Die 10 spannendsten Schluchten in Österreich

Freitag, 4. Mai 2018 / Lesedauer: ca. 8 Minuten

Die 10 spannendsten Schluchten in Österreich

Freitag, 4. Mai 2018 / Lesedauer: ca. 8 Minuten

Von Mai bis Oktober haben die Schluchten in Österreich Hochsaison. Immerhin sind sie die perfekte Mischung aus Flucht vor der sengenden Hitze, Wandern in der Natur und Wasserfallliebe. Was die unserer Meinung nach spannendsten Schluchten darüber hinaus noch so im Angebot haben, erfahrt ihr hier.

von Viktoria Klimpfinger

„Land der Berge, Land am Strome“ – ja, ja, Berge und Flüsse hat die Alpenrepublik mehr als genug. Und wo Berge und wo Ströme sind, da gibt’s natürlich auch Schluchten. Und das nicht zu knapp. Fast 300 davon sind in Österreich begehbar. Weil wir uns beim Schluchtenwandern immer ganz abenteuerlustig fühlen, haben wir hier für euch die zehn spannendsten Klamm-Erlebnisse zusammengestellt.

1. Seisenbergklamm

Seit 1831 ist die Seisenbergklamm im salzburgischen Weißenbach für Besucher zugänglich. Heutzutage ist sie unterm Jahr von Mai bis Ende Oktober täglich von 8:30 bis 18:30 Uhr geöffnet und gegen eine Maut von € 5,- begehbar. Holzstege führen durch die üppig grüne Schlucht, über das tosende Wasser hinweg. Am besten mal kurz innehalten und die klare, von Vogelgezwitscher geschwängerte Luft einschnaufen – hach! Aber die Klamm lockt längst nicht nur, weil sie so ziemlich der Inbegriff einer heimischen Schlucht ist. Hier gibt’s noch viel mehr zu entdecken, und zwar auf dem Erlebnisweg, der Besuchern in zehn Stationen den Schluchten-Lifestyle näher bringt: Ein Duftbaum bohrt verschiedenste Naturgerüche in die Nase. Oder ein Lehrpfad führt über ein Moor und informiert genauer. Und wer nach einem so idyllischen Ausflug einfach noch nicht nachhause will, der kann von der Seisenbergklamm aus sogar bis zur bayrischen Grenze weitermarschieren.

Aber Achtung: Vielleicht säuselt euch in den Schlünden und Mooren der Klamm der Wurzelgeist ins Ohr. Ja, richtig gelesen: Der Sage nach habe man früher durch das Tosen des Wassers hindurch immer wieder eine Stimme rufen hören: „Holt’s mi aussa!“ Irgendwann versperrte eine riesige Baumwurzel die Klamm, die Knechte nur mühsam abtragen und ins Tal befördern konnten. Keiner wusste sich aber zu erklären, zu welchem Baum die steinharte Wurzel gehören könnte. Kurzum: Wie in fast jeder österreichischen Sage besprenkelte der Pfarrer das unheilvolle Teil mit Weihwasser und am nächsten Tag war’s weg. Erklärung: Das Weihwasser hat den Wurzelgeist endlich, endlich befreit – ein Glück!

2. Barbarossaschlucht

Auch die Barbarossaschlucht im Kärntner Mölltal ist mit ihren dicht verwachsenen Hängen und engen Felsgängen idealer Sagenspielort. Namensgeber der Schlucht war Kaiser Friedrich I., auch „Barbarossa“ genannt wegen seines roten Bartes. Er machte nach einem seiner Kreuzzüge mit seiner Gefolgschaft in der Schlucht Rast. Während der Rotbart schnarchte, hielten die Soldaten Wache. Und da erschien auch schon der Superstar der Sagenwelt: Der Teufel höchstpersönlich heftete sich an ihre Fersen. Wie sie ihn wieder abgehängt haben, erfahrt ihr entlang des Rundweges durch die Barbarossaschlucht, der ungefähr zwei Stunden dauert. Die beste Jahreszeit dafür ist von Mitte April bis Ende Oktober.

3. Kaiserklamm

Der Name lässt schon ahnen, dass auch die Kaiserklamm einst österreichische Blaublütler beherbergte. Und zwar die Royals schlechthin: Sissi und Franzl! Sie übernachteten im Gasthaus „Kaiserhaus“, das am Beginn der tiroler Klamm steht. Das Zimmer ist bis heute für Habsburgerfans im Originalzustand erhalten.

Grüß Gott, good morning from beautiful colourful #Tirol 🌸🌺💙

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Die Wanderung durch die Klamm dauert zwar nur eine gute halbe Stunde, hat aber alles zu bieten, was das Herz der Schluchten-Fans begehrt: Gesicherte Pfade, die die Holzarbeiter vor Urzeiten in den Fels geschlagen haben, die Brandenberger Ache, die tosend durchs Gestein stürzt, und enge Felsdurchlässe, mystischen Geheimgängen ähnlich. Wer die Schlucht noch hautnäher erleben will, dem bleibt nur der Sprung ins Wasser. Aber bitte nicht auf eigene Faust: Beim Anbieter Sport Ossi kann man Wildwasserschwimmen, Rafting und Schlauchreiten buchen und damit die Ache vom Spitzing See bis zum Inn unsicher machen. Übrigens ist sie das letzte unverbaute Wildwasser Tirols!

