Was man Studenten so nachsagt – stimmt, oder stimmt nicht?

Freitag, 11. November 2016 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

Was man Studenten so nachsagt – stimmt, oder stimmt nicht?

Freitag, 11. November 2016 / Lesedauer: ca. 6 Minuten

Die Elite von morgen, die den ganzen Tag verschläft, nur wilde Partys im Kopf hat und sich so lange bei Mama und Papa durchschnorrt, wie nur irgendwie möglich ist. Denn studieren ist ja bekanntlich wie arbeitslos sein, nur dass die Eltern auf einen stolz sind. Wir diskutieren 10 Vorurteile über Studenten und falsifizieren dabei so einige (leider Gottes jedoch nicht alle). Wo erkennt ihr euch wieder?

von Lisa Panzenböck

Vorurteile über Vorurteile, doch was steckt wirklich dahinter – sind wir Stundenten denn echt so schlimm wie unser Ruf? Wir haben mit den gängigsten Mythen aufgeräumt und präsentieren euch unser Fazit.

 

1. Studenten schlafen den ganzen Tag

Studenten sind ja bekanntlich Siebenschläfer. Warum? Weil sie um 7 Uhr morgens noch schlafen, wenn der Rest der Welt bereits am Weg in die Schule oder Arbeit ist. Aber um 7 Uhr abends ist dann endlich ihre Zeit. Warum? Weil Hofer um 8 zusperrt und kein Essen zu Hause ist. Nun aber genug der schlechten Witze über den studentischen Schlafrhythmus. Auch wenn die meisten Studien als Vollzeit-Studien tituliert sind, bedeutet das nicht, dass sie eine geregelte Woche mit fixen Arbeits- und Unizeiten haben. Nimmt man sein Studium ernst, so kommt man ohne weiters auch auf diese 40 Stunden, jedoch verschieben sich hier bei einigen die Produktivitätszeiten vom klassischen 9-17Uhr Arbeitstag auf Schlafen bis zu mittag und dafür allerdings lernen bis spät nachts. Somit schlafen die meisten Studenten gar nicht (wesentlich) mehr als alle anderen, leben nur in verschiedenen Schaffens-Zyklen.

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2. Studenten machen jeden Tag Party

Dass wir gerne feiern ist etwas, das ich definitiv nicht verneinen kann. Allerdings passiert das keineswegs täglich da hierfür 1.) das Geld, 2.) die Zeit, 3.) die Energie (ja, man merkt, dass man nach einer durchzechten Partynacht Mitte 20 nicht mehr so fit ist wie mit 17) und 4.) das Geld fehlen. Am Anfang der Studienzeit zelebriert man diesen neuen Lebensabschnitt durchaus etwas häufiger, doch ein Leben à la „American Pie“ ist es gewiss nicht. Und sind wir uns mal ehrlich: Die meisten jungen Leute gehen gerne feiern, seien es nun Studenten oder nicht.

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3. Studenten ernähren sich nur von schlechtem Essen

Wenn die Clever Tiefkühlpizza aufgegessen ist, die Reste vom chinesischen Essen im Kühlschrank schon fast Beine bekommen haben, dann werden eben Palatschinken bestellt, denn: Wer kann schon kochen? Falsch, falsch, falsch! Natürlich muss es manches Mal schnell gehen, weswegen der Kebapstand um die Ecke oft als notdürftiger Erstversorger gehandhabt wird, aber in der Regel ist unsere Generation von Studenten schon viel mehr eine der „Gourmet-Studenten“. Den meisten von uns ist es wichtig, auf ihre Ernährung zu achten und nicht alles planlos in sich hineinzustopfen. Selbst kochen und auch gemeinsam kochen ist derzeit besonders „in“ und spart obendrein auch Geld im Vergleich zu ständigem Bestellen oder Essengehen.

