Endstation: Seestadt

Mittwoch, 29. März 2017 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Endstation: Seestadt

Mittwoch, 29. März 2017 / Lesedauer: ca. 3 Minuten

Uns sind die Endstationen von vielen U-Bahn Strecken gut bekannt vom Hören-Sagen. Ob die U1 mit Leopold und Reumannplatz oder die U4 mit Heiligenstadt und Hütteldorf. Hat es uns aber aus eigenem Interesse je nach Siebenhirten oder Floridsdorf verschlagen? Wir wollten diesen Umstand nun ändern und haben uns in die U-Bahn gesetzt. Erfahrt am Blog was wir entdeckt und erlebt haben.

von Luisa Lutter

So viel wir auch tagtäglich fleißig über Wien posten, alle Orte kann auch das Team von 1000things nicht kennen, dem wollen wir aber so gut wie möglich entgegen wirken und haben uns zu den Endstationen unserer U-Bahnen aufgemacht, um euch auch fernab der Hipsterbezirke und Lieblingsgrätzel ein paar spannende Ecken und Straßen aufzuzeigen. Auftakt hierbei machte dabei die Seestadt. Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen!

Es war Zufall, dass ausgerechnet Seestadt als Erstes ausgewählt wurde. Seestadt, ein Name, den ich zuvor oftmals am Karlsplatz an der Anzeigentafel las und dabei in Gedanken abschweifte. Seestadt klingt nach Holzstegen und Spritzer zum Sonnenuntergang. Doch der Alltag brachte einen bisher nie dorthin. Der Entschluss kam plötzlich und war hartnäckig: Dieser Umstand soll sich ändern. Also hinein in die U-Bahn, einfach mal sitzengeblieben und durchgefahren.

Überrascht waren wir beim Aussteigen schon. Meine Begleitung und ich schwammen gegen den „Strom“, der in diesem Fall von ca. zehn Personen dargestellt wurde, die mit uns bis zur Endstation in den 22. Gemeindebezirk gefahren waren. Wir entschieden uns den Ausgang „Promenade“ zu nehmen. Dies war auch keine schlechte Idee, denn wir wurden unten direkt mit Holzplanken und Sand in Empfangen genommen. Ein paar Sonnenstrahlen mehr, ein paar Grad wärmer und das Sommerfeeling wäre sofort aufgeploppt.
Über Holzplanken laufen macht mich schon seit vielen Jahren glücklich, ich weiß nicht woher es kommt, aber es hat eine beruhigende Wirkung. Daher war ich von dem Weg, um den Asperner See, sehr angetan. Da konnte auch die Hochhaus-Skyline von Seestadt wenig dran ändern, denn mit den Wolkenformationen und der Wien-Silhouette machte der Blick einiges her.

2010 wurde damit begonnen, den See künstlich auszuheben. Seit 2015 können sich nun die Anrainer und Besucher an zwei Kieselstränden hinlegen, die Sonne genießen und zur Abkühlung ins kühle Nass springen. Wir konnten bei unserem Besuch nur erahnen, wie viel hier im Sommer an der Strandpromenade los sein muss.
Aber auch in der, noch nicht ganz so warmen Jahreszeit, kann man einiges an Freizeitaktivitäten in der Nähe unternehmen: Neben einigen Kinderspielplätzen gibt es auch zwei Laufstrecken und eine große Hundezone. Aber auch eine Funsportanlage steht bereit, für Skater und Boulliebhaber eine schöne Sache. Man kann hier ein bisschen die Zeit aus den Augen verlieren und bei einem Spaziergang oder, wer ein Buch dabei hat, auch lesend  zwischen Gestern und Morgen hängen bleiben.

Uns zog es dann aber doch weiter hinein in die Stadt. Wir wählten allerdings einen Weg, der uns erst einmal seitlich vorbei führte. Hier gab es viele interessante Sitzkonstruktionen und Parkflächen. Leider machte die ganze Anlage aber noch einen sehr kargen und kahlen Eindruck. Die betonierten Pfade sind für meinen Geschmack zu geradlinig angelegt und alles macht einen sehr aufgeräumten und akkuraten Anschein.

