Schifferl setzen Mariazell

Brauchtümer aus Österreich, die ihr kennen solltet

Sonntag, 28. Oktober 2018 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Brauchtümer aus Österreich, die ihr kennen solltet

Sonntag, 28. Oktober 2018 / Lesedauer: ca. 4 Minuten

Land der Berge, Sitten und Bräuche – ach unser vielgeliebtes Österreich. Die Berge kennt man bereits von allen Seiten. Aber was ist eigentlich mit den vielen Bräuchen, die unsre Kindheit begleitet haben und in uns nach wie vor ein wohliges Gefühl von Geborgenheit aufkommen lassen?

von Julia Wagner

Das Brauchtum ist die Gesamtheit der im Laufe der Zeit entstandenen und überlieferten Bräuche und davon hat Österreich jede Menge. Doch welche Brauchtümer gibt es überhaupt und welche Bedeutung und Geschichte bringen sie mit sich? Wir haben uns mal umgehört und für euch eine kleine Übersicht an österreichischen Brauchtümern zusammengefasst, die ihr vielleicht noch nicht kennt oder die euch an schöne Momente mit euren Lieben erinnern. Wir wünschen euch viel Freude beim Erinnern und neu Entdecken.

Allerheiligenstriezel backen

Allerheiligen ist nicht nur ein Feiertag am 1. November und damit ein weiterer Grund, am 31. Oktober auf diversen Halloween-Festen den Partytiger zu geben – sondern auch ein Tag, der uns schöne Brauchtümer beschert. Besonders in der Steiermark, im Grünen Herz Österreichs, wird an Allerheiligen die süße Tradition des Allerheiligenstriezelbackens gefeiert. Das Germgebäck, das ursprünglich ein Geschenk von Taufpaten an ihre Taufkinder war, wird heute an Allerheiligen im Kreise der Familie gebacken und anschließend gemeinsam vernascht. Wer beim traditionellen Allerheiligenstriezelbacken nach althergebrachter Methode einmal selbst mitmischen möchte, kann das in der historischen Rauchstube des Freilichtmuseums Stübing in der Steiermark miterleben – einfach vorbeikommen und mitbacken. Auch ein Besuch bei den steirischen Bauernmärkten lohnt sich, denn dort werden die frischen Striezel mit und ohne Rosinen und Zuckerstreusel angeboten. Die Steiermark garantiert rund ums Jahr eine Entdeckungsreise für Genießer und Feinschmecker und alle, die gerne neue Produkte verkosten. So erwarten euch auch im nahenden Advent weitere Köstlichkeiten wie Nusspotizen, Kletzenbrot und Weihnachtskekse und stimmen auf die besinnlichste Zeit des Jahres ein.
Tipp:
Der Bauernmarkt in Graz am Kaiser-Josef-Platz ist immer einen Ausflug wert. In der Steiermark wird der Urlaub bestimmt zum Genuss.

Der Adventkranz

Der Adventkranz hat bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts Tradition. Ursprünglich war er mit 24 Kerzen versähen, wurde jedoch später auf die heutige Form mit 4 Kerzen (einen für jeden Adventsonntag) reduziert und ist eine unserer liebsten Dekorationen in der Vorweihnachtszeit. Mittlerweile gibt es Kränze mit allen möglichen Verzierungen – von kleinen Perlenketten, über Rentiere, bis hin zu funkelnden Kugeln sind der Fantasie hier keine Grenzen gesetzt. Wer besonders kreativ ist, kann sich seinen Adventkranz auch ganz leicht nach individuellem Belieben selbst binden – macht total Spaß und ist garantiert einzigartig.

Schifferlsetzen

Das Schifferlsetzen ist ein sehr regionales Brauchtum aus dem obersteirischen Mariazellerland. Hier wird sich seit Jahrhunderten kurz vorm 6. Dezember, also bevor der Nikolaus kommt, zusammengesetzt und Schiffe aus Papier gebastelt und verziert. Zurückzuführen ist das Schifferlsetzen auf den Hl. Nikolaus, den Schutzpatron der Flößer und Seefahrer. In der Nacht auf dessen Namenstag am 6. Dezember setzten die armen Leute selbstgebastelte Schifferl vor die Türen der Bürgersleute, um Gaben, meist Mehl oder andere Grundnahrungsmittel in ihr Schifferl gefüllt zu erhalten. Heute setzen meist Kinder die Schifferl vor die Tür ihrer Taufpaten und bekommen diese dann gefüllt mit süßen Leckereien zurück. Ein Brauchtum der im Mariazellerland bis heute fortgeführt wird.

