Flanieren auf der Kettenbrückengasse

Sonntag, 21. August 2016 / Lesedauer: ca. 7 Minuten

Flanieren auf der Kettenbrückengasse

Sonntag, 21. August 2016 / Lesedauer: ca. 7 Minuten

Man kennt die Kettenbrückengasse im 5. Bezirk wahrscheinlich eher in Verbindung mit dem gleichnamigen Bahnhof der Linie U4 und mit dem obligatorischen Bummel auf dem Naschmarkt, an dem man beim Aussteigen einfach nicht drum herum kommt. Doch gibt es auch auf der dazugehörigen Straße einiges zu entdecken.

von Luisa Lutter

Im Zuge unserer Straßenportraits und Grätzltouren haben wir uns nach der Gumpendorfer Straße einmal in der Kettenbrückengasse umgesehen und in die bunten und vielfältigen Läden reingeschaut, die für eigenen Charme der aufkommenden Szenemeile sorgen. Die aufgeführten und beschriebenen Läden sind natürlich nur eine Auswahl, es gibt bei Weitem noch allerhand mehr zu entdecken, aber jetzt erstmal viel Spaß beim Stöbern!

Überquert man die Wienzeile und begibt sich in die Kettenbrückengasse, kommt auf der rechten Seite gleich bei der Nummer 21 der Salon der Anna Stein. Die frohen Farben und bunten Stühle vor den hohen Schaufenstern lassen einen langsamer gehen und verleiten zum Hineinschauen. Richtig so! Hier gibt es sorgfältig ausgesuchten Schmuck, allerlei Accessoires und auch verschiedenste Bücher, von Architektur bis hin zum Backvergnügen, stehen verstreut in den Regalen rum. Die Atmosphäre lädt zum Entdecken ein. Der Banner am Eingang verspricht bereits, dass die Räumlichkeit auch Platz für mehr bietet und so kann man sich auf der Homepage über Konzerte, Workshops vor Ort und Co. informieren. Die Öffnungszeiten sind etwas eigenwillig:

Mittwoch von 14-19 Uhr, Freitag 13 – 19 und Samstag 10 – 17 Uhr.

Alle näheren Infos zu Anna Stein findest du hier!

Vis-à-vis auf der anderen Seite befindet sich der stylishe Laden des Lomography Embassy Shop Vienna. Dort werdet ihr hervorragend beraten, wenn ihr Fragen rund um das Phänomen der kleinen Kamera habt. Es wird bei der Auswahl geholfen, gründlich Beraten und es gibt allerlei Ergänzungsprodukte für noch mehr Spaß am Fotografieren. Der Laden ist sehr großzügig gestaltet und ihr findet zudem auf der Galerie noch allerhand kurioser und witziger Dinge, die man nicht unbedingt braucht, aber den Alltag amüsanter machen. Hängen gebliebenen bin ich persönlich bei den Postkarten, es ist eine interessante Mischung und man hat das Bedürfnis, alle anzuschauen.

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Direkt nebenan schließt sich der Laden von Eduard A. Fruth an. Ohne glänzenden Augen vorbei zu gehen, schaffen nur wenige, denn hier werden zuckersüße Träume erschaffen. Beim Betreten macht man sich auf zu einem Streifzug durch die französische Pâtisserie. Darf es ein Törtchen oder lieber ein Éclaire sein? Die Qual der Wahl hat man hier allemal. Aber für was man sich am Ende auch entscheiden mag, selig lächelt man so oder so.

Bildschirmfoto 2016-08-22 um 08.24.22

Der kleine Laden Cameo besticht durch seine bunt zusammengewürfelte Garderobe. Beim Betreten des Ladens schaltete der Besitzer sogleich sanfte Musikklänge ein, die passend zum Stöbern waren. Allen ausgewählten Kleidungsstücken ist gemein, dass sie in Italien hergestellt und dort auch handverlesen ausgewählt wurden, um dann nach Wien in den Laden gebracht zu werden. Das Sortiment reicht von Blusen, über Kleider, Pullis, Röcken und auch Bodys. Besonders faszinierend war die kleine Auswahl an interessanten und ausgefallenen Hüten. Die Preise sind akzeptabel, aber nicht unbedingt für alle Stücke gerechtfertigt. Fazit: Nicht unbedingt für den Alltag, aber wer das gewisse Extra sucht, wird hier bestimmt bei dem ein oder anderen Teil fündig.