Die Kaiserklamm in Tirol

Geöffnet ist die Kaiserklamm täglich von Mai bis Ende Oktober, außer an starken Regentagen. Der Eintritt ist frei.

4. Wasserlochklamm

Diejenigen von euch, die Schluchten lieber mit Action verbinden, kommen auch in der Wasserlochklamm in der Steiermark voll auf ihre Kosten. Auf der Salza, die durch die Klamm braust, kann man eine vierstündige Rafting-Tour machen. In der Klamm selbst kann man sich über ein Sprungbrett in die Fluten stürzen und in ruhigerem Gewässer ein bisschen plantschen.

Aber auch für Mystery-Wanderer ist etwas dabei: Der Endpunkt der circa eineinhalbstündigen Wanderung durch die Klamm, vorbei an ganzen fünf Wasserfällen und jeder Menge grüner Waldflora, ist das Wasserloch in der großen Quellhöhle, von dem sie offensichtlich ihren Namen hat. In unregelmäßigen Abständen steigt plötzlich innerhalb von 15 Minuten der Wasserspiegel der Quelle und sie speit bis zu 5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in die Tiefen der Schlucht. Woran das liegen könnte, haben die Bat Divers rund um Höhlentaucher Robert Kriz bereits bei einigen Tauchgängen versucht zu eruieren. Bis zu 76 Meter tief sind sie vorgedrungen, was darunterliegt, ist bis heute ein Geheimnis.

Die Wasserlochklamm in Tirol

Die Klamm ist von Mitte April bis Ende Oktober zugänglich. Erwachsene zahlen € 6,50 Eintritt.

5. Gimbach-Kaskaden

Ihr wollt euch nicht zwischen Schluchtenwanderung und Tuchfühlung mit dem reißenden Wasser entscheiden? Müsst ihr in der Gimbachschlucht auch nicht. In der Nähe des oberösterreichischen Attersees wandert ihr nämlich zunächst mal fünf Kilometer lang durch die Klamm zu den Wasserfällen des Gimbachs. Dann tauscht ihr Wanderschuhe mit Flossen, Sonnen- mit Taucherbrille und Abzip-Hosen mit Neoprenanzügen – und ab geht’s mit wasserdichten Rucksäcken flussabwärts im glasklaren Naturgewässer. Ihr erkundet das zwei bis sieben Meter tiefe Bachbett, genießt das Rauschen des kühlen Wassers und erschreckt nebenbei den einen oder anderen nichts ahnenden Fisch mit eurem Schnorchel-Look.

#gimbach #attersee #nofilter

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Buchbar sind diese Touren von 1. Mai bis 31. Oktober ab drei Personen beim Tourismusverband Attersee-Salzkammergut. Pro Person kommt der Wander-Wasser-Spaß auf stolze € 69,-, Ausrüstung, Einweisung und erschrockene Fische inklusive.

6. Wolfsschlucht

In der oberösterreichischen Wolfsschlucht kann man sich mit dem Baden aber auch aus einiger Distanz beschäftigen. Denn ab 1846 wurden die Wasserfälle hier zu öffentlichen, naturgegebenen Duschen, die Wasserbecken zu Wellenbädern umfunktioniert. Ein öffentliches Schwimmbad der Natur quasi! Ursprünglich bestand diese sogenannte „Heilklamm“ aus vielen Holzbauten der damaligen Kaltwasseranstalt Bad Kreuzen. Heute erinnern in der Wolfsschlucht nur noch Fundamente, Pfostenlöcher und nachträglich angebrachte Schilder daran, die den knapp fünf Kilometer langen, idyllischen Natur- und Kulturlehrpfad durch die Klamm säumen. Anscheinend wurde hier aber schon weit früher gebadet. Darauf deutet zumindest ein erst kürzlich entdeckter mittelalterlicher Badestein hin, den man sich rechts des Weges auch mal genauer ansehen kann.

7. Hagenbachklamm

Insgeheim seid ihr jetzt ganz schön enttäuscht, dass die Wolfsschlucht nichts mit freilaufenden, streichelbaren Wolfsbabys zu tun hat? Der Grad an Fluffigkeit ist zwar nicht unbedingt derselbe, aber vielleicht sind ja Greifvögel eine mögliche Alternative. Streicheln werden sich die wahrscheinlich auch nicht lassen, aber in Europas größter privater Greifvogelzuchtstation am Ende der niederösterreichischen Hagenbachklamm kann man sie zumindest anstarren und beim Flügelflattern beobachten. Ungefähr 300 Tiere von 30 verschiedenen Arten leben hier im saftigen Grün des Wienerwaldes. Ein Drittel davon kann man sich im Rahmen einer Führung genauer ansehen.