Schifferl setzen Mariazell

(c) Fred Lindmoser Mariazellerland-Blog

Krampus

Der Krampus ist vermutlich den meisten ein Begriff und der eine oder andere wird auch schon mal einen Rutenschlag von ihm bekommen haben. Denn der Krampus ist im alpenländischen Brauchtum eine Schreckgestalt der Ad­ventszeit, welche den Heiligen Nikolaus begleitet. Das Brauchtum besagt, dass während der Nikolaus die bra­ven Kinder beschenkt, die unartigen vom Krampus bestraft werden. Aber auch beim Krampus wird von Region zu Region unterschieden. Heute hat sich vor allem der Krampuslauf am 5. Dezember etabliert. Dahinter stehen regionale Krampus-Vereine, welche mit Hingabe das ganze Jahr an aufwendigen Holzmasken arbeiten und solche Läufe und Choreografien dafür planen. Gerade in den letzten 20 Jahren hat sich diese Tradition mehr zu einer Art Show entwickelt, um die aufwendigen Handarbeiten der Masken und Feuerinstallationen zu präsentieren. Der Besuch eines Krampuslaufs ist also auf keinen Fall gefährlich, sondern vielmehr ein beeindruckendes Erlebnis.

Fasslrutschen

Jap – ihr habt richtig gelesen, auch das Runterrutschen von einem Weinfass ist ein Brauchtum und wie wir finden, ein sehr witziger noch dazu. Bekannt ist dieser Brauch vor allem im niederösterreichischem Klosterneuburg. Gerutscht wird jährlich um den 15. November herum, da hier der Landesschutzpatron Leopoldi am gleichnamigen Leopoldi-Markt in Klosterneuburg bei gebratenen Mandeln und Glühwein gefeiert wird. Um den Ursprung des Rutschens, der bis heute nicht geklärt ist, gibt es zahlreiche Legenden. Eines ist aber klar, wer Fasslrutscht dem sollen auch Wünsche während dem Rutschen in Erfüllung gehen. Und auch wenn das vermutlich nicht der Fall ist, so macht es doch unheimlich viel Spaß über ein riesiges Weinfass zu rutschen und das nach dem einen oder anderen Glas Glühwein.

Die Osterratschen

Ein weit verbreiteter Brauchtum, vor allem in den ländlichen Regionen von Österreich ist das Osterratschen. Beim Osterratschen wird am Karfreitag oder Karsamstag um 5 Uhr früh mit einer sogenannten Ratsche ein *ratschendes* Geräusch erzeugt. Hintergrund des Brauchtums ist, dass die Kirchenglocken während der Zeit zwischen dem Tode Christi und seiner Auf­erstehung schweigen müssen. Man sagt dann, die Kirchenglocken „seien nach Rom geflogen“. Die Aufgaben der Kirchenglocken (die Ankün­di­gung der Tageszeiten und der Ruf zu den Gottes­dien­sten) werden also von Gründonnerstag bis Karsamstag von den Ratschen übernommen. Das Osterratschen übernehmen meist Jugendliche, das kann natürlich wie bei allen Brauchtümern von Region zu Region unterschiedlich sein.

Sonnwendfeiern

Alljährlich zur Sommersonnenwende, soll im Juni nicht nur der längste Tag – und die kürzeste Nacht des Jahres gefeiert werden, sondern auch böse Geister vertrieben werden. Das Sonnwendfeuer zeigt ein beeindruckendes Spektakel, welches den Nachthimmel rund um den 21. Juni hell erleuchtet. Wie bei vielen Brauchtümern unterscheiden sich auch hierbei wieder viele Regionen voneinander, wo und an welchem Tag das Feuer genau gefeiert wird.

Wir hoffen wir konnten euch den einen oder anderen Brauchtum vorstellen oder euch in schönen Erinnerungen schwelgen lassen.

Ihr liebt die verschiedenen Dialekte und die österreichische Mundart? Dann testet doch euer Wissen bei unserem Mundart-Quiz. Wenn ihr lieber auf Entdeckungstour geht, dann findet ihr in unseren ToDo’s jede Menge cooler Ausflugsziele für ganz Österreich.

Beitragsbild: (c) Fred Lindmoser – Mariazellerland-Blog

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