Welttoilettentag Skurrile Toiletten Wien

Die skurrilsten Toiletten Wiens

Dienstag, 19. November 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Die skurrilsten Toiletten Wiens

Dienstag, 19. November 2019 / Lesedauer: ca. 5 Minuten

Der 19. November 2019 ist vieles: Namenstag für Elisabeths, Gründungstag des Österreichischen Alpenvereins 1862, ein Dienstag. Am skurrilsten ist allerdings, dass er noch dazu seit 2001 der Welttoilettentag ist. Deshalb haben wir uns in Wien nach besonders auffälligen Exemplaren des stillen Örtchens umgesehen.

von Luisa Lutter, Viktoria Klimpfinger & Pia Miller-Aichholz

Sie kennt uns von unseren schlimmsten Seiten, befreit uns stets von Ballast und Geschäftszeiten hat sie praktisch rund um die Uhr: die Toilette. Ob sie wirklich das stillste Örtchen der Welt ist, kommt wahrscheinlich darauf an, ob man die eigene zuhause oder ihre Cousine, die öffentliche Toilette, aufsucht. Aber selbst im lautesten Techno-Club können wir hier wenigstens für ein paar Minuten ungestört und ganz für uns sein und der Natur folgen, wenn sie ruft. Danke dafür, Madame Porzellan! Deshalb sind wir am Welttoilettentag ganz aus dem Häusl und schauen uns die skurrilsten öffentlichen Klos von Wien mal genauer an. Lokus pokus!

Öffentliche Bedürfnisanstalt am Graben

Wer sich jetzt denkt: Schräges Thema!, hat definitiv recht. Aber Wien ist nun einmal ein bisserl schräg. Nicht umsonst galt ausgerechnet ein Klo lange Zeit als eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Operntoilette schloss leider vergangenes Jahr für immer ihre Deckel. Wer jetzt extra dafür angereist ist, braucht aber nicht gleich das Toilettenhandtuch zu werfen. Ein paar Meter weiter wartet auch schon das nächste sanitäre Highlight: Die Jugendstil-Toilette am Graben ist so schön, dass sie sogar unter Denkmalschutz steht. Marmorfliesen, Holzvertäfelung, hochwertige Glastüren und ein kleines Waschbecken in jeder der geräumigen Kabinen verleiten fast dazu, hier auch reguläre Geschäftstermine abzuhalten. Jedenfalls rechtfertigen sie die 50 Cent Klo-Gebühr definitiv, auch ohne Donauwalzer vom Band.

Graben 22, 1010

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Venuss Bistro

In dem Gemälde von Diego Velázquez liegt die Venus vor dem Spiegel. In Wien hält das Venuss Bistro den Toilettenspiegel selbst, und zwar in ziemlich ausgefallenem Ambiente. Hier klingt zwar ebenfalls nicht der Donauwalzer, wie früher in der Operntoilette, aber dafür ein ganz anderer, unerwarteter Sound: Vogelgezwitscher! Ja, richtig gelesen, hier ruft die Natur wortwörtlich. Singende Vögel und sonst schalldichte Kabinen heben das stille Örtchen auf ein nächstes Level.

Herrengasse 6-8, 1010

Freiraum

Vom Zwitschern zum Plätschern: Nein, das ist jetzt keine eklige Toiletten-Anspielung, ihr Lauser! Im hippen Freiraum auf der Mariahilfer Straße wascht ihr euch die Hände nämlich nicht in einem profanen Porzellanmaul, sondern in einem stylischen Brunnen aus ziegelroten und goldenen Fliesen. Wie man seine Mini-Fontänen auslöst, kann einen zwar schon mal vor ein Rätsel stellen, aber zum Glück hat man es ja nach dem Toilettengang nicht mehr so eilig wie davor.

Mariahilfer Straße 117, 1060

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Tür 7

Stil beweist vor allem das Luxus-Häusl in der Tür-7-Bar. Passend zum Speakeasy-Konzept, dass man erst mal läuten muss, bevor man durch eine unscheinbare graue Tür ins versteckte Lokal kommt, versprüht auch die Toilette hier intime Atmosphäre. Mit einem Bademantel an der Tür und einer Badewanne, die zur Samtcouch umfunktioniert wurde, fühlt man sich in diesem geräumigen Kämmerchen fast wie im eigenen Hotelzimmer – die Toilette wird fast zur Nebensache. Da könnte man doch glatt vergessen, dass draußen sich vielleicht schön langsam eine Schlange bildet, während man sich im goldenen Spiegel zurechtmacht oder sich auf dem Sofa eine kurze Auszeit gönnt. Ups!

Buchfeldgasse 7, 1080

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Café Caspar

Im Studentencafé Caspar wartet die große Überraschung erst in der Klokabine. Dort könnt ihr euch anhand eurer Klopapier-Wahl ein Stückchen weit selbst verwirklichen oder etwa neu erfinden: Ausgefallene, Sparefrohs, Naturliebende, Romantische und Genussmenschen haben jeweils eine für sie passende Option zur Auswahl. Und im Ernstfall könnt ihr die Glasvitrine über dem Klo einschlagen, in der eine Notfallrolle deponiert ist.

Grillparzerstraße 6, 1010

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Café Diglas

Wer im Diglas auf der Wollzeile das erste Mal die Toilette betritt muss stutzen. Einzelne Kabinen gibt es zwar, aber was bringen die, wenn die Türen aus Glas sind und man durchsehen kann? Und was macht so ein Klo in einem klassischen Wiener Kaffee? Keine Sorge, da hat sich wer was ausgedacht. Macht die Tür auf, betretet euer Kabinchen, werft noch einen Blick nach draußen, dreht das Schloss um und haltet eure Kinnlade fest. Denn schwupps hat sich das durchsichtige Glas in Milchglas verwandelt und auf eurer Kabinentür prangt ein Einfahrt-Verboten-Schild, damit auch alles klar ist.

