es ist aber auch möglich, sich einen 3er-Block (€ 115,-), einen 5er-Block (€ 190,-) oder einen 10er-Block (€ 350,-) mit mehreren Leuten zu teilen.

Öffnungszeiten

Das Museum ist täglich von 13 bis 18 Uhr geöffnet, außer dienstags.

  • Location
  • Friedrichgasse 41, 8010 Graz
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