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4.) Studenten machen immer alles auf den letzten Drücker

Das ist Anna. Anna hat morgen Klausur. Anna druckt sich gerade die Vorlesungsunterlagen aus und sucht in Facebook-Gruppen panisch nach Altfragen. Hat sie die erst mal gefunden, wird sie plötzlich richtig grantig, als sie bemerkt, dass jene keine Lösungen beinhalten. Ok – hier kann ich kaum etwas zu unserer Verteidigung sagen, denn so wie Anna ist es vermutlich fast jedem Studenten schon einmal gegangen, beziehungsweise geht es regelmäßig so. Viele von uns – ich schließe mich offen und ehrlich in diese Gruppe ein – können nur unter Druck (gute) Arbeit verrichten. Ohne der nötigen Portion Stress geht manchmal einfach nichts weiter, also zugegeben: Wir sind weitgehend ein Völkchen der Prokrastinierer.

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5.) Studenten sind furchtbar unordentlich

Bei Studenten im Zimmer sieht es aus wie bei einem Messi – dreckige Wäsche überall, in der Spüle stapelt sich das Geschirr wochenlang und während man am obersten Teller noch erkennen kann was gegessen wurde, hat der unterste Teller schon seine eigene Schimmelkultur samt Bakterienkönig und seinen Untertanen entwickelt. Nein, nicht wahr! Viele von uns haben den großen Segen eines Geschirrspülers, der stets mit allem befüllt wird – im Tetris-Style, versteht sich, denn „das geht sich schon noch aus“. Und was dreckige Wäsche und Schmutz ganz allgemein anbelangt, so ist ein gepflegtes Aussehen und daher auch saubere Wäsche und eine aufgeräumte Wohnung vielen jungen Menschen sehr wichtig. Auch wenn es in Studenten-Buden vielleicht nicht so sauber ist wie in der Casa Mama, so denke ich leben die meisten von uns dennoch in durchaus ansehnlich aufgeräumten Wohnungen. Ein einziges Verbesserungskriterium, das mir ad hoc einfällt, ist dass wir uns alle einmal bei der Nase nehmen was den Glasmüll anbelangt – was ich so in Wohnungen von Freunden und Bekannten beobachtet habe, könnte der durchaus schon häufigeres Entleeren gut vertragen.

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6.) Studenten lernen ja eh nix

Zugegeben: Wir lernen nicht jeden Tag und haben durchaus ‚mal längere Phasen des Chillens, aber mir fallen kaum Dinge ein, die produktiver sind als ein Student unmittelbar vor der Prüfungswoche. Viele von uns gehen zum Lernen an die Bibliothek, in der Hoffnung sich von der Euphorie anderer Studenten anstecken zu lassen – im Endeffekt bilden sich dann oftmals so genannte „Lerngruppen“, die sind in Bibliotheken treffen und in einigen Fällen nur gemeinsam Kaffeetrinken oder die Mensa aufsuchen. Lernerfolg gleich Null. Doch wenn es dann wirklich eng wird und eine Prüfung kurz bevorsteht, werden ohne Murren und Meckern auch Nachtschichten eingeschoben, um den gewünschten Studienerfolg zu erzielen. Denn kann man wirklich nichts lernen, wenn man sich entscheidet, sein Leben für mindestens drei Jahre einer weiteren Ausbildung zu widmen?

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7.) Studenten haben keine Perspektive

Der 30-jährige Philosophiestudent, der noch immer im Hotel Mama wohnt und nicht weiß, wie er seine eigene Wäsche macht. Er studiert nur des Studierenswegen und möchte eigentlich einmal gar nicht arbeiten, sondern bloß eine gute Zeit verbringen. Dem muss ich hier widersprechen – wer will denn einmal nicht fertig werden? Sich eine „leiwande Zeit“ machen ist ja gut und schön – für eine gewisse Dauer, doch wer möchte schon ewig lange von den Eltern abhängig sein? Irgendwann hätte man ja schließlich gerne mehr Geld um eventuell einen ausgedehnteren Urlaub zu machen, oder sich kostenreichere Dinge leisten zu können. Diese (teilweise) perspektivenlose Phase des Chillens, beziehungsweise der Selbstfindung, kommt bei den meisten in unterschiedlich stark ausgeprägter Form vor, dennoch hat jene ein Ablaufdatum und das ist auch gut so.