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Die Seestadt ist ein eigener Mikrokosmos, das merkt man sehr schnell. In mehreren Etappen, die für die nächsten 20 Jahre angedacht sind,  sollen hier einmal bis zu 20.000 Menschen leben und fast genauso so viele Arbeitsplätze entstehen. Noch habe ich aber eher den Eindruck, dass viele Bewohner, aus Ermangelung an gegebener Vielfältigkeit, die selbe Feiertagsdeko beim Libro erstehen müssen.

Seestadt lässt sich tatsächlich schwer in Worte fassen, wer sich vorab beliest, erhält eine ganze Bandbreite an Innovationsartikeln und Beschreibungen von urbanen Lebensräumen. Die praktische Umsetzung wird wohl bis zur endgültigen Verwirklichung noch etwas ausreifen müssen, aber Seestadt gibt sich bereits jetzt alle Mühe, den Bewohnern einiges zu bieten. Das Kultur -und Kommunikationsprogramm lockt mit Mitmach-Aktionen, wie z.B. Urban Gardening oder die Fahrradreparatur. Dabei wird der See jedoch immer wieder als Herzstück der stetig wachsenden Stadt erwähnt und besonders hervorgehoben.

Die Seestadt soll ein Zufluchtsort werden, für alle Liebhaber der Natur und Menschen, die zwar gerne Zentrumsnahe wohnen, aber dennoch die Abgeschiedenheit mögen und denen der Trubel in der Stadt zu viel ist. Zentrumsnahe? Nun, wie man es nimmt, aber die Anbindung mit der U2  ist nicht schlecht. Innerhalb von 30 Minuten ist man am Karlsplatz, von Endstation zu Endstation. Ich benötige innerhalb der inneren Bezirke meistens genauso lange.

Cool sind die eigenen Fahrradstationen für Seestadt. Da besonders große Acht auf viele Fuß -und Radverkehrswege gelegt wird, sind mehrere Fahrrad-Entlehnstationen bereits in Betrieb. Bei der „Seestadtflotte“, wie sie auch genannt wird, hat jedes Fahrrad einen eigenen Namen, wie z.B. „Seehase“ oder „Seerose“. Eine süße Aktion, die es irgendwie persönlicher werden lässt.

Kulinarisch konnten wir leider keine große Überraschung entdecken. Jedoch lachte uns das Café Leo an, welches Bistro und Bäckerei in einem ist und einen gemütlichen Eindruck machte und gleich vis-à-vis des Hannah-Arendt-Parks liegt. Ebenfalls nahe am Park befindet sich das Portobello, ein feines Restaurant, das mit guter Küche aufwartet. Besonders der Lunch montags bis freitags zwischen 11:30-14:30 Uhr für 6,90€  stach uns ins Auge.

 Beim Schlendern zurück zur U-Bahn entdeckten wir dann noch die Seestadt Kantine. Obwohl drumherum gebaut wird und das Lokal aus Containern besteht, haben wir es irgendwie ins Herz geschlossen, da es liebevoll dekoriert ist und einfach klein und süß. Hier gibt es wechselnde Wochenmenüs, welche für 5,90€ angeboten werden, inklusive Suppe und Salat.

Im Großen und Ganzen war es ein kurzweiliger Ausflug, der irgendwie sogar, dank des Sees, ein wenig Urlaubscharakter hatte. Wir werden bei wärmeren Temperaturen sicherlich noch einmal hinfahren und uns umsehen. Denn wir haben den Eindruck bekommen, dass sich inSeestadt noch einiges tun wird. Wir bleiben gespannt.

Wir haben euch Lust auf weitere Wien-Entdeckungen gemacht? Perfekt! Dann schaut doch mal hier vorbei und erfahrt, was ihr wo mit euren Lieblingsmenschen in unserer schönen Stadt machen könnt.
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