Aber auch ohne Vögel-Anstarren ist die Hagenbachklamm einen Ausflug wert. Schon ihre Lage mitten im Naturpark Eichenhain deutet auf viele uralte Eichen und somit eine schattige Wanderung hin – gerade in der Sommerhitze ideal zum Abkühlen! Noch besser funktioniert das natürlich, wenn man die während der ungefähr zweistündigen Wanderung glühenden Füße ins seichte Bachbett steckt. Die Klamm ist das ganze Jahr über geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die Greifvogelzuchtstation ist allerdings von April bis November nur am Wochenende und an Feiertagen geöffnet, und zwar von 9:30 bis 12:00 Uhr und von 13:00 bis 17:00 Uhr.

8. Bürserschlucht

Wer sich lieber intensiver mit der Schlucht selbst beschäftigen will, der ist in der Bürserschlucht in Vorarlberg richtig. Dort gibt es nämlich von Juli bis September immer mittwochs eine Führung durch die Schlucht. Warum? Weil sie verdammt alt ist! Seit der Eiszeit hat der Alvier-Bach sich durchs Gestein gegraben und die Schlucht geformt. Vor allem Geologie-Begeisterte kommen hier voll auf ihre Kosten: Endlich bekommen sie seltene Einblicke in die jüngere Erdgeschichte. Der Schotter, mit dem der Bach seit der letzten Eiszeit die Schlucht eingegraben hat, ist sogar zu einem geologischen Fachausdruck geworden: das „Bürser Konglomerat“.

Die Bürserschlucht in Vorarlberg

Doch auch alle übrigen Naturliebhaber haben bei fast urwaldähnlicher Flora sicher einiges zu staunen. Die Gehzeit der Tour beträgt zwei Stunden, insgesamt dauert sie aber vier Stunden. Ab 11 Uhr kann man sich mittwochs beim Gemeindeamt Bürs anmelden, wo die Führung auch um 14 Uhr startet. Das Ganze kostet erschwingliche € 1,50 pro Person. Getränke und Snacks solltet ihr dafür aber selbst mitbringen.

9. Groppenstein- und Rabischschlucht

Wenn wir schon mit ultralangen Zeitspannen wie der seit der Eiszeit angeben, dann darf natürlich auch der geografisch längste Schluchtenweg Kärntens nicht auf unserer Liste fehlen. Also eigentlich sind es ja zwei Schluchten, die hier aufeinandertreffen: die Groppensteinschlucht einerseits und die Rabischschlucht andererseits. Ihre atemberaubenden Gipfel, üppigen Wiesen und abenteuerlichen Steiganlagen verbinden die beiden Nationalparkgemeinden Mallnitz und Obervellach miteinander.

Faulenzer gehen drei Stunden lang von Mallnitz aus bergab nach Obervellach. Die mit den Stahlwaden gehen von Räuflach aus vier Stunden lang bergauf. Also die klassische Matrix-Situation: Welche Pille wählst du? Aber keine Sorge: Entlang des Weges gibt es einige gemütliche Hütten zum Einkehren.

10. Raabklamm

Und weil wir schon beim Längenvergleich sind, kommt jetzt der absolute Sieger: Die Raabklamm ist mit stolzen 17 Kilometern die längste Schlucht Europas. Die Raab fließt rauschend mitten durch die ausgespülten Steilhänge und lichten Wälder des Europa-Schutzgebiets Natura 2000 in der Oststeiermark. Weil diese Bilderbuchidylle eben ein Naturschutzgebiet ist, können Pflanzen- und Tierwelt auch ganz ungehindert gedeihen. Hier nistet zum Beispiel der Schwarzstorch oder überwintert die Mopsfledermaus. Wenn ihr geduldig seid, läuft euch sicher der eine oder andere fellige oder geflügelte Bewohner über den Weg. Auf Anfrage sind Flusserlebniswanderungen oder Führungen mit Höhlenbesuch möglich.

Und keine Sorge: Ihr müsst natürlich nicht die gesamten 17 Kilometer wandern. Es gibt immer wieder Abkürzungen und Streckenabschnitte wie die „Kleine“ Raabklamm, die sich vom stillgelegten Gasthaus Jägerwirt bis zum Gemeindeamt Mitterdorf/Raab zieht und sich für jedes Wanderkönnen eignet. Wer es anspruchsvoller mag, kann sich ja mal am Rundwanderweg der zehn Kilometer langen „Großen“ Raabklamm ausgehend vom Arzberg versuchen. Meistens führt der Weg direkt an der Raab entlang – die perfekte Abkühlung bei teils anstrengenden Etappen.

Ihr findet, wer „Schlucht“ sagt, muss auch „Wasserfall“ sagen? Dann haben wir hier die schönsten Wasserfälle Österreichs für euch. Was ihr in Österreich generell so alles anstellen könnt, zeigen euch unsere To Do’s.

Beitragsbild Seisenbergklamm (c) 1000things Redaktion / Luisa Lutter

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