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8.) Studenten haben nie Geld

True that – ein Großteil von uns ist chronisch pleite und steht dazu. Am Anfang des Monats, wenn das Gehalt diverser Aushilfsjobs, die Alimente und das Kindergeld überwiesen werden, kommt man sich vor wie der Kaiser von China. Ein neues T-Shirt hier, ein bisschen Essengehen da, morgen ‚mal wieder Kino und das klassische „Was? Ich habe um halb vier Uhr morgens 50€ abgehoben?“ und schon bemerkt man am 10. des Monats, dass noch verdammt viel Monat und verdammt wenig Geld übrig ist. Scheint so, als gäbe es die restlichen Tage ‚mal wieder Kartoffeln mit Butter, oder Reis mit Ketchup – Low-Budget-Küche ahoi! Weil nahezu jeder Student diese kleinen finanziellen Probleme hie und da hat, haben wir hier einen Artikel für euch, wie man im Altag ganz leicht Geld sparen kann und wie man in Wien mit nur 15 Euro auskommt. Ein Anfang sei somit getan.

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9.) Studenten haben ein Leben „wie ein junger Hund“

„Du hast es so gut!“, oder „So viel Zeit wie du hätte ich auch gerne“ Bei diesen beiden Phrasen sehe ich meinen grinsenden Großvater vor meinem inneren Auge und dazu kann ich bloß sagen: nein, nein und noch einmal nein! Die meisten von uns müssen irgendwelche oftmals schlecht bezahlten Studentenjobs machen, um sich finanziell über Wasser zu halten, kommen erschöpft von jenen nach Hause und müssen dann noch einige Stunden an Projekten oder Hausarbeiten für die Uni sitzen. Wie schon gesagt, gibt es auch Tage wo viel geschlafen wird, doch das ist eher die Ausnahme als die Regel. Um all das halbwegs effizient unter einen Hut zu bekommen, braucht man ein sehr gutes Zeitmanagement, denn mit der reinen Anwesenheit an der Uni ist es fast nie getan. Im Normalfall geht die richtige Arbeit zu Hause erst los und der Aufenthalt im Hörsaal ist – vor allem dann wenn das Wort „Vorlesung“ wirklich reines Vorlesen ist – lediglich die Erfüllung des Beurteilungskriteriums „Anwesenheitspflicht“.

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10. Auslandssemester sind Flirttraining mit Aufpolieren der Fremdsprachenkenntnisse

Wenn wir nun auch alle kurz schmunzeln müssen beim Lesen dieser Überschrift, so wage ich trotzdem zu behaupten: schuldig im Sinne der Anklage. Kaum jemand kommt aus dem Ausland wieder zurück, ohne zumindest ein „G’spusi“ gehabt zu haben. Und ja, im Ausland macht man definitiv weniger für die Uni als zu Hause, doch ist es der Sinn eines Auslandssemesters sich dann stur in der Bibliothek zu verbarrikadieren, frei nach dem Motto „hier sind endlich keine meiner Freunde, das nütze ich gleich um doppelt so viel zu lernen“? Ich finde nicht, denn auch wenn man hier deutlich weniger akademisch verwertbares Wissen erlernt, so gewinnt man bei Auslandsaufenthalten einfach so viel an Lebenserfahrung, kulturellem und zwischenmenschlichem Wissen dazu und perfektioniert obendrein seine Fremdsprachenkenntnisse mit vielen tollen, neuen Menschen.

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Hier haben wir noch weitere Mythen über das Studentenleben für euch, sowie alle Hürden und Freuden wenn man als Student vom Land in die Stadt zieht. Viel Spaß!

Für noch mehr Tipps solltet ihr unseren WhatsApp Service nützen, hier findet ihr eine genaue Anleitung.

Fotos:
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