Im Statt Garten geht es weder um das leibliche Wohl noch um Kleidungsstücke: Hier findet man alles rund um unser größtes Organ. „Gut zur Haut sein” ist das Credo, von welchem das Team von „Statt Garten“ ausgehen. Naturkosmetik soweit das Auge reicht, vertreten sind bekannte Namen, aber auch kleinere Neuentdeckungen. Natürliche und hochwertige Pflegeprodukte reihen sich aneinander, eine Auswahl zu treffen ist da schwer, aber man wird gerne und gut beraten. Im 1. Stock über dem Verkaufsladen befindet sich das dazugehörige Studio, in welchem verschiedenen Behandlungen zur Anwendung kommen und spezielle Hand- und Fußpflegen angeboten werden. Alle vertretenden Kosmetikfirmen sind hier aufgelistet:

Wir wechseln die Straßenseite und stoßen, ein paar Hausnummern zurück gehend, auf das Bananas, von außen leuchtet uns das gelbe Namensschild entgegen. Wie Motten im Licht werden wir angezogen. Beim Betreten merkt man sofort, dass hier viel Liebe für’s Detail aufgewendet wurde und umso begeisterter nimmt man sich Zeit zum Stöbern. Der Besitzer des Ladens hat sich auf restauriertes Mobiliar von 1930-1980 spezialisiert. Zwischen von der Decke hängender Lampen, Spiegeln und Schildern an den Wänden und Schmuck auf Tischchen wandelt man durch den Laden vorbei an Couchen, Sesseln, Stühlen, Schränken und kommt aus dem Schwärmen nicht heraus. Der Charme des Angebots reißt einen mit. Achtung, nicht hineingehen ohne das nötige Kleingeld und wirklich Platz in der eigenen Wohnung. Akute Kaufrausch- und Gelüstegefahr besteht! Öffnungszeiten sind von Dienstag-Freitag 13-18 Uhr, sowie Samstag 11-16 Uhr.

Ebenfalls staunend steht man vor der Auslage des ready made by Salner, hier werden wohl eher die Frauenherzen höher schlagen. Martina Salner schneidert vor Ort zauberhafte Kleider, aus fließenden und schillernden Stoffen, sodass der haptische Drang, alles anzufassen, schwer zu unterdrücken ist. Im Schaufenster liegen und hängen zudem allerlei Ketten und Armbänder, die so leicht und zart anmuten, dass man Angst hat, sie könnten beim Anlegen zerbrechen (was sie natürlich nicht tun!). Steht man erstmal im Laden, ist man überrascht, dass es noch einen Seitengang gibt, welcher mit Spiegeln ausgekleidet ist und somit eine optische Vergrößerung erzeugt. Hier steht eine gefühlte endlose Schuhreihe und hängen die Kleidungsstücke, welche aktuell im Sale sind. Am liebsten würden wir sie alle mitnehmen, aber wir besinnen uns gerade noch rechtzeitig, ehe die Kreditkarte heiß laufen kann und eilen schnell wieder hinaus auf die Kettenbrückengasse, um unsere Rundtour fortzuführen.

Wir überqueren die Straße, schmunzeln über die Ironie, als wir lesen, dass die Fleischerei gegenüber den Namen Fischer trägt und kehren dann schon in die Käseschatztruhe ein, da wir bereits neugierig von dem Namen angezogen werden. Es präsentiert sich uns beim Betreten ein kleiner, feiner Laden mit einem Tischchen drin, an dem sitzend man auf die Straße schauen kann und dabei früh oder mittags kleine Imbisse vernaschen kann, die zum Thema Käse passen. Der Laden wird von Andi und Daniela betrieben, zwei Käse- und Milchproduktliebhaber. Auf ihrer Homepage erfahrt man, dass Daniela die Prüfung zum Diplom-Käsesommelière absolvierte und Andi den Kontakt zu den Herstellern aufnahm. Ihr Wunsch war es, hochwertige und prämierte Käsesorten von Produzenten aus den österreichischen      im Laden präsentieren zu können. Man merkt, wie sehr ihnen die Angelegenheit am Herzen liegt und staunt, wie detailliert die Informationen sind, welche sie über die Betriebe, Produzenten und auch über die verschiedenen Regionen erzählen können. Nicht nur Käse gibt es, sondern es werden auch andere Milchprodukte wie Milch, Topfen, Joghurt und Bauernhof-Eis, aber auch Wein, Bier, Most, Öle, Marmelade und Gewürze angeboten. Wie es sich für eine richtige Schatztruhe gehört.

Stadtbahn_Vienna_Kettenbrueckengasse

Besonders reizvoll ist der Laden Zur Helene Ziniel, ein richtiger Bauernladen, der Appetit macht. Gleich am Eingang werden uns Wachteleier präsentiert, diverse Honigsorten und duftendes Brot. Eine Fundgrube, bei der man definitiv mit mehr im Sackerl zurückkehrt, als eigentlich auf der Einkaufsliste stand. Es gibt eine Kühltruhe mit diversen Fisch und Antipasti, daneben reihen sich über zehn verschiedenen Saftsorten, hausgemachte Nudeln und Kräuter. Es gibt aber auch Brände, Most, Wein und auf einem großen Tisch allerlei herrlich angerichtetes Feldgemüse. Genauso bunt gemischt ist das Alter der VerkäuferInnen, überhaupt besticht der Laden durch seine offene und freudige Atmosphäre, es wird viel gelacht und die Kunden auch gerne mal in Gespräche verwickelt. Auf der Homepage findet man eine Übersicht aller regionaler landwirtschaftlicher Produzenten und Partnern, sowie den Angaben, wann Produkte saisonbedingt zu erstehen sind: http://bauernladenhelene.at/produzenten/