Wollzeile 10, 1010

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Kaffee Alt Wien

Nur zwei Gehminuten weiter, in der parallel zur Wollzeile gelegenen Bäckerstraße, hatte noch jemand diese Idee, und zwar das Kaffee Alt Wien. Wieder ein Ort, an dem man sich viel erwartet, aber ganz sicher keine ausgefallene Toilette. Soll noch einmal einer sagen, Wien sei spießig und altfadrisch! Also rein in die Kabine, Riegel umgedreht und Privatsphäre genossen. Zwei im wahrsten Sinne des Wortes offensichtliche Vorteile hat dieses Konzept: Erstens erinnern uns diese Türen bei einer ganz alltäglichen Handlung daran, dass die Naturwissenschaften ziemlich faszinierend sind. Und zweitens kann man so definitiv nicht vergessen zuzusperren und vermeidet peinliche Begegnungen mit anderen, die wegen ihres dringenden Bedürfnisses die Tür aufreißen.

Bäckerstraße 9, 1010

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The Bank Brasserie Bar

Beim Betreten der Toilette des Restaurants im Park Hyatt müsst ihr erst einmal stehen bleiben, um euch räumlich zu orientieren. Gegenüber von euch steht am Ende eines langen Ganges eine Person, die offensichtlich zur selben Zeit wie ihr die Idee hatte, das Klo aufzusuchen. Winkt zur Begrüßung einmal nett und euch wird klar: Das seid ihr selbst. Vis à vis des steinernen Waschtisches befinden sich die stillen Örtchen, deren Türen vollverspiegelt sind und damit in jede Richtung ein sich unendlich wiederholendes Bild des Raumes erzeugen. Da wird einem schon mal schwindelig.Mit etwas Konzentration findet ihr dann den richtigen Eingang – und hoffentlich wieder den richtigen Ausgang. Unser Insider-Tipp: Sucht das Klo nicht dann das erste Mal auf, wenn ihr euch in der Cocktailbar schon einen Schwips umgehängt habt.

Am Hof 2, 1010

Shanghai Tan

Das Shanghai Tan beeindruckt ja schon von der Straße aus mit seiner tollen Spiegel-Lampen Installation. Doch wer zudem auf Spiegelkabinett steht, wird in dem Restaurant seine kleine Freude haben. Denn auch beim Betreten der Sanitäranlagen des Shanghai Tan’s, benötigt man meistens ein paar Sekunden um sich zu sortieren. Wo fängt die eine Wand an und wo hört die Nächste auf? Während man sich vorsichtig voran tastet, sieht man permanent das eigene verdutzte Gesicht – in gefühlt tausendfacher Ausführung.
Wer denkt, dass der Spuk ein Ende hat sobald man die eigentliche Toilette erreicht, der irrt. Denn auch hier befinden sich an allen Seiten die verhängnisvollen Spiegel. So wird der Gang zur Toilette zu einem unfreiwilligen sowie ungewöhnlichen Erlebnis.

Gumpendorfer Str. 9, 1060

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Motto Bar

Im Motto ist es für gewöhnlich eh immer etwas schummriger. Die Drinks sind köstlich und wer viele davon hatte, der muss irgendwann den Gang zum Klo antreten. Und plötzlich taucht man ab – vielleicht auch eher ein. Das liegt wohl im Auge des Betrachters und die Erfahrung auf den Toiletten der Motto Bar im 5. Bezirk muss jeder selbst machen. Wir empfanden es einerseits als sehr beruhigend und zeitgleich auch irritierend. Denn es ist alles in rosarotes Licht getaucht und Wassergeplätscher kommt aus den Lautsprechern. Spiegelklare Sache: was wäre so ein hippes Klo ohne große Projektionsfläche? Ihr werdet ins Zentrum gerückt und ob ihr wollt oder nicht, ihr schaut euch selber beim Pinkeln zu. Zur Not könnt ihr für den Moment immer noch kurz die Augen schließen und euch auf die Wassermusik –im doppelten Sinne– fokussieren.

Rüdigergasse 1, 1050 

Reinwein Vinothek

Wer in diesem süßen Lokal auf die Toilette muss, schreitet durch einen Vorhang inmitten einer beeindruckenden Bücherwand hindurch und stellt dann erleichtert fest: Endlich mal keine Spiegel und Soundkulisse auf dem stillen Örtchen! Dafür aber viele Augenpaare, die euch bei eurem Gang auf die Toilette im Reinwein zuschauen. In Bilderrahmen eingefasst wurden hier liebevoll zahlreiche Stars und Sternchen aus Theater, Film und allerlei anderen Sparten verewigt. Je nach dem, welche Toilette ihr erwischt, sind entweder die Männer oder die Damen vertreten. Wer kann schon behaupten einmal auf Augenhöhe mit Johnny Depp und Co. gewesen zu sein?

Reindorfgasse 10, 1150

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Ihr habt jetzt erst mal genug von unserem Klo-Content? Dann husch, husch, hinaus in die Natur – wir haben die schönsten Wanderungen in und rund um Wien für euch. Was ihr sonst noch so anstellen könntet, verraten euch unsere To Dos.

(c) Beitragsbild | https://www.instagram.com/yan72gia/

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