Gehen wir die Kettenbrückengasse noch ein Stückchen höher, fällt unser Blick auf die Näherei Apfel. Die Kombination des Namens klingt im ersten Moment eigenartig und interessant , also direkt rein mit uns: Hier trifft in der Tat – wie der Name es vermuten lässt – Kleidung auf Frucht. Es gibt Kinder- und Erwachsenenbekleidung zu erstehen, aber aus einer großen Kühltruhe heraus auch Äpfel (Sorten je nach Saison) zu kaufen, Saft an der Theke zu verkosten, sowie Apfelchips und Marmelade in den Regalen. Hinter der Kasse kann man der Schneiderin Ursula Lidy mit ein bisschen Glück bei der Arbeit zu sehen. Sympathisch ist auch der Fakt, dass die beiden Besitzerinnen auf ihre Elternkundschaft eingegangen sind und es eine Krabbel- und Liegeecke für die Kleinen gibt. Hier haben sich zwei Frauen in ihren jeweiligen Berufen verwirklicht und diese zusammen geführt. Dass das Konzept so gut funktioniert, finden wir toll und beißen beim Herausgehen genussvoll in unseren frisch erstandenen Apfel.

Das Ende der Straße ist schon in Sicht, aber es warten immer noch spannende Läden darauf entdeckt zu werden und so zögern wir gar nicht und betreten direkt „Mein Design“ – Shop in Shop für JungdesignerInnen. Hier werden Jungdesigner unter einem Dach präsentiert und bekommen Fläche geboten, um ihre Produkte auszustellen und sich einen Kundenkreis aufzubauen. Die Idee ist so simpel wie genial, es gibt einen kreativen Mix und eine schöne Vielfalt an Kleidungsstücken. So ziehen in unterschiedlichen Abständen immer neue Designer in den Laden und der Kunde kann sich über stets neue Kreationen freuen.

Ganz zum Schluss, sozusagen als Belohnung für alle fleißigen LeserInnen, die mir auf dem Pflaster der Kettenbrückengasse gefolgt sind, möchte ich euch ein Geschäft ans Herz legen, welches wirklich klein aber OHO ist und mich sofort in den Bann zog. Wir betreten, bereits voll von Eindrücken, einen Laden namens Henzls Ernte. Zu unserer Rechten erstreckt sich ein großer, sehr präsenter Holztisch, drum herum auf den vielen Regalen lagern Gläser und Boxen gefüllt mit Kräutersalzen, Blütenzucker, Marmeladen, Chutneys, Sirups und anderer wunderbarer Sachen. Zu unserer Linken steht die dazu gehörige Küche, in welcher all diese Köstlichkeiten öffentlich zubereitet und gemischt werden. Am Tisch saß bei meinem Besuch eine ältere entzückende Damen (Gertrude persönlich?), die aus all den Kilos Weintrauben vor ihr einzeln die Kerne pulte. Ein rührendes Bild, wie viel Hingabe sie dafür aufwendete. Hier schmeckt man die Liebe in jedem der limitierten Gläser. Häufig sind es bei den Marmeladen gerade mal an die 20 von einem Geschmack, die produziert werden.

Jede frische Zutat ist handgesammelt und aus den umliegenden Obst -und Gemüsegärten von Freunden und Familie. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Pestos besonders grün und leuchtend aussehen und auch dementsprechend schmecken. Die Beratung ist umfassend und herzlich. Man wird dazu ermuntert, überall seine Nase reinzustecken und auch Ungewöhnliches zu kosten. Ein Laden bei dem man zu 100% merkt, dass regionale Nahrungsmittel und die Gärten vor der Haustür im Vordergrund stehen, genauso wie der Erfahrungsaustausch: Von Ende März bis zum Sommeranfang hinein werden geführte Wildgemüsetouren angeboten, das Gesammelte wird am Ende zusammen verarbeitet und genüsslich in der Gruppe verspeist. Zu einem Besuch im Laden ist auf jeden Fall jedem zu raten, der anderen oder sich selber eine geschmackliche Freude schenken möchte.

Henzls Ernste

Natürlich gibt es noch viele weitere schöne und spannende Läden auf der Kettenbrückengasse, hier trug ich nur meine ganz persönliche Highlightliste zusammen, von der ich hoffe, sie spricht euch an und ihr habt Lust auf den ein – oder anderen Laden bekommen.

Lust bekommen, neue Ecken unserer Lieblingsstadt zu entdecken? Hier geht’s zu Cafés und Lokalen, die auf euren Besuch warten. Für Tipps rund um Kultur und Hotspots, die man in Wien gesehen haben muss, seid ihr am Blog ebenfalls bestens aufgehoben. Viel Spaß!

Fotos:

(c) Lomography Store / facebook
(c) Chocolaterie Pâtisserie Furth / facebook
(c) Henzls Ernte /Luisa Lutter
(c) U-Bahn Station / By Wolfgang Glock, [Public domain], via Wikimedia Commons

 

 

 

 

 

 

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